Meine Cousine Emilia

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • dtv, 1994, Titel: 'Mojata rodnina Emilija', Originalausgabe

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Almut Oetjen
Atmosphärisch dichter Roman um Kriegskinder

Buch-Rezension von Almut Oetjen Dez 2013

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wird das Mädchen Emilia von seinen Eltern zu Verwandten nach Skopje gebracht, wo es zum Mittelpunkt im Leben ihres drei Jahre älteren Cousins wird. Emilia wird seine Freundin und Vertraute, durchstreift mit ihm die Stadt und wird Objekt seines erwachenden Begehrens. Sie zieht ihn in immer neue Abenteuer hinein, in denen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Phantasie verschwimmen, Orte sich verändern und Zeiten sich verschieben. Ihre Welt steht in krassem Kontrast zur Welt der Erwachsenen, die von Rationalität, Logik und Wissenschaft bestimmt wird. 

In vielen Geschichten spielen Tiere eine wichtige Rolle. So lässt Emilia vor den Augen des Cousins Elefanten auf einem Feld vor der Stadt erstehen, im Hinterhof des Hauses, in dem die Kinder mit dem Opa leben, steht plötzlich ein Einhorn. Emilia führt den Cousin in einen aufgelassenen Hamam, in dem eine unheimliche alte Frau haust, in ein geheimnisvolles Hotel, in das leere Gymnasium, oder sie fährt mit ihm auf einer Bahnstrecke, die längst stillgelegt ist, wie sie später erfahren.

Ein Roman in achtzehn Geschichten

Es sind komplexe Geschichten, die Realität und Phantasie miteinander verzahnen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschieben. So verlassen nach dem Krieg in der Phantasiewelt die alten Lehrer buchstäblich fliegend die Schule, wenig später werden sie tatsächlich gegen Jüngere ausgetauscht. Eine alte garstige Frau, die mit Emilia und dem Cousin den Luftschutzkeller teilt und von dem Mädchen als Küchenschabe imaginiert bis zum Tod gequält wird, kommt bei einem Bombenangriff auf die gleiche Weise wie die Schabe ums Leben. Die Topographie der Stadt wandelt sich auf unerklärliche Weise, so dass sich die Kinder mehrmals verlaufen. Manchmal wissen die Kinder von Dingen, die sich lange vor ihrer Zeit ereignet und von denen sie nie gehört haben, wie dem Großbrand in den Gewürzlagerhäusern. Die Erklärungen der Erwachsenen sind logisch, dogmatisch und lästig, überzeugen jedoch nicht wirklich und können den Zauber der Illusion nicht zerstören.

Der Roman des 1943 in Skopje geborenen Schriftstellers Vlada Urošević besteht aus achtzehn Geschichten, die durch die Kriegsjahre bis in die Nachkriegszeit führen, als Mazedonien seine Unabhängigkeit verloren hat und zu Jugoslawien gehört. Erzählt werden die Geschichten von dem Cousin Emilias, der sich als Erwachsener an die Erlebnisse mit Emilia erinnert. Er bleibt namenlos und man kann darüber spekulieren, wie viel daran autobiographisch ist.

Aus dem Blickwinkel eines Kindes

Kinder leben im Hier und Jetzt, heißt es an einer Stelle im Roman. Sie erleben den Krieg anders als Erwachsene, weil sie weder an die Zukunft noch an die Vergangenheit denken. Urošević vermittelt dies auf anschauliche Weise. Die Kinder erleben die Bombardierung der Stadt und der nahe gelegenen Ölfelder, sehen Tod und Zerstörung, müssen hungern und frieren, aber sie scheinen seltsam unberührt davon. So sehr leben sie in ihrer eigenen Welt, die jedoch nicht weniger grausam und unheimlich ist als die Realität des Krieges.

Urošević erzählt in dichten atmosphärischen Bildern achtzehn Geschichten aus dem Skopje der Kriegs- und Nachkriegszeit. Die Perspektive ist ungewöhnlich, die den Titel gebende Figur Emilia hinterlässt einen tiefen Eindruck und erinnert ein wenig an Alice im Wunderland.

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