Feuer und Glas - Die Verschwörung

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2014
  • Heyne, 2014, Titel: 'Feuer und Glas - Die Verschwörung', Originalausgabe
Feuer und Glas - Die Verschwörung
Feuer und Glas - Die Verschwörung
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Eva Schuster
70

Histo-Couch Rezension vonMai 2014

Eine magische Liebe setzt sich in Konstantinopel fort

Konstantinopel im Jahr 1509: Die sechzehnjährige Venezianerin Milla, die über die Kräfte des Feuers gebietet und der Wasserjunge Luca hoffen, am Bosporus Millas seit fünf Jahren verschollenen Vater Leandro zu finden, den sie hier in Gefangenschaft vermuten. Schnell merkt Milla, dass die fremde Stadt einige Gefahren für sie birgt - ihr leuchtend rotes Haar fällt auf, sie versteht die Sprache nicht und im Sultanspalast stehen mögliche Umbrüche bevor.

Dennoch gelingt es Milla endlich, ihren geliebten Vater zu finden. Doch zum Entsetzen von Milla und ihrer Mutter Savinia hat sich der berühmte Glasbläser sehr verändert. Leandro hat sein Gedächtnis verloren und erinnert sich weder an sein früheres Leben in Venedig noch an seine Familie. Milla und Savinia sind für ihn Fremde.

Die verzweifelte Milla will alles versuchen, um ihren Vater zurück nach Hause zu bringen und ihm seine Erinnerung zurückzuholen. Doch er ist ein Gefangener des Sultans und soll diesem ein besonderes Stück Glas herstellen - die gläserne Gondel der Wahrheit, die jeden Feind besiegen kann ...

Dramatische Fortsetzung in Konstantinopel

Im ersten Band Der Pakt haben sie sich kennen gelernt, das Feuermädchen Milla und Luca, der von den Wasserleuten abstammt. Lange Zeit war Milla unsicher, ob sie Luca, der von einem geheimnisvollen blauen Licht umgeben ist, trauen darf - doch mittlerweile ist aus den beiden ein Liebespaar geworden. Gemeinsam setzen sie alles daran, um Millas Vater zu befreien. Dabei besitzt diese Verbindung durchaus noch eine tiefere Bedeutung: Eine alte Prophezeiung besagt, dass das Ende der Welt bevorsteht, wenn Wasser und Feuer dauerhaft im Unfrieden sind.

Wie schon im ersten Band vermischt Brigitte Riebe sehr subtil historische Hintergründe mit phantastischen Elementen. Statt des romantischen Venedig ist nun Konstantinopel der Schauplatz des Geschehens; generell ebenfalls eine reizvolle Stadt, doch die Eindrücke dazu bleiben eher blass. Sicher gibt es ein paar typische Marktszenen, Beschreibungen der unzähligen Gassen und der vielfältigen Aromen, die Milla einatmet, ein wirkliches detailliertes Bild ergibt sich daraus indessen nicht. Das erste Viertel konzentriert sich auf die Suche nach Millas Vater Leandro und endet mit der erschreckenden Feststellung, dass er sein Gedächtnis verloren hat. Der Weiße wird der einstige Feuerkopf nun genannt, da seine Haare ihre Farbe verloren haben. Dem Leser ist Leandro schnell sympathisch und man fühlt durchaus mit Milla, die nur schwer begreifen kann, was mit ihrem Vater geschehen ist. Ein wichtiger Punkt der Handlung ist somit die Frage, wann und wie Leandro sein Gedächtnis zurück erhält und ob es dauerhaft glückt, ihn aus dem Sultanspalast zu befreien. Nach seiner Flucht rückt die alte Prophezeiung zunehmend in den Vordergrund. Mehrfach bebt die Erde, offenbar ein ernstzunehmendes Warnzeichen, dass die Apokalypse einzutreffen droht.

