Amakusa Shiro - Gottes Samurai

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Palisander, 2012, Titel: 'Amakusa Shiro, samouraï de Dieu: La révolte de Shimabara', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Der größte religiöse Aufstand in der Geschichte Japans

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2013

Nach der legendären Schlacht von Sekigahara (1600) ließ sich Tokugawa Ieyasu 1603 zum Shogun ernennen. Eines seiner wichtigsten Ziele war die Verfolgung des fremden Glaubens, der zwischen 1614 und 1635 rund 300.000 Christen zum Opfer fielen. Doch nicht nur die Christen hatten unter seinem Shogunat zu leiden, auch viele Bauern und Samurai der vorhergehenden Machthaber lebten in ärmlichsten Verhältnissen. So kam es im Dezember 1637 und den Folgemonaten zu den größten religiös motivierten Ausschreitungen in der Geschichte Japans, dem Aufstand von Shimabara …

Auf der Halbinsel Shimabara ist die Lage für viele einfache Menschen aussichtslos. Immer neue Steuern werden abgepresst, die verbleibenden Reisrationen reichen kaum zum Überleben. Als in dem Dorf Fukaiemura die Tochter des Dorfvorstehers als Geisel genommen wird, da die Bauern ihre Steuerschuld nicht mehr begleichen können, kommt es zu einem Aufruhr, der von langer Hand vorbereitet wurde. Fünf Ronin, früher angesehene Samurai des einstigen Herrschers der Provinz, lebten zurückgezogen, um nicht Opfer der Christenverfolgung zu werden. Nun haben sie unter der Führung von Ashizuka Chuemon einen gewagten Plan ausgetüftelt. Der erst siebzehnjährige Masuda Shiro wird als ihr gemeinsamer Führer auserkoren, da er offenbar der Verheißene der Hankan-Prophezeihung ist. Der neue Tendo, der Bote des Himmels.

Zunächst bringen jedoch mehrere Bauern in Fukaiemura ihren Steuereintreiber um. Damit gibt es kein Zurück mehr, doch der Daymio Matsuhura Shigeharu weilt im weit entfernten Edo. Nun ist Eile für die Aufständischen angesagt. Es gilt unter der Führung eines erfahrenen Ronin die Burg Moritake in Shimabara zu erobern, um an Waffen und Nahrung zu kommen. Währenddessen sollen andere Ronin den jungen Shiro aus Nagasaki auf die Insel Amakusashima führen, um dort mit dem gleichen Ziel die Burg Tomioka zu stürmen. Danach sollen sich beide Gruppen vereinen, um Richtung Edo zu ziehen.

 

Vor dreihundert Jahren hatte Japan zwei mongolische Invasionsversuche abgewehrt und dabei Hunderttausende Krieger geopfert. Was wogen dagegen ein paar zehntausend unglückselige Bauern, die in dem großen Machtspiel nur eine Nebenrolle spielten?

 

Zehntausende Christen und verarmte Bauern, aber auch viele Krieger des früheren Shoguns pilgern zu den Aufständen, um sich dem charismatischen Anführer der Christen, Shiro, anzuschließen. Doch die Belagerung der Burgen erweist sich als äußerst nervenaufreibend. Einerseits sind die zahllosen Menschen überwiegend einfache Leute und keine ausgebildeten Kämpfer, zum anderen gelingt es den erfahrenen Ronin und ehemaligen Samurai nicht, Ordnung in die Massen zu bringen. Die Verbitterung sitzt zu trief und so stürmen die Bauern immer wieder unter hohen Verlusten sinnlos gegen die Befestigungen an. Ohne Kanonen scheint den Burgen nicht beizukommen zu sein, und daher entschließt sich Shiro letztlich zum Rückzug. Rund 40.000 seiner Anhänger suchen ihre Zuflucht in Hara, einer alten Burgruine, die nun schnellstmöglichst wieder aufgebaut werden muss, denn der Shogun mobilisiert eine übermächtige Armee aus erfahrenen Kriegern. Hara eignet sich als Zufluchtsort, da es direkt am Meer liegt und somit nur von einer Seite einnehmbar ist. Doch die Heerführer des Shogun unter Leitung von General Itakura haben vor allem eines: viel Zeit.

Allein schon die gleichzeitige Anwesenheit Matsukura Shigeharus und des Generals Itakura auf dem Schauplatz des Geschehens war eine Garantie für den Misserfolg des Unternehmens. Aus Standesgründen. Es bestand kein Zweifel daran, dass es zwischen den beiden Männern zum Streit kommen würde, auch wenn die Entscheidungsgewalt bei Itakura lag. Die Unfähigkeit Matsukuras als Kriegsherr war allgemein bekannt, aber als Intrigant war er unerreicht.

