Die Schule der Liebenden

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Limes, 2014, Titel: 'Vienna Nocturne', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Mozarts Affäre mit einer Sängerin

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mai 2014

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beginnt die Engländerin Anna Storace, später Nancy genannt, ihre Karriere. Sie spielt Klavier und Harfe und hat eine wunderschöne Sopranstimme. Ihr älterer Bruder Stephen ist Komponist. Anna bekommt Gesangsunterricht von einem bekannten Kastraten und debütiert bald und wird von wichtigen Männern gehört, die die Opernhäuser in Italien führen. Über eine Zwischenstation in Venedig landet sie kurze Zeit später an der Scala in Mailand, wo sie die Herzen im Sturm erobert und nicht nur singen, sondern auch schauspielern kann.

1783 wird sie mit weiteren Sängern an die neue Oper in Wien berufen, wo Kaiser Joseph II. einer ihrer Förderer wird. Sie verliebt sich in den Sänger Francesco Benucci, mit dem sie eine Affäre beginnt, der aber im Gegensatz zu ihr nichts Ernstes im Sinn hat. Sie heiratet den zwanzig Jahre älteren John Fisher, weiß aber bereits, dass sie von Benucci ein Kind erwartet, das während ihrem letzten Stelldichein entstanden ist, bevor Benucci abreiste. Fisher jedoch misshandelt sie, und nachdem der Kaiser davon Wind bekommen hat, verweist er Fisher des Landes, da er seine beste Sängerin schützen muss.

Doch über allem steht Annas Begegnung mit dem Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Beide sind sich von Beginn an vertraut und kommen sich näher, obwohl Mozart verheiratet ist und seine Schwägerin Aloysia Lange auch in Wien an der Oper singt, man sich also des öfteren sieht. Zwischen beiden entbrennt eine Leidenschaft, die beide zu verheimlichen suchen und die nicht sein darf. Als Anna nach der Geburt ihres Kindes ihre Stimme verliert ist es Mozart, der sie wieder zurück ins Leben holt. Doch kann die Affäre auf Dauer gut gehen?

Porträt einer wenig Bekannten

Die ausgebildete Opernsängerin Vivien Shotwell ist die Tochter zweier Buchhändler und somit war der Weg in die Literatur nicht weit. Als Sujet hat sie sich die Sängerin Anna Storace ausgesucht, die tatsächlich Sängerin zu Mozarts Zeiten war, ob sie jedoch tatsächlich eine Affäre mit Mozart hatte, ist nicht belegt, bei Mozarts bekanntem Lebenswandel aber nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Anna Storace ist ein Wunderkind, das eine schöne und betörende Stimme hat und damit all ihre Gönner bezirzt. Jeder, der sie hört, liegt ihr zu Füssen, und immer mehr Komponisten schreiben ihr direkt Stücke auf ihre Stimme. Ihr beruflicher Aufstieg ist unaufhaltsam, und so findet sie den Weg über Neapel und Venedig an die Mailänder Scala, wo sie neben damals berühmten Sängern auf der Bühne steht und zunächst in kleineren Rollen Erfahrung sammelt.

Berufliches Glück privates Unglück

Mit dem beruflichen Erfolg lässt auch bald die Liebe nicht mehr auf sich warten, und heimlich verliebt sie sich in den Sänger Benucci, mit dem versteckt Zärtlichkeiten austauscht, obwohl sie erst sechzehn Jahre alt ist und für eine Heirat zu jung, wenngleich sie nicht mehr zu lange damit warten sollte. Zudem hat sie ein neues Kammermädchen, Lidia, die ihr mehr eine Freundin ist und mit der sie alle ihre Sorgen und Fröhlichkeiten teilt.

Vivien Shotwell schildert Anna zunächst als kleines Mädchen mit Ambitionen, verfällt aber gerade zu Beginn des Romans in einen leicht protokollartigen Stil, bei dem bedeutende Ereignisse durch einen Nebensatz abgehandelt werden oder mit nur einem Absatz fast übergangen werden. Das ist schade, denn im weiteren Verlauf des Buches zeigt sie durchaus erzählerische Qualitäten.

Mozart

Vor allem in den Szenen mit Mozart und dort, wo mehr die romantische Ader gefragt ist, weiß ihre Erzählung zu gefallen. Auch die Momente, in denen Kaiser Joseph II. persönlich auftaucht und mit Anna spricht und dabei seine Schokoladenbonbons isst, sind originell und gelungen.

Insgesamt bietet Die Schule der Liebenden, oder Vienna Nocturne, wie der Roman im Original passenderweise heisst, gerade für Musikliebhaber gute Unterhaltung, mit einer guten Schuss Romantik, wie man auch schon am Titel erkennen kann. Das Buchcover ist als Scherenschnitt gestaltet und vom Verlag im Hardcover mit rauem Papier umlegt, was es auch von der Masse an Hardcovern abhebt. Die Autorin beschäftigt sich nicht so sehr mit der Zeit und dem Geschehen und Verhalten der Zeit, sondern verbindet dies mehr mit den Spielarten ihrer Darsteller. Man lernt einiges über das Theaterleben und über die Eigenarten von Sängern, und das hat sich bis heute nicht unbedingt geändert.

Über allem schwebt neben Anna natürlich Mozart, der wohl in jeglicher Literatur nie komplett zu fassen sein wird. Er liebt seine Frau Constanze, ist aber auch kleineren Abenteuern nicht abgeneigt. Er ist glücklicher Vater eines Sohnes und lebt für seine Musik. Er kann sich in den Künstler hineinfühlen, für den er schreibt und schafft womit etwas ganz einmaliges, was ihn auch letztlich für Anna einnimmt. Eine Liebe, die von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, aber die gut ist, solange sie währt. Doch beider Leben geht anders weiter, und so schaffen sie es, sich hoch erhobenen Hauptes voneinander zu trennen.

Bunte Charaktere

Vivien Shotwell beobachtet sehr einfühlsam die Beziehung der beiden, von der man nicht weiß, ob es sie tatsächlich gegeben hat. Weitere nennenswerte Charaktere sind Annas Bruder Stephen, der für den Kaiser eine Oper schreiben darf, die Sängertruppe in Wien um Anna und einige kleinere Nebenfiguren. Jede bekommt die ihr zustehende Aufmerksamkeit, nicht zu viel und nicht zu wenig. Hier dosiert die Autorin genau richtig.

Zwei Seiten über den historischen Hintergrund und eine ebenso lange Danksagung ergänzen einen gelungen Roman, der zu Beginn einige Erzählschwächen hat, aber mehr und mehr seinen Weg findet und dem Komponisten Mozart insofern gerecht, als er nicht als kleines komponierendes, unflätiges Monster mit einigen Macken geschildert wird, wie man es oft in Romanen nachlesen kann. Die Autorin beschränkt sich auf die Beschreibungen, die sie recherchiert hat und macht ihn nicht zu jemandem, der vielleicht dem Geschmack einer breiteren Masse entspricht. Das macht den Roman realer und berührender als jede Übertreibung. Ein Hoch auf die Musik!

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