Die Rebellin von Shanghai

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Bookspot, 2013, Titel: 'Die Rebellin von Shanghai', Originalausgabe

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Birgit Stöckel
Ein hervorragender Roman über ein brutales Kapitel der chinesischen Geschichte

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Dez 2013

China ist das bevölkerungsreichste Land und, nach Kanada und Russland, das drittgrößte der Erde, aber auch das Land mit einer der ältesten Hochkulturen der Welt und gerade diese Vergangenheit wirkt auf viele faszinierend und geheimnisvoll: verschiedene Kaiserdynastien, strenge Traditionen, eine hochgebildete Oberschicht, eine arme (und ungleich größere) Unterschicht, Seide, Gelehrte, Philosophen, Höflichkeit das alles wird mit dem "alten" China assoziiert.

Trotz dieser faszinierenden Vergangenheit sind Romane mit diesem Schauplatz nicht gerade häufig im historischen Genre vertreten. Umso erfreulicher, dass sich Tereza Vanek bereits zum zweiten Mal dafür entschieden hat. Nach "Das Geheimnis der Jaderinge" ist nun ihr neuester Roman Die Rebellin von Shanghai im Bookspot-Verlag erschienen.

Zwei junge Frauen auf der Suche nach dem Platz im Leben

Shanghai 1900: Viktoria Huntingdon lebt mit ihrem halbchinesischen Ehemann Jinzi und ihrer chinesischen Adoptivtochter Charlotte in Shanghai und führt dort ein Waisenhaus. Obwohl sie gesellschaftlich aufgrund ihrer Ehe nicht akzeptiert ist, führt ihre Tochter Charlotte doch ein behütetes, sorgenfreies Leben. Als sie sich allerdings in den britischen Offizier David Stuart verliebt, muss sie schmerzlich erfahren, welche Macht gesellschaftliche Konventionen besitzen. So macht sie sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter und ihren chinesischen Wurzeln und schließt sich deshalb einer Gruppe an, der ihr Freund aus Kindertagen, Shao Yu, angehört. Mit diesen findet sie sich bei den Boxern in Peking wieder, und als der Aufstand los bricht, wird sie in eine brutale, entfesselte Welt hinein gezogen, die ihr alles abverlangt.

Ebenfalls im Jahr 1900 macht sich Elsa Skerpov, die Nichte von Viktorias ehemaliger Zofe, auf den Weg von Hamburg nach Shanghai, um ihrem alten Leben zu entfliehen. Sie findet schließlich Arbeit in der deutschen Gesandschaft in Peking und gerät ebenfalls in die gewalttätigen Ausschreitungen. Zudem lernt sie noch einen interessanten Mann kennen, der ihr gefällt allerdings ist er Chinese und somit für westliche Frauen tabu.

Ein umfassendes und vielschichtiges Bild der politischen Situation

Tereza Vanek gelingt es erneut, die Hintergründe, Ursachen, Auswirkungen und Stimmung eines wichtigen Ereignisses der chinesischen Geschichte einzufangen. Dabei gibt sie sowohl der chinesischen als auch der europäischen Sichtweise Raum ohne zu werten. Durch Sho Yu und andere Mitglieder der Yihetuan (Verband der Gerechtigkeit und Harmonie) erfährt man viel über die Hintergründe dieses Aufstands, die in der Armut, dem Hass auf die Europäer, die in den Augen der Aufständischen die Kultur der Chinesen bedrohen, der Angst vor dem Wandel, der sich langsam vollzieht, aber auch in der Wut auf die reiche und begüterte Oberschicht Chinas liegen. Mit Wenrou, einem Mandschu-Chinesen, bekommt auch der Adel Chinas eine Stimme und man folgt ihm bis an den Kaiserhof, um die dort vorherrschenden Meinungen kennenzulernen. So ergibt sich ein umfassendes Bild.

