Katzmann und die Dämonen des Krieges

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • , 2011, Titel: 'Katzmann und die Dämonen des Krieges', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Konrad Katzmann ermittelt in Leipzig

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2014

Leipzig, Mitte Februar 1920. Seit fast einem Monat ist die Leipziger Volkszeitung verboten und daher versammelt der Chef seine Mitarbeiter in Leipzig, damit diese parat stehen, sobald wieder publiziert werden darf. Konrad Katzmann, eigentlich Dresdenkorrespondent, lernt auf diesem Weg Heinz Eggebrecht kennen, der als Lehrling normalerweise Anzeigen lithographieren darf. Jetzt soll er Katzmann zur Seite stehen, und prompt geraten die beiden mitten in einen Kriminalfall. Der Fabrikant August Preßburg wurde in seinem Büro erschossen und da keine Tagesarbeit ansteht, können Katzmann und Eggebrecht genauso gut neugierig sein, um in dem Fall zu recherchieren. Schnell stellt sich heraus, dass nicht nur ein Mord stattfand, sondern auch ein hoher Geldbetrag gestohlen wurde. Verdächtigt wird unter anderem Ludwig Weymann, der bei vorangegangenen Streiks als Anführer der Arbeiter in vorderster Front auffiel. Daher ist es nicht gerade von Vorteil, dass sich Katzmann ausgerechnet in Weymanns Tochter Liesbeth verguckt, die als Chefsekretärin in Preßburgs Firma arbeitet...

Zweiter Teil einer interessanten Serie, aber der bildhafte Sprachstil nervt

Den ersten Band dieser als Kettenroman angelegten Serie rund um den Journalisten Konrad Katzmann schrieb Franziska Steinhauer (Katzmann und das verschwundene Kind) und setzte damit durchaus ein Ausrufezeichen! Damals, 1918, spielte die Handlung noch in Dresden und stellte vor allem den Protagonisten und dessen Umfeld vor. Und im zweiten Teil? Wie oben erwähnt wird die Handlung nach Leipzig, zum Redaktionssitz der Zeitung, verlegt. Waren im ersten Teil noch Katzmanns Eltern und hier vor allem der kaisertreue Vater wichtige Randfiguren, so tauchen diese bei Uwe Schimunek erst gar nicht auf. Nur an wenigen Stellen werden sie namentlich erwähnt. Somit muss sich der Leser auf ein komplett neues Umfeld des Protagonisten einstellen, was aber der Sache nicht schadet.

 

"Nun, wir wollen die Öffentlichkeit informieren. Das ist wichtig für die Demokratie."

"Meine Herren, ich bin Beamter. Ich kenne mich mit diesen neumodischen Dingen wie Demokratie nicht so genau aus."

 

Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so dass der Leser stets mehr weiß als der ermittelnde Reporter. Daher kommt es auch im zweiten Fall bei der Auflösung nicht zu einer Offenbarung; man ahnt - wie schon bei Franziska Steinhauer - frühzeitig, wer der gesuchte Mörder ist (was vor allem der geringen Zahl an Verdächtigen geschuldet ist).

 

"Guten Tag, Herr Kommissar! Meine Herren! Adalbert von Lötzen. Prokurist beim Großhandel Preßburg. Ermitteln Sie neuerdings in Zivil?" Der Mann musterte kurz Katzmann und schaute dann zu Eggebrecht - mit einem Blick, als täte ihm die schlechte Bezahlung junger Beamter, die zu derart schäbigen Jacketts führte, von ganzem Herzen leid.

"Nein", sagte der Kommissar, "die Herren sind von der Arbeiter-Presse."

"Ach. Und die begleiten die Ermittlungen?" Von Lötzen klang so entsetzt, als habe er soeben von einem zweiten Mord erfahren.

 

Die Serie soll aber nicht nur fiktive Mordfälle lösen, sondern zudem Sachsen zur Zeit der Weimarer Republik darstellen. Dies gelingt Uwe Schimunek nicht ganz so gut, da er sich mehr auf die Differenzen der gesellschaftlichen Gruppen konzentriert. Hier das kaisertreue, großbürgerliche, teils reaktionäre Lager (Preßburg, aber auch der verbeamtete Polizeiapparat), dort die aufbegehrende Arbeiterfront. Dies alles vor dem Hintergrund des bevorstehenden Kapp-Putsches, der allerdings erst nach der Lösung des Mordfalles stattfindet. Die unterschiedlichen Gruppen werden gut dargestellt, wenngleich die Figuren alle sehr unsympathisch rüberkommen (mit Ausnahme von Katzmann, Eggebrecht und Liesbeth).

 

"Aber ich sage dir, da braut sich was zusammen."

"Was wollen die schon machen? Eine Partei gründen?"

"Mensch, Genosse Katzmann, die rüsten die Zeitfreiwilligen-Truppen an der Uni und an der Carola- und der Thomasschule auf. Die geben denen Waffen. Die wollen nicht wählen, die wollen, dass niemand wählt."

 

Insgesamt eine interessante und lesenswerte Fortsetzung, die allein unter dem stark überstrapazierten bildhaften Schreibstil des Autors leidet. Anfangs noch unterhaltsam und zum Schmunzeln anregend, nervt dieser doch im weiteren Verlauf gewaltig. Augen, groß wie ein Kriegsorden, sah sie, klar wie gebrannter Korn, guckte wie ein Soldat, der gerade die weiße Fahne in seinem Sturmgepäck gefunden hatte, guckte, als würde ein Automobil in voller Fahrt auf ihn zurasen und so weiter; in einer Tour. Schauen wir gespannt, wie Jan Eik die Serie fortsetzt ...

Katzmann und die Dämonen des Krieges

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Letzte Kommentare:
21.11.2014 14:55:07
tassieteufel

Leipzig im Februar 1920: die junge Weimarer Republik ist instabil und überall gärt und brodelt es, man munkelt ein Putsch stünde bevor und so bietet die politische Lage reichlich Nährboden für radikale Gruppierungen. Als der reiche Unternehmer August Pressburg in seinem Büro erschossen wird, vermutet die Polizei zunächst politische Motive.
Konrad Katzmann, Reporter der zur Zeit verbotenen Leipziger Volkszeitung, kommt von Dresden nach Leipzig um vor Ort zu sein, wenn seine Zeitung wieder berichten darf. Dabei nimmt er den jungen Heinz Eggebrecht unter seine Fittiche, der gerade seine Lehrzeit bei der Zeitung absolviert. Gemeinsam beginnen sie in dem Mordfall zu ermitteln und stoßen schon bald auf Hinweise, dass Pressburg in Kriegsverbrechen verwickelt war und auch eine große Menge an Bargeld verschwunden ist. Als Konrad Katzmann sich in die Tochter eines der Mordverdächtigen verliebt, wird die Angelegenheit kompliziert und gefährlich.

Im Gegensatz zum ersten Teil der Reihe gibt es mehr Krimi und weniger Katzmann. Während Franziska Steinhauer die Figur des Reporters detailliert und vielleicht ein wenig zu heldenhaft ausgearbeitet hatte, beschränkt sich Uwe Schimunek auf grobe Eckpunkte in Katzmanns Leben und konzentriert sich mehr auf den Krimifall und den historischen Hintergrund und der ist sehr detailliert und plastisch geschildert. Man erfährt viel vom Alltagsleben der Menschen und den Auswirkungen des Krieges, unter dessen Folgen vor allem die kleinen Leute zu leiden haben. Auch der Mordfall hat seinen Ursprung in Taten, die während des Krieges geschahen. Der Fall an sich ist logisch aufgebaut, auch wenn Katzmanns Ermittlungen zunächst mehr ins Leere laufen, so gibt er doch zusammen mit Heinz Eggebrecht ein sympathisches Ermittlerduo ab. Das historische Leipzig hätte ich mir allerdings noch ein wenig bildhafter gewünscht, zwar glänzt der Autor mit genauer Orts und Sachkenntnis, aber es gelang ihm nicht so gut, seiner historischen Kulisse Leben einzuhauchen, vieles wirkte etwas steif und staffagenhaft, das war nun wieder ein großer Pluspunkt von Franziska Steinhauer, die es verstanden hat, das historische Dresden lebendig werden zu lassen. Insgesamt läßt sich das Buch aber flott lesen und gibt einen informativen Einblick in die Zeit des Kapp-Putsches.

FaziT: gelungene Fortsetzung, auch wenn man natürlich merkt, dass hier ein ganz anderer Autor am Werk war. Sowohl die Figur des Konrad Katzmann als auch der Schreibstil unterscheiden sich deutlich vom ersten Band der Reihe. Trotzdem ein interessanter Krimifall, der in einen spannenden historischen Hintergrund eingebettet wurde und auf das weitere Serienkonzept neugierig macht.