Mondjahre

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2014, Titel: 'Mondjahre', Originalausgabe

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Eva Schuster
Bewegende Schicksale im Ersten Weltkrieg

Buch-Rezension von Eva Schuster Feb 2014

Das deutsche Reich 1914: Das Attentat in Sarajevo auf den österreichischen Thronfolger Franz-Ferdinand markiert den Startschuss für den Ersten Weltkrieg. Zu den unzähligen Betroffenen der Kriegswirren gehören drei junge Frauen mit ungewisser Zukunft: Sophie, Johanna und Luise. Sophie ist mit dem französischen Journalisten Pierre verlobt und erwartet ein Kind von ihm - kaum jemand darf die Wahrheit erfahren, weil die Franzosen nun die Feinde der Deutschen sind. Als Frankreich die Generalmobilmachung anordnet, muss Pierre überstürzt in sein Land aufbrechen, während Sophie verzweifelt zurück bleibt.

Auch ihre Nichte Johanna ist frisch verliebt, in den Studenten Sebastian. Zu ihrem Kummer zieht Sebastian freiwillig in den Krieg und lässt sie mit bangem Herzen zurück. Und dann ist da noch die junge Luise aus Ostpreußen, die sich in Johannas Onkel Siegfried verliebt. Das Glück findet ein jähes Ende, als Luises Heimatstadt von den Russen eingenommen wird und ihre Eltern ermordet werden. Schließlich geraten Luise und Johanna gemeinsam in russische Gefangenschaft und in die Wirren der Februarrevolution 1917 gegen die Zarenherrschaft.

Stuttgart 2013: Die Schriftstellerin und Literatur- und Geschichtsstudentin Zita ersteht auf eBay ein altes Notizbuch, das aus dem Ersten Weltkrieg stammt. Die Verfasserin war offenbar eine Deutsche, die sich in St. Petersburg aufhielt. Zita ist gebannt von dieser Geschichte und will unbedingt mehr über die Hintergründe erfahren. Dabei kommt sie einem dunklen Geheimnis auf die Spur ...

Drei starke Frauen während des Ersten Weltkrieges

Legionen von Büchern über den Ersten Weltkrieg sind erschienen, doch hat der Krieg nichts von seinem Schrecken verloren und ist nach wie vor ein dankbares Sujet für einen geschichtlichen Roman. Im Mittelpunkt des ersten historischen Werks der Autorin Eva-Maria Bast stehen drei Frauen, die mit Kriegsbeginn jäh aus ihren bis dato glücklichen Leben gerissen werden.

Sophie und Johanna sind Tante und Nichte, Luise wird nach dem Verlust ihrer Eltern von Johannas Onkel Siegfried ebenfalls zu seiner Familie an den Bodensee gebracht. Dort entwickelt sich vor allem zwischen Johanna und Luise ein enges Band, intensiviert noch durch das gemeinsame Bangen um ihre Liebsten Sebastian und Siegfried. Vor allem Luise ist ein interessanter Charakter, der im Romanverlauf eine Entwicklung durchläuft: Der Tod ihrer Eltern und Großeltern macht Luise zunächst zu einer vehementen Russenhasserin, ehe sie sich im Zuge ihrer russischen Gefangenschaft den Bolschewiken anschließt. Reizvoll ist auch die Geschichte um Sophie, die nur den engsten Angehörigen anvertrauen kann, dass der Vater ihres Kindes ein Franzose ist - und selbst Sophies Mutter Helene reagiert darauf verletzend, gelten doch die Franzosen in diesen Tagen als so große Feinde des Deutschen Reiches, dass selbst französische Alltagswörter verpönt sind. Gegen alle Widerstände entscheidet sich Sophie, Pierres Kind auf die Welt zu bringen und kann nur hoffen, dass ihr Sohn eines Tages seinen Vater kennen lernen darf.

