Teufelsgrinsen

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Kiepenheuer & Witsch, 2012, Titel: 'The Devil's Grin', Originalausgabe

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85

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Jörg Kijanski
Anna Kronberg und Sherlock Holmes sind ein starkes Duo

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2014

Sommer 1889. Dr. Anton Kronberg arbeitet als führender Bakteriologe in der Abteilung für Infektionskrankheiten am Guy’s Hospital in London und wird bei Choleratoten oder vergleichbaren Fällen von der Metropolitan Police in deren Untersuchungen eingebunden. Als in den Hampton-Wasserwerken ein möglicher Fall von Cholera entdeckt wird, bittet Inspektor Gibson von Scotland Yard ihn um Hilfe. Am Tatort lernt Dr. Kronberg eine Person kennen, die der Polizei als beratender Detektiv zur Seite steht.

 

"Dr. Kronberg, das hier ist Mr. Sherlock Holmes", fuhr der Inspektor fort, als ob ich wissen müsste, wer Sherlock Holmes sei.

 

Holmes scharfen Verstand entgeht nicht, was alle anderen Menschen offenbar bislang übersahen. Dr. Kronberg ist in Wahrheit eine Frau (Anna) und dürfte somit gar nicht als Arzt praktizieren. Sollte Annas wahre Identität enthüllt werden, droht ihr - neben dem Verlust ihres Berufes und ihres britischen Wohnsitzes - die Auslieferung an Deutschland, wo sie im Gefängnis landen würde. Die Alternative wäre eine Arbeit als Ärztin in Indien. Aber Anna ist eine ebenso genaue Beobachterin wie Holmes, so dass es ihr schnell gelingt, das komplizierte Innenleben von Holmes zu analysieren und diesen ebenfalls in die Defensive zu drängen. In dem Psychoduell der ungleichen Figuren entsteht ein Patt und so entschließen sich die beiden, den seltsamen Todesfall gemeinsam aufzuklären. Dabei stellt sich heraus, dass der Mann an einer Tetanusinfektion starb, die sich direkt in seinem Herzen befand. Aber wie kann sie dort hingekommen sein? Als kurz darauf ein zweiter Mann an einer vergleichbaren Todesart stirbt, kommen Anna und Holmes zu einem schrecklichen Verdacht …

(Nicht nur) für alle Holmes-Fans ein Leckerbissen!

Langsam kommen sich Anna und Holmes näher und lernen sich dabei immer besser kennen. Neben dem aktuellen Fall diskutieren sie auch über andere Themen, wie beispielsweise die ungeklärten Morde von Jack the Ripper, bei denen selbst der Meisterdetektiv chancenlos war.

 

"Jedes Mal, wenn ich ein Telegramm von der Polizei bekam, waren die Opfer bereits im Leichenschauhaus", entrüstete er sich. "Die Belegschaft dort hatte Organe entnommen und sie als anatomische Studienobjekte verkauft. Und natürlich wussten sie nie, was vorher schon fehlte und was sie selbst entnommen hatten! Ich glaube nicht, dass dieser Serienmord je aufgeklärt und der Täter gefunden wird. Die Inkompetenz der verantwortlichen Ermittler, die korrupte medizinische Belegschaft, die schiere Anzahl angeblicher Zeugen und die Flut an Fehlinformationen der Zeitungen machen alle Ermittlungen zunichte!"

 

Anna Kronberg ist eine sympathische, moderne Frauenfigur, die sich permanent im Wandel zwischen den Geschlechtern befindet. Tagsüber arbeitet sie als Bakteriologe, in ihrer Freizeit verwandelt sie sich wieder in Anna, die durchaus weibliche Bedürfnisse verspürt. Sie verfügt nicht nur über ein großes Fachwissen, sondern ebenso über ein hohes analytisches Denkvermögen, was sie mit Sherlock auf eine Stufe stellt, wenngleich sie sich ab und an von ihrer (weiblichen) Intuition verleiten lässt. Man kann Anna folglich als erste Frau bezeichnen, die es nach Irene Adler geschafft hat, Holmes die Stirn zu bieten.

 

"Ich lebe einfach, weil Luxus die Sinne trübt. Eine Kleinigkeit, die Ihnen sicher entgangen ist."

 

Weitere Figuren wie der unverzichtbare Dr. Watson verweisen immer wieder auf den bekannten Lebenslauf des berühmten Detektivs. Autorin Annelie Wendeberg hat sich mit dessen "Biografie" gründlich beschäftigt, so dass Sherlock-Fans zugreifen sollten.

