Die Kinder des Bergmanns

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • mediaKern, 2013, Titel: 'Die Kinder des Bermanns', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89
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Daniela Loisl
Von harter Kinderarbeit, Lieblosigkeit und doch so viel Herzenswärme

Rezension von Daniela Loisl Apr 2014

Schwarzwald, Anfang des 17. Jahrhunderts. Jakob und Bärbel haben ihre Eltern verloren und machen sich auf den weiten Weg nach Straßburg, um dort in der Nähe die letzten Verwandten aufzusuchen, in der Hoffnung, von ihnen aufgenommen zu werden. Beide Kinder, gerade mal 12 und 9 Jahre alt, sind harte Arbeit gewöhnt und müssen, um ein Dach über den Kopf zu haben, all ihre Kräfte mobilisieren, denn ihre Verwandten sind alles andere als begeistert von ihrer Ankunft.

Hartes Schicksal

Heidrun Hurst erzählt in diesem Roman nicht das Leben einer starken Frau, die ihren Weg finden muss und auch nicht die eines Helden, der das weibliche Gegenstück sucht. Es ist die Geschichte zweier Kinder, die durch die harte Schule des Lebens gehen und einer schweren Lebensprüfung unterzogen werden.

Jakobs Mutter stirbt bei seiner Geburt und darüber kommt sein Vater nie mehr hinweg. Er heiratet die beste Freundin seiner Frau, Marie, und bekommt mit ihr noch ein Kind, Bärbel. Maries Liebe entschädigt die beiden Kinder für das harte Leben, denn der Vater würdigt die beiden keines Blickes. Als aber auch Marie verstirbt und sie noch den Vater und ihr Zuhause verlieren, stürzt für die beiden die Welt ein. Sie haben alles verloren, ihre Eltern, ihr Daheim, ihre Freunde und Jakob auch seine Arbeit. Sie müssen schneller erwachsen werden als ihnen lieb ist.

Hurst erzählt mit viel Feingefühl den harten Alltag im Leben eines Mannes der im Bergwerk, dem "Erzkasten", arbeitet und nur mit viel Mühe seine Familie versorgen kann. Die ganz alltäglichen Dinge sind es, die diese Geschichte zu einem fesselnden Roman machen und einem das Buch kaum mehr aus den Händen legen lässt.

Wunderbare Figuren

Da man hier mit Jakob und Bärbel alles andere als die gewohnten Protagonisten eines historischen Romans begleitet, zeichnet sich schon von Beginn an ein gänzlich ungewohntes Bild. Schon in jungen Jahren schuftet Jakob für das Bergwerk und sogar im Winter hat er nichts anderes an den Füßen als Holzschuhe. Und Bärbel muss schon im zarten Alter von 8 Jahren für den gesamten Haushalt aufkommen. Kein Märchen, keine unwirkliche Geschichte, sondern knallharte Realität zu dieser Zeit. Man friert mit, man leidet mit den beiden und bekommt Hochachtung vor der Jugend der damaligen Zeit, denn oft schon mussten die Kinder in blutjungen Jahren Schwerarbeit leisten.

Heidrun Hurst gelingt es auf wunderbare Weise, das Leben der beiden glaubhaft und realistisch darzustellen, ohne auch nur einmal Gefahr zu laufen, ins Pathetische oder gar Kitschige abzugleiten Wie nebenbei gibt sie auch Einblick in das Seelenleben anderer Figuren wie dem Vater der Kinder oder der Bäuerin Selzers, bei der die beiden auf ihrer Suche landen. Keine Figur ist glatt und oberflächlich, sondern mit vielen Schattierungen ins Leben gerufen, sodass alles Darsteller so lebendig wirken, als sei man ihnen gerade vor kurzem begegnet.

Feingefühl und Empathie

Dass die Autorin sich mit der damaligen Zeit intensiv auseinandergesetzt hat, ist kaum von der Hand zu weisen. Man bekommt nicht nur interessante Einblicke in den Bergbau geboten, sondern auch in die Arbeit und Sorgen der Bauern. Hurst lässt den Leser in sämtliche gesellschaftliche Schichten blicken, beginnend mit den Katen der Bergmannsleute, den Höfen der Bauern und auch die Küchen und Wohnräume reicher städtischer Bewohner. Es entsteht ein vollkommenes Bild zum Leben des beginnenden 17. Jahrhunderts, das nicht nur glaubhaft, sondern auch mit viel Wärme und Authentizität geschaffen ist.

Nicht ganz glücklich wird man vielleicht über den Schluss des Romans sein, aber daraus darf man schließen, dass es einen Folgeband geben wird. Leser, die Geschichten fern des üblichen Mainstreams lieben, werden mit dieser kraftvollen und bildreichen Erzählung voll auf ihre Kosten kommen.

Die Kinder des Bergmanns

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