Das Bild der Erinnerung

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2013, Titel: 'Das BIld der Erinnerung', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Von Trümmerfrauen und verzehrendem Begehren

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2014

Micaela Jary hat mit Das Bild der Erinnerung keinen klassischen historischen Roman geschrieben. Denn sie siedelt ihre Geschichten gleich auf drei Zeitebenen an: Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg, in den 60er Jahren und in der Gegenwart. Trotzdem bietet sie mit diesem Roman ein sehr beeindruckendes historisches Portrait an. Sie widmet den Teil der Nachkriegsjahre unter anderem den Trümmerfrauen, die versuchen, aus dem Schutt des zerbombten Berlins eine neue Heimat zu gestalten. Im Zentrum stehen die patente Grete Brahm, ihre Nichte Fee und die Krankenschwester Brigitte. Die deutschen Frauen erleben durch die Besatzungsmächte viel Willkür und müssen für die Gräuel des Krieges büßen. Doch gibt es auch wohlwollende Besatzer. So etwa den britischen Captain Henry Richardson und seinen Freund, den Amerikaner Philip Coleman. Sie begegnen den drei Frauen auf unterschiedliche Weise – und doch bleibt beider Schicksal mit demjenigen der Frauen verknüpft. Einige Jahre später gibt es eine unerwartete Begegnung, bei der einige Protagonisten von einst erneut eine tragende Rolle spielen – allerdings bleibt diese Epoche im Vergleich mit den anderen beiden Erzählebenen recht bescheiden.

Schließlich spielt das Buch aber zu einem großen Teil in der Gegenwart. Hier ist es die junge Kunsthistorikerin Anna Falkenberg, mit der sich die Leserinnen und Leser auf eine Reise durch die Welt eines bestimmten Bildes machen können. Anna Falkenberg bekommt von einem Auktionshaus den Auftrag, die Echtheit eines Bildes zu bestätigen, das der Maler Leo Reichenstein einst von einem Liebespaar malte. Obwohl Anna zunächst davon ausgeht, dass das seit dem Weltkrieg als verschollen geltende Bild echt ist, beschleichen sie schließlich Zweifel. Um diese auszuräumen, beginnt sie mit Nachforschungen, die sie nach London in die Galerie von Oliver Richardson führen. Dessen Großvater Henry Richardson ist just jener britische Captain, der den Lesern bereits im Erzählstrang von 1946 begegnet ist. Er ist der erste, der das Geheimnis um das Bild lüften zu können scheint.

Dichte Atmosphäre

Micaela Jary hat sich bereits in ihren ersten Romanen als aufmerksame Beobachterin und gute Erzählerin erwiesen. Diesem Image bleibt sie auch bei Das Bild der Erinnerung treu. Sie nimmt ihre Leser mit in die Zeit nach dem Krieg und lässt sie den Staub atmen und die Trümmerfelder sehen, aus denen die zerbombten Städte bestehen. Doch die Autorin lässt es nicht bei einem starken atmosphärischen Eindruck bewenden. Sie arbeitet geschickt die Figuren aus der Szenerie heraus und lässt sie sich langsam entwickeln, so dass der Leser den Eindruck bekommt, immer näher an die einzelnen Protagonisten heran zu kommen. Dabei bleibt niemand auf der Strecke – alle Figuren bekommen nach und nach Konturen und Tiefe, werden zu überzeugenden Handelnden und wachsen den Lesern ans Herz. Micaela Jary bietet eine optimale Mischung aus Handlung und Hintergrund – streut sehr viel Wissen aus dieser Zeit ein und bleibt doch stets weit entfernt von einem schulmeisterlichen Ton.

Nicht im selben Masse tiefschürfend präsentiert sich allerdings der Gegenwarts-Teil. Im Vergleich mit den Figuren aus der Nachkriegszeit wirkt Anna Falkenberg eher blass. Sie will sich nicht richtig entwickeln, ihre Handlungen lassen manchmal den Eindruck aufkommen, dass hier eine Lücke klafft und einige Angaben fehlen, um sich ein umfassendes Bild machen zu können. Doch ist dies eine Kritik auf hohem Niveau. Denn auch dieser Teil des Romans könnte für sich alleine als unterhaltsame und gut aufgebaute Geschichte bestehen. So aber ist es vor allem die Mischung aus den verschiedenen Elementen, die der Erzählung genau die richtige Würze verleihen und die verschiedenen Szenen nach und nach ineinander fließen lassen.

Geschickte Leserführung

Der Umstand, dass die Leser immer wieder auf dieselben Figuren treffen, die sie schon zu Beginn des Romans begleiten, gibt dem Roman einen gewissen Pfiff. Die Autorin Micaela Jary beweist hier, dass sie es versteht, eine Geschichte vorausschauend aufzubauen und die Elemente ohne zu große "Zufälle" miteinander zu vernetzen.

Da es sich um einen mehrschichtigen Roman handelt, der auf verschiedenen Zeitebenen spielt, ist die Leserführung wichtig. Micaela Jary hat hier auf die Jahreszahlen zu Beginn der Kapitel gesetzt, so dass es ohne weiteres möglich ist, sich in der Zeit zurecht zu finden und die Ereignisse richtig zuzuordnen. Eine romantische Covergestaltung rundet den guten Eindruck ab – wobei gerade hier etwas bedauerlich ist, dass auf ein menschenleeres Brückenbild gesetzt wurde. Immerhin geht es im Roman um das Bild eines Liebespaares. Grundsätzlich aber erhalten die Leserinnen und Leser ein hochwertig gestaltetes Taschenbuch mit einem informativen Nachwort der Autorin.

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