Der Berg

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Heyne, 2013, Titel: 'The Abominable', Originalausgabe

Couch-Wertung:

88

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Eva Schuster
Eisiges Abenteuer auf dem Mount Everest

Buch-Rezension von Eva Schuster Mai 2014

1924: Der erfahrene englische Bergsteiger George Mallory und sein junger Begleiter Andrew Irvine machen sich auf, den Mount Everest zu besteigen - sie wollen die Ersten sein, die den Gipfel erklimmen. Doch nach einer letzten vagen Sichtung verschwinden sie spurlos.

Zur gleichen Zeit verbringen die drei Bergsteiger Richard David Deacon, ein alter Bekannter Mallorys, Jean-Claude Clairoux und Jacob "Jake" Williams Perry einen Kletterurlaub am Matterhorn und erfahren von der Vermisstenmeldung. Kurz darauf verschwindet auch der junge Percy Bromley auf dem Mount Everest. Seine Mutter, die adlige Lady Bromley, ist bereit, eine kostspielige Suchexpedition für seine Bergung zu finanzieren.

Deacon, der einst kurz vor dem Gipfel des Mount Everest umkehren musste, sieht nun seine Chance gekommen, endlich den Berg zu erklimmen. Zusammen mit Jean-Claude und Jake Perry besteigt er in Lady Bromleys Auftrag den Mount Everest. Offiziell geht es um die Bergung des verschollenen Percy, inoffiziell wird für die drei Bergsteiger der Traum von einer Mount Everest-Expedition war. Doch allmählich stellt sich heraus, dass noch etwas anderes auf dem Berg gesucht wird - etwas, das neben Kälte und Lawinen eine weitere Gefahr bedeutet ...

Historischer Kern trifft raffinierte Fiktion

Bereits in seinem monumentalen Schmöker Terror über die Franklinexpedition auf der Suche nach der Nordwestpassage bewies Dan Simmons, dass er nicht nur auf dem Horror- und Science-Fiction-, sondern auch auf dem Historiksektor gut aufgehoben ist. Erneut widmet er sich einer wahren Begebenheit, die die Menschen bis heute fasziniert. 1924 verschwanden George Mallory und Andrew Irvine beim Versuch, als erste Bergsteiger den Mount Everest zu bezwingen. Mallorys gut konservierte Leiche wurde 1999 gefunden, eine Sensation in der Welt des Alpinismus. Ob er oder sein Partner Irvine vor seinem Unfalltod tatsächlich den Gipfel erreichten, ist bis heute Gegenstand zahlreicher Spekulationen - Grund genug für Simmons, aus diesen Begebenheiten einen packenden Wälzer zu machen, der die Leser mit auf eine Reise auf den Mount Everest nimmt.

Überzeugende Charaktere

Neben der packenden Handlung und dem reizvollen Panorama überzeugt Dan Simmons vor allem durch die Gestaltung der drei Hauptcharaktere. Jake Perry wird im Vorwort als knapp neunzigjähriger Interviewpartner von Dan Simmons eingeführt. Er fungiert obendrein als Ich-Erzähler, der Roman basiert angeblich auf seinen Memoiren - auch wenn man davon ausgehen darf, dass Dan Simmons hier einfach eine gelungene Fiktion aufgebaut hat. Der Amerikaner Jake ist mit seinen 23 Jahren der jüngste der Teilnehmer und wird für den Leser rasch zur Identifikationsfigur. Offen schildert er seine Sehnsüchte und Ängste, demonstriert mal Sensibilität und nachdenkliche Reflexion und mal liebenswerte Naivität. Der Franzose Jean-Claude ist der Techniker des Teams. Obgleich kein ausgebildeter Ingenieur, sondern nur durch die Stahlfabrik seines Vaters geschult, beweist er großes Geschick, wenn es auf technisches Know-How ankommt. Zudem ist der trockene Jean-Claude immer für einen bissig-humorvollen Spruch gut, der die Handlung auflockert. Ebenfalls eine gelungene Figur ist der 37-jährige Richard Deacon, genannt "der Diakon". Wirkt er anfangs noch verschlossen und unnahbar, schließt der Leser nach und nach auch ihn ins Herz und durchschaut allmählich den weichen Kern hinter der rauen Fassade. Nach dem ersten Drittel treten zwei weitere interessante Figuren zu diesem Trio hinzu: da ist einmal die Plantagenbesitzerin Reggie, die Cousine des verschollenen Percy, die zu Deacons Unwillen auf Geheiß von Lady Bromley die Expedition begleitet. Erst vor Ort erfährt das Trio, dass es sich bei "Reggie" nicht um einen Reginald, sondern um eine "Regina" handelt. Die schöne junge Frau erweist sich allerdings schon bald als große Stütze, ebenso wie der ruhige Dr. Pasang, der die Expedition ergänzt. Dank Reggies Schönheit und Charme keimen bei Jake schon bald romantische Gefühle auf, die für einen weiteren kleinen Spannungsfaktor in der Handlung sorgen.

