Die Portraitmalerin

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2014, Titel: 'Die Portraitmalerin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89
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Rita Dell'Agnese
Eindrückliches Portrait verpackt in einen unterhaltsamen Roman

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2014

1733. Anna Dorothea Therbusch ist das Zeichnen in die Wiege gelegt. Als Tochter des Hofmalers Lisiewski kommt sie schon früh mit der Malerei in Berührung. Obwohl sie hauptsächlich mit dem Haushalt beschäftigt ist ihre Mutter starb bei der Geburt des jüngsten Kindes, einer behinderten Tochter kann sich Anna auf dem Gebiet der Malerei stetig weiter entwickeln. Sie träumt davon, eine solide Ausbildung zu bekommen. Doch davon wollen die Männer Mitte des 18. Jahrhunderts nichts wissen. Für sie kann eine Frau keine eigene Karriere anstreben sie sollen im Hintergrund bleiben. Mit ihrer starken Persönlichkeit weiß sich Anna jedoch durchzusetzen. Sie lässt sich vom eisigen Wind, der ihr entgegen schlägt, nicht beeinflussen und reist nach Paris, wo sie dank ihres großen Talents Mitglied der Pariser Akademie wird. Als Hofmalerin von Friedrich dem Großen etabliert sich Anna als Malerin. Doch sie muss einen hohen Preis dafür zahlen, sich als Malerin durchzusetzen.

Es wird alles greifbar

So gut, wie Anna Dorothea Therbusch mit dem Pinsel umzugehen wusste, so gut geht Cornelia Naumann mit der Feder um. Sie präsentiert mit Die Portraitmalerin ein ausgesprochen geglücktes Portrait einer selbstbewussten Frau, die nicht nur ihr eigenes Talent entdecken und entwickeln muss, sondern sich vor allem gegen äußere Wiederstände durchzusetzen hat. Feinfühlig stellt die Autorin dar, dass die Verwirklichung des Traums, Malerin zu werden, für die junge Frau auch ein großer Einschnitt in ihr Leben bedeutet. Durch die sehr dichte Erzählweise, die die Leser nahe ans Geschehen heran holt und ihnen die Möglichkeit gibt, einen intensiven Blick einerseits in die Gefühlswelt der jungen Malerin zu werfen und andererseits in die Gesellschaft, wie sie sich Mitte des 18. Jahrhunderts in Mitteleuropa präsentiert, wird das Geschehen regelrecht greifbar.

Charaktere aufeinander abgestimmt

Cornelia Naumann verbindet die bekannten Fakten geschickt mit Fiktion. Sie erschafft neben der Protagonistin Anna eine ganze Anzahl von Figuren, die den Lebensweg der Malerin bereichern oder erschweren. Obwohl es sich um einige historisch überlieferte Persönlichkeiten und einige Figuren handelt, die für den Verlauf der Geschichte notwendig sind, aber der Phantasie der Autorin entsprungen sind, hat der Leser immer das Gefühl, dass es sich genau so zugetragen haben könnte, wie Naumann das schildert. Die Charaktere sind optimal aufeinander abgestimmt, sind facettenreich und überzeugend sowohl in ihrer Persönlichkeit als auch in ihrem auf das gesellschaftliche Umfeld abgestützte Verhalten. Natürlich steht die Malerin selber im Mittelpunkt, doch bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass weit mehr Personen mit einem spannenden Charakter eine Rolle spielen.

Etwas bemüht

Dass das Ausnahmetalent Anna Dorothea Therbusch in Künstlerkreisen eine gewisse Bekanntheit erringt, ist wohl unabdingbar. So begegnet sie einer ganzen Zahl von Persönlichkeiten, die zu jener Zeit in Paris lebten. Viele der auch heute noch bekannten Kunstschaffenden dürften tatsächlich früher oder später mit der Malerin in Berührung gekommen sein. Dennoch wirkt die Einbindung der verschiedenen Persönlichkeiten in den Roman etwas bemüht. Das ist bedauerlich, wäre doch das Portrait der Malerin als solches durchaus anziehend genug, ohne die bekannten Namen noch mit einzuflechten.

Mit ihrem starken Portrait, das sie von einer starken Frau geschaffen hat, beschenkt Cornelia Naumann ihre Leserschaft auf wunderbare Art. Dass sie eingängig schreibt, auf Belehrungen und Dozieren verzichtet und dafür viel Menschlichkeit in den Roman hinein flicht, macht ihn zu einem angenehmen Leseerlebnis auch für jene, die sich sonst selten ins Genre des historischen Romans verirren.

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