Attentat unter den Linden

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • , 2012, Titel: 'Attentat unter den Linden', Originalausgabe

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Annette Gloser
Heißer Sommer in Berlin

Buch-Rezension von Annette Gloser Feb 2014

Berlin, Sommer 1844. Während Berlin unter einer Hitzewelle stöhnt, plündern im schlesischen Peterswaldau die aufständischen Weber Fabrikantenvillen. Für den Lieutenant Adalbert Kirchner, Offizier der königlich-preußischen Armee und Studiosus an der Artillerieschule, ein Anlaß zur Sorge. Schließlich kommt er aus Reichenbach, seine Eltern betreiben dort eine Apotheke. Als Bürgerlicher ist er eher eine Ausnahme unter den Offizieren, doch das Studium und vor allem seine Versuche im Bereich der Optik faszinieren ihn. Hier bietet ihm die Artillerieschule beste Möglichkeiten, zumal Kirchner in dem Dozenten von Gontard auch einen wohlwollenden Förderer hat. Auf wenig Wohlwollen dagegen stoßen seine Fisematenten bei dem allgemein unbeliebten Oberst-Lieutenant von Streyth.

Dann jedoch kommt von Streyth unter merkwürdigen Umständen ums Leben. Zwar wurde auf ihn geschossen, jedoch scheint das eigene Pferd den Offizier in Panik zu Tode getrampelt zu haben. Und ausgerechnet Kirchner hört den Schuß und will von Streyth helfen. So findet er die Leiche als erster und wird neben dem Toten mit der Waffe in der Hand angetroffen. Für Commissarius Werpel ist der Fall klar: Nur Kirchner kann der üble Attentäter sein. Allerdings haben sowohl Christian Philipp von Gontard als auch der Leiter der Vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule, Generalmajor von Schnöden, daran nicht unerhebliche Zweifel. Darum wird von Gontard durch von Schnöden mit der Aufklärung des Falls beauftragt. Erneut sieht sich von Gontard mit den verwickelten Familienverhältnissen des unbeliebten Kollegen von Streyth konfrontiert. Aber auch Kirchner hat es nicht ganz leicht, denn er lernt eine junge Dame kennen, die seine Gedanken ganz in Anspruch nimmt: Elisabeth, die Tochter des früheren Storkower Bürgermeisters Heinrich Tschech. Aber da ahnt auch noch niemand, welche Pläne Heinrich Tschech schmiedet...

Spiegel für eine Stadt im Wandel der Zeit

Attentat unter den Linden ist in der Reihe Es geschah in Preußen erschienen. Diese Reihe ist ein innovatives Projekt des Jaron Verlages. Verschiedene Autoren schreiben die Krimis, der Ermittler bleibt immer gleich: Christian Philipp von Gontard, fiktiver Enkel des bekannten preußischen Baumeisters Carl von Gontard, seines Zeichens Naturwissenschaftler und Dozent an der Artillerieschule. Jeder der Krimis bietet nicht nur spannende Unterhaltung sondern auch viele Informationen über wichtige Ereignisse, politische Entwicklungen, bauliche Veränderungen und bekannte Persönlichkeiten, die zu dieser Zeit in Berlin lebten und wirkten. Immer stehen auch bestimmte technische Neuerungen mit der Romanhandlung in Verbindung. So wird die Krimi-Reihe zum Spiegel für die Stadt, zeigt die Entwicklung Berlins vom piefigen Provinznest zur industriell geprägten Großstadt.

Der hier vorliegende Krimi wurde von Jan Eik und Uwe Schimunek geschrieben. Wie auch bei allen anderen Büchern aus der Reihe muß man den Autoren umfangreiche Recherche bescheinigen. Berlin ist spannende Kulisse für die Ermittlungen von Gontards und die Leser haben die Chance, in das Alltagsleben der Berliner vor mehr als 150 Jahren einzutauchen. Alexander von Humboldt hat einen Kurzauftritt, ebenso Bettina von Arnim, die mit Dies Buch dem König schon ein Jahr vor den Weberaufständen in Schlesien den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. auf die untragbaren Zustände hingewiesen hatte und auf Veränderung drang.

