Die Australierin

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2013, Titel: 'Die Australierin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

78
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Daniela Loisl
Die Lebensgeschichte von Carl Gotthold Lessing und seiner starken Frau Emilia

Buch-Rezension von Daniela Loisl Dez 2013

Hamburg Mitte des 19. Jahrhunderts. Geliebt und wohlbehütet wächst die kleine Emilia in ihrer Familie auf. Doch dann erhält ihr Vater ein berufliches Angebot, dass er nicht ausschlagen kann und Emilia wird von ihrer Familie getrennt. Sie wächst bei Verwandten auf und entwickelt sich zu einer jungen Frau. Als sie Carl Gotthold Lessing, Großneffe des bekannten Dichters, kennen lernt, verlieben sich die beiden. Von der Familie ist die Beziehung aber nicht gewünscht und so werden die beiden getrennt und führen eine heimliche Affäre.

Geschichte einer wahren Begebenheit

Ulrike Renk hat in den letzten Jahren eine schöne Reihe über Frauen und den Seidenhandel geschrieben, die dem Leser nicht nur sprachlich, sondern auch durch die historisch informative Geschichte in Erinnerung blieb. Mit diesem Buch nun hat sie sich nicht nur in eine andere Epoche begeben, sondern auch einem ganz anderen Grundthema zugewandt. In ihrem Nachwort erklärt die Autorin auch ausführlich, wie sie zu der Geschichte kam, die auf einer wahren Begebenheit beruht.

Wie von der Autorin nicht anders gewohnt, führt sie den Leser behutsam und mit großer Empathie in die Erzählung ein, sodass man von Beginn an mitten im Geschehen ist.

Interessante Figuren, detaillierte Beschreibungen

Mit Emilia, der Protagonistin des Romans, begleitet man ein glückliches und aufgewecktes Mädchen, für das eines Tages aus unverständlichen Gründen die Welt zusammenbricht. Sie wird von ihren Eltern verlassen, und für den Leser ist dieses Ereignis genauso wenig verständlich wie für die kleine Emilia. Leider wird der Grund für diese Handlung auch später im Buch nicht gelöst. Da Ulrike Renk sehr darum bemüht war, sich möglichst an Fakten zu halten, wollte sie anscheinend auch keine Erklärung erfinden und ließ so manche Fragen unbeantwortet. Dies ist zwar keine Tragik und für die Geschichte selbst ist dies auch nicht wirklich relevant, aber als kleines Manko empfindet man dies dennoch.

Das Leben Emilias wird gerade in den jüngeren Jahren ausführlich beschrieben und erst relativ spät tritt das Ereignis ein, das dem Buch wohl auch seinen Titel verlieh. Als sie sich in Lessing verliebt, ist ihre Familie alles andere als begeistert davon. Emilia jedoch kämpft um ihre Liebe und wird letztendlich auch Lessings Frau, der inzwischen Kapitän ist. So beschließen die beiden, dass sie gemeinsam zur See fahren.

So wechselt der Schauplatz von Hamburg auf ein Schiff. Dass es als Frau unter lauter Männern nicht gerade einfach ist, kann man sich gerade zu jener Zeit ausmalen. So empfindet man es fast etwas befremdlich, dass Emilia mit den Männern gar keine Probleme hat. Im Gegenteil, sie wird von jedermann respektiert und sogar ein Geburtshelfer findet sich unter ihnen, als Not an der Frau ist. Die Autorin beschreibt das Leben an Bord sehr anschaulich, aber man kann sich des Gefühls nicht erwehren, das alles etwas zu glatt, zu rund und gar zu schön läuft.

Feingefühl

Dieses Buch besticht durch die detaillierte und liebevolle Zeichnung Emilias in jungen Jahren, also der ersten Hälfte des Romans. Diese Zeit bringt Ulrike Renk mit gewohnt viel Feingefühl, sodass sich ein Identifizieren mit der Figur wie von selbst ergibt. Als das Ehepaar Lessing schließlich an Bord ist und letztlich in Australien Fuß fasst, wähnt man sich in einer anderen Erzählung, was aber auch dem krassen Schauplatzwechsel geschuldet sein kann.

Dass die Autorin erzählen und vor allem dem Leser ein sehr authentisches Bild der Zeit vermitteln kann, hat sie mit ihren historischen Romanen rund um das Thema der Seidenweberei gezeigt. Die Australierin ist ein schön zu lesendes Buch und zeigt ein für eine Frau im 19. Jahrhundert doch eher ungewöhnliches Leben auf, kommt aber an ihre vorangegangenen Bücher nicht ganz heran.

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