Im geheimen Auftrag der Zarin

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • , 2014, Titel: 'Im geheimen Auftrag der Zarin', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Ein all zu trockenes Reiseabenteuer

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2014

1782. Carl von Schack, Chef der herzöglich württembergischen Geheimpolizei, bekommt den Auftrag, den jungen Dichter Friedrich Schiller zu suchen, der auf einmal verschwunden ist. Doch ehe er sich richtig auf die Suche machen kann, bekommt er den Auftrag, das Verschwinden der russischen Prinzessin Anastasija aufzuklären. Zudem soll er eine Standarte suchen, die 1683 beim Überfall der Osmanen auf Wien verloren gegangen ist. Viel zu tun für einen jungen aufstrebenden Mann.

Von Schack verfolgt zunächst die Spuren vor Ort, ehe er mit seinen Kollegen nach Sankt Petersburg aufbricht, wo die Zarin Katharina mit eiserner Hand herrscht. Nur langsam eröffnen sich zumindest Möglichkeiten, was mit der Prinzessin passiert sein könnte, sogar von einer heimlichen Flucht mit einem Geliebten ist die Rede. Doch erst, als er einen kaiserlichen Ukas der Zarin mit ausführlichen und weitreichenden Rechten zur Aufklärung des Falls bekommt, kommt er auch allmählich voran.

Die Suche nach der Prinzessin führt Carl und seine Freunde durch halb Europa. Durch Russland, ans Schwarze Meer und durch die Türkei. Zudem mischt scheinbar auch noch Carl von Schacks Geliebte (oder ehemalige?) Sylvia von Korff mit, mit der ihn zwar eine Liebe verbindet, die sich allerdings auch als schwierig gestaltet, zumal die Dame schwer auszurechnen ist. Doch Junker von Schack gibt nicht auf und muss so manches Abenteuer bestehen, und auch einige Überraschungen begegnen ihm.

Mozartoper als Leitmotiv

Mit seinem Abenteuerroman Im geheimen Auftrag der Zarin sendet Autor Heiger Ostertag seinen Helden Junker Carl von Schack zum dritten Mal in spannende Missionen, die ihn an bedeutende Plätze der Weltgeschichte führen. Man schreibt das Jahr 1782, und der Roman beginnt in Wien, wo gerade die Uraufführung von Mozarts Oper "Die Entführung aus dem Serail" erfolgreich stattfand und die ganze Kunstwelt nun auf "türkisch" eingestellt ist.

Und auch Junker Carl wird noch in den Kontakt mit Türken kommen. Immer wieder tauchen Motive aus Mozarts Oper auf, und so wird diese Oper selbst zu einer Art Leitmotiv, die die Handlung stets begleitet. In Wien ist der Württembergische Junker derzeit zu Gast und bemerkt neben dem Trubel um die Oper, dass türkisch gekleidete Menschen eine Sänfte durch die Stadt tragen, deren Vorhänge verschlossen sind. Tags darauf erhält er den Auftrag, den jungen Dichter Friedrich Schiller zu suchen, der sich mit seiner Flucht dem Einzug in die Armee widersetzt. Doch dieser wird bald von anderen gesucht werden, und Junker Carl erhält den Auftrag, eine Standarte zu suchen. Auch dies wird bald durch einen anderen Auftrag ersetzt, denn die Tochter des russischen Großfürstenpaares, Prinzessin Anastasija, wurde entführt, und es ist an Carl und seinen Begleitern, sie wohlbehalten wieder zu finden.

Reiseabenteuer à la Jules Verne

Über Berlin und Danzig reist er schließlich den zunächst dürftigen Spuren nach, denn zunächst wird vermutet, dass die Prinzessin mit einem Liebhaber entflohen sein könnte. Doch als dieser gefunden ist, bestätigt er eine Entführung und die Spuren richten sich Richtung Osmanisches Reich, wo es für Carl und seine Begleiter richtig brenzlig wird.

