Die Leiche im Landwehrkanal

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Jaron, 2013, Titel: 'Die Leiche im Landwehrkanal', Originalausgabe

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Annette Gloser
Es schwimmt eine Leiche im Landwehrkanal

Buch-Rezension von Annette Gloser Feb 2014

Im Jahr 1850 steht der Berliner Landwehrkanal kurz vor seiner Eröffnung. Da passt es irgendwie gar nicht, daß plötzlich ein Teil der Uferbefestigung nachgibt und ins Wasser rutscht. Gartenbaudirektor Lenné, hauptverantwortlich für den Riesenbau, bittet Oberst -Lieutenant Christian Philipp von Gontard, Lehrer an der Vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin, um Unterstützung, um die Ursache des Unglücks herauszufinden. Allerdings wird die verfahrene Situation nicht dadurch verbessert, daß an der Unglücksstelle eine Leiche auftaucht, die offenbar schon ein Weilchen im Wasser gelegen hat. Trotzdem ist der Tote schnell identifiziert: Cornelius Fürchtegott Puch, Gelegenheitsdichter und Privat-Secretär des reputierten älteren Adeligen Herrmann von Traunstein. Offenbar wurde Puch Opfer eines Tötungsdeliktes, denn in seiner Brust klafft eine große Schusswunde, wohl von einem Gewehr. Und dieses Schießeisen ist eindeutig zu lang und zu unhandlich, um damit Selbstmord zu begehen.

So hat von Gontard zwei Ermittlungen zu führen. Er soll herausfinden, warum die Uferbefestigung am Kanal abgebrochen ist (hauptberuflich) und er möchte den Mörder des Schreiberlings schnappen (hobbymäßig). Seine Ermittlungen führen ihn in das Haus Traunstein, wo er nicht nur dem distinguierten Hausherrn begegnet, sondern auch dessen jugendfrischer Gemahlin Martha, die als Sopranistin an der Königlichen Oper glänzt und zwar ihrem Gatten in Liebe verbunden, mit dem Privatsekretär jedoch recht innig verbandelt ist. Von Gontard, der in seiner Ehe gerade eine recht nüchterne Phase erlebt, erliegt schnell dem Charme der schönen Dame. Aber offenbar hatte der Tote auch noch andere Geheimnisse, denn immer wieder begegnet von Gontard Menschen, die er selbst noch aus der Revolutionszeit 1848 kennt und die gemeinsam mit Puch für ein demokratisches Preußen eintraten. Hallt das Echo der Märzkämpfe noch immer nach?

Lang, lang ist’s her, drum stinkt sie auch so sehr!

Mit Die Leiche im Landwehrkanal von Uwe Schimunek setzt der Jaron Verlag die Reihe "Es geschah in Preußen" fort. Damit wird dem Landwehrkanal, der nicht nur eines der größten Bauprojekte des 19. Jahrhunderts, sondern auch seit seiner Erbauung wohl einer der beliebtesten Orte Berlins ist, wenn es um die Entsorgung der Opfer von Kapitalverbrechen geht, ein literarisches Denkmal gesetzt. Für den Leser heißt es dabei, sich in ein Berlin zu versetzen, das ganz und gar anders aussieht, als er es aus der Gegenwart kennt. Multikulti Kreuzberg ist 1850 eine ziemlich sumpfige Wiese. Im heutzutage fast zu Tode gentrifizierten Prenzlauer Berg jammern 1850 die anliegenden Gutsbesitzer, daß doch bitte endlich die Schönhauser Allee gepflastert werden möge. Und am Brandenburger Tor war die Stadt zu Ende. Hatte man dort sein Pferd im Stall, konnte man ein wenig durch den Tiergarten reiten, während in den Armenvierteln der Stadt die Cholera wütete.

Uwe Schimunek lässt im Roman aber auch die großen Visionen des Baudirektors Lenné von einer Bebauung rund um den Landwehrkanal aufleben, sein Vorausahnen des Wachstums der Stadt. Dies spielt keine treibende Rolle in der Romanhandlung, vielmehr illustriert es aber die Situation, in der die Protagonisten agieren, taucht immer mal wieder in Nebensätzen auf, freut den geneigten Berliner Lokalpatrioten, der so ein wenig mehr über die Geschichte seiner Stadt erfährt, und zeugt von intensiver Recherchearbeit des Autors. Eine gewisse Portion Phantasie braucht man allerdings, um von Gontard auf seinen Wegen durch Berlin zu folgen, denn in den letzten 160 Jahren hat sich die Szenerie dramatisch verändert. Das kann ausgesprochen spannend sein und gibt dem Roman viel Farbe. Dazu kommt, daß im Roman die zwar altertümlich wirkenden Bezeichnungen wie "Thiergarten", "Secretär" oder "Oberst-Lieutenant" benutzt werden, die dem Leser jedoch immer wieder recht deutlich vor Augen führen, wie weit er sich eigentlich in der Zeit zurück bewegt: Mindestens drei Rechtschreibreformen!