Interessanter Einblick in die Medizin des 19. Jahrhunderts

Wer sich für die Geschichte der Medizin sowie der Anatomie interessiert, dürfte mit dem vorliegenden Band ebenfalls seine Freude haben. Die Autorin, Umweltmikrobiologin im Hauptberuf, verbindet den "Kriminalfall" mit einem spannenden Einblick in die Erforschung von Infektionskrankheiten. Gelingt es Anna etwa, die gefährlichsten Krankheiten wie Cholera oder Tetanus zu stoppen?

Der Roman, Auftakt einer Serie, macht Spaß, denn neben vielen Anleihen bei den Originalgeschichten über Holmes erzählt Wendeberg mit viel Wortwitz, der sich nicht nur in den Rededuellen zwischen Anna und Holmes wiederfindet. Allein der Spannungsbogen und die Frage nach dem Täter waren ein bisschen zu einfach. Es ergibt sich halt, aber das kennt man ja von Sir Arthur Conan Doyle schon. Dennoch ein klarer Kauf!

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Letzte Kommentare:
25.03.2018 16:08:06
-Ginger-

Leider bin ich mit diesem Buch überhaupt nicht warm geworden.
Dabei klang die Idee ansich ganz gut: Anna Kronberg lebt und arbeitet, seit Jahren als Mann verkleidet, als Bakteriologe, da es Frauen damals noch nicht gestattet war. Als eine Cholera-Leiche auftaucht, wird sie hinzugezogen, ebenso wie Sherlock Holmes. Grundsätzlich finde ich die Idee gut, Holmes einen weiblichen Gefährten zur Seite zu stellen, besonders, wenn es jemand auf Augenhöhe ist wie Anna Kronberg, doch das Ganze konnte mich trotzdem leider nicht überzeugen.

Die Geschichte hatte mir zu wenig Spannung, zu wenig Tiefgang, es ging alles so schnell, einige Dinge verlaufen sich (was ist mit der kranken Nachbarin, der Anna ihre Wohnung überlässt? Was ist mit ihrem Liebhaber?) und werden nie wieder erwähnt. Außerdem gefiel mir ebenfalls nicht gut, dass Holmes und Anna sich sehr schnell duzen und sehr vertraut miteinander werden. Als eingefleischtem Holmes-Fan habe ich mit seiner Figur in dieser Geschichte so meine Problemchen.

Gut fand ich, dass man etwas über die medizinische Arbeit und das Frauenbild zu der Zeit erzählt bekommt, doch das reicht für mich leider nicht für ein gutes Buch, ich hatte mir etwas mehr erwartet. Da ich den zweiten Teil (Tiefer Fall) direkt mitbestellt hatte, bekommt das ganze noch eine Chance.

04.04.2017 12:43:43
tassieteufel

Ende des 19. Jahrhunderts wird London immer wieder von Seuchen heim gesucht. Schmutziges Trinkwasser, schlimme hygienische Bedingungen und Armut sind der Auslöser. Dr. Anton Kronberg, Londons führender Bakteriologe und am Guys Hospital tätig, wird zu einem Toten im örtlichen Wasserwerk gerufen und stellt fest, dass der Mann an Cholera verstorben ist. Am Leichenfundort trifft Kronberg auf den beratenden Detektiv Sherlock Holmes, der sofort Kronbergs gut gehütetes Geheimnis durchschaut, Dr. Anton Kronberg ist eine Frau und verbirgt ihre wahre Identität schon seit Jahren. Schnell erkennt Holmes jedoch den wachen Verstand des Doktors und nach anfänglichem Kompetenzgerangel raufen sich die beiden ungleichen Partner zusammen und kommen gemeinsam einer Verschwörung ungeahnten Ausmaßes auf die Spur.

