Als wir unsterblich waren

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2014, Titel: 'Als wir unsterblich waren', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Wie – wenn nicht so – macht man Geschichte lebbar

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mai 2014

Nein, leichte Kost ist es wahrlich nicht, die die Autorin Charlotte Roth in ihrem Roman Als wir unsterblich waren präsentiert. Die Autorin erzählt Geschichte – und sie tut es verflixt gut. Intensiv, berührend, bewegend: Das Schicksal der jungen Paula, die sich zwei Kriegen stellen muss, lässt kaum jemanden kalt. Paula, die davon träumt, studieren zu können und ihrem Vorbild Rosa Luxemburg nacheifern möchte. Paula, die erlebt, wie die Klassenkämpfe verbitterter werden, wie aus Protestbewegungen Gewalt erwächst und wie die Arbeiterklasse an der Ungerechtigkeit der Gesellschaft zerbricht. Die junge Frau muss 1912 ihre Träume zurückstellen, als der Vater plötzlich seine Arbeit verliert und für das Studium nicht aufkommen kann. Als Hilfskraft bei einer Zeitung erlebt Paula, wie sich die Nachricht vom Mord am österreichischen Thronfolger in Sarajevo verbreitet. Ein Ereignis, das zum Auftakt des Ersten Weltkriegs werden soll. Für Paula wird dieser Moment zur Zerreißprobe. Sie hat sich unsterblich in den Klassenkämpfer und Sozialisten Clemens verliebt, einen Mann, der aus wohlhabendem Haus stammt, für seine Gesinnung aber der Familie den Rücken kehrte. Mit ein Grund dafür, dass Paula in die Partei eintritt und für die Rechte der Arbeiter kämpft – aber vor allem auch gegen den vom Kaiser gewünschten Krieg. Nur schwer kann sie sich mit der Entwicklung abfinden, doch zeigt sie eisernen Willen, die Zeit zu überstehen. Doch als das Schlimmste überwunden scheint, wartet eine noch dramatischere Entwicklung auf die Menschen.

1989: Die junge Alexandra erlebt die verrückteste Nacht ihres Lebens. Die Mauer, die Deutschland getrennt hat, fällt. Im Taumel des Unglaublichen fällt Alexandra dem Studenten Oliver in die Arme und erkennt in ihm ihre große Liebe. Als sie ihn nach Hause zu ihrer Oma genannt Momi bringt, die sie aufgezogen hat, regt sich diese so über den Gast aus dem Westen auf, dass sie einen Infarkt erleidet. Alex ist ratlos, denn sie hat gesehen, dass ihre sonst so standhafte Momi in Oliver jemanden wiedererkannt hat, den sie abgrundtief hasst. Nach und nach lichtet sich der Nebel über Momis Vergangenheit. Und Alex lernt ihre Momi von einer ganz neuen Seite kennen.

Dreimal Geschichte pur

Mit der Ansiedelung der beiden Erzählstränge im Vorfeld des Ersten Weltkriegs und zur Zeit der Maueröffnung schafft Charlotte Roth die perfekte Ausgangslage, den Lesern auf eine höchst lebendige Art drei Entwicklungen näher zu bringen, die die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts prägten. Präzise und schnörkellos zeigt die Autorin auf, wie sich die Ereignisse zuspitzten und es in Deutschland nach dem verheerenden Ersten Weltkrieg schließlich zur Machtübernahme durch Nationalsozialisten kommen konnte. Obwohl jenen, die sich mit den Weltkriegen bereits beschäftigten, vieles vertraut sein dürfte, kommt niemals der Eindruck auf, hier schulmeisterlich belehrt zu werden. Die handelnden Figuren lassen das Bekannte neu erleben, nicht weniger eindrücklich, als wäre es zum ersten Mal, da man mit dem Thema konfrontiert wird.

Facettenreiche Protagonisten

Charlotte Roth ist eine begnadete Erzählerin. Sie tut dies nicht nur anhand ausgezeichnet facettierter Figuren, sondern auch mit einer ausgereiften Sprache, die man sich da und dort auf der Zunge zergehen lassen kann. Wunderschöne Satzstellungen und hin und wieder ein paar Worte, die als reine Poesie stehen könnten, machen den Roman zu einem hochkarätigen Leseerlebnis. Dass mit Paula eine starke Frauenfigur den Roman trägt, hat nichts mit dem Trend zu tun, historische Romane mit Heldinnen zu bevölkern. Vielmehr steht Paula für die Kriegsfrauen, die in der Heimat über sich hinaus wachsen mussten, während ihre Männer an der Front einem oftmals tödlichen Schicksal entgegen sahen. Es ist keinerlei Verklärung oder Verherrlichung auszumachen – Paula ist zwar eine starke Frau, doch keineswegs eine fehlerlose Schönheit, die alles mit Links zu bewältigen weiß. Die Figurenzeichnung lässt in keinerlei Hinsicht Schwächen erkennen – weder bei den Hauptfiguren noch bei den Nebenfiguren. Charlotte Roth beweist viel Sensibilität für die Schwächen und Stärken der Menschen und setzt diese gekonnt ein.

