Der Werwolf von Münster

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2014, Titel: 'Der Werwolf von Münster', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85

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Birgit Borloni
Wölfische Morde zur Zeit des Kulturkampfs

Buch-Rezension von Birgit Borloni Mär 2014

Es ist die Zeit des Kulturkampfs in Deutschland, Kanzler Otto von Bismarck erlässt einige Gesetze, die die Macht und den Einfluss der katholischen Kirche zurückdrängen sollen. Verständlicherweise stößt das vor allem bei der Kirche nicht auf Gegenliebe, aber auch in überwiegend katholisch besiedelten Gebieten, wie z.B. in Münster und Umgebung sind die Menschen deswegen gegen die Regierung eingestellt.

In dieser Zeit bekommt Heinrich Maler, preußischer Geheimdienstmitarbeiter und bei seiner Behörde aktuell in Ungnade gefallen, den Auftrag, den Bischof in Münster, den er seit Kindheit kennt, auszuspionieren. Widerwillig nimmt Maler den Auftrag an zum einen ist es eine Chance, sich zu rehabilitieren, zum anderen hofft er, den Bischoff so schützen zu können. Kaum in Münster angekommen, wird er jedoch mit einigen bestialischen Morden konfrontiert, die so grausam sind, dass bald das Gerücht die Runde macht, es müsse ein Werwolf sein Unwesen treiben. Bei seinen Ermittlungen stößt Maler auf spiritistische Kreise, deren Ansichten er nicht viel abgewinnen kann, doch scheinen ausgerechnet sie eine Hilfe bei der Suche nach dem Mörder zu sein & aber ist auch alles so wie es scheint?

Überzeugende Kombination aus Kriminalfall und gesellschaftlichen Umständen

Der Werwolf von Münster ist der dritte historische Roman für Dieter Beckmann und der erste für Maria Rhein und sie stellen in ihrem gemeinsamen Debüt eindrucksvoll unter Beweis, dass sie als Autoren gut harmonieren.

Der Kriminalfall ist spannend und überzeugend konzipiert, es gibt einen Haufen Verdächtiger, so dass der Leser stets mitgrübeln kann, wer denn nun hinter all dem steckt, und einige überraschende Wendungen sorgen dafür, dass die Spannung bis zum Schluss aufrecht erhalten wird, auch wenn der erfahrene Krimileser den Täter gegen Ende sicherlich leicht erahnen wird.

Zudem erhält man als Leser viele Informationen zu den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen. Zwei Themen vor allem umrahmen die Krimihandlung: Der Kulturkampf und der aufkommende Spiritismus.

Die von Reichskanzler von Bismarck erlassenen Gesetze sorgen für einige Unruhe: Pfarrer und Bischöfe werden überwacht, verhaftet und müssen einige Repressalien erdulden, während die Bevölkerung einerseits eine überwältigende Anteilnahme und Treue ihren geistlichen Hirten gegenüber zeigt, sich aber andererseits teilweise auch von einigen Aufwieglern gegen die Kirche und vor allem die Pfarrer aufhetzen lässt.

Der Spiritismus erfreut sich immer mehr Anhängern, die sich bei Séancen treffen um in wohlig-gruseliger Stimmung Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen zu können. Die Faszination dieser "Wissenschaft" wird ebenso gut eingefangen wie die Möglichkeiten zur Manipulation und die Gefahren, die im blinden Glauben an die Geister liegen.

Vielschichtige Figurenzeichnung und eine Portion Lokalkolorit

Mit Kommissar Heinrich Maler haben Beckmann und Rhein einen sympathischen und engagierten Protagonisten mit Ecken und Kanten erschaffen, der auch persönliches Ungemach in Kauf nimmt, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Unterstützt wird er dabei von seinem enthusiastischen und loyalen Kutscher Jolmes, der dem Leser bald ans Herz wächst. In Katharina Kaufmann findet Maler seine Liebe und die tatkräftige und unabhängige Frau gewinnt ebenfalls bald die Sympathien der Leser wenn das gemeinsame Glück auch nicht lange ungetrübt bleibt. Hier ist zu erwähnen, dass es einige ausführliche Sexszenen zwischen den beiden gibt, die eigentlich nicht nötig gewesen wären, um der Geschichte den richtigen Pfiff zu verleihen und die sich zudem auch nicht groß voneinander unterscheiden. Insgesamt sind alle Charaktere hervorragend gelungen, es gibt viele spannende und faszinierende Figuren und damit mehr als genügend mögliche Täter.