Historie trifft Gegenwart

Die Geschichte informiert über die wichtigsten Hintergründe zum Ersten Weltkrieg und richtet sich auch an Leser, die sich bislang mit dieser Materie nicht ausführlich befasst haben. Knapp aber sachkundig werden die zentralen Ereignisse, die den Krieg auslösten sowie sein weiterer Verlauf vor Augen geführt, ohne dass sich das Werk in dozierende Details verliert. Dabei werden die Kriegsfronten ebenso zum Schauplatz wie die Lazarette. Das geschilderte Leid durch Schmerzen, Angst, Hunger und Verzweiflung, durch die grausamen Verwundungen der Soldaten und durch die zunehmende Hoffnungslosigkeit erreichen zwar keine bemerkenswerte Tiefe, rühren den Leser aber durchaus an.

Was den Roman besonders macht, ist die Einbettung der Gegenwartshandlung, die einen eigenständigen Strang bildet. Rund hundert Jahre nach den Ereignissen um Sophie, Johanna und Luise gerät die Studentin Zita durch Zufall an Sophies Notizbuch und erforscht die Vergangenheit der damals jungen Frau. Dabei lernt sie die alte Franziska sowie deren Nichte und Großnichte kennen, ohne zunächst zu ahnen, dass es sich bei Franziska um Johannas jüngste Schwester handelt, die seinerzeit gerade zur Zeit des Kriegsausbruchs geboren wurde. Als die alte Frau von dem Notizbuch erfährt, will sie es um jeden Preis an sich bringen - und Zita begreift, dass Sophies Aufzeichnungen offenbar ein brisantes Familiengeheimnis bergen. Die Gegenwartshandlung birgt somit eine ordentliche Portion Spannung und kriminalistische Züge; die Hintergründe zu Franziskas Handeln sind lange Zeit undurchschaubar für den Leser und werden ganz allmählich auf geschickte Weise enthüllt. Die knapp 500 Seiten lesen sich trotz des komplexen Themas rasch und flüssig in einem klaren, schnörkellosen, aber wiederum nicht zu simplen Stil.

Nicht frei von Schwächen

Obgleich der Gegenwartsstrang um die Studentin Zita grundsätzlich durch Spannung überzeugt, ist seine anfängliche Gestaltung nicht einwandfrei geglückt. Zitas Faszination für das Notizbuch erscheint doch reichlich übertrieben und konstruiert. Nicht nur, dass sie spontan 300 Euro für das Büchlein investiert, sie beschließt auch sehr spontan, an den Bodensee zu reisen, um die Hintergründe zu erforschen; dabei hätte es sicherlich glaubwürdigere Vorgänge gegeben, um die Gegenwartshandlung um Zita mit den früheren Ereignisse zu verknüpfen. Nicht viel realistischer ist zudem das ebenso spontane Handeln von Philippe, Sophies Urgroßenkel, der sich auf Wunsch seiner Großmutter ebenfalls zum Bodensee aufmacht, um dort das Notizbuch zu finden.

Ein weiteres kleines Manko liegt in der generellen Vielzahl der Handlungsstränge und Figuren, bei denen der Leser leicht den Überblick verlieren kann. Die historische Handlung springt hin und her zwischen den Schicksalen von Sophie, von Johanna und Luise, von Pierre, von Sebastian und von Siegfried, die Schauplätze wechseln von Konstanz zu Überlingen, Neidenburg, Friedrichshafen, Memel, Paris und schließlich zu Russland. Die Kapitel sind gewöhnlich sehr kurz, oft wird nur zwei Seiten lang ein bestimmtes Schicksal verfolgt, ehe der Fokus zur nächsten Figur über schwenkt. Die jeweiligen Ereignisse werden daher meist nur kurz angerissen, was zu Lasten der Atmosphäre geht.

Insgesamt liegt mit Mondjahre ein solider Roman über den Ersten Weltkrieg vor, der sich trotz seines Umfangs schnell liest. Die Handlung kann trotz gewisser Schwächen unterm Strich weitgehend überzeugen und macht durchaus neugierig auf die Fortsetzung, die im Zweiten Weltkrieg spielen wird.

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