Dass der Verlag dem Roman ein höchst ansprechendes Cover gönnt, macht die Erstauflage trotz Taschenbuch hochwertig. Die beiden Bilder von Berlin aus den Jahren 1915 und 1989, die auf den Innenklappen zu finden sind, stellen ebenso einen Mehrwert dar, wie das gut bestückte Glossar.

Als wir unsterblich waren ist einer jener Romane, die es fertig bringen, Menschen die jüngere Geschichte Europas zu erklären. Ganz ohne Pathos und Schuldzuweisung – einfach als ein Stück jener Entwicklung, die das Europa von heute hervorgebracht hat. Ein gelungener Roman aus talentierter Feder!

Als wir unsterblich waren

Als wir unsterblich waren

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Letzte Kommentare:
24.11.2017 18:53:35
Manfred Slawny

Also ich war absolut positiv überrascht über diese interessant erzählte Geschichte mit vielen Hintergründen der Weimarer Republik und die neben den spannenden Romanfiguren auch sehr schlüssig das Scheitern dieser Epoche schildert. Die Hauptfiguren sind sehr gut beschrieben und gewinnen und wachsen einen zu Herzen. Am Ende ist man traurig wenn das Buch zu Ende ist, aber ich freue mich schon auf die anderen Romane von Roth.

01.01.2016 19:29:52
Gudrun Reinhart

Ich habe das Buch als Mängelexemplar zufällig entdeckt,obwohl ich es vorher schon oftmals in der Buchhandlung liegen sah, es mir jedoch, warum auch immer, nicht gönnen konnte, obwohl mich Geschichte von klein auf interessiert. Ich muss sagen, es hat mich nicht mehr losgelassen . Es passt auch für mich, Mängelexemplar, überdenke ich den Inhalt des Buches. Trotz aller Mängel und wahrhaft schweren Zeiten haben wir es geschafft, eine starke Demokratie aufzubauen und zu erhalten. Auch in Zukunft. Das Buch bekommt einen Ehrenplatz, es ist eine Kostbarkeit, die es zu schätzen gilt. Trotz "Mängelexemplar "

07.01.2015 18:09:25
Jana68

"Als wir unsterblich waren" von Charlotte Roth ist ein großartiger und eindringlicher Roman, der bei mir Spuren hinterlassen hat.

Im Mittelpunkt steht deutsche Geschichte des vergangenen Jahrhunderts - die Zeit der Wende 1989 und die Jahre 1912 bis 1933.
Die Hauptakteurin ist Paula, sie schlägt die Brücke zwischen "ihren" goldenen Zwanzigern und der Wendezeit am Ende ihres Lebens und am Ende eines dramatischen Jahrhunderts. Dieser Brückenschlag gelingt auch durch "zwischen den Zeiten" perfekt platzierte sprachliche Mittel. Die unverschnörkelte und klare Erzählweise der Autorin ist ohnehin ein Genuss. So mancher Satz hat mich so beeindruckt, dass ich ihn mir aufgeschrieben habe, weil mich die Aussage darin begeistert hat.

Paula ist das Bindeglied in den Irrungen und Wirrungen des 1. Weltkrieges und der Zeit danach: Ihr Geliebter Clemens, ein begnadeter Rhetoriker und junger Sozialdemokrat gutbürgerlicher Herkunft und ihr Bruder Manfred, der durchaus radikale Tendenzen entwickelt und über verschiedene Etappen in der KPD seine politische Heimat findet, waren einst die besten Freunde. Ihrer beider Entfremdung steht symbolisch für die politische Zerrissenheit der linken Kräfte jener Zeit. Beide haben die gleichen Ideale, aber ihre Wege dorthin sind so grundverschieden, dass ein Miteinander unmöglich wird - mit dem Ergebnis, dass andere, sehr gefährliche Kräfte viel zu stark werden und am Ende nicht mehr aufgehalten werden können.
Paula läßt nichts unversucht, doch es gelingt ihr nicht, die beiden Freunde wieder zusammen zu bringen.

