Die Wikingersklavin

  • Bookspot
  • Erschienen: Januar 2013
  • Bookspot, 2013, Titel: 'Die Wikingersklavin', Originalausgabe
Die Wikingersklavin
Die Wikingersklavin
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Bettina Weiß
83

Histo-Couch Rezension von Bettina Weiß Dez 2013

Haithabu 1066 – Umschlagplatz für Waren aller Art

Eine heimatlose Fränkin findet im Kampf zwischen den alten Mythen des Nordens und der Zwangschristianisierung Skandinaviens ihren Weg in die Freiheit. Nachdem das Heimatdorf überfallen wurde und ihre Familie getötet worden ist, wird die junge Sophia nach Haithabu, der großen Handelsstadt des Nordens, verschleppt. Es ist das Jahr 1066 und der Umgang mit menschlicher Kriegsbeute ist hart. Im Hurenhaus der Svana trifft sie auf Askell, einen Schmied auf Handelsreise. Der Nordmann will zum Abschluss seiner erfolgreichen Reise noch einen letzten Kauf tätigen: Er sucht eine Sklavin, die ihm den Haushalt führt und die Felle wärmt. Der dem alten, mythischen Glauben anhängende Mann kauft die versklavte Christin, um sie in seine Heimat zu bringen. Vor den Abfahrt seines Schiffes kauft der Nordmann noch einen weiteren Sklaven: den Benediktinermönch Aidan. Gemeinsam beginnen sie die beschwerliche Fahrt in die Heimat des Schmieds. Für Sophia wird der glaubensstarke Aidan zur Stütze und zu einem verlässlichen Freund. Obwohl Askell sie fürsorglich behandelt und sich ihr nicht aufdrängt, beherrscht nur eine Gedanke ihr Leben: Flucht. Die Gelegenheit dazu bietet sich schneller als gedacht: Askell wird von seiner eigenen Mannschaft überfallen und fast zu Tode gebracht. Doch statt den Nordmann seinem Schicksal zu überlassen, versorgen Aidan und Sophia seinen Wunden und bleiben an seiner Seite. Um sich und seinen Besitz zu schützen, muss Askell heran finden, wer ihn nach dem Leben trachtet und aus welchem Grund er sterben soll.

Die raue Landschaft des Nordens erschafft raue Menschen

Die Landschaft des Nordens ist rau und das Klima ist hart, für die aus einem Dorf nahe Bremen stammende Sophia ist das Leben in der neuen Heimat eine ständige Herausforderung. Auch der alte, mythengeprägte Glaube ist ihr unverständlich und macht ihr Angst. Der Benediktiner Aidan wird ihr in dem gemeinsamen Schicksal zu einem Bruder und auch einer Glaubensstütze. An seinem unverbrüchlichen Glauben kann Sophia sich aufrichten und ihr Leid tragen. Aber durch die Gefahren der rauen Landschaft und die Intrigen der Gegner Askells lösen sich die Grenzen zwischen Freund und Feind langsam auf. Die eigenen Ideale stehen auf dem Prüfstand. Einerseits steht sie fest zu ihrem christlichen Glauben, der ihr bisheriges Leben prägte, andererseits ist sie von Askells alten Mythen und Ritualen fasziniert, aber auch zugleich abgestoßen. Diese widerstreitende Gefühle Sophias sind so greifbar, dass ihre Zerrissenheit für den Leser spürbar und erlebbar wird.

Angekommen im Dorf von Askell erleben Sophia und Aidan, dass der neue Herr auch in der Heimat nicht wohlgelitten ist. So muss sich Sophia ihren Platz in der Dorfgemeinschaft immer wieder neu suchen. Sie ist einerseits Sklavin und aus der Fremde, sie erwirbt sich aber andererseits durch ihre Fähigkeiten und Kenntnisse eine besondere Stellung im Haushalt des Hersen, des Stammesführers. Auch hier ist wieder ihre Zerrissenheit zu spüren, sie ist weder ganz Mitglied im Hauses des Herrschers noch bleibt sie nur einfache Sklavin. Sophia kennt ihren Platz eigentlich selbst nicht richtig, sie erkennt nur immer wieder neu, was sie alles verloren hat.

Die verschleppte Sklavin wird zu einer starken Frau

Im Laufe der Handlung reift Sophia allerdings zu einer starken Frau, die sich ihren Weg bahnt und so zu ihrem Glück findet. Sie ist in dieser Entwicklung ein sehr glaubwürdiger Charakter, der sich selbst findet und sich dabei treu bleibt. Askell ist sowohl dunkel, auch optisch mit rabenschwarzem Haar, als auch geheimnisvoll mit seinen Mythen und Ritualen. Der Charakter ist in sich stark und stimmig, dadurch auch sehr interessant und reizvoll. Den Gegenpart bildet Aidan, in seinem unverbrüchlichen Gottvertrauen und seiner Treue zum Glauben. Beide männlichen Protagonisten sind in ihrer Gegensätzlichkeit glaubwürdig und doch ist es ihnen möglich, im Laufe des Geschehens Vertrauen zueinander aufzubauen und gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Die Beziehung zwischen Askell und Sophia ist hingegen schwieriger. Sie wurde als Sklavin gekauft, aber von ihm nie so behandelt. Sophias Ablehnung nimmt er hin und kümmert sich trotz allem fürsorglich um sie. Dennoch stehen Stolz und Misstrauen ihnen im Weg. Erst als es eigentlich zu spät ist, kann sich Sophia ihre veränderten Gefühle eingestehen. Und damit in einen neuen Lebensabschnitt gehen.

Manchmal ist mehr doch mehr

Die Lebensabschnitte Sophias in der neuen Heimat finden sich nach Prolog auch in den drei Teilen des Romans, die mit "Die Gefangene", "Die Versklavte" und "Die Geliebte" überschrieben sind, wieder. Auf diese Weise symbolisiert die äußere Einteilung des Romans Sophias Stellung und ihre innere Entwicklung. Der Roman ist mit 315 Seiten nicht allzu umfangreich und gerade im Hinblick auf Sophias Entwicklung wäre es wünschenswert gewesen, einige Seiten mehr zu haben, um diese zu begleiten. Gerade noch mit Gedanken der Flucht beschäftigt, lodern die Gefühle für Askell ziemlich plötzlich auf. Hier wäre ein mehr an Umfang für das Miterleben der wachsenden Gefühle schöner gewesen. So bleibt ein wenig Erstaunen zurück. Abgerundet wird der Roman durch den Epilog und ein Glossar der wichtigsten Begriffe.

Insgesamt ein sehr stimmiger Roman über eine Zeit, die sowohl rau als auch geheimnisvoll ist und gerade deshalb einen wunderbaren Schauplatz für eine spannende Geschichte bietet.

Die Wikingersklavin

Sabine Wassermann, Bookspot

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