Sündenbock

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Ammianus , 2014, Titel: 'Sündenbock', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Bedrückende Einblicke in die Arbeit der Hexenjäger

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2014

1628-1630. Balve, eine Kleinstadt im Sauerland, wird zum Ziel der Hexenjäger. Der Krieg, marodierende Soldaten, starke Unwetter und verheerende Ernten sorgen für große Armut vor allem in der einfachen Bevölkerung. In seiner Verzweiflung bittet der Bürgermeister Flörken um Hilfe aus der Stadt Arnsberg, die, seiner Bitte folgend, den Hexenkommissar Reinhartz entsendet. Dieser nimmt umgehend seine Arbeit auf und schon bald gibt es erste Verdächtige, zahlreiche Beschuldigungen und mit der Bettlerin Anna im Dreck eine erste Zauberische, die zum Tode verurteilt wird. Mit ihr verbrennen gleich weitere neun, bis dahin unbescholtene Menschen auf dem Galgenberg.

 

"Sie hatte Hinrichtungen gesehen, von Dieben, Mördern und Zauberern. Es hatte immer Spaß gemacht, andere über den Jordan hüpfen zu sehen. Wenn sie jetzt aber daran dachte, dass sie bald dort oben stehen würde, in ihrem dünnen Büßerhemd, schlotternd, vielleicht mit einer Lache Urin unter sich, die ihr warm über die Schenkel gelaufen war und die Leute zu Scherzen und Fingerzeigen auf sich veranlasst hatte. Hinter sich den riesigen Stapel Reisig und Holz ...

 

Die Honoratioren aus Balve sind zwiegespalten. Neben Bürgermeister Flörken haben auch der betagte Richter Roeßen und Pfarrer Laer ihre Bedenken gegen die ruppigen Methoden des Hexenkommissars, doch hoffen sie noch, dass durch die Jagd auf Zauberische die Probleme der Zeit gelöst werden können. Zum Wohle der Stadt, für ein gottgefälliges Leben und vor allem gegen den leibhaftigen Teufel, der offenbar immer stärkeren Einfluss auf die Menschen nimmt. Erst spät, viel zu spät, erkennen die Balver, wer der wahre Teufel (in Menschengestalt) ist. Bis dahin werden zahlreiche Menschen einer peinlichen Befragung unterzogen, die Daumenschrauben angezogen bis die Glieder zerquetscht sind und Schlimmeres mehr in den Folterkellern geschehen. Vor allem die junge Marie findet den Mut, sich den Mächtigen entgegen zu stellen und findet, wenn auch nur langsam, einige Unterstützer, zumal inzwischen die Schergen um Reinhartz herum auch vor hochstehenden Persönlichkeiten der Stadt keinen Halt mehr machen& 

6.000 Einwohner, 300 Hexen

280 Seiten umfasst der Roman Sündenbock von Anja Grevener, gefolgt von einer knapp 40-seitigen Spurensuche, in der die Autorin die historischen Hintergründe und Fakten umfassend darlegt. Bis es zur Spurensuche kommt, entführt die Autorin ihre Leserinnen und Leser in eine äußerst dunkle Zeit, die keine Grausamkeit auslässt. Der Dreißigjährige Krieg hat die Menschen fest im Griff, die sich vor der Soldateska fürchten. Aber auch in Balve selbst gibt es genug Grund zur Frucht. Hexenmeister Caspar Reinhartz (er lebte bis 1669) war allein dort für rund 300 Tote verantwortlich. Balve hatte damals rund 6.000 Einwohner, so dass jeder zwanzigste dem Wirken des Hexenkommissars zum Opfer fiel. Über Balve hinaus soll er insgesamt 800 vermeintliche Hexen auf die Scheiterhaufen geschickt haben. Dass er und seine ehrgeizigen Helfer äußerst brutal zur Sache gingen, wird eindringlich beschrieben und daher ist Sündenbock, dem Thema angemessen, alles andere als leichte Unterhaltungslektüre.

Hexenhammer

Die geltenden Rechtsgrundlagen, auf die sich die Hexenjäger berufen konnten,  werden ebenfalls vorgestellt. Es gilt nach wie vor die Carolina, die Constitutio criminalis, aus dem Jahr 1532, erlassen von Kaiser Karl V. Diese wurde in Westfalen ergänzt durch die Hexenprozessordnung und die Prozesse selbst unterlagen den Anweisungen des Malleus Maleficarum, besser bekannt als der Hexenhammer.

Geschickt versteht es die Autorin, Wahrheit und Fiktion zu vermengen und so klärt am Ende des Romans ein kleines Personenregister darüber auf, welche der handelnden Figuren tatsächlich existiert haben. Wer sich für das Thema Hexenverfolgung oder das Leben im Sauerland in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts interessiert, sollte zugreifen.

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