Sie ist eine sehr engagierte junge Frau, der aus finanziellen Nöten heraus ein Studium verwehrt bleibt. Sie tritt sehr früh und wohl aus Liebe zu ihrem Clemens der SPD bei, begeistert sich aber schnell für das Ideal von einer besseren und sozial gerechteren Welt. Daran hält sie geradlinig fest, sogar beinah mehr als Clemens. Rosa Luxemburg ist ihr Vorbild und Paula findet ihre Bestimmung darin, für die Rechte von Frauen zu kämpfen. In den von ihr gegründeten Frauenhäusern finden viele Frauen in Not Zuflucht und es entwickeln sich tiefe Freundschaften, von denen man hätte annehmen können, dass sie bis ans Ende des Lebens Bestand haben würden...

Ihre bedingungslose Liebe zu Clemens läßt Paula ihm nicht von der Seite weichen obwohl sie nicht immer seiner Meinung ist und seine Mittel und Wege nicht grundsätzlich gutheißt. Doch die politischen und persönlichen Entwicklungen lassen nicht zu, dass ihre Liebe, ihre Hoffnungen und Träume Erfüllung finden. 1933, als die erstarkten Nazis auch für Paula und ihre Frauenhäuser zur massiven Bedrohung werden, haben Clemens und Paula sich längst auseinander gelebt. Schließlich geht sie mit ihrem jüdischen Jugendfreund Harry nach England ins Exil.

Was sich zwischen 1933 und 1989 ereignet, kann man als Leser in den Grundzügen ganz individuell schlussfolgern und erahnen. Das für mich wirklich Tragische ist, dass die hoffnungsvolle, starke, aufrechte und großherzige Paula, die stets soviel von sich für andere gegeben hat, letztlich zerbrochen ist an ihrer unerfüllten Liebe und auch daran, dass die politischen Anti-Kriegs-Kräfte uneinig gescheitert sind. Damit stellt sich für sie der Sinn des Lebens in Frage.
Sie hat sich von der Welt enttäuscht zurückgezogen, ihr "altes" Leben tief in ihrem Herzen vergraben und nie mehr ein Wort darüber verloren. Ihre zweite Lebenshälft verbringt sie einsam und wohl auch verbittert. Für ihre eigene Tochter konnte sie nie Mutter sein und es gelingt erst ihrer Enkelin Alexandra, die Türen zur Geschichte ihrer Großmutter und damit zu ihrer eigenen Geschichte aufzustoßen. Es sind Alexandra und ihr Freund Oliver, die Paula kurz vor ihrem Tod helfen, Antworten zu finden. Und es ist die Wende an sich, die das erst ermöglicht hat.

Dieser Roman hat mir die Generation meiner Großeltern auf ganz andere Weise noch einmal nah gebracht. Welche Gefahren lauern heute um uns herum und wieviel Zerstörungspotential liegt darin? Wie gehen wir damit um?
Natürlich leben wir heute in einer anderen Zeit, aber ist die Welt von heute grundsätzlich eine andere? Ich denke nein. Und deshalb verstehe ich das Buch auch als Mahnung an unsere Generation, respektvoll und klug mit unserem Erbe umzugehen, es zu erhalten für die, die nach uns kommen.
Danke Charlotte Roth für dieses außergewöhnliche Buch, das aufrüttelt und fesselt.

24.06.2014 08:52:45
allegra

Mir hat dieser Roman, der einen Bogen spannt vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zur Wiedervereinigung, sehr gut gefallen. In diesem Buch habe ich sehr viele Informationen, die ich bis jetzt nur als Einzelsätze in Geschichtsbüchern kannte, auf anschauliche und klare Weise gefunden. Die Arbeiterbewegung, die Entwicklungen innerhalb der SPD, die zur Abspaltung des Spartakusbundes geführt hat, aber auch das Leben unter großer Knappheit hat die Autorin sehr anschaulich und miterlebbar dargestellt. Auch im Zusammenhang mit dem zunehmenden Erfolg der NSDAP ist mir manches erst jetzt so richtig bewusst geworden.

Die Figuren sind sehr interessant angelegt. Sie machen es einem nicht immer leicht, ihre Handlungen und ihre Beweggründe gut zu heißen. Aber man kann dennoch sehr gut mit ihnen mitfühlen, weil sie so widersprüchlich sind, wie richtige Menschen. Die Liebe zwischen Paula und Clemens ist das rote Band, das sich durch das Buch zieht. Es ist auf jeden Fall eine Liebesgeschichte, aber da auch noch viele andere Personen eine wichtige Rolle spielen, ist es für mich eher ein Buch über Freundschaften, die sich über ausgesprochen schwierige Lebensphasen erhalten haben. Auch wenn die Protagonisten Zeiten voller großer Unsicherheit, Angst und Entbehrungen durchleben müssen, gibt es immer wieder versöhnliche Situationen, in denen man sie fast beneidet und die es im tatsächlichen Leben wahrscheinlich überhaupt ermöglicht haben, solche Zeiten einigermaßen gesund an Leib und Seele zu überstehen.

