Der entschwundene Sommer

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2014, Titel: 'Der entschwundene Sommer', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
0 x 81-90
1 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:72
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":1,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Rita Dell'Agnese
Mit dem Krieg wird alles anders

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2014

Für die beiden Freundinnen Corinna und Beatrice sind es die letzten Tage ihrer Kindheit, die sie in diesem Sommer zusammen verbringen können. Corinna ahnt, dass ihr Leben nach diesen Sommertagen ganz anders verlaufen wird. Denn als Tochter einer einfachen Küchenangestellten hat sie wenig anderes zu erwarten als ein Leben voller Arbeit. Auch Beatrice wird sich dem Leben als Erwachsene stellen müssen, doch sieht dieses für sie um einiges komfortabler aus. Denn sie ist die Tochter des Hotelbesitzers und muss sich einzig Gedanken darüber machen, einen passenden Mann zu finden, der das Hotel im Sinne ihrer Eltern weiterführen wird. Doch Beatrice hat ihr Herz längst an Johannes von Thalheim verloren. Er aber gehört einer ganz anderen Gesellschaftsschicht an – eine Verbindung mit Beatrice würde von seiner Mutter niemals geduldet. Johannes selbst versucht, sich aus dem starren Gefängnis zu befreien, das seine Herkunft für ihn bedeutet. Er träumt davon, Koch zu werden und Beatrice zu heiraten. Da verändert sich mit einem Schlag die Welt für alle Beteiligten. Der österreichische Thronfolger wird in Sarajewo erschossen, Krieg bricht aus. Sowohl Corinna als auch Beatrice müssen ihre Träume begraben und sich einer Realität stellen, die sich wesentlich schneller verändert, als die beiden jungen Frauen verstehen können. Viele Jahre später erbt die junge Mia – eine Nachfahrin von Corinna - unerwartet das Hotel am See. Zunächst steht sie dem Erbe ablehnend gegenüber, doch je mehr sie sich damit befasst, desto mehr nimmt die Geschichte ihrer Großmutter Corinna sie gefangen.

Starkes Gesellschaftsbild

Mit ihrem Roman bietet Rebecca Martin gleich zwei gelungene Storys. Zum einen ist es die Geschichte einer Freundschaft, die sich über die Jahrzehnte hinweg halten kann und ihre Nachwirkungen selbst auf die Nachfahren hat. Zum anderen aber – und dieser Part ist noch ungleich intensiver als die Geschichte von Corinna und Beatrice – lässt Rebecca Martin die Jahre nochmals auferstehen, in denen die gesamte Gesellschaftsordnung durcheinander gewirbelt worden ist und durch einen brutalen Krieg eine völlig neue Welt entstanden ist. Äußerst geschickt stellt die Autorin das Gefüge dar, in dem die jungen Protagonisten gefangen sind. Ob es sich um Corinna handelt, deren berufliche Entwicklung durch ihre Herkunft enge Grenzen gesteckt sind, oder um Beatrice, die in ihrer Stellung als Hotelierstochter zwar eine rosige Zukunft vor sich hatte, aber niemals zu den oberen Zehntausend gehörten konnte: Beide Frauen träumen vom großen Glück an der Seite des geliebten Mannes. Brisanz bringt die Autorin dadurch hinein, dass sie denselben Mann lieben – und er aufgrund seiner gesellschaftlichen Stellung über den beiden Frauen steht und sich mit keiner von ihnen einlassen dürfte. Das Bild, das Rebecca Martin hier entwirft, zeigt auf, wie sich schon vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Ordnung langsam verschiebt und immer mehr junge Leute dagegen aufbegehren, die von Generationen gesteckten Grenzen einzuhalten.