Sherlock Holmes eine weibliche Ermittlerin an die Seite zu stellen, ist nun nichts ganz Neues, Autorin Annelie Wendeberg ist es aber gelungen, mit Anna Kronberg einen sehr interessanten und vielschichtigen Charakter zu entwickeln, der Holmes intellektuell ebenbürtig ist und diesen auch an der emotionalen Seite packt!
Gut gefallen hat mir, das eigentlich Anna die Hauptfigur ist und ihre Ermittlungen daher auch im Fokus des Krimis stehen. Holmes agiert eher am Rande und wirkt auch nicht überpräsent, trotzdem wird er sehr gelungen beschrieben, seine überhebliche Art, seine messerscharfe Intelligenz und seine Rastlosigkeit sind so, wie man sie vom Original her kennt! Anna ist eine sympathische Figur, die mit Leib und Seele Ärztin ist, sich aber auf Grund gesellschaftlicher Zwänge als Mann ausgeben muß um ihren Beruf ausüben zu können und daher ein sehr kompliziertes Leben führt, tagsüber als Arzt und Abends und Nachts als Frau, hierzu ist ein kompliziertes Versteckspiel nötig, dass den Arzt Dr. Kronberg dazu verdammt, sehr zurückgezogen zu leben und sein gesellschaftliches Leben gänzlich aufzugeben, wenn auch die weibliche Seite nicht verkümmern soll. So lebt Anna in einem ärmlichen Viertel, wo sie vorgibt, Krankenschwester zu sein, um auch ihre weibliche Seite ausleben zu können. Hier hat mir sehr gut gefallen, wie die Autorin Annas Kampf um ihre Identität schildert und den Zwiespalt zwischen ihrer Weiblichkeit und der Berufung als Ärztin hervor hebt.
Was mir allerdings sehr missfallen hat, ist das sich Anna und Holmes schon nach ganz kurzer Zeit duzen. Für meinen Geschmack paßte das nicht wirklich in die Geschichte und auch nicht zu der damaligen Zeit. Holmes und Watson sind schon seit Jahren eng befreundet und Siezen sich immer noch, mit Anna ist er bereits nach wenigen Treffen bei einer vertraulichen Anrede die Holmes eigentlich in keiner anderen Geschichte jemandem gewährte. Mag sein, dass das für viele kein Kritikpunkt ist, mich hat es beim Lesen wirklich gestört, auch wenn die Schlagabtäusche zwischen den beiden durchaus originell und unterhaltsam sind.
Der Krimifall rund um die Cholera Toten hätte vielleicht ein wenig kniffliger sein können, denn auch wenn die Ermittlungen schwierig sind, so ahnt ein eingefleischter Holmes Fan natürlich schon, wer letztendlich hinter dieser perfiden Verschwörung steckt. Der Spannungsbogen ist trotzdem sehr gut und zieht sich auch konstant bis zum Ende und dann gibt es in Bezug auf Anna Kronberg noch eine etwas unerwartete Wendung, die die Neugier auf den nächsten Teil weckt.
Sehr gelungen fand ich den Einblick, den man als Leser in die medizinische und labortechnische Entwicklung der damaligen Zeit und die Erforschung von Infektionskrankheiten wie Cholera und Tetanus erhält. Hier merkt man, dass die Autorin Umweltmikrobiologin ist und sich mit der Thematik auskennt, so kann sie wissenswertes gut verständlich vermitteln und in ihren fiktiven Krimifall integrieren.

FaziT: für Holmes Fans wird es zunächst etwas ungewöhnlich sein, eine Frau an der Seite des Meisterdetektives zu erleben, Autorin Annelie Wendeberg ist es aber gelungen, mit Anna Kronberg einen interessanten, vielschichtigen und vor allem Holmes ebenbürtigen Charakter zu schaffen. Unterhaltsam und spannend geschrieben bekommt man nebenbei noch einen interessanten Einblick in die medizinische Entwicklung der viktorianischen Zeit. Der erste Teil macht eindeutig Lust auf mehr!

04.04.2017 12:43:28
tassieteufel

Ende des 19. Jahrhunderts wird London immer wieder von Seuchen heim gesucht. Schmutziges Trinkwasser, schlimme hygienische Bedingungen und Armut sind der Auslöser. Dr. Anton Kronberg, Londons führender Bakteriologe und am Guys Hospital tätig, wird zu einem Toten im örtlichen Wasserwerk gerufen und stellt fest, dass der Mann an Cholera verstorben ist. Am Leichenfundort trifft Kronberg auf den beratenden Detektiv Sherlock Holmes, der sofort Kronbergs gut gehütetes Geheimnis durchschaut, Dr. Anton Kronberg ist eine Frau und verbirgt ihre wahre Identität schon seit Jahren. Schnell erkennt Holmes jedoch den wachen Verstand des Doktors und nach anfänglichem Kompetenzgerangel raufen sich die beiden ungleichen Partner zusammen und kommen gemeinsam einer Verschwörung ungeahnten Ausmaßes auf die Spur.