Sprachlich kann der Roman über weite Strecken ebenfalls überzeugen, lediglich an einigen Stellen wirkt der Stil durch sehr kurze Sätze abgehackt und ungelenk vielleicht der Tatsache geschuldet, dass zwei Autoren am Werk waren.

Insgesamt ist Der Werwolf von Münster ein spannender historischer Krimi, der auf allen Ebenen fast durchgehend zu überzeugen weiß und von dessen Protagonisten Heinrich Maler man gerne mehr lesen würde. Besonders für Münsteraner dürfte die gehörige Portion Lokalkolorit die Geschichte noch zusätzlich abrunden.

Der Werwolf von Münster

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Letzte Kommentare:
10.07.2016 13:15:11
wampy

Buchmeinung zu Maria Rhein & Dieter Beckmann – Der Werwolf von Münster

„Der Werwolf von Münster“ ist ein historischer Kriminalroman von Maria Rhein und Dieter Beckmann, der 2014 im GMEINER-Verlag erschienen ist. Ich habe das E-Book gelesen.

Zum Autor:

Maria Rhein arbeitete als Diplom-Designerin in diversen Werbeagenturen und ist seit der Geburt ihrer Kinder als Musik- und Kunstdozentin freiberuflich tätig. Regional machte sie sich einen Namen als Sängerin und Entertainerin. Unter anderem auch mit

Dieter Beckmann, der seine ersten Gedichte und Kurzgeschichten mit 17 Jahren verfasste. Als Musiker veröffentlichte er mehrere Alben. 2005 gewann er mit der Kurzgeschichte „Das Haus des Tagelöhners“ den 2. Platz des Allianzliteraturwettbewerbes. 2009 erschien sein erster historischer Roman.


Klappentext:

1874: Das katholische, vom Kulturkampf zerrissene Münster wird Schauplatz bestialischer Morde. Die preußische Geheimpolizei wittert ihre Chance, den seit Langem verhassten Bischof Brinkmann loszuwerden, da die Verbrechen einen religiösen Hintergrund haben. Der in Münster geborene Geheimpolizist Heinrich Maler wird in seine Heimatstadt zurückgeschickt, um Beweise für eine Beteiligung Brinkmanns „zu finden“. Die Spuren führen zu einer spiritistischen Gesellschaft. Während die preußische Regierung sich einen erbitterten Kampf mit der Kirche liefert, gerät Maler schließlich selbst ins Visier des Serienmörders.

Meine Meinung:
Von Anfang an war ich in der Geschichte drin. Das Buch liest sich leicht und flüssig und die Figur des Heinrich Maler mag ich, denn sie hat Ecken und Kanten. Die fehlen leider bei den anderen Figuren fast völlig. Sehr eindrucksvoll fand ich die Szenen, die aus der Sicht des Werwolfs beschrieben sind. Man fühlt seinen Schmerz, seine Zerrissenheit und seinen Wunsch, seine Aufgabe zu erfüllen.
Jolmes, der Assistent Malers, ist sympathisch und nett, aber nicht mehr. Katharina ist eine selbstbewusste junge Frau, die auch gegenüber spirituellen Dingen offen ist. Sie hat eine Beziehung mit Heinrich, aber die Sexszenen waren überflüssig, denn sie waren für die Entwicklung der Geschichte überflüssig. Alle weiteren Figuren waren doch recht eindimensional böse oder gut.
Gelungen fand ich die Beschreibung des alltäglichen Lebens. Man hatte das Gefühl, dabei zu sein.
Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund des Machtkampfes zwischen katholischer Kirche und preußischem Staat. Dieser wird sehr anschaulich beschrieben und auch einzelne Maßnahmen beider Seiten werden verdeutlicht. Zum Ende des ersten Teils wird ein Täter präsentiert, an den der Kommissar nicht glaubt.
Nach meinem Empfinden fällt der zweite Teil deutlich gegenüber dem ersten Teil ab. Die Handlung wird zunehmend unglaubwürdiger und das Ende kommt dann ziemlich abrupt.
Der Kriminalfall ist durchaus interessant und findet eine plausible Lösung. Der Spannungsbogen leidet aber an den historischen Einschüben und den Episoden um die Liebesgeschichten.
Erstaunlich fand ich, dass ich nicht erkennen konnte, welche Stellen von welchem Co-Autor geschrieben wurden.
Fazit:
Dieser Roman hat ausgeprägte Stärken und Schwächen. Die Figur Heinrich Maler und die Beschreibung des Konfliktes zwischen Staat und Kirche zählen zu den Stärken, der Abfall der Spannung durch etliche unnötige Einschübe und die meist eindimensionalen Charaktere fallen negativ auf. Wenn ich alles in einen Topf werfe, komme ich zur Wertung drei von fünf Sternen oder 65 von 100 Punkten.