Ich habe dieses Buch innerhalb weniger Tage gelesen und wirklich sehr genossen, obwohl ich nicht der Freund von großen Liebesgeschichten bin. Man darf sich bei diesem Buch nicht davon abschrecken lassen, dass es auf den ersten Blick eher als romantischer Frauenroman erscheint. Das präzise historische Bild, das Charlotte Roth zeichnet und mit so vielen gefühlvollen Menschen bevölkert, erweckt Geschichte zum Leben und wahrt dennoch die nötige Distanz.

Von mir eine Leseempfehlung mit 5 Sternen.

15.06.2014 16:34:23
toma

Ich habe das Buch vorgestern begonnen und konnte es kaum aus der Hand legen. Den Schluss habe ich zweimal gelesen. Eigentlich ist das letzte Jahrhundert ... obwohl ich fast genau in dessen Mitte (1951) geboren bin .. Bücher betreffend gar nicht "meins", ich bin mehr im Mittelalter "zu Hause". Aber dieses Buch hat mich angesprochen, weil ich den Bau der Mauer schon bewusst miterlebt und mich über deren Fall sehr gefreut habe. Außerdem komme ich aus einer Arbeiterfamilie ... alles "alte Sozis" ... und bin von daher an der frühen Geschichte der Partei interessiert. Und natürlich weiß ich, dass ein Buch von dieser Autorin nicht "schlecht" sein KANN ... Erfahrung und keine Schmeichelei !
Ich wurde nicht enttäuscht. Paulas Schicksal hat mich sehr bewegt, am Ende habe ich geweint, weil es für so viele ähnliche, unbekannte steht .... von denen wir "Nachgeborenen" uns überhaupt nur durch solche Bücher eine Vorstellung machen können ...und weil es so spannend, berührend und traurig ist, aber auch irgendwie schön.

26.05.2014 09:35:01
Orange

Es ist der 09.November 1989. Alex lebt zusammen mit ihrer Großmutter in Ost-Berlin und studiert Völkerkunde. Sie führt ein unaufgeregtes Leben. Als ihre Freundin bei den beiden hereinstürzt und von der Öffnung der Grenze erzählt, machen sich die beiden auf den Weg zum Grenzübergang. Im Gewühl verlieren sich die Mädchen aus den Augen. Alex strauchelt und wird von einem jungen Mann gehalten. Oliver. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Als Alex ihn ihrer Großmutter vorstellen will, bricht diese zusammen und muss ins Krankenhaus.
Der zweite Handlungsstrang spielt ebenfalls in Berlin, allerdings in den Jahren um den 1. Weltkrieg. Paula und ihre Freunde könnten unterschiedlicher nicht sein. Ihr Bruder Manfred, der jüdische Harry und seine Familie, Kutte, Klara, Johanna und natürlich Clemens, der aus einer reichen Familie stammt und sich trotzdem oder grad deswegen politisch engagiert. Er ist Paulas große Liebe. Zusammen mit diesen Freunden erlebt der Leser die Jahre 1912 bis 1933.
Als es in Berlin zu gären beginnt, der 1. Weltkrieg und seine Auswirkungen und Konsequenzen sowohl politisch auch als für jeden einzelnen persönlich, all dies verknüpft Charlotte Roth wunderbar mit der Geschichte um Paula, Clemens und all den anderen. Man bangt, hofft, leidet und freut sich mit und manchmal werden dabei auch die Augen feucht.

Sehr gut gefallen hat mir die Aufmachung des Buches. Manchmal passen ja der Klappentext und der Inhalt des Buches nicht zusammen, hier jedoch hat der Schreiber voll ins Schwarze getroffen, ich hatte da beim lesen schön Gänsehaut. Denn es ist ja wirklich unser aller Geschichte.

Dieses Buch erzählt ein Stückchen Zeitgeschichte. „Als wir unsterblich waren“ ist kein Buch für Zwischendurch zum runterlesen, denn es regt an, sich über die Geschichte unseres Landes Gedanken zu machen. Mich hat es sehr aufgewühlt, tief berührt und sehr nachdenklich zurückgelassen.

