Fest auf A. Ein Franz-Schubert-Roman

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Mitteldeutscher Verlag, 2012, Titel: 'Fest auf A. Ein Franz-Schubert-Roman', Originalausgabe

Couch-Wertung:

35
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Carsten Jaehner
Ein langes Wochenende unter Freunden

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Feb 2014

Einige Freunde sind eingeladen, ein verlängertes Wochenende auf dem Schlößchen zu A., irgendwo im Österreichischen, zu verbringen. Unter ihnen die verschiedensten Charaktere,  Frauen wie Männer, Paare wie Einzelpersonen. In zwei Autos fahren sie vor, und als besonderen Gast haben sie den Komponisten Franz Schubert an Bord, was ein gerade kulturell besonderes Schmankerl verspricht.

Am Freitagabend bezieht man seine Zimmer, und für den Samstag ist ein kleiner Ausflug mit anschließendem Saunabesuch angesagt. Am Abend musiziert Schubert mit vier der Männer sein neuestes Quintett, zu dem er zuvor die Noten verschickt hat und an dem man auf die jeweiligen Entfernungen hin trotzdem gearbeitet hat. Sonntag reist man wieder ab.

Kein Franz-Schubert-Roman

Das ist alles? Ja, das ist alles. Der österreichische Autor Otto Brusatti macht es seinen Lesern nicht leicht, in den knapp 340 Seiten aus dem Mitteldeutschen Verlag eine zusammenhängende Handlung heraus zu kristallisieren. Überhaupt ist der Roman alles andere als leichte Kost, auch wenn die Grundkonstellation einiges verspricht.

Ordert man beim Mitteldeutschen Verlag ein Rezensionsexemplar des Romans, bekommt man es mit dem Hinweis, dass es sich hier nicht um einen historischen Roman handelt. Da unter dem Titel auf dem in gelb gehaltenen Cover der Untertitel Ein Franz-Schubert-Roman prangt und zudem ein Porträt des berühmten Komponisten die Frontseite ziert, muss man eigentlich davon ausgehen, dass der Roman irgendwie über Schubert handelt, der von 1797 bis 1828 gelebt hat, und somit auch irgendwie ein Hauch von Geschichte durch den Roman wehen sollte.

Tut es aber nicht. Schon dass die kleine Gemeinschaft zu Beginn mit Autos vorfährt, macht den Leser stutzig. Der Roman spielt zur heutigen Zeit, aber es ist tatsächlich der Komponist Franz Schubert, der sich in den Roman und nach A. verirrt hat. In die Sauna geht er nicht mit, er ist tatsächlich schüchtern, zum gemeinsamen Fussballspiel der Männer auf einem nahegelegene Feld, dass noch zum Schloß gehört, tritt er allerdings an und macht wohl als Torwart keine schlechte Figur.

Pasticcio

Der Höhepunkt des Romans ist das Konzert am Samstagabend. Hier ergeht sich der Autor in seitenlangen Beschreibungen der vier Sätze, wie sie beim Hörer ankommen. In blumigen Worten, kursiv gesetzt, verfolgt der Leser das Konzert und fiebert während dieser Uraufführung mit. Wer nicht halbwegs mit musikalischen Termini verhaftet ist, wird hier seine Schwierigkeiten haben, dem Geschehen zu folgen, doch auch dem lesenden Musiker fällt es schwer, den Gedanken des Autors zu folgen.

Otto Brusatti moderierte lange Jahre für den österreichischen Rundfunk die Sendung Pasticcio, und mit genau so einem Pasticcio, eine Werk aus verschiedenen Werken, hat es der Leser mit dem Roman Fest auf A. zu tun. Es gibt keine wirkliche Handlung, keinen Spannungsbogen, kein Kapitel ist strukturiert wie das nächste. Drehbuchartigen Sequenzen folgen Romanabschnitte, Stellen in Menükarten-Grafik, eine Fussballspiel-Teamaufstellung, Gedichte. Sprachlich virtuos, aber vielerorts zu überladen, prasselt der Roman auf den Leser ein und hinterlässt letztlich ein Gefühl der Unordnung und dem Gedanken, warum man es durchgehalten hat, den Roman bis zum Ende durchzukämpfen.

Dabei hätte es durchaus Ansätze gegeben, dem Roman eine handlungsähnliche Struktur mit Spannungsbogen zu verpassen. In unmittelbarer Nähe des Schlosses wird ein Atomkraftwerk gebaut, aufgrund seiner Architektur auch Schlößchen genannt. Im Dorfkrug, wohin es einige der Besucher des einen abends zieht, erfährt man darüber, und hier hätte es durchaus Spannung gegeben, sich mit dem Schlossherrn ebenfalls darüber zu unterhalten. Aber nein, der Autor nimmt den Faden nicht auf.

Ohne Sinn und ohne Spannung

Der gemeinsame Saunabesuch von Männlein und Weiblein riecht förmlich nach sexueller Erregung, aber man kann sich zurückhalten. Die Gespräche der Freunde untereinander sind zwischen wissenschaftlich hochtrabend bis banal, teilweise sogar peinlich und verletzend, so dass ein Freund vorzeitig abreist.

Der Roman endet mit einem Fadeout, wie der Musiker sagt. Er hat keinen richtigen Schluß, läuft irgendwie aus, mit ein paar Takten abgedruckter Partitur eines Schubert-Werkes, der abgesehen von seinem Konzert im Roman überhaupt keine Rolle spielt.

Brusatti schafft es weder, Schubert Charakter zu geben, noch sonst irgend einem der Gäste. Es gelingt ihm nicht, den Leser irgendwie mitfiebern zu lassen, zu banal und gleichgültig ist einem das ganze. Was der Autor dem Leser hier mitgeben wollte, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Nein, es ist kein historischer Roman, aber es ist auch kein Franz-Schubert-Roman. Jegliche Charaktere sind austauschbar, es ist ein im Grunde langweiliges und ereignisarmes Wochenende, wie es jeder schon einmal mit Freunden verlebt hat. Nett für die Beteiligten, aber für die Nachwelt nicht von Interesse. So wie dieser Roman. Wer Erhellendes über Franz Schubert erwartet, sollte die Finger von diesem Roman lassen, und alle anderen Leser erst recht. Hören Sie eine CD mit Musik von Schubert oder gehen sie in ein Konzert, egal von wem. Davon werden sie bestimmt mehr haben als von diesem Roman. Leider misslungen.

Fest auf A. Ein Franz-Schubert-Roman

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