Der arme Konrad

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Silberburg, 2014, Titel: 'Der arme Konrad', Originalausgabe

Couch-Wertung:

90

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:90
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":1,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":1,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Daniela Loisl
Detailgetreue Darstellung des Lebens der einfachen Leute

Buch-Rezension von Daniela Loisl Apr 2014

Württemberg zu Beginn des 16. Jahrhunderts. In Beutelsbach lebt die Bevölkerung einfach und im Grunde zufrieden, nur die harten Winter sind oft ein Kampf ums Überleben. Im Ort kennt jeder jeden und in der bunten Schar an Leuten wachsen zwei jungen Buben auf, die enge Freundschaft schließen. Hannes Gais, Sohn eines Tagelöhners und Jost Huetlin, Sohn des Schultes von Beutelsbach. Die enge Freundschaft hält so lange, bis die beiden sich in dasselbe Mädchen verlieben, Katharina.

Ist das Los der einfachen Leute ohnehin nicht leicht, so nimmt sich die Obrigkeit alle Freiheiten heraus, ohne Rücksicht zu nehmen. Ihre beliebten Jagdausflüge gehen nicht selten über die Felder der Bauern, deren Ernte damit zerstört wird. Als der Herzog noch mehr Geld braucht und die Bevölkerung noch extremer zu schröpfen beginnt, können viele nicht mehr an sich halten und schließen sich zusammen, um ihren Unmut kundzutun. Wie gefährlich es sein kann, sich mit der Obrigkeit anzulegen, bekommen einige von ihnen zu spüren...

Vermeintlich unscheinbare Aufmachung

Liegt dieses Buch zwischen Stapeln anderer historischer Romane, so werden viele Liebhaber des Genres wohl nicht unbedingt zu diesem greifen, zu unscheinbar wirkt es auf den ersten Blick. Wie sehr die Aufmachung aber täuschen kann, weiß man aber erst nach dem Lesen dieses doch außergewöhnlichen Romans. Dass das Motiv des Covers dabei hervorragend zum Inhalt passt, wird der geneigte Leser auch erst dann wissen, wenn er sich näher mit dem Bild befasst.

Der arme Konrad ist mitnichten ein gebeutelter Mann, sondern bezeichnet eine Vereinigung von Bauern und Bürgern in Württemberg um 1514, um gegen Herzog Ulrichs Umverteilungs-politik aufzubegehren.

Jürgen Seibold hat sich eines Themas angenommen das man selten in historischen Romanen findet: Das alltägliche Leben des einfachen Bürgers und der Bauern. Von Beginn sitzt man mit am Tisch der einen oder anderen Familie im Dorf, wenn sie ihr karges Mahl einnehmen, die Mutter ihrer täglichen Arbeit nachgeht und die Kinder mit anpacken müssen. Es ist, als lebe man selbst mit in dieser Gemeinschaft, um einmal den Schultes, Heinrich Huetlin in seinem Gasthaus zum Ritter zu besuchen, Gast zu sein bei Peter Gais und seiner Familie, den Trunkenbold Muthans in seiner Werkstatt aufzusuchen oder auch am Tisch der Familie Buchner, einem Zimmermann aus Winterbach, zu sitzen.

Der Autor gibt auf sehr subtile Weise detaillierten Einblick in das Milieu der Bevölkerung. Ihre Sorgen, ihre Nöte werden aber nicht nur sehr plastisch, sondern auch mit einer Prise Humor dargestellt. Und obwohl sich alles um das Leben im Dorf dreht, kommt kein einziges Mal das Gefühl auf, dass es dem nun zu viel sei. Im Gegenteil. Man lernt die Figuren so gut kennen, als wären sie gute, alte Bekannte.

Wunderbare Charakterstudie

Eine Vielzahl an Figuren ist es, denen man in diesem Buch begegnet. Zur Erleichterung, alle auseinanderzuhalten, gibt es hinten im Buch ein übersichtliches Glossar. Und trotz der Vielzahl an Personen fällt es dem Leser nicht schwer diese auseinanderzuhalten, zu ausgefeilt ist jeder einzelne Charakter. Viel überlässt Seibold der Fantasie des Lesers, nur da wo es angebracht ist, gibt er ihm leichte Führung, wie im Aussehen mancher Figur.