Sie ist schon ganz glitschig, sie ist schon ganz schwer!

Nein, sonderlich appetitlich ist die Leiche nicht, die da aus dem Wasser gefischt wird. Aber sie hat einen sehr interessanten Hintergrund, den Uwe Schimunek dazu nutzt, dem Leser auch die politische Situation in Berlin zwei Jahre nach der Märzrevolution 1848 vor Augen zu führen:

 

"Nicht einmal mehr im Caféhaus gibt es anregende Gespräche. Alle belauern sich, misstrauen sich, alle wittern überall die Geheime Polizei, alle schauen sich vor jedem Wort über die Schulter. Doch das ist noch nicht das Schlimmste. Der eigene Kopf ist das Problem. Wir unterdrücken bestimmte Gedanken bereits, wenn sie sich andeuten. Da muß gar niemand auf uns aufpassen, das erledigen wir selbst am allerbesten."

 

Oder auch:

 

"Viele wollten weg, das hörte Gontard immer wieder. Es schien ihm, als stehe halb Berlin schon mit einem Bein auf dem Bahnsteig nach sonst wohin. Und seinem Eindruck nach handelte es sich um die bessere Hälfte."

 

Aber das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf dem Kriminalfall. Gontard ist mittlerweile ein recht erfahrener Hobbydetektiv und bekommt sporadische Unterstützung durch seinen Freund, den Arzt Dr. Kußmaul. Der Leser wird durch die im Roman anstehenden Konflikte immer wieder auf die falsche Spur gesetzt und von Gontard ergeht es ähnlich. Hier wird auch nicht anhand kleinteiliger Spurenanalyse ermittelt, vielmehr benutzt von Gontard seinen Kopf, um diverse Fakten miteinander in Einklang zu bringen und das Geschehen zu rekonstruieren. Allerdings kommt das dramatische Ende für ihn wohl genauso überraschend wie für den Leser.

Der Krimi liest sich flott und macht auch Spaß, denn hier ist Mitdenken gefragt. Leider ein wenig nervig ist nur das Gespann Gontard jr. nebst Quappe, seines Zeichens Gontards Offiziersbursche. Der Filius des Freizeitdetektivs benimmt sich zeitweise wie ein Fünfjähriger, ist aber offenbar alt genug, um der schönen Martha von Traunstein hinterher zu hecheln. Quappe dagegen ist ein durchaus sympathischer und vor allem an kalorienhaltigen Genüssen orientierter junger Mann. Gelegentlich wirkt er einfach recht trottelig. Sohn und Bursche zusammen können einen Leser schon dazu bringen, von Zeit zu Zeit die Augen zu verdrehen. Aber vielleicht kriegen beide ja in einem Folgeroman die Chance, etwas erwachsener zu werden?

Manch Leser allerdings wird nach Lektüre dieses Romans den Berliner Gassenhauer im Kopf haben, der hier schon in den Überschriften zitiert wurde. Oder vielleicht auch jene Variante, welche die nicht gerade für ihren Feinsinn und ihren sensiblen Umgang miteinander bekannten Berliner noch dazu erfunden haben:

 

"Es schwimmt eine Leiche im Landwehrkanal, 

Lang se mir ma her,

aba knautsch se nich so sehr!"

 

Eine Bereicherung im Buchregal

Die Leiche im Landwehrkanal ist eine Bereicherung in jedem Krimi-Regal, besonders allerdings für Berliner Hobbyhistoriker. Der Jaron Verlag gestaltet die Reihe "Es geschah in Preußen" äußerlich nach einem durchgehenden Konzept, was sehr angenehm und gut anzuschauen ist.

Mit diesem Krimi sind ein paar angenehme Lesestunden garantiert. Für Berliner ist es sowieso interessant, sich mit der Geschichte ihrer Stadt auseinander zu setzen. Und für den Fall, daß man noch auf der Suche nach passender Urlaubslektüre ist: Das Büchlein ist schnell gelesen, man sollte eventuell noch ein, zwei Bände mehr aus dieser Reihe in den Koffer stecken oder die Bücher auf den E-Book Reader laden, diesen Service bietet der Verlag angenehmerweise auch. Auf jeden Fall hat man damit spannende und informative Lektüre im Gepäck.

Die Leiche im Landwehrkanal

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