Sherlock Holmes eine weibliche Ermittlerin an die Seite zu stellen, ist nun nichts ganz Neues, Autorin Annelie Wendeberg ist es aber gelungen, mit Anna Kronberg einen sehr interessanten und vielschichtigen Charakter zu entwickeln, der Holmes intellektuell ebenbürtig ist und diesen auch an der emotionalen Seite packt!
Gut gefallen hat mir, das eigentlich Anna die Hauptfigur ist und ihre Ermittlungen daher auch im Fokus des Krimis stehen. Holmes agiert eher am Rande und wirkt auch nicht überpräsent, trotzdem wird er sehr gelungen beschrieben, seine überhebliche Art, seine messerscharfe Intelligenz und seine Rastlosigkeit sind so, wie man sie vom Original her kennt! Anna ist eine sympathische Figur, die mit Leib und Seele Ärztin ist, sich aber auf Grund gesellschaftlicher Zwänge als Mann ausgeben muß um ihren Beruf ausüben zu können und daher ein sehr kompliziertes Leben führt, tagsüber als Arzt und Abends und Nachts als Frau, hierzu ist ein kompliziertes Versteckspiel nötig, dass den Arzt Dr. Kronberg dazu verdammt, sehr zurückgezogen zu leben und sein gesellschaftliches Leben gänzlich aufzugeben, wenn auch die weibliche Seite nicht verkümmern soll. So lebt Anna in einem ärmlichen Viertel, wo sie vorgibt, Krankenschwester zu sein, um auch ihre weibliche Seite ausleben zu können. Hier hat mir sehr gut gefallen, wie die Autorin Annas Kampf um ihre Identität schildert und den Zwiespalt zwischen ihrer Weiblichkeit und der Berufung als Ärztin hervor hebt.
Was mir allerdings sehr missfallen hat, ist das sich Anna und Holmes schon nach ganz kurzer Zeit duzen. Für meinen Geschmack paßte das nicht wirklich in die Geschichte und auch nicht zu der damaligen Zeit. Holmes und Watson sind schon seit Jahren eng befreundet und Siezen sich immer noch, mit Anna ist er bereits nach wenigen Treffen bei einer vertraulichen Anrede die Holmes eigentlich in keiner anderen Geschichte jemandem gewährte. Mag sein, dass das für viele kein Kritikpunkt ist, mich hat es beim Lesen wirklich gestört, auch wenn die Schlagabtäusche zwischen den beiden durchaus originell und unterhaltsam sind.
Der Krimifall rund um die Cholera Toten hätte vielleicht ein wenig kniffliger sein können, denn auch wenn die Ermittlungen schwierig sind, so ahnt ein eingefleischter Holmes Fan natürlich schon, wer letztendlich hinter dieser perfiden Verschwörung steckt. Der Spannungsbogen ist trotzdem sehr gut und zieht sich auch konstant bis zum Ende und dann gibt es in Bezug auf Anna Kronberg noch eine etwas unerwartete Wendung, die die Neugier auf den nächsten Teil weckt.
Sehr gelungen fand ich den Einblick, den man als Leser in die medizinische und labortechnische Entwicklung der damaligen Zeit und die Erforschung von Infektionskrankheiten wie Cholera und Tetanus erhält. Hier merkt man, dass die Autorin Umweltmikrobiologin ist und sich mit der Thematik auskennt, so kann sie wissenswertes gut verständlich vermitteln und in ihren fiktiven Krimifall integrieren.

FaziT: für Holmes Fans wird es zunächst etwas ungewöhnlich sein, eine Frau an der Seite des Meisterdetektives zu erleben, Autorin Annelie Wendeberg ist es aber gelungen, mit Anna Kronberg einen interessanten, vielschichtigen und vor allem Holmes ebenbürtigen Charakter zu schaffen. Unterhaltsam und spannend geschrieben bekommt man nebenbei noch einen interessanten Einblick in die medizinische Entwicklung der viktorianischen Zeit. Der erste Teil macht eindeutig Lust auf mehr!

