Mord in Metropolis

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2014, Titel: 'Mord in Metropolis', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Verwicklungen um den grössten Stummfilm aller Zeiten

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Feb 2014

In den Filmstudios in Babelsberg bei Berlin finden im Jahr 1925 die Arbeiten zum größten je realisierten Projekt statt. Fritz Lang dreht "Metropolis, die Produktion kostet Unsummen und wird mit jedem Drehtag teurer. Als eine Statistin tot elfgefunden wird und die neue und unbekannte Hauptdarstellerin Brigitte Helm Drohbriefe bekommt, wird die Polizei einschaltet, dies in Gestalt des Exkommissars Robert Grenfeld, dessen Frau, von der er derzeit getrennt lebt, Kostümbildnerin ist und er daher einige Leute in Babelsberg kennt.

Grenfeld macht sich an die Ermittlungen, und schon bald gibt es ein zweites Opfer zu beklagen, eine Freundin des ersten Opfers. Bleibt die dritte der Freundinnen übrig, Mascha, die von nun an Grenfelds wichtigste Zeugin ist. Grenfeld will bei den Dreharbeiten unter tausenden von Menschen auch Wilhelm Blume erkannt haben, einen ehemaligen Häftling, der eigentlich in der Haft gestorben sein sollte. Nicht einmal seine ehemaligen Kollegen unter ihrem Chef Gennat glauben ihm.

Nur langsam kommt Grenfeld voran, Mascha ist nicht besonders gesprächig, sein Kollegen glauben ihm nicht und mehrmals will Grenfeld die Brocken hinwerfen oder die Kollegen sagen ihm, er werde nicht mehr gebraucht. Doch irgendwie bleibt er immer am Ball, bis er schließlich ganz allmählich herausfindet, dass die UFA himmelhoch verschuldet ist und verkauft werden soll. Gibt es also Verschwörungen auf höchsten Ebenen? Grenfeld lässt nicht locker, riskiert Leib und Leben und will schließlich noch seine Frau zurückerobern. Viel zu tun, während die Dreharbeiten voranschreiten und weitere Anschläge zu befürchten sind ...

Ermittlungen bei den Dreharbeiten

Für seinen ersten Kriminalroman hat sich Autor Robert Baur gleich eine bekannte und doch grosse und unübersichtliche Kulisse gesucht. Die Dreharbeiten zu Fritz Langs Riesenepos "Metropolis" sind legendär, tausende Statisten, ungeliebte Darsteller, ein exzentrischer Regisseur, der jeden Take wenigstens zwanzig mal wiederholen lässt - das Umfeld ist wie gemacht für einen Mordfall, und so wagt sich der Autor in Form des Exkommissars Grenfeld daran, Drohungen gegen die Hauptdarstellerin aufzuklären und rasselt dabei noch direkt in den Mord an einer Statistin.

Baur schafft es treffend, den Leser nicht nur auf das Filmgelände mit seinen Besonderheiten mitzunehmen, sondern auch ganz einfach zu Grenfeld nach Hause, wo er vor sich hin vegetiert und seiner Frau nachtrauert, die ihn verlassen hat, obwohl, nun ja, irgendwie scheint es noch nicht ganz aus zu sein, aber das ist kompliziert, nicht nur für Grenfeld selbst, sondern natürlich auch für den Leser. Da bleibt auch einiges offen, aber das geht den Leser ja auch eigentlich nichts an.

Mehrere Denkmäler

Neben dem Set und Grenfelds Zuhause spielt auch das Polizeibüro eine Rolle, in der der legendäre Ernst Gennat, der das Polizeiwesen in Berlin revolutionierte und der geneigten Lesern vielleicht noch aus der Gereon Rath-Reihe von Volker Kutscher ein Begriff sein dürfte. Hier wurde allerdings nicht geklaut oder abgekupfert, sondern der tatsächlichen Berliner Legende ein mehrfaches Denkmal gesetzt. Nicht nur Kutscher und Baur haben Romane geschrieben, in denen Gennat vorkommt, es gibt noch weitere Autoren, und so bekommt man also als Leser nebenbei noch einen Einblick in die damalige Berliner Polizeiarbeit, die man sich noch nicht so vorstellen darf wie heutzutage.

Der Fall selbst bietet neben seiner fabelhaften Kulisse auch viele Möglichkeiten, jeden Ermittler mehrfach in die Irre zu schicken. Nur langsam kommt Grenfeld voran, und immer wieder verspricht er seiner Frau, aufzuhören mit den immer gefährlicher werdenden Recherchen. Auch sagen ihm Gennat und der Rest der Polizei immer wieder, dass er nicht mehr zu ermitteln braucht, und auch er selbst steht an dem einen oder anderen Punkt, wo er aufhören möchte. Doch, wie das immer so ist, dann geschieht etwas, was ihn weitermachen lässt, gewollt oder ungewollt, und so schlittert er in Ermittlungen verschiedener Polizeiabteilungen untereinander, die sich teilweise gegenseitig bespitzeln, und wenn Gennat nicht wäre, wäre das bestimmt immer noch so.

Kurzweilig

Die weibliche Hauptrolle in dem Roman spielt Mascha, zunächst eine junge Statistin, die einen Anschlag auf ihr Leben überlebt und die später als Hauptzeugin bei Grenfeld unterkommt, kritisch beäugt von Grenfelds Frau, die zu der Zeit in Paris weilt. Nichts geht glatt, warum auch, aber irgendwie passt alles zusammen, und man ist als Leser nicht genervt, sondern eher amüsiert. Das einzige, was negativ auffällt, ist, dass es dann doch einmal zu oft passiert, dass irgendwer Grenfeld zum Aufgeben bewegen will, obwohl man weiß, dass er es eh nicht tut. Hier hätte auf Dauer etwas originelleres geschehen können.

Erfreulicherweise spielt die Handlung nicht nur in Berlin und im Polizeipräsidium und auf den Strassen und in den Etablissements der Stadt, sondern tatsächlich auch während der Dreharbeiten selbst. Fritz Lang und seine Hauptdarstellerin Brigitte Helm tauchen persönlich auf wie auch andere Darsteller, Haupt- wie Neben-, und so hat das Buch auch das ansprechende Cover mit der bekannten Golem-Figur verdient. Hier gibt es interessante Einblicke in die Arbeit Fritz Langs, fast möchte man sich wünschen, einmal einen Kriminalroman zu den Dreharbeiten zum Liz Taylor-Film "Cleopatra" zu lesen, da ist es auch hoch her gegangen.

Robert Baur hat einen spannenden Kriminalroman konstruiert, der geschickt und gekonnt Realität und Fiktion miteinander verbindet und der einem der grössten und legendärsten Stummfilme überhaupt ein würdiges, wenngleich ungewohntes Denkmal setzt. Jedem Filmfan sei dieser Roman ans Herz gelegt, und am Tag nach der Lektüre bitte ins Besetzungsbüro und einen Antrag als Statist ausfüllen, damit die Ideen zu solchen Büchern nie ausgehen mögen. Viele Personen, viele Verwicklungen, viele Sackgassen, viele Ideen, viele Lösungen, viel Vergnügen. Es bleibt zu hoffen, bald mehr aus der Schreibmaschine des Autors lesen zu können. Und wer sich den Film noch einmal ansieht, wird vielleicht in einer Szene Grenfeld erkennen...

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