Detailverliebte Schilderungen

Geduld muss der Leser allerdings mitbringen, wobei dies für regelmäßige Dan-Simmons-Konsumenten nichts Neues sein dürfte. Rund 300 Seiten braucht es, bis die Expedition endlich zum Mount Everest aufbricht. Neben der Einführung der Charaktere dient dieser erste Teil vor allem den Vorplanungen zum Abenteuer mit Fragen zu Finanzierung, Ausrüstung und Vorbereitung. Simmons liefert seinen Lesern wahrlich eine Fülle an Information rund zum Thema Bergsteigen. Angenehmerweise versteht er es hervorragend, Laien ausgiebig Wissen zu vermitteln, ohne ins Dozieren zu verfallen. Mal geht es um adäquate Kleidungsstücke und die passenden Sauerstoffgeräte, mal um Klettertechniken, Karabinerhaken und Krankheiten, die ein solches Abenteuer mit sich bringt. Bei aller Ausführlichkeit wirken die Ausführungen nie trocken; selbst wer sich bisher nie zuvor mit Bergsteigen beschäftigt hat, kann den Reiz des Alpinismus mit einem Mal nachempfinden. Gewiss treffen diese ausgiebigen Beschreibungen aber nicht den Geschmack eines jeden Lesers. Der Klappentext suggeriert eine Thrillerhandlung, mit Dan Simmons verbindet man Grusel und Unheimliches - bis es dazu kommt, vergehen allerdings mehrere hundert Seiten. Der Löwenteil des Romans widmet sich dem Aufbau der Charaktere und dem Kreieren einer intensiven Atmosphäre, die die Faszination des Alpinismus auf den Leser überträgt.

Schlussteil mit Licht und Schatten

In der zweiten Hälfte belohnt Simmons das Durchhaltevermögen der Leser mit einer zwar nicht minder ausführlichen, doch stets packenden Schilderung der Bergbesteigung. Krankheiten, technische Probleme und unvorhergesehene Zwischenfälle intensivieren die Spannung, die ohnehin immer größer wird, je näher die Expedition dem Gipfel kommt. Kälte, Schmerzen, Angst und Verzweiflung hüllen die Charaktere immer wieder ein.

Es ist ausgerechnet der Schlussteil, in den sich die einzigen Schwächen des Werkes einschleichen. Das Originaltitel The Abominable (dt. etwa: Das Abscheuliche) weckt diverse Erwartungen, was der Berg wohl Abscheuliches enthüllen wird. Die Auflösung schließlich ist wahrlich nicht vorhersehbar, aber auch nicht wirklich überzeugend. Simmons integriert hier einen interessanten und durchaus gewagten Aspekt mit historischem Bezug, der allerdings doch recht abstrusen Charakter annimmt. Den positiven Gesamteindruck mag dies nicht schmälern; indes hätte eine andere Auflösung aus dem Roman ein Meisterwerk machen können.

Insgesamt legt Dan Simmons mit Der Berg ein faszinierende, akribisch recherchiertes Bergsteigerepos vor, das nicht nur Alpinisten begeistern wird. Vielschichtigere Charaktere und dichte Atmosphäre zeichnen das Werk überdies aus; leider vermag der Schluss die hohen Erwartungen, die sich über den Verlauf aufgebaut haben, nicht ganz zu erfüllen.

Der Berg

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Letzte Kommentare:
10.03.2016 16:30:09
Marion

Im November 2015 kaufte ich das Buch und legte es aufgrund der Langatmigkeit der ersten 200 Seiten immer wieder zur Seite. Nun gab ich dem Buch eine weitere Chance, habs fast in einem Zug durchgelesen und kann es wirklich weiterempfehlen. Simmons Geschichte animierte mich auch selbst zu Recherchen im Internet, da ich dazwischen natürlich wissen wollte, was wirklich passierte mit den beiden Bergsteigern und welche Charaktere definitiv erfunden waren. Dann brauchte ich natürlich auch noch Bildmaterial zu den Routen etc etc etc.
Fazit: kaufen, durchhalten, lesen und genießen!

23.01.2016 18:09:57
M. Lehmann-Pape

Vielleicht hat der Verlag der Kraft der Erzählung nicht in Gänze vertraut, anders zumindest ist der marktschreierische, nicht zum Buch passende Klappentext nicht zu verstehen.

„Doch in den dunklen Schluchten und Höhlen des Mount Everest verbergen sich Dinge, die unentdeckt bleiben sollten, je höher…… desto lauter wird das dumpfe Heulen, das aus dem dichten Schnee kommt“.

Weder spielt ein „dumpfes Heulen aus dem Schnee“ überhaupt eine Rolle im Buch, noch blicken die Bergsteiger in Höhlen. Und vor allem, jene Geschöpfe, die da dumpf heulen könnten (ja, ja, der „Yetti“ kommt irgendwie schon am Rande vor) nehmen nur an einer Stelle weit, weit zum Ende hin (und das eigentlich überflüssig), Einfluss auf den Gang der Dinge.