Stehen die Familien Gais und Huetlin auch im Zentrum des Geschehens, so ist das eigentliche Thema jedoch der Zusammenschluss des geknechteten Volkes zum armen Konrad, einem Vorboten der Bauernkriege.

Politische Einblicke

Wenngleich das Leben von Hannes, Katharina und auch Jost stets im Fokus stehen, so bekommt man gerade im letzten Viertel des Buches genauen Einblick in das damalige politische Geschehen und wie es dazu kam, dass die Leute sich zusammenschlossen. Dass der Autor sich sehr viel Mühe mit der Recherche gemacht hat, wird mit jeder Zeile verdeutlicht. Authentisch, nachvollziehbar und mit sehr viel Gespür fürs Wesentliche hat Jürgen Seibold mit diesem Roman eine kleine Perle in der Flut der sich auf dem Markt befindlichen Bücher dieses Genres geschaffen. Wer sich für das wirkliche Leben der Zeit interessiert und einen Roman ohne übertriebenen Heldentum, ohne emanzipierter und umwerfender Frauen lesen möchte, der wird mit diesem Buch seine wahre Freude haben.

Der arme Konrad

Der arme Konrad

Deine Meinung zu »Der arme Konrad«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
07.10.2014 10:53:33
Cappuccino-Mama

Liebe und Hass zu Zeiten des Bauernaufstands in Württemberg

Im Jahr 2014 jährt sich der Aufstand der württembergischen Bauern gegen den Herzog zum 500. Mal. Diesem Ereignis hat Autor Jürgen Seibold nun seinen ersten historischen Roman gewidmet. Der Autor lebt mit seiner Familie im Rems-Murr-Kreis, also genau in der Gegend, in der sich der Aufstand des ARMEN KONRAD einst zutrug.


Das Cover:

Das Buchcover ist komplett matt gehalten, der Hintergrund in einem dezenten Beige. Zu sehen ist auf dem Cover eine Ansammlung verschiedener Personen. Passend zum Buchtitel heißt das Motiv „Aus der Zeit der Bauernkriege“ - schön, dass im Buch die Quellenangabe zum Titelbild vermerkt ist. Das Bild setzt sich auf dem Buchrücken fort. Gezeigt werden meist nur Männer, vermutlich (meist) Bauern, denn sie sind mit Gabeln und Dreschflegeln bewaffnet. Eine junge Frau ist auch dabei, ebenso ein Mann, der in ein Blasinstrument bläst, aber auch ein Mann mit einer Hellebarde, insofern handelt es sich vermutlich um einen Landsknecht.

Es ist ein eher schlichtes, jedoch sehr passendes Buchcover, schade jedoch, dass nicht die gesamte Ansammlung der Personen auf dem Umschlag zu sehen ist – ich hätte mich gefreut, wäre das komplette Bild sich bis auf die Buchrückseite fortgesetzt – hier wäre noch die Bundschuh-Fahne zu sehen gewesen. Da jedoch dieses Bündnis in diesem Roman nicht die tragende Rolle spielte, wurde das Gemälde auf dem Cover nur teilweise gezeigt.


Die Handlung:

Hannes, Sohn eines armen Tagelöhners und Jost, Sohn des Bürgermeisters wachsen zusammen im Ort Beutelsbach, im Remstal gelegen, auf. Beide pflegen eine innige Freundschaft, sind unzertrennlich. Doch dann verlieben sich beide in die hübsche Katharina, die sich gegen jede Vernunft in Hannes verliebt. Doch Jost gönnt dem Liebespaar sein Glück nicht, und so setzt er alles daran, Katharina für sich zu gewinnen.

Dann, im Jahr 1514 begehren die Bauern in Württemberg gegen die Obrigkeit auf. Sie gründen das Bündnis des „Armen Konrad“ und versuchen dadurch ihre Lage zu verbessern. Und plötzlich stehen sich die einstigen Freunde Hannes und Jost gegenüber...