Während in den folgenden Monaten in der Burg Hara die Lebensvorräte langsam, aber sicher zu Ende gehen, drängen die Provinzfürsten im Lager Itakuras auf ein baldiges Handeln. Schließlich wollen die Samurai kämpfen und ihrer Ehre zu weiterem Ruhm verhelfen…

Mitreissend und beklemmend

Roland Habersetzer, ein führender Experte der Kampfkünste, hat die Ereignisse des Shimabara-Aufstandes in einen ebenso mitreißenden wie beklemmenden Roman gepackt. Zwischen Dezember 1637 und April 1638 ließen zigtausende Menschen ihr Leben, wobei besonders erstaunt, wie hoch die Verluste bei den Truppen des Shoguns waren, waren ihre Gegner doch überwiegend einfache Bauern. Die Handlung hat einige Längen, denn die Angreifer müssen eigentlich nichts tun; schon gar nicht angreifen, denn die Festung Hara scheint uneinnehmbar. Doch was tun die Christen, wenn ihre Lebensmittelvorräte knapp werden und zahllose Menschen vor Hunger sterben? Reichen allein Gebete und Gesänge sowie der unbeirrbare Glaube an Gott und dem auserwähltem Shiro?

Shiro – Der erste Samurai Gottes

Die Christen feiern ihren Heilsbringer und hoffen auf ein Wunder. Sollte dieses nicht eintreten, wollen sie bereitwillig als Märtyrer sterben, denn ein besseres Leben ist ihnen im Jenseits gewiss. Auf der anderen Seite langweilen sich die Samurai, schließlich besteht ihr Handwerk vor allem im Schwertkampf. Aber Ruhm und Ehre sammeln im ehrlosen Kampf gegen einfache Bauern? Bis zum finalen Inferno, dem zehntausende Menschen einem rasenden Wahn auf beiden Seiten zum Opfer fallen werden, ist es ein zäher Weg. Militärisches Taktieren trifft auf Gottvertrauen, so könnte man die Situation zusammenfassen.

Wer sich für die Geschichte Japans und/ oder des Christentums interessiert, sollte diesen Roman nicht versäumen. Das Buch ist zudem hervorragend aufgemacht und bietet neben einem Personenregister zwei Karten sowie einen ausführlichen Anhang mit einem umfangreichen Bildteil und Hintergrundinfos. Zuvor bietet sich allerdings die Lektüre Kreuz und Schwert von Kaga Otohiko an, welches zum gleichen Thema in den Jahren 1613-26 spielt. Oder Eiji Yoshikawas Roman Musashi über den legendären Schwertkämpfer, der gegen Ende des Buches von Habersetzer einen kleinen Auftritt hat.

Amakusa Shiro - Gottes Samurai

Amakusa Shiro - Gottes Samurai

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Letzte Kommentare:
22.01.2015 13:36:27
Aigle noir

Wie man dem Nachwort entnehmen kann, ist der Autor vor über 30 Jahren an den Ort des Geschehens, nach Shimabara, gereist und stieß dort nicht nur auf erstaunliche Ahnungslosigkeit über den Aufstand der Christen Japans, der dort 350 Jahre zuvor stattgefunden hatte, sondern gab auch noch das Versprechen, eines Tages ein Buch darüber schreiben zu wollen. Und man spürt von der ersten Seite an, dass ihn das Thema seither nicht mehr losgelassen hat. Immer wieder beschleicht einen das Gefühl, einen Augenzeugenbericht zu lesen. Es ist mitunter fast schon unheimlich, wie lebendig Habersetzer selbst die kleinsten Nebenfiguren der Handlung wirken lässt, wie sehr sie einem ans Herz wachsen beim Lesen. Vom alten Dorfzimmermann Seibe, dem blinden Samurai Shashi, dem holländischen Händler Koekebacker, dem bayerischen (!) Riesenkerl Klaus mit seinem Zweihandschwert bis hin zum berühmten Miyamoto Musashi oder zum Shogun Tokugawa und seinem Meisterspion Yagyu Jubei.
Dieser Realismus erstreckt sich auch auf die Darstellung der vielen Schlachten, Zweikämpfe und Gemetzel. Was da an Grausamkeiten und Leiden geschildert wird, ist nicht unbedingt angenehm zu lesen – ein romantisch verklärtes Bild von den Kämpfen in den alten Zeiten wird hier nicht geboten... eher Naturalismus in bester französischer Tradition. Natürlich gibt es auch in diesem Roman echte „romantische“ Helden der Art, wie sie vielleicht nur das alte Japan mit seiner uralten Kriegertradition hervorbringen konnte - auf beiden Seiten: bei den Aufständischen wie bei den gegen sie ausgesandten Truppen des Shoguns.
Sehr glaubhaft wird auch der junge Shiro dargestellt, dieser mysteriöse „Gesandte des Himmels“, der den Aufstand angeführt hat, ein Mensch, der - ähnlich wie einst die „Jungfrau von Orleans“ - von seiner göttlichen Mission, die Christen Japans in die Freiheit zu führen, überzeugt war und dennoch immer wieder von extremen Gefühlsschwankungen und Zweifeln heimgesucht wurde.
Die Dialoge könnten aus Filmen von Akira Kurosawa stammen, wie überhaupt die ganze Handlung „filmreif“ ist - langweilig wird es nie und an überraschenden Wendungen mangelt es nicht. Absolut gelungen ist das Ende des Romans; eigentlich ahnt man schon vorher, wie die Geschichte ausgeht, aber wie das dargestellt wird, ist wirklich bemerkenswert.
Mit „Amakusa Shiro“ ist dem Autor ein großer Wurf gelungen. Wie ein Europäer das alte Japan und seine Menschen so gut darstellen konnte, ist einfach erstaunlich...