Zudem fürchtet Luca den Sohn des Sultans, den er für abgrundtief böse hält - und der schon bald seinem Vater nachfolgen könnte. Und dann ist da noch der alte Admiral, der Erzfeind des jungen Paares, der ihren Freund Marco Bellini in seiner Gewalt hat - an Handlungssträngen und markanten Spannungspunkten mangelt es der Geschichte folglich nicht. Teilweise erscheinen diese Entwicklungen gar ein wenig überladen, als habe man sich davor gescheut, der Handlung hin und wieder kleine Ruhephasen zu gönnen. Somit ist zwar für Action gesorgt, die atmosphärischen Schilderungen kommen dabei allerdings etwas zu kurz. Episodenhaft reihen sich diverse kleine Abenteuer der Freunde aneinander.

Kleine Schwächen bei den Charakteren

Hauptfigur ist die sechzehnjährige Milla, die wie schon im ersten Band vor allem durch ihr impulsives Handeln und ihre große Emotionalität auffällt. Dadurch kommt es regelmäßig zu Konflikten mit ihrer Mutter Savinia und auch mit ihrem Freund Luca, ganz zu schweigen vom angespannten Verhältnis zu Alisar. Eine Entwicklung zum Vorgängerroman ist bei Milla nicht wirklich auszumachen; ihre Dickköpfigkeit passt natürlich zu ihrem Element Feuer, wirkt aber manchmal etwas zu trotzig. Auffallend ist lediglich, dass Milla hier neue Fähigkeiten entwickelt: Sie erkennt mit einem Mal ihre Kraft, Verletzungen zu heilen und lernt durch Luca, ihre Macht über das Feuer zielbringend einzusetzen. Dazu kommt, dass sie vermehrt in Gedankenaustausch mit anderen Personen tritt. Zwar liest es sich recht eindrucksvoll, wie Luca und Milla im Duett über ihre Elemente Wasser und Feuer gebieten, aber  Millas neu entdeckte Fähigkeiten wirken doch auch etwas konstruiert, da sie so mehrmals Gefahrensituationen entschärfen kann.

Nicht ganz ausgeschöpft wird das Potential, dass die Beziehung von Marco Bellini zu Milla und Luca besitzt. Während seiner Gefangenschaft wird Marco durch den Admiral dahingehend beeinflusst, dass seine Freunde ihn verlassen haben. Beim Wiedersehen aber ist nur Luca misstrauisch, ob sich Marco nicht doch wieder - wie ursprünglich - auf die Gegenseite gestellt hat; Marco indessen vertraut trotz seiner schlimmen Erfahrungen den Freunden. Dabei hätte es durchaus seinen Reiz gehabt, diesen Stachel des Zweifels, den der Admiral Marco setzte, noch etwas auszubauen und nachhaltiger zu gestalten. Positiv fällt dagegen die stetige Einflechtung des Katers Puntino auf, der schon im ersten Band zu verzaubern wusste und hier immer wieder für amüsante Momente sorgt, aber zugleich auch hilfreich eingreift.

Zu seiner wirklichen Stärke findet der Roman erst gegen Ende, wenn alle Fäden zusammenlaufen, sich die Ereignisse überstürzen und bewegende Szenen den Leser anrühren. Wer Gefallen am ersten Band gefunden hat, der sollte sich die Fortsetzung nicht entgehen lassen, da viele Fragen geklärt werden - hinter dem Vorgänger steht Die Verschwörung allerdings ein wenig zurück. Hervorzuheben ist die detailreiche Ausstattung des Buches: Ein Glossar klärt Fachbegriffe, die vor allem jugendlichen Lesern vielleicht unbekannt sind (auch wenn beispielsweise Aas sicher kein fremdes Wort sein dürfte), das historische Nachwort nimmt Stellung zu den zeitgeschichtlichen Hintergründen und eine Zeittafel schenkt eine Übersicht zu den wichtigsten Ereignissen in Konstantinopel und Venedig in den Jahren 1500 bis1512.

Unterm Strich ist der abschließende Band vor allem empfehlenswert für junge Leser, die historische Lektüre gerne mit phantastischen Elementen verbinden; dennoch gehört der Roman aufgrund kleiner Schwächen nicht zu den besten Werken der Autorin. 

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