Meine Meinung:

Die Charaktere des Romans haben es mir angetan – selbst (oder gerade) diejenigen mit Ecken und Kanten – Leute ohne Makel sind sowieso langweilig. Glücklicherweise überwogen auch bei diesem Buch nicht die Kampfhandlungen oder die geschichtlichen Hintergründe, vielmehr standen die Schicksale der verschiedenen Dorfbewohner im Vordergrund, sowie die Lebensumstände zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Alles war in eine spannende Handlung mit den Zutaten Liebe, Intrige, Not und Gemeinschaft, Hass und Widerstand, verpackt.

Im Folgenden möchte ich kurz einige der Charaktere vorstellen:

Da ist Heinrich Huetlin, der Schultes (heute würde man eher Bürgermeister sagen) und zugleich Wirt des Gasthofs „Ritter“. Seine Frau Agnes schenkte ihn nur einen Sohn: Jost. Huetlin liebt seine Frau und achtet sie, das war mir im Umgang mit seiner Frau klar. Und dennoch betrügt Huetlin sie mit der jungen, etwas einfältigen Magd Linda. Doch seine Frau würde Huetlin nie im Stich lassen, auch wenn sie noch so anfällig für Krankheiten ist.

Was mir besonders gefiel war, dass Huetlin für „seine“ Leute regelrecht „brennt“ - was wünscht man sich mehr, als so einen Bürgermeister!? Er sorgt sich um deren Wohlergehen, versorgt die Armen auch mal mit Essen und Wein. Er setzt sich für sein Dorf ein, versucht alles zum Besseren zu wenden – wenn nötig auch mal auf ungewöhnliche Art und Weise, was damals nicht ganz ungefährlich war. Sowieso lässt Huetlin es nicht zu, dass man Schwache einfach fallenlässt. Muthans, der nach dem Tod seiner Frau den Boden unter den Füßen verlor, ebensowenig wie Hannes, dessen Eltern niemals ein Lehrgeld für die Ausbildung ihres Sohnes aufbringen könnten. Wären da nur nicht seine ganzen Weibergeschichten , denn auch wenn Huetlin versucht, diese vor seiner Frau zu verbergen, so weiß Agnes genau, dass sie für ihren Mann nicht die Einzige ist und leidet unter der Situation.

Peter Gais ist Tagelöhner – bettelarm, aber fürsorglicher Ehemann und Vater. Hannes und seine Geschwister müssen zwar oft Hunger leiden, doch der Umgang innerhalb der Familie ist recht liebevoll. Und trotz einiger Schicksalsschläge hält man zusammen. Dass ihr Mann und Huetlin sich so gut verstehen, scheint Anna Gais, Peters Frau, zu stören. Huetlin gegenüber verhält sie sich sehr abweisend. Trotz bitterster Armut ist Peter Gais ein überaus geachteter Mann, denn er ist ein fleißiger und zuverlässiger Handwerker, der seine Arbeit stets hervorragend erledigt.

Jost spielt als einziger Sohn des angesehenen Schultes gerne mal den Herrn von Welt, nimmt sich seine Freiheiten und hat leider auch eine recht überhebliche Art an sich. Zu gerne protzt er mit den Dingen, die sich trotz seines jugendlichen Alters bereits in seinem Besitz befinden. Mir gefielen Josts Wesenszüge gar nicht, war er doch der krasse Gegensatz zum warmherzigen Hannes. Ganz offensichtlich gab es auch schon früher verwöhnte Einzelkinder.

Hannes ist ein liebenswerter, höflicher junger Mann, der allen respektvoll begegnet. Seine Eltern achtet er sehr, trotz der im Elternhaus herrschenden Armut, und das Wohl seiner Familie liegt ihm am Herzen. Katharina, seine Freundin, ist seine große Liebe, mit der er den Rest seines Lebens verbringen möchte. Und sein Lehrherr hält große Dinge auf den ehrgeizigen und lernbegierigen Lehrling.