Besondere Art der Erzählung

Um ihre Geschichte zu erzählen, hat Rebecca Martin sich auf eine Story mit zwei Zeitebenen festgelegt. Sie erzählt das Schicksal von Beatrice und Corinna ab dem Jahr 1912, lässt das Publikum Schritt für Schritt nachvollziehen, was der Krieg mit den beiden macht und welche Veränderungen die Zeit mit sich bringt. Zugleich setzt sie in der Gegenwart die junge Mia als ahnungslose Hotelerbin ein, die sich nach und nach die Geschichte ihrer Großmutter erarbeiten muss und dabei feststellt, dass sie viel zu schnell mit Vorurteilen gegenüber der Großmutter zur Hand gewesen ist. Diese besondere Art der Erzählung ist eindringlicher, als es der Leser zunächst wahrnimmt. Denn durch die verschiedenen Protagonisten kommt er jeweils sehr intensiv mit der Geschichte und den damit verknüpften Gefühlen der Personen in Kontakt. Es zeigt sich ihm dadurch ein vielfältiges Bild, das mit einigen Höhen und Tiefen versehen ist, so dass es lebendig und anziehend bleibt.

Überzeugende Story

Obwohl in einzelnen Bereichen schnell klar ist, welche Geschichte hinter der aktuellen Situation steckt, hat der Leser nie den Eindruck, dass er schon zu viel weiß und die Spannung verloren geht. Rebecca Martin hat zu keinem Zeitpunkt die Situation überzeichnet oder zu dick aufgetragen – sie wirkt mit ihrer ganzen Story überzeugend und real. Dadurch vermittelt sie den Lesern ein eindrückliches Portrait einer Zeit, die nicht nur die gesellschaftlichen Weichen Europas gestellt hat. Dass sie darauf verzichtet, eine zu süße Liebesgeschichte einzubauen, wirkt sich auf die Qualität des Romans positiv aus. Sie präsentiert eine Gesichte mit Tiefgang, die noch lange nachwirkt.

Der entschwundene Sommer

Der entschwundene Sommer

Deine Meinung zu »Der entschwundene Sommer«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
02.06.2014 10:47:10
Sagota

Wie auf dem Buchrücken bereits zitiert, geht es um ein malerisches Hotel irgendwo im Taunus, eine tiefe Freundschaft und ein erschütterndes Unrecht...
Das cover ist wirklich schön gestaltet, besonders die Möglichkeit, sowie Vorder- als auch Hinterseite nochmal aufzuklappen und den See anschauen zu können, fand ich eine gute Idee (ich habe das zwischendurch öfter mal praktiziert, machte Spaß während des Lesens ;-)
Der Roman spielt auf 2 Zeitebenen (1912 und 1992) und erzählt die Geschichte der Protagonisten, die im Hotel "Zum goldenen Schwan" mitten im schönen Taunus lebten, dieses bewirtschafteten und von Standesdünkel der exquisiten Gäste (Frau von Thalheim) umgeben waren, deren Ansprüche die Fam. Kahlenberg versuchte, gerecht zu werden. Die beiden Jungs der Fam. von Thalheim, Ludwig und Johannes, spielen jeden Sommer mit der Tochter des Hotelbesitzers (Beatrice) und Corinna, der Tochter der Köchin, deren beste Freundin. Dies wird von Seiten der standesbewussten Mutter der Jungs nicht gern gesehen. Dennoch hält sich die Freundschaft der vier bis ins Jugendalter und Corinna muss irgendwann mithelfen - die Sommer der Unbekümmertheit sind endgültig passé ...
Der Stil ist einfach, flüssig und klar, wobei es der Autorin gelingt, eine gute Erzähldichte und Spannung aufzubauen, die den Leser in den (Unterhaltungs-)Bann zieht; vor jedem Wechsel der Zeitebene wird die Spannung nochmal erhöht, sodass es ein regelrechter pageturner ist: Die zweite Hälfte des Buches, die den Ausbruch und Verlauf des 1. Weltkrieges und die Erlebnisse von Johannes und Ludwig in Ansätzen beschreibt, konnte mich mehr überzeugen als die erste Hälfte. Die Zeit, in der die Personen lebten, ist glaubhaft dargestellt. Die Geschichte von Mia wirkte zeitweilig ein bisschen konstruiert auf mich, ebenfalls das Romanende. Ich würde es unter dem Genre recht gute Unterhaltungsliteratur mit historischem Bezug einsortieren und bemängele, dass es dem Buch an Tiefe fehlt. Dennoch hat es mir Spaß gemacht, die Entwicklung der Figuren mitzuverfolgen und ich fühlte mich gut unterhalten.