Mozart auf der Reise nach Berlin

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Mitteldeutscher Verlag, 2005, Titel: 'Mozart auf der Reise nach Berlin', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Mozart auf der Flucht - wovor?

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Feb 2014

Im Frühjahr 1789 ist Wolfgang Amadeus Mozart wieder einmal unterwegs. Berlin ist das Ziel, und er ist die Begleitung des Fürsten Karl Lichnowsky. Man kennt sich und hat sich nicht viel mitzuteilen. Mozart will auf der Reise konzertieren, Bekannte treffen, komponieren, derweil zu Hause seine Frau Constanze, schwanger mit dem fünften Kind, vor den Toren Wiens wieder einmal eine Kur braucht.

Auf der Reise kommt die Kutsche mit Mozart auch durch Leipzig, wo er die Sängerin Josepha Duschek wiedertrifft, die er aus Prag kennt und mit der, obwohl sie, und er ja auch, verheiratet ist, einst ein Techtelmechtel hatte. Man sieht sich kurz wieder und fährt weiter Richtung Berlin, doch auf der Strecke wechselt Mozart die Kutsche und fährt zurück nach Leipzig. In dieser Kutsche gibt es ein längeres Gespräch mit einem ihm unbekannten Herren.

Während Constanze in Wien auf Post von Mozart wartet, verbringt er Tage und Nächte mit Josepha, konzertiert, komponiert. In Berlin wird derweil zeitgleich ein Mann ermordet, der immer ein Klavierkonzert Mozarts auf den Lippen hatte. Als Mozart schließlich nach Wien zurückkehrt, verändert er seinen Kompositionsstil, und niemand weiß, was auf dieser Reise den Anlass dazu gegeben hat.

Intensiver Halt in Leipzig

Otto Brusattis Novelle Mozart auf der Reise nach Berlin erschien zum 250. Geburtstag des Komponisten im Jahr 2006 und beschreibt eine Lücke, die von Musikhistorikern bislang nicht ausreichend geschlossen werden konnte und daher Raum für Spekulationen gibt. Mozart begleitet den Fürsten Lichnowsky auf dessen Reise nach Berlin, doch Mozart wird auf seiner Reise nicht viel Zeit in Berlin verbringen.

Auf 160 Seiten aus dem Mitteldeutschen Verlag begleitet der Leser den Komponisten und nimmt an seinen Gedankengängen teil, während er reist, schläft, komponiert oder konzertiert. Mittelpunkt der Erzählung ist gewiss sein zweiter Reiseaufenthalt in Leipzig, wo er wieder mit Josepha Duschek zusammentrifft. Leipzig, die Heimat des grossen Komponisten und Vorbild Johann Sebastian Bach, der mit der Tonfolge B-A-C-H seinen Namen komponieren konnte, und Mozart versucht dies nun mit dem Spitznamen Josephas Es-E-F-A, Sefa. Es ist keine eingängige Tonfolge, und so hinterlässt er bei einem Konzert, wo er über diese Melodie improvisiert, auch irritierte Gesichter im Publikum.

Freundschaft bei Tag und bei Nacht

Als er einen anderen Reisegefährten als Lichnovsky in der Kutsche hat, dessen Namen man nicht erfährt, entspinnt sich zwischen beiden ein Gespräch , in dem man hierüber und darüber philosophiert, wiewohl in der Novelle generell das Philosophieren und Nachdenken und Innehalten grossen Raum einnimmt. Man spricht über dies und das und auch über Musik und über die Zukunft der Musik und deren Form. Zu Mozarts Zeiten folgte Musik noch sehr der äusseren Form, d.h. wie ein Stück nach bestimmten Regeln aufgebaut sein müsse, und noch nicht so sehr einem Empfinden, das vielleicht bedeuten würde, die festgelegten Formen verlassen zu müssen. Die beiden Herren philosophieren eben unter anderem über diesen Punkt, der, wollte Mozart ihn anwenden, doch sehr modern wäre.

Mit Josepha Duschek verbringt Mozart Tage und Nächte, sind doch die jeweiligen Ehegatten weit weg und man kann sich eben nicht nur auf die Musik konzentrieren, auch wenn man bald gemeinsam konzertieren wird. Man kennt sich, und doch ist man sich nicht so vertraut, so dass man sich selbst nach der verbrachten Nacht bzw. den Nächten immer noch siezt. Auch hier wird die äußere Form gewahrt.

Das liebe Geld

Und natürlich spielt das Geld eine Rolle, vor allem das Geld, das Mozart nicht hat. Er ist über beide Ohren überschuldet, und so ist der gesamte Ausflug auch vor allem eine Flucht vor seinen Gläubigern, meist Freunde, denen er einen Batzen Geld schuldet. Auch Mozarts Frau Constanze, hochschwanger, kann nicht mit Geld umgehen, und so ist eine Lösung aus der Misere nicht in Sicht. Zwar ergeben sich in Berlin Möglichkeiten, die Kasse aufzubessern, aber zum einen ist Mozart ein leidenschaftlicher Spieler, zum anderen zieht es ihn zurück nach Wien, so dass er die preußischen Angebote ausschlägt. Ob sie ihm geholfen hätten - man weiß es nicht, Spekulationen über Möglichkeiten der Vergangenheit sind müssig.

Otto Brusatti zeichnet ein Bild Mozarts und der Zeit, das authentisch ist und wie man es bereits aus anderen Mozart-Romanen kennt. Ihm gelingt das Porträt eines Ausschnittes aus Mozarts Leben, das auf der einen Seite voller Saft und Kraft steckt und Mozart als Genie und Künstler zeigt, der im Kopf seine Werke vorformuliert, ehe er sie dann bei Gelegenheit aufschreibt. Auf der anderen Seite ist Mozart ein zerbrechlicher und nachdenklicher Mann, der sein Leben und seine Finanzen nicht in den Griff bekommt und zerrissen ist zwischen der Flucht aus seinem Leben und des Ertragens seines Lebensstils. Ob da eine Veränderung reicht, seinen Kompositionstil zu verändern - Mozart starb fast zweieinhalb Jahre später als armer Mann und als Genie, das bis heute geliebt und verehrt wird. Brusatti schafft den Spagat, den der Charakter Mozarts mit sich bringt. Alle weiteren Figuren sind Beiwerk und dienen nur dazu, Mozart zu beschreiben.

Brusattis Erzählstil ist nicht einfach und in jedem Fall gewöhnungsbedürftig, lohnt aber eine Beschäftigung. Der wenigen Erzählteile aus Berlin hätte es letztlich nicht bedurft, vor allem diejenigen, die einen Mordfall erzählen, der passiert, aber nicht weiter behandelt wird. Man fragt sich, was der Autor an dieser Stelle vorhatte, auch wenn das Opfer dieselben Melodien aus dem Klavierkonzert in C pfeift wie Mozart in der Kutsche.

Die Novelle hat keinerlei Beigaben, endet aber mit einer interessanten Geheimmeldung, die Mozarts Rückkehr nach Wien bekannt gibt und eine interessante Konklusion anzeigt. Insgesamt ein intensives, nicht leicht wegzulesendes Buch, vor allem für Musikliebhaber, aber nicht nur. Und bereits das ungewöhnliche Cover deutet darauf hin, das man es hier nicht mit einem gewöhnlichen Mozart-Roman zu tun hat. Wer sich für Mozart und Musik interessiert, kann hier getrost zugreifen, alle anderen werden interessante Dinge über Sitten und die Zeit erfahren. Lesenswert mit leichten Einschränkungen.

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