Die Blender

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Bebra, 2014, Titel: 'Die Blender', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Okkultes Durcheinander

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2014

Berlin, 1931. In dem seit Jahren leer stehenden Palais Pannwitz wird die strangulierte Leiche des Kleinkriminellen Gustav Striesow gefunden. Kommissar Sándor Lehmann bleibt hingegen kaum Zeit, diesen Mord aufzuklären, denn sein Chef Ernst Gennat hat eine andere Aufgabe für ihn. Die amerikanische Journalistin Rosalind Hossrow hält sich in Berlin auf, um in der aufkommenden Naziszene zu recherchieren und bei der Entlarvung des nationalsozialistischen Rasseanspruchs zu helfen. Da diese Arbeit nicht ungefährlich ist, soll Sándor sie begleiten und beschützen.

 

"Also geben wir der Presse Polizeischutz bei ihrer Gespensterjagd und jagen statt Kriminellen arische Hirngespinste?"

 

Hossrow hat sich bereits weitere Verstärkung gesichert und sich dem Okkultismusforscher Erich Saeckel angeschlossen, der mit einer siebenköpfigen Gruppe zunächst einen Propheten im Palais Pannwitz treffen möchte. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei dem vermeintlichen Propheten um den ermordeten Striesow. Sándor hat somit seine ersten Verdächtigen zusammen, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen auf eine spirituelle Reise aufgemacht haben. Bereits in drei Tagen steht eine weitere Séance bei der erst 15-jährigen Berta Kolotzki an, die Sándor daraufhin von seinen Männern rund um die Uhr bewachen lässt. Aber irgendetwas geht schief und langsam wächst die Ungeduld des "Buddha vom Alexanderplatzes", Ernst Gennat…

Okkultismus vs. Nationalsozialismus. Eine unheilvolle Allianz

Nach Black Bottom ist Die Blender bereits der zweite Teil der Sándor-Lehmann-Reihe, in der dieses Mal der Berliner Kultkommissar Gennat einen größeren Auftritt hat (lesenswert: "Der Kommissar vom Alexanderplatz" von Regina Stürickow). Mit den titelgebenden "Blendern" sind die zahllosen Ariosophen, Germanenbünde, Propheten, Telepathen, Okkultisten und viele andere mehr gemeint, die leichtgläubigen Menschen in jener Zeit das Geld aus der Tasche zogen. So auch bei der hier bestehenden siebenköpfigen Gruppe, aus deren Mitte eigentlich der Mörder hervor kommen müsste, da nur dieser Personenkreis über genügend Insiderwissen verfügt. Oder gibt es ihn tatsächlich doch, den Großordensmeister einer arischen Geheimgesellschaft, der hier die Fäden in der Hand hält?

 

"Männer in Uniformen auf der Suche nach der tausendjährigen Rechtfertigung ihres rassischen Machtanspruchs; verfallende Villen in prachtvollen Luxusvierteln und Straßenschlachten zwischen politischen Gegnern in den Arbeiterquartieren; ein Volk, das gleichzeitig hungert und hassen kann, Jazz in den Nachtlokalen und Mord und Totschlag in den Suppenküchen: Dieses Land ist am Abgrund, Lehmann. Was da auf uns zukommt, ist kein Sieg der Vernunft und der Wissenschaft, sondern eine albtraumhafte Manifestation des Wahnsinns."

 

Martin Keune schuf, dem obskuren Thema würdig, ein ordentliches okkultes Durcheinander, bei dem es zu mehreren Morden kommt, bevor das Rätsel letztlich gelöst wird. Ohne hier zu viel verraten zu wollen, so sind gerade bei jenem Todesfall unmittelbar vor Einleitung des Finales dem Autor ein wenig die Pferde durchgegangen, es sei denn, bei der Berliner Gerichtsmedizin arbeiteten damals nur Vollidioten. Auweia! Von diesem deutlichen Minuspunkt abgesehen, ist Die Blender aber ein durchaus lesenswerter Krimi, in dem die Stadt Berlin dem Protagonisten mitunter den Rang streitig macht. Einige der Viertel wie das vornehme Grunewald oder das von Arbeitern bevölkerte Moabit werden lebhaft geschildert, ebenso wie das tägliche Leben in Berlin. So geht es beispielsweise Samstagvormittags ganz selbstverständlich zum Kurfürstendamm, dem Tauentzien oder ins Café Berlin, wo feiner Jazz geboten wird. Doch Sándor bevorzugt eher die im Osten der Stadt gelegene Friedrichstraße.

Apropos Jazz: Sándor Lehmann, der noch in Black Bottom mehrmals selber auf der Bühne stand, hat sich von der aktiven Musik weitgehend verabschiedet, aber so ganz kann er es halt doch nicht lassen. War Black Bottom eher eine Liebeserklärung an den Jazz denn ein Krimi, so ist Die Blender ein solider Whodunit mit einem über weite Strecken ratlosen Ermittler. Kein Wunder, wenn das Überirdische eine derart gewichtige Rolle zu spielen scheint.

Die Blender

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Letzte Kommentare:
04.03.2014 13:41:10
Konstantin Gohlke

In Keunes Kriminalromanen wird die Berliner Welt der Dreißiger Jahre bis ins Detail lebendig – das ist beunruhigend und mitreißend. Der klarinettespielende Bulle Sándor Lehmann stolpert durch sich rasend schnell ändernde Zeiten, aber Mord ist immer noch Mord, und während er genervt ermittelt, spielen ihm Politik und Polizeistruktur zunehmend übel mit. „Die Blender” bringt Nazis mit okkultem Klüngel zusammen – eine perfide genau recherchierte und höchst brisante Mischung, die von der ersten Seite an fesselt!