Im Herzen der Koralleninsel

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • List, 2013, Titel: 'Im Herzen der Koralleninsel', Originalausgabe

Couch-Wertung:

72
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Rita Dell'Agnese
Nette Liebesgeschichte vor historischer Kulisse

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Dez 2013

Eine Südseeinsel, eine junge Frau aus Deutschland und ein geheimnisvoller, attraktiver Mann: Das sind die Hauptbestandteile des Romans Im Herzen der Koralleninsel von Inez Corbi. Natürlich gibt es dazu noch eine Fülle von weiteren Zutaten, die den Roman zu einer netten Unterhaltung machen. So etwa ein Krimielement oder die Beschreibung des Lebens auf einer Missionsstation. Im ausgehenden 19. Jahrhundert reist die Lehrerin Isabel Maritz nach Deutsch-Neuguinea, um zu heiraten. Ihren Verlobten kennt sie ausschließlich durch den Briefverkehr, der einige Monate hin und her ging. Auf der Insel angekommen, stößt Isabel nicht nur auf eine ihr völlig fremde Welt, sie muss auch erfahren, dass ihr Verlobter vor ein paar Tagen gestorben ist. Unschlüssig, was sie nun mit sich anfangen soll, reist die junge Deutsche in die Missionsstation, in der ihr Verlobter gelebt hatte. Fasziniert von der Welt, die sie dort umgibt, beschließt sie, vorerst zu bleiben und sich als Lehrerin nützlich zu machen. Bald schon wird sie vom jungen Kolonialbeamten Berthold von Faber umworben. Er bittet Isabel, seine Frau zu werden. Obwohl sie ihm freundschaftlich zugetan ist, kann sich Isabel aber nicht zu dieser Ehe entschließen. Denn sie hat ihr Herz dem geheimnisvollen Mischling Noah verschenkt, ohne dass sie sich zunächst dessen bewusst ist. Als ein Kaufmann ermordet wird, der Einheimische als Arbeiter auf eine Plantage gewinnen wollte, fällt der Verdacht auf Noah. Alle Indizien sprechen gegen den verschlossenen Mann, dessen Herkunft ein Rätsel ist. Noah gelingt es, Isabel als Geisel zu nehmen und mit ihr in die Wildnis zu flüchten. Der verstörten jungen Frau kommen Zweifel.

Naive Protagonistin

Die Autorin Inez Corbi zeichnet ihre Protagonistin Isabel als naives und leicht weltfremdes Geschöpf. Das mag gut in die Zeit passen, in der die Handlung angesiedelt ist. Dennoch stellt diese Charakterisierung einen leichten Bruch zur Handlung der Protagonistin dar. Immer wieder schwankt Isabel zwischen beherztem und forschem Vorgehen und dieser verzagten Art, die für die Frauen jener Zeit typisch ist. Dass sie sich sogleich in Noah verliebt und sich diese Liebe nicht so recht zugestehen will, ist ihrer Unerfahrenheit zuzuschreiben und insofern schlüssig. Ebenfalls ihr Zögern, dem werbenden Berthold eine eindeutige Antwort zu geben. Andere Handlungsweisen jedoch lassen etwas den Kopf schütteln. Ähnliches gilt jedoch auch für Noah, der zwischen den Welten gefangen scheint und hier als geheimnisvoller Held auftritt, dem es allerdings etwas an Charisma fehlt.

Schön skizziert

Während also die Handlung selber einem gängigen Schema folgt und nur wenig wirklich überraschende Szenen enthält, ist die Welt auf Deutsch-Neuguinea farbenfroh und detailreich geschildert. Es ist die eigentliche Stärke des Romans, dass Inez Corbi es versteht, diesen exotischen Schauplatz so darzustellen, dass die Leserin zum Schluss einen vertieften Einblick in die Entwicklung der Südseeinsel hat und sich von deren Bevölkerung ein besseres Bild machen kann. Die Autorin verzichtet darauf, allzu deutlich zu werten. Sie macht zwar keinen Hehl daraus, dass die Kolonialmacht den eingeborenen Menschen mit einer unglaublichen Ignoranz gegenüber tritt und es mehrere Interessen gibt, die weit über das Wohl der Bevölkerung gestellt wird. Aber sie wertet nicht. Weder die Handlungen der Kolonialisten, noch jene der Kaufleute, die letztlich an Menschenhandel verdienen möchte oder die eher lethargische Haltungsweise der Bevölkerung werden von Inez Corbi verurteilt. Sie beleuchtet die verschiedenen Haltungsweisen kritisch und überlässt es dann den Leserinnen, sich ein Bild von den verschiedenen Volksgruppen und sich Gedanken über die damalige Gesellschaft zu machen. Dieser Teil des Romans vermag die vor sich hin plätschernde Liebesgeschichte eindeutig zu bereichern und gibt ihr erstaunlich viel Tiefe.

Wer sich von einem Roman einzig unterhalten lassen möchte und nicht verlangt, dass zwischen den Zeilen großartige Aussagen gemacht werden oder es zu unerhörten Spannungsmomenten kommt, ist mit Im Herzen der Koralleninsel gut bedient. Es ist ein solider, gut geschriebener und leicht lesbarer Roman, der in eine hierzulande wenig bekannte Welt entführt und für ein paar Stunden gute Unterhaltung bietet.

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