Da jeder Krimi dieser Reihe Bezug auf wichtige Ereignisse in Preußen nimmt, stehen diesmal die Weberaufstände in Schlesien und das Attentat Heinrich Tschechs auf den König auf dem Programm. Und auch Veränderungen im Stadtbild spielen immer eine Rolle. Hier ist es der Bau des Zoos am Rande des Tiergartens. Besonderer Leckerbissen allerdings für Berlin-Fans sind diesmal die (kurzen) Streifzüge von Gontards durch das Viertel rund um den Neuen Markt, jene Gegend, die sich dem Betrachter heute als riesige Freifläche zwischen Fernsehturm, Rotem Rathaus und demnächst Humboldtforum darbietet und von welchem einzig die Jüdenstraße neben dem Roten Rathaus mit altem Namen und alter Straßenführung erhalten geblieben ist.

Sehr interessant sind übrigens auch die Beschreibungen der optischen Versuche Kirchners, deren Bedeutung für das Militär zu diesem Zeitpunkt wohl nur von Gontard erahnt und die den Leser ganz in die Anfangsgründe der Fotografie zurück führen.

Mit Spaß bei der Sache

Man spürt beim Lesen deutlich, mit wie viel Spaß Jan Eik und Uwe Schimunek hier erzählen. Von Gontard wird für den Leser als Persönlichkeit immer greifbarer, ebenso wie andere Protagonisten, die regelmäßig in der Reihe vorkommen. Dabei hat sich von Gontard mittlerweile zum recht pfiffigen Ermittler gemausert und ist als Naturwissenschaftler mit kühlem Verstand auch durchaus geeignet für diesen Job. Spannung ist von Anfang an da. Selbst wenn die eigentliche Ermittlung im Kriminalfall etwas zurück stehen muss, weil von Gontard anderweitig beschäftigt ist, so passieren doch sehr interessante Dinge, erhält der Leser so viele Informationen, dass er gerne weiter liest. Tiefe bei den Charakteren, vor allem bei den Nebenrollen, gehört allerdings nicht zu den Stärken dieses Krimis. Allenfalls von Gontard und Kirchner werden hier zu Persönlichkeiten, aber selbst Elisabeth Tschech und ihr Vater bleiben eher blass.

Der Kriminalfall an sich ist nicht übermäßig anspruchsvoll und vermutlich von langjährigen Krimi-Lesern noch vor dem Ende der Romanhandlung zu lösen. Aber die Autoren gestalten ihre Hinweise angemessen dezent und ein wenig verwickelt, starten auch mal ein Ablenkungsmanöver, so dass man beim Lesen ebensoviel Spaß haben kann wie ihn die Autoren möglicherweise beim Schreiben hatten.

Gutes Einstiegsbuch

Attentat unter den Linden ist ein sehr empfehlenswerter Histo Krimi. Wer die Reihe Es geschah in Preußen noch nicht kennt, hat hier ein passendes Einstiegsbuch, auch wenn es zwei Bücher gibt, die vor diesem spielen. Die kann man ja später nachholen.

Die Gestaltung des Covers ist angenehm zurückhaltend, wie immer auch verziert mit diesem kleinen, nostalgischen Klecks Siegellack, der auf einen echten von Gontard hinweist. Sehr wünschenswert wäre allerdings auch in diesem Band ein Stadtplan, der dem Leser, vor allem dem Nichtberliner, die Orientierung erleichtert. Das ändert jedoch nichts daran, dass dieser Krimi sehr empfehlenswertes Lesefutter ist.

Wer Berlin liebt, wer die Stadt interessant findet, der sollte die gesamte Krimi-Reihe unbedingt im Regal haben. Sie ist ein außergewöhnlicher Beitrag zur Stadtgeschichte. Und, wie der gemeine Berliner zu sagen pflegt: Se büldet unjemein!. Man kann den Jaron Verlag gar nicht genug dafür loben.

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