30.04.2016 20:57:26
c-bird

Geniales Ermittler-Duo

London, Ende des 18. Jahrhunderts. Es ist eine Zeit, in der Frauen verboten war zu studieren. Nicht jedoch für Anna Kronberg. Sie verkleidet sich kurzerhand als Mann, studiert Medizin und steigt zum angesehensten Bakteriologen und Epidemiologen Englands auf. Von nun an führt sie ein Doppelleben als Dr. Anton Kronberg. In den Wasserwerken Londons wird eine Leiche gefunden, die offensichtlich mit Cholera infiziert war. Scotland Yard bittet um die Hilfe, um abzuklären, ob die Wasserversorgung Londons möglicherweise in Gefahr ist. Hier trifft Anna auf keinen Geringeren als Sherlock Holmes, der ebenfalls der Polizei als Berater zur Verfügung steht. Holmes durchschaut sofort die Verkleidung Annas, verrät jedoch nichts. Er erkennt sofort den messerscharfen Verstand Annas und gemeinsam machen sich die beiden daran, einen der ungeheuerlichsten Fälle Englands aufzuklären. Mit Anna Kronberg und Sherlock Holmes hat Annelie Wendeberg ein wirklich geniales Ermittler-Duo geschaffen. Beide sind zwar unterschiedliche Typen, doch in Sachen von Verstand und Analyse sich ebenbürtig. Schon bei dem ersten Zusammentreffen der beiden brilliert Anna mit einer Analyse Holmes und lässt einen geschockten Holmes zurück. Anna ist eine ganz starke und mutige Frau, die weiß, wie man sich in einer Männerwelt beweisen kann. Wunderschön erzählt, wobei hier auch noch etwas Besonderes anzumerken ist. Die Autorin ist eigentlich Umweltmikrobiologin in Leipzig. Teufelsgrinsen wurde jedoch von ihr in englischer Sprache geschrieben und erst dann ins Deutsche übersetzt. Eine interessante, aber auch sehr erfolgreiche Variante mit tollen Dialogen, die manchmal eher einem Schlagabtausch gleichen. Ein wirklich gelungener viktorianischer Krimi, der auch gleichzeitig vermittelt, unter welchen Bedingungen die Menschen damals lebten. Armut war ein großes Thema, aber auch die hygienischen Bedingungen und die eingeschränkten Möglichkeiten in der medizinischen Versorgung und Entwicklung. Ein spannendes und gleichzeitig wunderbares Buch, das ich rasend schnell ausgelesen hatte. Eine Fortsetzung mit dem Duo Kronenberg/ Holmes liegt bereits in englischer Sprache vor. Ich freue mich schon darauf.

11.05.2014 08:50:49
wendelin

Holmes und Anna - ein unkonventionellen Team das begeistert

London, Ende des 19. Jahrhunderts, schmutzig und voller Slums. Seuchen haben in dieser Umgebung leichtes Spiel. Hier lebt und arbeitet der deutsche Arzt Dr. Anton (Anna) Kronberg, Englands führender Bakteriologe. Sein großes Geheimnis, er ist eine Frau, die sich tagsüber als Mann verkleidet, um ihrem Beruf nachgehen zu können. Frauen ist es zu dieser Zeit nicht gestattet zu studieren, geschweige denn zu praktizieren. Am Fundort eines unbekannten Choleraopfers lernt sie Sherlock Holmes kennen, der ihre Maskerade sehr schnell durchschaut. Aber Holmes erkennt auch ihren messerscharfen Verstand und so tut sich ein ungleiches Paar zusammen um diesen rätselhaften Fall zu lösen, für den sich die Londoner Polizei so gar nicht interessiert.

Ein spannender Plot, der den Leser in eine längst vergangene Zeit entführt. Eine Zeit, in der Frauen keine Rolle spielen durften und die Medizin noch in den Kinderschuhen steckte. Es gelingt Annelie Wendeberg die bedrückende Atmosphäre in den Armenvierteln des historischen Londons zu vermitteln und die menschenverachtende Arroganz der Upperclass bloßzustellen.

Wirklich gut gelungen sind die beiden Protagonisten. Zwei Menschen, denen das Leben schwere Wunden geschlagen hat, ohne sie zu zerbrechen. Wie die beiden gesellschaftlichen Außenseiter sich einander annähern, sich gegenseitig ausloten um sich schließlich schätzen zu lernen, das ist interessant und wirklich unterhaltsam. Spritzige Wortduelle wechseln sich mit emotionalen Momenten. Holmes hat endlich eine Partnerin gefunden, die ihm intellektuell das Wasser reichen kann.

Annelie Wendeberg hat es mit Teufelsgrinsen geschafft, der arg strapazierten Figur des Sherlock Holmes neue Facetten abzugewinnen. Außerdem hat sie mit Anna Kronberg eine sympathische Figur eingeführt. Scharfsinnig und taff, zugleich emphatisch und verletzlich. Echte Frauenpower.

