Der Tag, an dem es Kapitalisten regnete

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Emons, 2014, Titel: 'Der Tag, an dem es Kapitalisten regnete', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Kurzweilig, unterhaltsam, belanglos

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2014

Berlin, 1929: Max "Wahni" Gerepolski gehört der Tanzkapelle "Grammofox" an, mit der er leidlichen Erfolg hat. Mit dafür verantwortlich ist Paule, der sich um die Finanzen der Gruppe kümmert, dabei aber vor allem seinen eigenen Vorteil im Blick hat. Doch dann scheint sich plötzlich alles zu ändern. Eine Bekannte von Max arbeitet für die "Morgenpost" und veröffentlicht einen längeren, wohlwollenden Artikel, wodurch die Gruppe zu ihrem ersten Auftritt im Radio kommt. Doch während der Livepremiere eines neuen Stückes wird die Sendung plötzlich aufgrund einer aktuellen Meldung unterbrochen: Die Börse ist zusammen gebrochen. (Ich-Erzähler) Max ist außer sich.

 

"Na und, ist ja nicht das erste Haus, das einstürzt", entgegnete ich barsch.

"Nicht das Gebäude", redete nun wieder der junge Assistent auf mich ein. "Der gesamte Geldverkehr ist zusammengebrochen. Eine Katastrophe."

"Was soll denn daran eine Katastrophe sein?", stammelte ich fassungslos. "Erdbeben, Flutwellen, Kriege, Volksverdummungen, das sind Katastrophen, aber sicher nicht eine pleitegegangene Elite von Volksschädlingen! Der ganze Aufruhr also nur wegen ein paar Banken, die von unfähigen Gierschlunden geführt werden? So viel Aufregung wegen etwas derart Unnützem wie Geld?"

 

Kurz darauf ist die Polizei präsent, denn Max´ Bruder Bernd, einer der geldgierigen Börsenhaie, hat sich soeben aus dem Fenster seines Büros gestürzt. Für die Polizei ein klarer Fall von Selbstmord, wie in anderen zahlreichen Fällen nach dem Crash.

 

"Mein Bruder könnte sich niemals ein Leid antun. Er liebt sich über alles!"

 

Mit Hilfe seiner bevorzugten Wirte Proidl und Icke sowie der Journalistin Sabine versucht Max den Todesfall seines Bruders aufzuklären …

"Historischer Kriminalroman" oder Etikettenschwindel?

Der Tag, an dem es Kapitalisten regnete ist laut Buchcover ein "Historischer Kriminalroman", was man durchaus als Etikettenschwindel bezeichnen darf. Gut, die Handlung spielt 1929, an einigen (sehr) wenigen Stellen werden die aufstrebenden Nationalsozialisten erwähnt und an zahlreichen Stellen werden Schlager der damaligen Zeit zitiert. Aber reicht das für einen "historischen" Roman? Ganz im Gegenteil stellt sich die Frage, warum der spannende Hintergrund des Börsencrashs nicht für einen "anspruchsvollen" Roman genutzt wurde? Gunnar Kunz, um nur einen Autor zu nennen, lässt grüßen und zeigt wie es hätte funktionieren können. Aber leider hatte Martin Genahl offenbar andere Ambitionen. So tritt die Musikgruppe Grammofox auf und wenn sie nicht auftritt, trifft man sich beim Proidl oder beim Icke auf zahllose alkoholische Getränke. Es werden Anekdoten erzählt, politische Diskussionen angerissen und zotige Anspielungen dürfen auch nicht fehlen. "Spannend" ist dies nicht und mit dem sogenannten "Kriminalfall" hat der überwiegende Teil der Handlung ohnehin nichts zu tun. Das, was hier als "Ermittlungen" bezeichnet wird, ist als - schlechter - Witz zu bezeichnen und über die Art der Auflösung reden wir lieber erst gar nicht.

 

"Auch wenn ihr Verhalten auf den ersten Blick durchaus verdächtig erschien, schloss ich sie als Täterin aus. Derart hübsche Augen konnten unmöglich lügen und so zarte Händchen unmöglich morden."

 

Für Freunde der Schlager aus den 1920er Jahren empfehlenswert

Wer sich für "leichte Unterhaltungskost" interessiert und vor allem über den schnoddrigen Stil des Ich-Erzählers Max schmunzeln möchte, der könnte mit dem vorliegenden Roman dennoch seine Freude haben. Unterhaltsam ist der Schreibstil von Martin Genahl durchaus, allerdings sollte man eben keinen ernsthaften Plot erwarten.
Dies hätte seitens des Emons-Verlages durchaus etwas feiner auf dem Buchrücken hervorgehoben werden können. Stattdessen heißt es in dem Begleitzettel für die Presse, dass "…die schicksalhaften Ereignisse, die zum Wahlsieg der Nationalsozialisten führten, für den Leser (…) greifbar" werden. Diese Stellen im Roman würde sich der Rezensent gerne einmal zeigen lassen, da selbst der Börsencrash nur Mittel zum Zweck (sozusagen für den Fenstersturz) ist. Dem folgenden Auszug der Presseinfo "…ein Reiz der Lektüre besteht darin, dass die Schlager der Zeit ausführlich thematisiert werden" ist allerdings kaum etwas hinzuzufügen.

Der Tag, an dem es Kapitalisten regnete

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Letzte Kommentare:
03.05.2014 15:13:20
Peter Schwarz

Wer auf der Suche nach einem (ver)al(te)ten Schema-F-Krimi nach den aktuell gängigen Vorgaben (möglichst blutrünstig und in sich verschachtelt, perfekte und coole Ermittler, usw.) ist, könnte mit Martin Genahls "Der Tag, an dem es Kapitalisten regnete" tatsächlich nicht optimal beraten sein. Dem offenen Leser abseits standardisierter Lesegewohnheiten und Erwartungen hingegen bietet das Buch einen hochinteressanten Einblick in die Zeit der Weimarer Republik, die atmosphärisch und fasslich beschrieben wird. Der Krimi-Anteil ist in der Tat überschaubar, was sich mir allerdings als erfreuliche Besonderheit und keineswegs negativ dargestellt hat, umso mehr - unerwarteten - Raum erhalten die nicht minder interessanten Nebenstränge des Textes. Die Charaktere sind stark und gut beschrieben, der Erzählstil unterhaltsam und kurzweilig, die historischen Aspekte werden erfreulicherweise klarer und pointierter eingeführt als in vergleichbaren Krimis, wo sie oftmals nur als willkommene Kulisse dienen (Und es gibt wirklich wichtigeres, als jedes Buch nach Spuren der Nazis abzuklopfen, diese kommen bei Genahl nur am Rande vor, weil sie damals auch (noch) nur ein Randerscheinung waren!). Auch die Auflösung, die ich natürlich nicht verraten werde, fügt sich nahtlos in die erfrischend unorthodoxe Geschichte ein und entzieht sich ebenfalls den üblichen Schubläden. Ich habe die Lektüre sehr genossen, möchte aber ausdrücklich betonen, dass das nur meine ganz persönliche Sichtweise widerspiegelt, allerdings ist in letzter Konsequenz jede Kritik lediglich eine Einzelmeinung.