Ich mochte den fleißigen und ehrgeizigen jungen Mann sehr und wünschte ihm nur das Beste, denn genau das hatte er in meinen Augen redlich verdient. Auch wenn Hannes und Jost in Kindertagen enge Freunde waren – fast schon wie Brüder miteinander aufwuchsen und einfach unzertrennlich waren, so entwickelten sie sich doch sehr gegensätzlich – fast erinnert das spätere Verhältnis an Kain und Abel – der eine „Bruder“ ist neidisch auf den anderen. Und gutes Benehmen ist, das stellt man auch hier wieder fest, keine Sache des Geldes!

Katharina ist ein hübsches Mädchen, Tochter eines wohlhabenden Wengerters. Sie wächst zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Elisabeth in einem liebevollen Umfeld ihrer Familie auf. Katharina ist mitunter etwas keck, legt aber Wert darauf, ein (halbwegs)gesittetes Leben zu führen, und ihren Eltern keine Schande, sondern vielmehr Freude zu bereiten. Leider ist Hannes als Sohn eines Tagelöhners nicht so ganz standesgemäß, dafür aber fleißig. Auffallend fand ich, wie liebevoll und herzlich der Umgang auch in dieser Familie untereinander war. Lockere Mutter-Tochter-Gespräche waren zur damaligen Zeit leider keine Selbstverständlichkeit, ebensowenig wie eine Liebesheirat.

Dora ist eine heilkundige Kräuterfrau, die in einer Hütte abseits des Dorfes lebt. Man achtet Dora einerseits, haben so einige Dorfbewohner ihr doch ihr Leben zu verdanken, andererseits wahrt man doch eine gewisse Distanz, waren „weise Frauen“ damals doch schnell als Hexen verschrien, und so mancher Medikus sah es nicht gerne, wenn die Leute Rat bei einer Kräuterfrau suchten. Dora wirkt stets etwas geheimnisvoll, hat Visionen und es scheint, als wüsste sie einige Dinge, die bislang im Verborgenen blieben.

Bernhard Schefflen ist der Pfarrer der Stiftskirche. Mir war der Mann überhaupt nicht sympathisch. Gerne spielte er den Moralapostel, frönte auf der anderen Seite aber gerne der Völlerei und war das größte Tratschmaul weit und breit. Wo immer es etwas zu essen oder trinken gab, war Schefflen zur Stelle. Huetlin mochte den Pfarrer ebenfalls nicht, ließ ihn aber gewähren, sicherte ihn doch seine Großzügigkeit dem Pfarrer gegenüber ein gutes Einkommen, denn so empfahl Schefflen das Gasthaus gerne weiter, wenn Taufen, Hochzeiten oder ein Leichenschmaus anstanden. Sehr amüsiert habe ich mich, als Schefflen eines Tages überlistet wurde und so seinem mitunter recht unchristlichen Treiben Einhalt geboten wurde.

Ein zentrales Thema des Buches ist die Hungersnot, hervorgerufen durch schlechte Ernten und lange, harte Winter. Besonders für Alte, Arme, Kinder und Neugeborene konnte dies einem Todesurteil gleichkommen. Sehr gut vermittelte Autor Jürgen Seibold diese ausweglose Lage, und die verzweifelten Versuche der Bevölkerung, auch eigentlich nicht mehr zum Verzehr geeignete Sachen zu essen, um zu überleben. Erschütternd, mitzuerleben, wie die Bewohner von Beutelsbach und Umgebung um ihr Überleben kämpfen, während der Adel ohne Sorgen leben kann, und sich nicht ums gemeine Volk kümmert.

Weiterhin wurde auch der damalige Stellenwert der Kirche, die Willkür der Vögte, sowie die Macht des Adels gut dargestellt, ebenso wie die Stellung der Frauen, die sich als Mägde verdingen mussten und dabei durchaus auch schon mal die Waffen der Frauen einsetzten, um sich das harte Leben zu versüßen – ein warmer Platz im Bett stimmte den Herrn durchaus milde. Deutlich wurde auch, was für eine Chance der Bau einer Kirche für das dörfliche Leben bedeutete, denn für Handwerker brachte so ein Prachtbau Geld in die Kasse, ebenso aber auch für die ortsansässigen Gasthöfe, denn schließlich benötigte man Unterkunft und Verpflegung.