Nicht nur bei der Darstellung der politischen Situation, sondern auch bei der Figurenzeichnung verzichtet die Autorin auf Einseitigkeit. Alle Protagonisten und viele der Nebenfiguren haben ihre Ecken und Kanten, sind lebendig und glaubhaft gezeichnet und machen alle einen deutlichen Wandel durch nicht zuletzt durch das Grauen, das sie im Rahmen des Aufstands erleben müssen und das keinen so lässt, wie er vorher war.

Eine echte "Histo-Perle"

Das alles sind die Zutaten, die durch Tereza Vaneks schöne, leichte und einfache, aber keinesfalls banale Sprache zu einem spannenden, fesselnden und farbenprächtigen Roman verwoben werden, der den ersten Teil Das Geheimnis der Jaderinge sogar noch übertrifft. Man kann Die Rebellin von Shanghai auch für sich lesen, denn wichtige Dinge aus dem ersten Buch, die eine Rolle spielen, werden in die Geschichte eingeflochten.

Lobend ist auch die Ausstattung zu erwähnen: Die Ausgabe ist, wie fast immer beim Bookspot-Verlag, mit einem wunderschönen Cover gestaltet, es gibt eine Karte des Pekinger Gesandschaftsviertels, ein ausführliches Personenverzeichnis, eine Zeittafel der wichtigsten Daten sowie ein Nachwort der Autorin.

Die Rebellin von Shanghai ist ein wunderbares Buch, das sich hervorragend für lange, dunkle Winterabende eignet und die Leser in eine geheimnisvolle, spannende und faszinierende Welt entführt.

Die Rebellin von Shanghai

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Letzte Kommentare:
01.02.2014 16:13:52
allegra

An der Seite der beiden jungen Frauen Charlotte und Elsa erlebt man als Leser den Boxeraufstand hautnah mit. Ohne Effekthascherei stellt Tereza Vanek die Gräueltaten nachvollziehbar und anschaulich dar. Durch geschickt gewählte Perspektiven hat man aus verschiedenen Seiten Einblick ins Geschehen und kann die Beweggründe der handelnden Figuren sehr gut nachvollziehen. Die Zusammenhänge der historischen Begebenheiten, aber auch der kulturellen Unterschiede werden einem beim Lesen sehr bewusst. Mit den fiktiven Figuren sind auch sehr viele historisch verbürgte Personen verwoben, so dass man ein interessantes und auch realistisches Beziehungsgeflecht beobachten kann. Sowohl Elsa als auch Charlotte machen eine Entwicklung durch. Der rohe ungeschliffene Diamant Elsa findet sich zunehmend in der vornehmeren Gesellschaft der Diplomaten zurecht, während das behütete und auch verwöhnte Kind Charlotte schmerzhaft erfährt, wie viel Glück sie mit ihrem Elternhaus eigentlich hatte. Die Erlebnisse der beiden Frauen in Peking sind sehr spannend zu lesen und ich habe richtig mitgefiebert und mit gelitten, als die Versorgung mit Nahrungsmittel knapp wurde und die Armee der Befreier nicht wie erwartet aufgetaucht ist.

Sprachlich hat mir dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Die Autorin setzt stets eine zur Zeit und dem sozialen Umfeld passende Ausdrucksweise ein, die einem durch einen sehr angenehmen und abwechslungsreichen Satzbau ermöglicht, sich voll auf den Inhalt zu konzentrieren.

Hervorheben möchte ich auch die schöne Gestaltung des gebundenen und mit einem Lesebändchen ausgestatteten Buches. Auf den ersten beiden Seiten ist ein zeitgenössischer Stadtplan des Gesandtschaftsviertels von Peking abgedruckt, was einem das Verfolgen der Handlung während des Aufstandes sehr erleichtert. Zur zeitlichen Orientierung dient eine Auflistung der wichtigen Daten und Eckpunkte des Boxeraufstandes. Eingerahmt wird alles von einem ausführlichen Personenverzeichnis und einem sehr informativen Nachwort, in dem noch mal eindrücklich klar wird, wie viel historische Feinarbeit Tereza Vanek für diesen Roman geleistet hat.

So sollte für mich ein historischer Roman sein! Spannend, wahrheitsgemäß und gefühlvoll. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die sich für die Geschichte Chinas interessieren.