12.06.2016 14:32:36
PMelittaM

1874: In Münster geht ein Serienmörder um, der sich womöglich in göttlichem Auftrag wähnt, denn bei den Leichen findet die Polizei Bibelseiten. Heinrich Maler, von der Geheimpolizei eigentlich nach Münster entsandt um Bischof Brinkmann im Auge zu behalten, wird der Fall übertragen.

Der Roman startet interessant, schon im Prolog lernt man den Täter kennen, natürlich ohne seine Identität erahnen zu können, er nennt sich – zunächst – Lupus und mordet im Wolfspelz. Immer wieder während des Romans wird man ihm begegnen und an seinen Gedanken teilhaben können. Die Frage, wer sich dahinter verbirgt, bietet die Möglichkeit zum Miträtseln.

Gelungen ist die Verknüpfung der Charaktere mit dem (nicht nur) politischen historischen Hintergrund, Bismarcks Streit mit der katholischen Kirche, die ihm zu mächtig ist, findet sich in Heinrichs Auftrag wieder und ist gerade im katholischen Münster von Belang, weiterhin ist der, zur damaligen Zeit sehr moderne, Spiritismus Thema. Mir persönlich kamen diese Dinge dennoch etwas zu kurz, ich hätte mir, zumindest im Nachwort, eine kritischere Auseinandersetzung damit gewünscht. Vielleicht wäre ein Roman nur mit dieser Thematik, ohne den Kriminalfall, ergiebiger gewesen. So wurde ich aber immerhin dazu angeregt, selbst weiter in die Thematik einzudringen.

Der Kriminalfall hat mich letztlich enttäuscht. Zu wenig wird mir ermittelt, zu viel geht es mir um persönliche Belange der Protagonisten, zu denen neben Heinrich Maler auch Katharina Kaufmann gehört, deren Schwester das erste Opfer des Mörders ist und die sich dem Spiritismus sehr verbunden fühlt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Beziehung, die über Freundschaft hinausgeht. Leider haben es die Autoren für nötig befunden, erotische Szenen in den Roman einzufügen, die ich – vor allem derart explizit, in einem historischen Roman nicht nur völlig unpassend finde, die meiner Meinung nach auch recht unglaubwürdig wirken. Die Beziehung entwickelt sich einfach zu schnell.

Auch die Auflösung kommt zu plötzlich, ich hatte zwar diese Person bereits verdächtigt, aber auch hier spielt mehr der Zufall als tatsächliche Ermittlung eine Rolle, der Geistesblitz Malers, der zur Überführung führt, erscheint mir ebenfalls unglaubwürdig. Auch hatte ich gehofft, dass hinter der Motivation des Täters mehr stecken würde.

Insgesamt ist, glaube ich, zu viel in die Geschichte gepresst, so dass nichts davon letztlich zufriedenstellend ausgearbeitet wird. Der Roman lässt sich zwar zügig lesen, es fehlt ihm aber an Spannung, ich habe kaum einmal unbedingt wissen wollen, wie es weitergeht oder bin gar atemlos durch die Seiten geflogen.

Das bereits angesprochene Nachwort ist in meinen Augen wenig ergiebig, weitere Bonusinhalte gibt es nicht.