Während mir der Widerstand des Bundschuhs ein Begriff war, kannte ich den ARMEN KONRAD, bis zum Zeitpunkt als ich dieses Buch las, noch nicht. Aber wie in historischen Romanen so üblich, lernte man als Leser auch hier wieder einiges dazu – auf unterhaltsame Art und Weise. Glücklicherweise erweckte der Roman nicht den Anschein, man habe ein Geschichtsbuch vor sich, denn würde ich so etwas erwarten, würde ich vermutlich zu keinem Roman greifen, sondern vielmehr zu einem Sachbuch.

Sehr übersichtlich fand ich den Aufbau des Buches. Die einzelnen Kapitel tragen als Überschrift die jeweilige Jahreszahl der Handlung, nach dem Prolog, der im Jahr 1554 spielt, beginnt die eigentliche Handlung im Jahr 1491, dem Jahr, in dem Hannes und Jost das Licht der Welt erblickten. Auffallend an diesem Roman ist die recht kleine Schriftgröße. Mich persönlich hat dies nicht gestört – man bekommt sozusagen viel Text für sein Geld. Für ältere Leser (oder sehbehinderten Personen) hingegen sollte sich der Verlag vielleicht überlegen, das Buch auch noch als Großdruck-Ausgabe zu verlegen.

Den Einstieg ins Buch finde ich sehr gelungen. Der Prolog besteht sozusagen aus dem Schluss – die Erzählerin, welche erstmal anonym bleibt, berichtet das, was geschah. Diesen Erzählstil kenne ich bereits aus anderen historischen Romanen und mag diesen Aufbau des Buches. Da wird die Neugier bereits von der ersten Seite an geweckt.

Im Buchanhang befindet sich eine Übersicht über die verschiedenen Personen. Sehr übersichtlich wirkt die Vielzahl der Protagonisten dadurch, dass das Personenverzeichnis unterteilt ist, z.B. in die Handlungsorte. Mir gefällt es immer sehr gut, wenn in einem Roman auch Protagonisten mitwirken, die historisch belegt sind. In diesem Buch sind eine Vielzahl dieser Personen vertreten. Wie in solchen Personenverzeichnissen meist üblich, wurden sie auch hier durch ein Sternchen gekennzeichnet. Lobend erwähnen möchte ich, dass hier sogar das Geburtsjahr der Protagonisten mit angegeben wurde, denn dadurch kann man sich ein noch besseres Bild von der jeweiligen Person machen.

Die Zeittafel, die ich in dieser Form bislang noch in keinem historischen Roman gesehen hatte, gefiel mir sehr gut. So konnte man zusätzliche Infos darüber nachlesen, was in den jeweiligen Jahren geschah. Besonders ausführlich ist hier der (zeitliche) Ablauf des Aufstands durch den „Armen Konrad“ chronologisch dokumentiert.

Eines habe ich jedoch vermisst: Ein schönes Extra wäre eine Karte mit den verschiedenen Schauplätzen gewesen, um Entfernungen zwischen einzelnen Ortschaften einzuschätzen, oder die Lage der einzelnen Orte zu sehen. Lokalkolorit ist, so wie es sich gehört, reichlich vorhanden – so finden verschiedene Kirchen Erwähnung, z.B. auch die Kirche in Schorndorf mit ihrer besonderen Deckengestaltung, ebenso aber auch andere Sehenswürdigkeiten wie der Kappelberg mit seiner Ruine, aber auch die Kirchweih in Untertürkheim wird erwähnt.

Erzählt wird die Handlung aus verschiedensten Perspektiven, bzw. Blickwinkeln. Dadurch erhält man Einblick in das Leben der verschiedenen Protagonisten, blickt dabei in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele. Jürgen Seibold, mir bislang als Autor von Kriminalromanen und einem Thriller bekannt, ist es hervorragend gelungen, sich durch den Wechsel des Genres auch bei den historischen Romanen zu etablieren. Und erst einmal Blut geleckt, wird hoffentlich noch so manch weiterer historischer Roman folgen.