Heiger Ostertags Roman spielt zur Zeit der Aufklärung, und auch seine Sprache ist etwas altertümlicher geraten. Mag dies in den Erzählteilen noch angehen, so wirkt es in den Dialogteilen doch auf die lange Strecke gestelzt und unglaubwürdig. Da werden Sachtexte in Dialoge gezwungen und verlieren so an Realismus, abgesehen von zeilenlangen Namen von Damen mit exorbitanten Adelstiteln, die man sich als Leser sowieso nicht merken kann.

Schwere, trockene Sprache

Der Roman liest sich streckenweise, auch aufgrund der verwendeten Sprache, wie ein Abenteuerreiseroman von Jules Verne, mit einem Hauch Indiana Jones und ein paar Einsprengseln von Mozarts Entführung. Dabei werden auch zahlreiche russische und vor allem türkische Klischees bedient, was zunächst einmal nichts schlechtes sein muss, bei Ostertag aber doch zunehmend störend wirkt.

Dabei weiß Ostertag durchaus durch sein Wissen zu überzeugen, seine historischen Fakten sind beeindruckend und für den interessierten Leser durchaus interessant, und man kann so manches lernen und entdecken. Doch wirkt dies stellenweise belehrend und schlecht in den Lauftext eingebaut. Hinzu kommen Geschichten, die sich die Protagonisten am Lagerfeuer erzählen, die mehrere Seiten dauern und letztlich mit der Handlung wenig bis nichts zu tun haben. Hier kann man sich schon berechtigt nach dem Sinn fragen.

Eine Entwicklung der Charaktere ist nicht zu erkennen, überhaupt kann man nicht sagen, dass er seine Figuren mit viel Leben gefüllt hätte, so dass man mit ihnen mitfiebert oder darum trauert, wenn es zu einem Verlust kommt. Leider sind dem Leser die Charaktere egal und austauschbar und wecken nur wenig Mitgefühl. Ein Personenverzeichnis hätte dem Roman gut getan, und immer wieder bekommt man das Gefühl, dass man einiges verpasst hat. Einen Hinweis, dass es sich bereits um das dritte Abenteuer des Junkers Carl von Schack handelt, findet sich leider weder im Roman noch in Vorschauen, sodass man als jemand, der die beiden Vorgänger nicht kennt, immer wieder das Gefühl hat, etwas verpasst oder nicht mitbekommen zu haben, was jetzt wichtig gewesen wäre. Das ist schade, denn der Autor versäumt es auch, dies, wie andere Autoren, in ein paar Nebensätzen oder Kommentaren mit einfliessen zu lassen.

Keine Extras

Der Roman aus dem Südwestbuch Verlag ist 294 Seiten lang und als Taschenbuch herausgegeben, wobei es das etwas breitere Format, als das was man sonst gewöhnt ist, das Buch ungewohnt in der Hand halten lässt. Zudem ist das Buch mit keinerlei Extras ausgestattet, wobei eine Karte der Reiseroute sinnvoll gewesen wäre, ein Personenregister hilfreich gewesen wäre und ein historisches Nachwort bestimmt einige Ereignisse aus dem Roman zurechtgerückt hätte, in welche Richtung auch immer. Vermisst wird auch ein Glossar, der helfen würde, sinnlose Umrechnungen wie württembergische Meilen in russische Werst in heutigen Masseinheiten darzustellen.

Was dem Leser auch unweigerlich sauer aufstossen muss, ist das fehlerhafte Lektorat, dass leider vor allem grammatikalisch nicht auf der Höhe ist. Da werden "ihn" und "ihm" verwechselt, dass es ein Graus ist und man sich fast einem tiefen Ruhrpott-Slang ausgeliefert fühlt. Hier muss künftig dringend nachgebessert werden.

Insgesamt ist der Roman recht holperig zu lesen, weist aber ein profundes Wissen des Autors auf. Wenn er es schafft, den Leser mehr mit ins Boot zu holen und nicht nur, wie es sich manchmal liest, Lexikonartikel auszuformulieren, könnte die Reihe vielleicht schwungvoller fortgesetzt werden. Doch so bleibt ein trockener Roman, der es dem Leser schwer macht. Schade, denn Ideen sind reichlich vorhanden.

Im geheimen Auftrag der Zarin

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