Margarete

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Silberburg, 2014, Titel: 'Margarete', Originalausgabe

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Annette Gloser
Eine starke Frau

Buch-Rezension von Annette Gloser Apr 2014

Die Handlung des Romans beginnt im Herbst 1938 in Kerchwies, einem kleinen Dorf nahe dem Neckar. Margarete, jüngste Tochter des Bauern Karl-Friedrich Buchsbaum und seiner Frau Wilhelmine, lernt auf der Kirchweihfeier den Mann ihrer Träume kennen: Willi, Sohn eines Bauern aus einem Nachbardorf, spielt so schön das Schifferklavier und sich damit in Margaretes Herz. Die beiden lieben sich, aber von Anfang an steht ihre Liebe unter keinem guten Stern. Kurt Kalkbrenner, Sohn des Nachbarn und strammer SA-Mann, hat auch ein Auge auf Margarete geworfen, vor allem aber auf den gut bewirtschafteten Buchsbaum-Hof, den Karl-Friedrichs jüngste Tochter einmal erben wird. Aber alle Versuche des jungen Kalkbrenner, den Rivalen einzuschüchtern und zu vertreiben, scheitern kläglich. Als jedoch Margarete und Willi heiraten und der frischgebackene Ehemann auf den Buchsbaumhof nach Kerchwies zieht, gerät er in den Machtbereich der Kalkbrenners. Der Krieg hat bereits begonnen und Ortsbauernführer Adolf Kalkbrenner sorgt dafür, daß Willi sofort eingezogen wird. Die schwangere Margarete muß nun gemeinsam mit den Eltern dafür sorgen, daß die Arbeit auf dem Hof weiter geht. Das Vieh muß gefüttert und gemolken werden, es muß gesät, gemäht, geerntet und gedroschen werden. Margaretes Tochter wird geboren und als Willi endlich einmal Urlaub bekommt, da wird ein zweites Kind gezeugt.

Der Krieg geht zu Ende, aber Margarete hat einen Brief bekommen, in dem steht, daß Willi vermisst wird. Immer mehr Männer kommen aus der Gefangenschaft zurück, aber Margarete bleibt allein. Schwer lastet die Arbeit auf ihr, vor allem nach dem Tod des Vaters. Kurt Kalkbrenner aber tönt, daß er ganz genau wisse, der Willi sei tot, das könne er bezeugen. Margarete will endlich Gewissheit über das Schicksal ihres Mannes...

Ein Leben für einen Bauernhof

Margarete ist ein packender Roman, dabei passiert eigentlich nichts, was die Welt nicht schon gesehen hat. Aber das Schicksal der jungen Bäuerin Margarete ist bewegend. Sie ist ein starker und sensibler Mensch, tief verbunden mit ihrem Hof und ihrer Arbeit. Immer wieder müssen ihre persönlichen Wünsche hinter dem zurückstehen, was der Hof verlangt. Margaretes Leben fließt dahin im immer gleichen Lauf der Jahreszeiten und der damit verbundenen Arbeit auf dem Hof. Trotzdem bleiben sie und ihre Familie nicht unberührt von den Dingen, die in der Welt passieren. Immer wieder greift die Politik in ihr Leben ein und die junge Bäuerin geht mit offenen Augen durch ihr Dorf und die Welt.

Der Leser bekommt dabei einen sehr speziellen Blick auf die Nazi-Zeit, auf den Krieg und die Jahre danach, denn die Handlung führt bis in die fünfziger Jahre hinein. Und man bekommt ein Gespür dafür, wie viele Opfer es wohl gekostet haben mag, einen solchen Bauernhof zu bewirtschaften und zu erhalten.

Nah am realen Leben

Dabei bleibt Wolfgang Stahnke eher karg und zurückhaltend in seiner Sprache. Es gibt keine großen Gefühlsausbrüche. Ein bisschen so, wie es auch das bäuerliche Leben ist: Keine Zeit für Sentimentalitäten. Dieser Roman ist, wie es wohl die Bauern in dem fiktiven Kerchwies zwischen Mannheim und Heilbronn sein mögen: still und beharrlich, ein bisschen stur vielleicht, aber mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen. Durchaus sympathisch also. Was in Margaretes Leben passiert, das passiert oft ganz nebenbei, denn das Wichtigste ist immer die Arbeit auf dem Hof, dahinter muß alles andere zurückstehen.

Mit dieser zurückhaltenden Sprache gelingen dem Autor jedoch wirklich interessante Portraitstudien seiner Protagonisten. Hier bekommt man tiefe Einblicke in fremde Leben und man glaubt bald, mit diesen Menschen zu fühlen, zu denken, zu leben. Kaum zu glauben, daß dies fiktive Menschen in einem fiktiven Dorf sind. Wolfgang Stahnke bietet teilweise regelrecht akribische Beschreibungen von Dorf, Landschaft und Bräuchen. Und manchmal wird es sogar überraschend philosophisch:

 

Ein Mensch, sagte er, sei wie ein Schiff auf dem Meer. Das richte sich in der Nacht ja auch nach dem Leuchtturm auf dem festen Land; ein Kapitän, welcher nur der Laterne am eigenen Bug nachfahre, der sei ein gefährlicher Narr.

 

Wer den Landstrich am Neckar nicht kennt, der hat vielleicht ein paar Schwierigkeiten mit den mundartlichen Begriffen, aber die werden durch den Text schnell erklärt und geben dem Roman viel Charakter.

Ein besonderer Roman

Margarete ist ein sehr berührender Roman, den man mit Spannung und trotzdem viel Gelassenheit lesen kann. Der Silberburg-Verlag hat diesem Buch ein Cover zugestanden, das wunderbar zu seinem Inhalt passt: sehr einfach, nur das Foto der arbeitenden Bäuerin spricht für sich. Es gibt ein Personenverzeichnis und ein kurzes Nachwort, beides durchaus hilfreich. Und so bietet das Buch nicht nur Unterhaltung, sondern auch tiefe Erkenntnisse, und es schafft Achtung vor all jenen, die so wie Margarete für sich selbst einstehen mussten in einer Zeit, in der das alles andere als selbstverständlich war. Vielleicht nicht für jedermann geschrieben, aber auf jeden Fall lesenswert.

Margarete

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