Insgesamt hat mir der Roman während des Lesens immer weniger gefallen. Schien mir zunächst die Thematik und der Fall noch sehr interessant, verliert er im Laufe des Geschehens in meinen Augen immer mehr, zu viel wird angerissen, zu wenig ordentlich ausgearbeitet, die persönlichen Probleme stehen im Vordergrund, der Kriminalfall entwickelt sich wenig spannend und zunehmend uninteressant, die Auflösung enttäuscht. Der historische Hintergrund allerdings ist interessant und hat dazu beigetragen, mein Wissen zu erweitern. Ein zweiter Roman mit Heinrich Maler ist angekündigt, ich werde ihn allerdings nicht lesen. Ich vergebe knappe 3 von 5 Sterne.

03.05.2014 00:05:55
tassieteufel

Geheimpolizist Heinrich Maler ist bei seiner Behörde in Ungnade gefallen und muß harmlose Bergleute bespitzeln, da kommt ihm der neue Auftrag in Münster gerade recht. In seiner alten Heimatstadt soll er Bischof Brinkmann ausspionieren, der Kanzler Otto von Bismark, der mit radikalen Mitteln den Einfluß der katholischen Kirche eindämmen will und gerade im kleinen Bistum Münster auf erbitterten Widerstand stößt, ein Dorn im Auge ist. Maler nimmt den Auftrag nur zögerlich an, ist doch der Bischof ein Freund seines Vaters und er kennt und schätzt ihn seit Kindertagen. Doch als er in Münster angekommen ist, erschüttern das beschauliche Münster grausame Morde, die einen religiösen Hintergrund zu haben scheinen. Während Heinrich Maler bei seinen Ermittlungen auf spiritistische Kreise stößt, macht in Münster das Gerücht die Runde, ein Werwolf würde umgehen.

Dem Autorenduo ist ein spannender und zunächst undurchschaubarer Krimi gelungen, der auch ein spannendes Stück Geschichte behandelt, von dem ich nicht sehr viel wußte. Der Kulturkampf zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche spiegelt sich im Kleinen in Münster wieder und den Autoren ist die Atmosphäre zwischen Kirchentreue und Aufklärung sehr gut gelungen. Seancen und spiritistische Zirkel, im Gegenzug dazu die aufgebrachten Bürger, die weiterhin treu den strengen Geboten der Kirche folgen, Pfarrer und Bischöfe, die überwacht oder gar arretiert werden, hier baut sich eine aufgeheizte Stimmung auf, die durch die grausamen Morde noch angeheizt wird. Das Bild das hier gezeichnet wird, vermittelt ein lebendiges und dichtes Sittengemälde einer Zeit im Umbruch.
Mit Heinrich Maler ist den Autoren eine sympathische Hauptfigur mit Ecken und Kanten gelungen, die durchaus noch Potenzial für eine Fortsetzung hätte. Maler ermittelt verbissen und nimmt auch persönliche Nachteile in Kauf, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Ihm zur Seite steht sein Kutscher Jolmes, den Maler zunächst nur widerwillig an den Ermittlungen beteiligt, der ihm jedoch bald ein richtiger Freund wird und auch alle Nebencharaktere wurden von den Autoren sehr facettenreich ausgearbeitet.
Der Krimifall wird von Anfang an spannend und temporeich erzählt und ist gekonnt in das historische Umfeld eingebettet. Nachdem der Mörder scheinbar gefaßt ist, kann der versierter Krimileser allerdings ahnen, wer der wahre Täter ist, doch da Heinrichs Privatleben gerade eine tragische Wendung nimmt, bleiben noch genug Dramatik und Spannung erhalten bis dann der wirkliche Mörder entlarvt wird. Die spannende Mördersuche wird durch eine dezente Liebesgeschichte abgerundet, die Heinrich Malers Privatleben am Ende ein wenig offen läßt und so vielleicht noch Raum für eine Fortsetzung gibt.

FaziT: ein spannender und komplexer historischer Krimi, der mit viel Lokalkolorit und interessanten Charakteren überzeugt und den Zeitgeist Ende des 19. Jahrhunderts einfängt.