Fazit:

Ein hervorragend recherchierter Roman rund um den Bauernaufstand des 16. Jahrhunderts (an dem sich übrigens nicht nur Bauern beteiligten), eingebettet in eine unterhaltsame und spannende Handlung mit interessanten Protagonisten. So manches Ereignis hat mich emotional tief berührt, so auch der Zusammenhalt in den allerschwersten Zeiten und die bewegenden Schicksale. Als Ausgleich gab es aber auch einige humorvoll geschilderte Situationen. Von mir erhält dieser historische Roman eine absolute Leseempfehlung und damit 5 Sterne.

21.06.2014 15:01:40
unclethom

Der Autor war mir bisher nur von seinen Kriminalromanen geläufig. Hier ist nun sein erster historischer Roman und sein Debüt in diesem Genre ist ihm ebenso gut gelungen wie seine Krimis.
Sehr bildhaft beschreibt er Figuren und Schauplätze so dass zumindest bei mir das Kopfkino sofort einsetzte. Es war als hätte ich einen farbenfrohen Film über diese Zeit gesehen.
Besonders gut ist es ihm gelungen die Atmosphäre der damaligen Zeit einzufangen. Die Sorgen und Nöte, die Ängste der Menschen, die Macht der Kirche und des Adels, all dies frisst sich so in die Gedanken beim lesen ein, so dass man diese Ängste regelrecht am eigenen Leib erfährt.
Der Roman ist gut recherchiert, ebenso wie es geglückt ist sehr glaubhafte Figuren zu erschaffen, bei denen man sich nicht wirklich sicher sein konnte wer „echt“ und wer fiktiv war. Nur mit Hilfe des Personenregister am Ende des Buches konnte man sich da sicher sein.
Von der ersten Bis zur letzten Seite wurde ich aufs beste unterhalten und kann guten Gewissens 5 von 5 Sternen vergeben, sowie eine Leseempfehlung.

19.06.2014 14:40:56
leseratte1310

Hannes wächst als Sohn eines Tagelöhners auf, Jost ist der Sohn des Schultes von Beutelsbach. Sie sind Freunde solange sie denken können, aber mit dem Interesse der beiden an dem hübschen Mädel Katharina beginnen die Probleme. Katharina entscheidet sich für Hannes, und Jost wird von Eifersucht zerfressen. Er versucht alles, dieser Verbindung auseinander zu bringen. Das ist das Ende der Freundschaft.
Als Katharina tot aus der Rems gezogen wird, verlässt der Zimmermannsgeselle Hannes Beutelsbach. Aber auch Jost verlässt den Ort und begibt sich an den Hof von Herzog Ulrich von Württemberg.
Als es zu den Bauernaufständen kommt, weil die Not so groß ist, treffen die ehemaligen Freunde wieder aufeinander – nun als Gegner. Ausgerechnet am Kappelberg, wo sie früher zusammen spielten, treffen sie aufeinander.
Diese Geschichte ist der Auftakt zum Bericht über die damalige politische Situation. Die einfachen Leute waren aufgrund von Missernten sehr großer Not ausgesetzt. Die Herrschenden agierten sehr willkürlich und nur im eigenen Interesse, sie erhoben die Abgaben, um ihren Lebenswandel und den Krieg finanzieren zu können.
In diesem trostlosten Umfeld haben sich die Bauern erhoben. Die Kirche hatte Einfluss auf diese Entwicklung.
Die Charaktere in diesem Roman sind teils erfunden, teils verbürgt. Ein Register sorgt hier für Klärung der Fakten. Die Personen sind sehr gut beschrieben, so dass man sehr gut mit ihnen fühlt.
Das Buch ist gut zu lesen und hat mich durch die Erzählweise gefangen genommen. Geschichte wird einem auf sehr unterhaltsame Weise nahe gebracht. Man erfährt sehr viel über das Leben der Menschen in jener Zeit.
Das Cover ist sehr schön und passend für dieses Buch.
Diese Buch ist empfehlenswert für alle, die sich für Geschichte interessieren.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren