Der scharlachrote Pfad

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • TraumFaenger, 2014, Titel: 'Der scharlachrote Pfad', Originalausgabe

Couch-Wertung:

88

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Rita Dell'Agnese
Zwei einsame Seelen überwinden Grenzen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2014

Für Wah-bo-sehns, eine junge Crow-Frau, scheint der Winter 1870 nur Schrecken bereit zu halten. Sie trauert um ihren Mann, der an einer heimtückischen Krankheit gestorben ist. So sehr, dass es nur noch ihre namenlose Tochter ist, die sie davon abhält, sich selber aufzugeben. Als ihr Dorf überfallen wird, versucht Wah-bo-sehns ihr Kind zu retten und flüchtet sich in den Wald. Der junge Lakota-Krieger Tschetan-withko verfolgt sie und nimmt sie zusammen mit ihrer Tochter als Beute mit. Um sie vor den Nachstellungen seiner Freunde zu bewahren, heiratet Tschetan-withko die junge Frau kurzerhand. Er bringt sie in sein Dorf, wo sie vor allem von der neuen Schwägerin freundlich aufgenommen wird. Da wird Wah-bo-sehns Dorf ein zweites Mal überfallen, dieses Mal von Feinden, die alle vernichten bis auf einen Jungen. Die Lakota, die sich kurz danach umsehen wollten, weshalb niemand zur Rettung von Wah-bo-sehns ausgeschickt wurde, nehmen ihn ebenfalls mit in ihr Dorf und geben ihn zum Dorfweisen in Pflege, der sehr schnell das Potenzial des Jungen erkennt. Nach und nach beginnt sich Wah-bo-sehns an ihr neues Leben zu gewöhnen bis die Weißen immer tiefer in das Lebensumfeld der Sioux dringen und es zu schlimmen Kämpfen kommt. Die Indianer sind gegen die Weißen machtlos und versuchen, sich immer tiefer in die Wälder zurück zu ziehen. Das bleibt nicht ohne starke Verluste für das Volk. Die weißen Soldaten indes ziehen ihren Vernichtungsfeldzug gnadenlos durch und machen auch vor den Frauen und Kindern nicht halt.

Plädoyer für mehr Toleranz

Die Konstellation, die Autorin Kerstin Groeper ihrer Geschichte zugrunde legt, ist ein deutliches Plädoyer für mehr Toleranz. Zunächst ist es nur die Verschiedenheit der einzelnen Indianer-Stämme, die deutlich macht, wie schwer es ist, eigene Gewohnheiten abzulegen und sich auf eine neue Lebensweise einzulassen. Für Wah-bo-sehns ist es zunächst schwierig, die Erwartungen des unbekannten Volkes an sie zu verstehen, wenn sie auch in der Schwester von Tschetan-withko eine gute Lehrmeisterin findet. Aus reinem Überlebenswillen passt sich die junge Frau der neuen Lebensart an und hält sich mit dem Gedanken daran aufrecht, dass es auch für ihr Kind ist, das als Tochter der Lakota aufwachsen soll. Schwieriger ist es für Wah-bo-sehns und ihren Ehemann Tschetan-withko hingegen, die Zeichen und Gefühle des jeweils anderen zu deuten und zu verstehen. Zunächst ist es die mangelnde Verständigungsmöglichkeit über die Sprache, die Hürden aufbaut, dann kommt auch der unterschiedliche Hintergrund der beiden Völker zum Tragen. Verletzungen durch eine anfängliche Sprachlosigkeit sind nicht zu vermeiden.

Tiefer Einblick in den Untergang eines Volkes

Kerstin Groeper macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Die Autorin lässt nirgends einen Zweifel daran aufkommen, dass sie den Indianern sehr verbunden ist und für deren Lebensweise wie auch für ihren Kampf gegen die Weißen vollstes Verständnis aufbringt. Sie tut dies auf eine unaufdringliche Art und gibt den Lesern die Chance, sich in der Welt der Sioux zu Recht zu finden und ihre Handlungen besser zu verstehen. Damit wird die Autorin zu einer Botschafterin, die jedoch mehr als deutlich die Verfolgung und Zerstörung der Indianer durch die Weißen anprangert. Zwar zeigt sie auch die Kämpfe innerhalb der einzelnen Stämme auf, die ebenfalls da und dort zur Vernichtung eines ganzen Stammes führten, doch widmet sie sich primär der Entwicklung, die die Situation der amerikanischen Ureinwohner so schlimm werden ließ, dass ein Überleben der Völker in ihrem traditionellen Umfeld nahezu unmöglich wurde.

Liebesgeschichte und Historie

Kerstin Groeper bietet einen gelungenen Mix aus ethnischer Betrachtung, Historie und auch Liebe. Sie hat dazu Figuren entworfen, die sich schnell in die Herzen der Leser spielen und dort ein tiefes Verständnis für die geschichtlichen Ereignisse wecken. Allerdings ist auch zu spüren, dass es sich beim Roman Der scharlachrote Pfad um ihr erstes Buch handelt. Die tiefschürfende Auseinandersetzung mit dem Thema wie auch der pointierte Facettenreichtum der späteren Figuren ist zwar schon zu erahnen und auch ansatzweise vorhanden, doch fehlt es noch etwas an Ecken und Kanten.

Wer auch immer bei diesem Roman auf eine verklärende Story gehofft hat, wird sich schnell enttäuscht sehen. Die Autorin geht auf einem wunderbaren sprachlichen Niveau auf die tatsächlichen Ereignisse ein und macht auch vor Gräueltaten nicht Halt. So ist Der scharlachrote Pfad letztlich eine berührende und für die Weißen beschämende Geschichte, die sich zwar süffig liest, aber doch einen intensiven Nachhall besitzt.

Der scharlachrote Pfad

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Letzte Kommentare:
07.02.2015 21:55:24
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Meine Meinung:

Nachdem ich mit der Autorin und ihren Werken bisher sehr positive Erfahrungen gemacht hatte, habe ich mich riesig auf dieses Buch gefreut.
Das Cover ist eine Fotografie einer Indianerin. Diese schaut nachdenklich in Richtung des Betrachters.

Kurz nach dem Tod ihres Mannes wird Wah-bo-sehns, eine Crow Indianerin, mitsamt ihrem kleinen Baby von einem feindlichen Krieger entführt. Tschetan-withko ist selber alleine und hat sich nun spontan während eines kleinen Raubzuges diese Frau geraubt und beschließt, sie zu seiner eigenen Frau zu nehmen. Wah-bo-sehns fügt sich schnell in den für sie fremden Stamm der Lakota ein, und nach und nach kommen ihr Mann und sie sich näher und werden eine Gemeinschaft. Das ist auch gut so, denn auf dieses Dorf kommen in Zukunft viele Gefahren zu, die es als Gemeinschaft zu bekämpfen gilt.

Ich habe vorher schon zwei sehr gute Romane dieser Autorin gelesen, aber dieser hat es echt geschafft, die anderen noch zu toppen! Kerstin Groeper ist es wieder hervorragend gelungen, mich in die Welt von Amerikas Ureinwohnern zu führen.
Schon nach wenigen Seiten war ich mitten im Geschehen und habe mit den Sioux, zu denen die Lakota gehören, und auch den anderen Stämmen mitgefiebert und gelitten. Einerseits berührten mich die persönlichen Geschichten innerhalb der Gruppen und die Schicksale der Einzelnen, andererseits war ich auch fasziniert von der Lebensweise der Eingeborenen.
Aber am eindrucksvollsten fand ich die geschichtlichen Hintergründe. Zu der Zeit, in der die Handlungen im Buch spielen, wurden die Indianer immer weiter von den weißen Einwanderern zurückgedrängt und bekämpft. Allerdings wurden hier auch die Hintergründe beider Parteien geschildert, geschickt eingefädelt durch die Figur der Jenny, einer zwölfjährigen Tochter eines Scouts, die von den Sioux in der Wildnis gefunden und im Stamm aufgenommen wurde.
Weinend habe ich gelesen, wie viele meiner liebgewonnen Figuren von den weißen Soldaten verfolgt, gehetzt und getötet wurden. Diese Szenen haben mich richtig mitgenommen und ich bin erschüttert, wenn ich bedenke, dass es so oder so ähnlich wirklich passiert ist.

Ich möchte dieses Buch jedem ans Herz legen, der sich für Amerikas Ureinwohner und deren Geschichte interessiert. Und wenn dies bis jetzt noch nicht der Fall war, dann ist es spätestens nach der letzten Seite des Buches so.