Zeuglesweber

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Silberburg, 2014, Titel: 'Zeuglesweber', Originalausgabe

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Daniela Loisl
Der harte Kampf ums Überleben Alltag eines Korsettwebers

Buch-Rezension von Daniela Loisl Mär 2014

Heubach, Mitte des 19. Jahrhunderts. Bernhard Schroth wird von seinem Vater nach Lauterbach gebracht, wo er die Lehre zum Weber antreten soll. Nach anfänglichem großem Heimweh fühlt er sich jedoch bald wohl bei seinem Meister und wird ein geschickter und fleißiger Weber. Er möchte aber mehr vom Leben und geht nach Stuttgart, um sich als Korsettweber ausbilden zu lassen und auch um mehr zu verdienen, da er sich in die hübsche Elisabeth verliebt hat und sie zur Frau nehmen möchte.

Das Leben meint es aber nicht immer gut mit Bernhard und auf den einen oder anderen Glücksmoment folgen auch stets Schicksalsschläge, die schwer zu verkraften sind und Bernhard und seiner Familie alles abverlangen.

Ein eindrucksvolles, aber hartes Leben

Bernhard, Sohn eines Webers, soll das Handwerk seines Vaters erlernen und wird von zu Hause fortgeschickt, um bei einem anderen Meister in die Lehre zu gehen. Dies ist üblich in seiner Familie, denn auch sein Vater erlernte dieses Handwerk und an Alternativen wird gar nicht erst gedacht.

Die einfachen Leute sind es von denen Ebert erzählt und nicht feine Damen, Höflinge oder andere durch starke Taten bekanntgewordene Persönlichkeiten. Ebert beherrscht dieses Metier perfekt. Die täglich schweren Handgriffe, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen, die Mühen und Plagen mit Dingen, die wir heute als selbstverständlich hinnehmen wie das Umlegen eines Lichtschalters, das Einschalten der Waschmaschine oder das Aufdrehen eines Wasserhahnes verflicht die Autorin mit der eigentlichen Handlung ihrer Geschichte so gekonnt, dass beim Leser ein wahrer Film des Geschehens und der Ereignisse abläuft. Sprachlich auf hohem Niveau und gewohnt routiniert bringt Ines Ebert dem Leser das karge und einfache Leben der Weber auf sehr empathische Weise näher, ohne in irgendeiner Weise aufdringlich zu wirken

Feine Charaktere der damaligen Zeit

Ihre Figuren sind Kinder der Zeit und handeln auch entsprechend. Anachronismen sucht man bei Ines Ebert vergeblich, was ein authentisches, aber auch beklemmendes Bild der damaligen Zeit liefert. In Eberts Geschichten geht man auf, fühlt mit den Figuren, leidet mit ihnen und weckt das Bedürfnis, der einen oder anderen Figur helfen zu wollen.

Mit Bernhard zeichnet die Autorin nicht einfach das Leben eines Webers, sondern vermittelt mit den Ereignissen auch die Umbrüche der Zeit so anschaulich, dass man die Ereignisse lange nicht vergisst. Aber nicht nur das Handwerk des Webers bringt einem die Geschichte näher, sondern auch das gesellschaftliche Leben in eben diesem Milieu. Was hat es damals bedeutet, wenn eine junge Frau vor der Hochzeit schwanger wurde und mit welchen gesellschaftlichen Folgen war zu rechnen? Was hat es bedeutet, als es plötzlich auch Maschinen gab, mit denen Korsetts gewebt werden konnten? Dinge, über die sich heute niemand mehr Gedanken machet, konnten damals existenziell sein, denn sie bestimmten das Leben.

Zu Bernhard Schroth jedoch, dem Protagonisten dieser Geschichte, hat die Autorin ein ganz besonderes Verhältnis, da er einer ihrer Vorfahren war. Man spürt auch mit jeder Zeile das Herzblut, mit dem die Autorin diese Zeit und die Figuren nochmals zum Leben erweckte, denn alles ist mit viel Liebe zum Detail und ebensolcher Akribie festgehalten und bietet dem Leser einen Ausflug in die Vergangenheit, aus der er trotz aller Liebe und Interesse zu dieser Epoche auch gerne wieder in die Gegenwart zurückkehrt und die Annehmlichkeiten unserer Zeit wieder (zumindest kurzfristig) besser zu schätzen weiß.

Ein feines Buch, das man gerne Lesern empfiehlt, die sich für das wahre Leben dieser Zeit interessieren. Ines Ebert ist eine Meisterin, wenn es darum geht, Einblicke in das Milieu einfacher Arbeiter aus dem 19. Jahrhundert zu schaffen.

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Letzte Kommentare:
16.01.2019 07:24:21
Schellsy

Ein sehr schöner Roman. Insbesondere wenn man die Verhältnisse kennt und als Kind selbst noch bei der Heimarbeit mitmachen durfte. Die RedeWendung "war in øla doba in schtellung" wird hier lebendig und mit Inhalt gefüllt. Schönes Buch für Einheimische. Sogar für meine 93 jährige Mutter wat es so spannend, dass die Aufmerksamkeit bis zur letzten Seite gereicht hat. Die Sprache ist js auch so schön an die alten Zeiten adaptiert!