Gleichzeitig gibt die Geschichte einen Einblick in die Entwicklung der Medizingeschichte. Auf diesem Gebiet kennt sich die Autorin bestens aus, denn sie ist Umweltmikrobiologin. Erstaunlich, dass ihr trotzdem ein so unterhaltsames Buch gelungen ist. Einziges Manko, es ist mit gerade mal 230 Seiten ein wenig zu kurz geraten. Ansonsten gibt es an diesem Debüt nichts zu meckern. Ich freue mich schon auf den zweiten Fall dieses unkonventionellen Teams.

09.05.2014 09:37:15
PMelittaM

London, 1889: Als ein offensichtlich Cholera-Kranker in einem Wasserreservoir gefunden wird, wird neben Dr. Anton Kronberg, Spezialist für Infektionskrankheiten, auch Sherlock Holmes von der Polizei hinzugezogen. Bei der Obduktion findet der Arzt heraus, dass der Tote auch noch an einer weiteren Infektionskrankheit litt und offenbar vor seinem Tod gefangen gehalten wurde. Was ist ihm passiert? Kronberg und Holmes ermitteln gemeinsam …

Wer kennt nicht Sherlock Holmes? In diesem Roman kann man ihn einmal von einer etwas anderen Seite kennen lernen, die, wie ich finde, aber durchaus zu ihm passt. Schön auch, dass andere Charaktere aus dem Holmes-Universum ebenfalls Eingang in den Roman gefunden haben, allen voran Dr. Watson, der allerdings zur Zeit der Ereignisse im Roman nicht mehr bei Holmes wohnt, so dass durchaus Platz für einen neuen Begleiter ist. Herrlich auch die Szene, in der Kronberg einen Sherlock-Holmes-Roman liest und regelrecht zerpflückt!

Die Charaktere sind gut ausformuliert, vor allem Kronberg, der ein brisantes Geheimnis mit sich herumträgt (das Holmes natürlich ruckzuck entdeckt), lernt der Leser ziemlich gut kennen. Vor allem durch sein Geheimnis ist er auch besonders interessant und ich freue mich, dass wir ihn auch noch in weiteren Romanen treffen werden. Holmes dagegen lernt man weniger gut kennen, da nimmt sich die Autorin etwas zurück – und tatsächlich werden die meisten Leser ja schon einiges über ihn wissen, eine Erklärung z. B., wer Irene Adler ist und wie sie zu ihm steht, ist daher nicht unbedingt nötig. Wer da mehr wissen will, kann auch googeln. Schön finde ich, dass Kronberg Holmes ebenbürtig ist, auch intellektuell, und diesem daher ordentlich Kontra gibt.

Was mir persönlich sehr gut gefallen hat, ist die Sozialkritik des Romans, vor allem, was die medizinischen Verhältnisse angeht, auch bei der Auflösung nimmt diese einen großen Raum ein.

Die Sprache erscheint der Zeit angepasst, der Roman lässt sich sehr flüssig lesen, ich hatte ihn an einem Tag durchgelesen. Interessant ist, dass Annelie Wendeberg, obwohl Deutsche, den Roman zunächst auf Englisch veröffentlicht hat und dieser erst später ins Deutsche übersetzt wurde, wobei die Autorin, nach eigener Aussage, Mitspracherecht hatte.

Die Auflösung ist logisch aber auch abzusehen, Spannung schöpft der Roman weniger aus dem Ermitteln des Täters sondern eher aus der Einbeziehung der Charaktere, denn beide, Kronberg und Holmes, riskieren sehr viel, um den Täter zur Rechenschaft zu ziehen. So ist der Roman auch nicht ein, von mir eigentlich erwarteter, waschechter Kriminalroman sondern eher ein Detektivroman mit einer guten Portion Sozialkritik und Charakterstudie. Gegen Ende fehlt mir allerdings ein bisschen die Deutlichmachung der Motivation Kronbergs, außerdem gibt es ein paar Ereignisse, die in meinen Augen entbehrlich gewesen wären, da sie die Geschichte nicht weitergebracht haben (z. B. ein Überfall auf Kronberg).

Insgesamt ein interessanter Roman, der sich anders entwickelt als erwartet, aber spannend und lesenswert ist. Holmes passt gut zur Geschichte und wird wohl auch noch für weitere Romane mit Kronberg erhalten bleiben. Ich kann den Roman an alle empfehlen, die gerne historische (Kriminal)Romane lesen.