Die Tote von Schönbrunn

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Haymon, 2013, Titel: 'Die Tote von Schönbrunn', Originalausgabe

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Dirk Jaehner
Blaublütige Opfer und Mörder - genau das richtige für Gustav von Karoly

Buch-Rezension von Dirk Jaehner Apr 2014

Mehr Action, mehr Drama, mehr Tote. So hätte die Devise lauten können für Edith Kneifls zweiten Roman der Serie um den adeligen Wiener Privatdetektiv Gustav von Karoly. Die erste Tote ist auch gleichzeitig die prominenteste: Die Geschichte beginnt mit der Meldung, dass Österreichs Kaiserin Elisabeth ("Sisi") in Genf ermordet wurde. Das geschah am 10. September 1898. Gustav von Karoly, der ein glühender Verehrer der zuletzt öffentlichkeitsscheuen Kaiserin war, ist tief getroffen. Doch damit nicht genug seelischer Aufruhr. Sein leiblicher Vater Graf Batheny, der sich allerdings nie zu seiner Vaterschaft bekannt hat, mischt sich in sein Leben ein. Er beauftragt ihn zunächst, seine Tochter Marie Luise, somit Gustavs  Halbschwester, vor weiteren Zugriffen zu schützen. Sie war im Garten von einem Unbekannten angegriffen worden. Als diese Angriffe auf junge adelige Damen jedoch zunehmen und zu zum Teil bestialischen Morden werden, soll Gustav hier für Aufklärung sorgen. Dabei muss er entsetzt feststellen, dass erstens er für die eine oder andere Dame geschwärmt hatte und zweitens alle Damen zum Hofstaat der verstorbenen Kaiserin gehörten und ihr sogar ähnlich sahen. Und so nimmt er seine Ermittlungen auf, die nicht gerade dadurch erleichtert werden, dass bei ihm Zuhause seine Tante die Tochter ihrer Freundin aufgenommen hat, die sich als blitzgescheite, eigensinnige, selbständige und zudem noch bildhübsche junge Frau herausstellt, die am liebsten in Zürich Medizin studieren möchte - ein Unding zu dieser Zeit.

Das klingt nach viel Programm für wenig Seiten. Aber Kneifl versteht es, diese massige Verquickung von Berufs- und Privatleben des adeligen Detektivs unterhaltsam und spannend zu erzählen. War der Erstling der Reihe noch ein Familiendrama, ist der Nachfolgeband ein klassischer "Whodunit", also die simple Frage nach dem "Wer war's". Schnell ist klar, dass es jemand aus dem Hochadel sein muss, weil nur solch eine Person ungehinderten Zugang zu allen Opfern hatte. Und tatsächlich gehört der erste Verdächtige dieser Klasse an. Doch weil erst die Hälfte des Buches verstrichen ist, muss das ein Irrtum sein. Am Ende stellt Gustav gemeinsam mit seiner Mitbewohnerin Dorothea den psychopatischen Mörder, nicht ohne selbst in Lebensgefahr zu graten. Doch eben weil der Täter nicht nur hochadelig ist, sondern sogar eine besondere Nähe zum Kaiserhaus hat, kann er nicht vor ein gewöhnliches Gericht gebracht werden. Gustav fordert ihn also zu einem ganz speziellen Duell unter Ehrenmännern heraus.

Ein Tanz auf dem Vulkan

Kneifl bettet diese Mördergeschichte ein in eine Betrachtung der sozialen Verhältnisse in Wien um die Jahrhundertwende. Große gesellschaftliche Umwälzungen scheinen sich anzubahnen, doch der Adel und allen voran der Kaiser verschließen die Augen davor. Letztendlich tanzen Grafen, Erzherzöge, Kaiser und ihre - legale oder illegale männliche oder weibliche - Begleitung auf einem Vulkan. Dass der Adel zu Operettenfiguren verkommt, müssen die Mitglieder dieser Klasse immer wieder dadurch schmerzlich erfahren, dass Bürgerliche durch eigener Hände Arbeit zu immensem Reichtum kommen - und sie darin gleichsam ausstechen. Der Täter hat dies wohl erkannt, wählt aber den typischen Adelsweg: Die Hochwohlgeborenen müssen nicht auf die anderen zugehen, sondern zur moralischen Instanz werden. Wer fremd geht (ein verbreiteter Zeitvertreib), ist unwert weiter zu leben. Der Täter fühlt sich moralisch im Recht und ist deswegen auch so schwer von seiner Schuld zu überzeugen. Gustav muss ihn also mit seinen eigenen Waffen schlagen, mit etwas, das einem Adeligen geziemt: mit einem Duell. Doch die Wahl der Waffen ist überraschend  (und wird hier auch nicht verraten), der Ausgang des Waffengangs ist allerdings vorhersehbar, was in diesem Fall jedoch nicht von erzählerischem Nachteil ist, und die Spätfolgen sind wieder typisch adelig.

Angenehm ist, dass Gustav von Karoly kein Held ist. Er ist trotz seines Adelsprädikats eher jemand, der nicht besonders stolz auf seine "Klassenkameraden" ist. Manchmal schlägt er mit seiner Weinerlichkeit über die Stränge, manchmal wächst er über sich hinaus. Ein ganz normaler Mensch eben, der versucht, mit einer sich verändernden Welt mitzuhalten oder wenigstens nicht abgehängt zu werden. Zumindest für ihn scheint sich die Geschichte zum Guten zu wenden, denn endlich hat er den Respekt seines Vaters. Vielleicht ein erster Schritt in Richtung Grafentitel.

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