Die Revolution des Mondes

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Nagel & Kimche, 2013, Titel: 'La rivoluzione della luna', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Sizilien und die Vizekönigin

Buch-Rezension von Almut Oetjen Feb 2014

Im Jahr 1677 gehört Sizilien zur spanischen Krone. Der spanische Vizekönig auf Sizilien, Don Angel de Guzmán, leidet an einer heimtückischen Krankheit und stirbt während einer Sitzung des Heiligen Königlichen Rates in Palermo. Der Rat, bestehend aus dem Bischof von Palermo, dem Stadthauptmann, dem Obersten Schatzmeister, dem Königlichen Richter, dem Großadmiral und dem Obersten Verwalter, gibt vor, Don Angel sei nur ohnmächtig. Die Ratsmitglieder fassen noch rasch einige Beschlüsse zu ihren Gunsten, bevor sie den Leibarzt holen. Sie reiben sich bereits die Hände, denn sie erwarten, dass der Stadthauptmann neuer Vizekönig wird. Dann können sie sich noch schamloser bereichern, während das Volk hungert. Denn noch immer sind die Folgen des blutigen Aufstand in Palermo von 1647 zu spüren, die auf Pest und Cholera, Hungersnot, Dürre, einer großen Teuerung und einer großen Steuererhöhung folgten.

Don Angel hat testamentarisch verfügt, seine bildschöne Witwe, Donna Eleonora di Mora, solle sein Amt übernehmen. Die Ratsherren meutern, aber das Gesetz ist eindeutig, der Wille des Vizekönigs unanfechtbar. Die eine Hälfte der Bevölkerung jubelt, die andere ist empört. Donna Eleonoras Zustimmung wächst mit den ersten Reformen. Sie senkt den Brotpreis, entlastet kinderreiche Familien steuerlich, richtet Heime für alte Prostituierte und Waisen ein, unterstützt das "Barmherzige Werk für die vom Laster bedrohten Jungfrauen". Finanziert wird all das mit dem Geld aus ihrem Kampf gegen die Korruption. Das Volk feiert sie als Retterin, der korrupte Adel und Klerus hasst sie. Der Bischof von Palermo zettelt eine Intrige gegen sie an. Er unterstellt ihr von der Kanzel herab, mit dem Teufel im Bunde zu sein, und mobilisiert Protestzüge.

Nicht die Frau stört, nur ihre Politik

Andrea Camilleri erzählt von einem Ereignis in der sizilianischen Geschichte, das wenig bekannt ist und in der Literatur nur selten erwähnt wird. Im Jahr 1677, zwischen dem Ableben des spanischen Vizekönigs Don Angel und dem Amtsantritt von Kardinal Luis Fernando de Portocarrero, wurde Sizilien auf testamentarischen Wunsch des verstorbenen Vizekönigs von seiner Witwe, Donna Eleonora di Mora, regiert. Wie im Roman geschildert, senkte sie den Brotpreis, führte eine Gewerbeverwaltung ein, die die Zünfte Siziliens vereinigte, richtete ein Asyl für vom Laster bedrohte Jungfrauen ein und öffnete das Asyl für ältere Prostituierte wieder, damit diese nicht mehr auf der Straße verhungerten. Ihre Regentschaft dauerte 27 Tage, bis sie von König Karl III von Spanien zurückgerufen wurde. Im Nachwort nennt Camilleri einige historische Quellen. Da es sich jedoch um einen Roman handelt, hat er sich nach eigenem Bekunden viele künstlerische Freiheiten im Umgang mit dem Material genommen, von denen er zwei aufführt. Eine betrifft den legendären Generalvisitator Don Francisco Peyró, mit dem Donna Eleonora den Ratsherren droht. Doch der war zu der Zeit bereits einem Mordanschlag zum Opfer gefallen.

Kampf gegen das System

Der Machtkampf zwischen der Vizekönigin und den Ratsherren scheint von Beginn an zugunsten der sechs Männer entschieden, die sich in ihrer Arroganz und Überheblichkeit an keinerlei Gesetze halten und überzeugt sind, ihre Gegnerin mit einem kleinen Trick kaltstellen zu können. Dabei stört sie nicht deren Geschlecht, sondern deren Politik. Donna Eleonora tritt einen Kampf gegen ein durch und durch korruptes System an, um das Land im Sinne christlicher Nächstenliebe zu reformieren. Auch der schändliche Umgang der Ratsherren mit ihrem Gatten mag ein kleiner Ansporn gewesen sein. Sie ist nicht nur gläubig und schön, sie ist informiert, clever, eine Strategin, zielstrebig, undurchsichtig und kühl. Statt die Waffen einer Frau nutzt sie die des Intellekts und entwickelt einen Schlachtplan, antizipiert die Züge ihrer Gegner und ist ihnen immer einen Schritt voraus.

Spannend und komisch

Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Vizekönigin und Ratsherren ist spannend und komisch. Vor allem den Bischof überschüttet Camilleri mit beißendem Spott. Doch es geht nicht nur um einen scheinbar ungleichen Machtkampf, es geht um die Zustände auf Sizilien. Äußerlich betrachtet ist bei den Herrschenden alles in schönster Ordnung. Die Vorbereitungen für die Sitzung und die Sitzung selbst laufen nach einem streng festgelegten Reglement ab, ein Großaufgebot an Personal putzt und entstaubt, vermisst die Abstände zwischen den Stühlen auf den Millimeter, um keine Eifersucht zu schüren oder Zwietracht zu sähen, die Mord und Totschlag nach sich ziehen könnten. Das ganze vergoldete Gepränge und Reglement ist eine Farce, die nicht nur die Aufgeblasenheit der Ratsherren betont, sondern auch ihre schmutzigen Geschäfte kontrastiert. Denn die Ratsherren haben eine von Gier, Sex und Korruption geprägte Schattenwelt erschaffen, in der es nicht nur um Bereicherung und unrechtmäßige Enteignung geht, um Amtsmissbrauch und Rufmord, sondern auch um Erpressung, Nötigung, sexuellen Missbrauch an Chorknaben, geheime Luxusbordelle mit Zwangsprostituierten und Mord.

Der Roman spielt zwar im Jahr 1677, doch die geschilderten Ereignisse, die Motive und das Verhalten der politischen Kaste sowie die Mechanismen der Macht wirken taufrisch.

Wahre Geschichte

Tiefgründig und spöttisch erzählt Andrea Camilleri die wahre Geschichte einer Revolutionärin, deren Reformen eine Ahnung von einer gerechteren Welt vermitteln - damals und heute.

Die Revolution des Mondes

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