Ein Glossar und ein kurzes Dankeswort der Autorin runden das Buch perfekt ab.

Ich hoffe, dass wir noch sehr viel mehr von Charlotte Roth lesen werden.

24.05.2014 22:53:22
-LENA-

Der Roman spielt in zwei Zeitsträngen: Alexandra lebt mit ihrer Großmutter zurückgezogen in Karlshorst.Alexandras Welt wird auf den Kopf gestellt,als sich im November 89 die Mauer öffnet und sie Oliver trifft. Paula und ihr Freundeskreis leben noch unbeschwert im Jahre 1912 und Paula schwärmt für Clemens,einem charismatischen Anführer der Sozialisten. Eindrucksvoll beschreibt die Autorin,wie Paula, Clemens und die Freunde die folgenden Jahrzehnte erleben.Höhen und Tiefen von Beziehungen und Freundschaften,das soziale Leben der Bevölkerung,die verworrenen politischen Verhältnisse werden sehr detailliert dargestellt. Die bildhafte Sprache vermittelt dem Leser ein Stück deutsche Zeitgeschichte,die nachdenklich stimmt. Der Autorin hat einen ausgezeichneten Roman geschrieben,den man jedem Leser nur empfehlen kann.

15.05.2014 19:36:55
Mohnblume

" Eine spannende und bewegende Spurensuche "

Die Kunststudentin Alexandra , die von ihrer geliebten Momi Großgezogen wird , da ihre Mutter sehr Jung starb. Lernt beim Mauerfall den Westdeutschen Oliver Schramm kennen. Es ist die Große Liebe auf den 1. Blick. Sie möchte ihn gerne ihrer Momi vorstellen, aber Momi erschrickt
als sie Oliver sieht und seinen Nachnamen hört. Der schock ist so groß, das
sie ins Krankenhaus muss.
Oliver und Alexandra , sind Ratlos, warum war Momi so geschockt, hat es etwas mit Olivers Familie Zutun ? Sie machen sich auf die Spurensuche, ob es ihnen gelingt, das Geheimnis zu lösen ?

Dort im , Krankenhaus im dahindämmern erinnert sie sich an die schönen und traurige
Alten Zeiten , 1912 die Tage zu Hause am Wannsee, sie als junge Paula , im Kreise ihrer Freunde und der Familie.


Die ganzen Vorgänge in der damaligen Weimarer Republik, ihre Anfänge bei der Zeitung, die Parteigründung der SPD , den Kampf der Arbeiter, der Widerstandskämpfer ,gegen den 1. Weltkrieg . Ihre ganz große liebe Clemens Kamphausen , der in der Partei hoch hinaus möchte. Den Hunger, das Elend und die große Not während des 1. Weltkriegs.
Ihre Bewunderung zu Rosa Luxenburg , Bebel, Karl Liebknecht. An die goldenen dreißiger Jahre. Der Kampf gegen die Nazis an Clemens Seite, die Unterstützung misshandelnder Frauen , ihr Frauenhaus , ihre Träume und Pläne. Wie sie mit Harry einem Juden , aus Deutschland nach England flieht.
Aber auch an GS , (Georg Schramm )  ein übler Mensch , ein Nazi durch und durch der es auf sie abgesehen hat. Nur Clemens flieht nicht mit .
Ob Alexandra und Oliver am Ende die ganze Wahrheit noch von Momi erfahren und es ihnen gelingt das Familiengeheimnis zu lüften .......


Der Autorin Charlotte Roth ist ein Roman gelungen , der einem mitreißt. Die Geschichte ist lebendig erzählt. Ihre Sprache ist klar , kraftvoll und flüssig.
Wundervoll erzählt sie die Geschichte zweier Generationen. Geschickt hat sie die Geschichte vom Mauerfall 1989 in Berlin , bis in die Vergangenheit von 1912 der Entstehung der Parteien , SPD und USPD, den Kampf der Arbeiterparteien verwebt. Das grauen im 1. Weltkrieg , der Alptraum der Soldaten in den Schützengräben in Frankreich.Den Hunger, die Not der Menschen. Die dreißiger Jahre , der Umbruch Deutschlands, Arbeitslosigkeit,
die Naziherrschaft. Hat sie in den Dunkeln und gut gehüteten Familiengeheimnissen , von Alexandra und Olivers Familie verknüpft. Geschicht Lebendig gemacht.

Ein Buch dem man von der 1. Seite bis zur letzten Seite seine ganze Aufmerksamkeit schenkt .
Ein Geschichte die einem in den Bann zieht