Also am besten den in „Stephen King Richtung“ führenden Klappentext einfach ignorieren und im Verlauf der Lektüre mehr und mehr genießen, wie intensiv und sachkundig Dan Simmons sich in seine Geschichte „auf DEM Berg“ hineinschreibt.

Mit überzeugenden Charakteren („Der Diakon“ Richard Deacon, der geniale Tüftler Jean-Claude, die wunderschöne Plantagebesitzerin Reggie, deren Vertrauter, Arzt und ruhiger Pol, Dr. Pasang und Jake Perry, Amerikaner, Freikletterer und Felsexperte.

Männer, die sich Mitte der zwanziger Jahre auf eine Mission machen.
Die letzte Everest Expedition ist gescheitert. Mallory und Irvine am Berg verschollen. In Europa treten neue Figuren auf den Plan der Weltgeschichte, Churchill ist Schatzmeister, Hitler sitzt gerade in Landau, ist aber schon „auf dem Sprung“.

Auch Percy, der Cousin Reggies, ist auf dem Everest verschollen. Augenzeugen wollen gesehen haben, wie er mit einem Begleiter vom Nordsattel stürzte.

So rüstet Percys Mutter Richard Deacon und seine beiden Freunde mit Geld aus, um eine Suchaktion zu finanzieren. Mit glänzenden Augen werfen sich alle drei in den Traum jedes Bergsteigers der damaligen Zeit. Doch nicht alle Beteiligten wissen, dass noch etwas ganz anderes, bedeutsameres gesucht werden soll, als nur die Leiche Percys und seines Kameraden.

Und ebenso wissen nur wenige der Beteiligten, dass auch andere diesen Gegenstand auf Leben und Tod in ihrer Hand halten wollen.

Breit, langsam, bildkräftig und mit einem faszinierenden Blick für die Atmosphäre der Zeit bis in die kleinsten Kleinigkeiten des Materials hinein (5, 6 verschiedene Eispickel und Formen beschreibt Simmons, Karabinerhaken, „Jümen“, Seilqualitäten bis hin zu den üblichen Gamaschen und den „neuen“ Daunenjacken“) führt Simmons den Leser Schritt für Schritt, von den Vorbereitungen über den Anmarsch bis zum Basislager, vom Einstieg über die Nordwand über den Nordostgrat zur ersten, zweiten und dann dritten Stufe. Von Erfrierungen über Höhenkrankheit, von genagelten Schuhen über von Jean-Claude entwickelte Steigeisen hin zu modernen Sauerstoffgeräten mit „Englischer Luft“.

Und das alles, ohne den sprachlichen Fluss zu unterbrechen, ohne den Leser (und sich selbst) im Dickicht der Details zu verlieren.

So wird der Leser Seite für Seite hineingezogen in diese akribische und emotional überaus dichte Expedition, lernt den „Alpinstil“ kennen ebenso, wie die übliche „Belagerung des Berges“ und bekommt ein fast dreidimensionales, plastisches Bild des Mount Everest in seinen Herausforderungen, in seinem „Klima“, intensiv vor Augen geführt.

Hierzu gesellt sich das durchaus mit Spannung durch lange nur hintergründige, dann aber auch direkte menschliche Gefahrenmomente Geschehen der zweiten Erzähllinie des Buches, der Jagd auf das, was Percy mit sich auf den Berg genommen hat.

Wozu das dann später dient, das ist ein wenig zu lapidar, da hätte der entsprechende Politiker weitaus mehr als Gegenleistung heraus holen können.

Was aber nur eine Randbemerkung bleibt, denn die Mitte des Buches ist die minutiöse Schilderung des Ganges auf den Berg, der Geschichte der Bergsteiger, die auch die Geschichte Mallorys und Irvines mit aufgreift und mit großer Ruhe und mitreißender Atmosphäre und Dichte von Simmons erzählt wird.

Gerade weil er „seine Gruppe“ und damit auch den Leser so langsam und breit vorbereitet, Schritt für Schritt von der Ausrüstung bis zur Reise zum Berg sich Zeit lässt, gerade deswegen ist der Leser von allen Seiten nachher mit „im Berg“ und weiß, was die Begriffe und Knoten und Schrauben und Steigeisen bedeuten und wie sie aussehen.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

10.08.2015 23:08:24
georg db

ich fand auch, dass es etwas lange dauert bis es am mt everest losgeht. die begründung warum lord bromley vor den bösen deutschen immer höher suf den mt. everest flüchtet ist für nicht nachvollziehbar, auch dass zum schluss über 8000m offenbar das einzige problem fie deutschen verfolger sind - man hat den eindruck, dass die besteigung sonst für alle kein grösseres problem wäre - kommt mit etwas unrealistisch vor. habs ausgelesen, war aber mehrmals knapp am aufhören