Tod dem König

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Silberburg, 2013, Titel: 'Tod dem König', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Ein König plant inkognito seinen eigenen Empfang

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Nov 2013

Wie er es dem Schultheiß des kleinen Städtchens Enzheim an der Enz bereits versprochen hatte, will König Wilhelm I. von Württemberg dem Ort einen Besuch abstatten. Zu Hause in seinem Stuttgarter Schloß beschließt er, zumal auch, weil er weiß, dass Anschläge auf ihn geplant sind, inkognito selber nach Enzheim zu reisen und unter falschem Namen und Aussehen selber seinen eigenen Empfang vorzubereiten.

Die Enzheimer begrüßen diesen Staatsdiener des Königs, der sich Nikolaus nennt, recht herzlich und bringen ihm den einen oder anderen Brauch bei, den er noch nicht kennt und der auf dem Lande die Traditionen und Werte aufrecht erhält. Nikolaus erlebt so viele Dinge, die ihm bislang verborgen blieben, auch dass jemand auf ihn ein Auge geworfen hat.

Doch auch Ganoven haben Wind davon bekommen, dass der König Enzheim besuchen will, und so spionieren sie den Ort auch und verteilen Flugschriften mit der Aufschrift "Tod dem König”. Wird der König einen Anschlag verhindern können? Die örtliche Dreifaltigkeit aus Schultheiß, Pfarrer und Lehrer gibt ihr bestes, um das Schlimmste zu verhindern.

Mordpläne gegen den König

Im dritten Teil von Gerd Friederichs Enzheim-Reihe geht es ausnahmsweise nicht darum, einen Mord aufzuklären, sondern im Gegenteil darum, einen zu verhindern. Der König und sein Adjutant Haudegen stellen fest, dass bereits einige Anschläge auf ihn fehlgeschlagen sind, und so beschließt Wilhelm, seinen Besuch in Enzheim selber inkognito vorzubereiten, damit er selber schlimmeres verhindern und zudem niemand wissen soll, dass er nicht auf einem Staatsbesuch ist.

So trifft er inkognito in Enzheim ein und residiert im Königszimmer, dass der Schultes in seinem Gasthaus eigens für den König hat herrichten lassen, und als Amtsperson des Königs steht ihm dieses Zimmer auch zu. So lernt er nach und nach die Personen des Ortes kennen, allen voran den Schultes, den Dorflehrer und den Pfarrer und die Familien aller, mit denen er schnell in Kontakt kommt.

Viel Humor und Sachkenntnis

Er lernt die Traditionen und Befindlichkeiten des Ortes kennen, so eine Hochzeit, die immer im Winter stattfindet, weil man im Sommer dafür keine Zeit hat, weil alle auf den Feldern ihre Arbeit verrichten. Wer wen wie zur Hochzeit einlädt, das ist alles genau festgelegt und vom Autor Gerd Friederich mit viel Sachkenntnis und Humor zusammengetragen. Überhaupt beweist der Autor mit allen Geschehnissen eine Liebe zum Detail, die viel über die Dorfbewohner aussagt.

Wer die beiden Vorgänger des Romans gelesen hat, der wird einige Personen wiedererkennen. Allerdings ist die Lektüre nicht zwingend notwendig, schadet aber auch nicht, vor allem, um den Humor geniessen zu können. Die in den beiden Vorgängern gepriesene dörfliche Dreifaltigkeit kommt in Tod dem König nicht ganz so zum Tragen, dafür tritt eben Nikolaus in den Vordergrund, der König persönlich, der die eine oder andere Erkenntnis für seine weitere Regierungszeit mitnimmt.

Vorsicht, Dialekt!

Natürlich gibt es auch einen Einblick in die "Bösen”, die tatsächlich einen Anschlag auf den König planen, und die Beweggründe sind für den geneigten Leser durchaus nachvollziehbar. Doch stellen sich die beiden Kerle, die zunächst die Lage "auskundschaften” sollen, nicht unbedingt intelligent an, wenngleich sie das Kleben von Plakaten durchaus beherrschen. Aber gerade Koloman, der sogar gebürtiger Enzheimer ist und lange in Österreich gelebt hat (dem Feind der Württemberger, was ihn natürlich verdächtig machen würde, wenn es einer wüsste) hat doch etwas mehr Schmalz im Hirn als sein Kollege, und so wird auch mal die ganze Kirche mit Plakaten gepflastert, damit es auch wirklich jeder mitbekommt.

Es sind diese kleinen dörflichen Geschichten am Rande, die den Roman so liebens- und so lesenswert machen. Der Schultes und noch weitere andere sprechen zudem im Dialekt, der von Friedrich hervorragend für die Schriftsprache eingefangen wurde, wenngleich es für manche Leser schwierig werden könnte, immer alles zu verstehen, was da gerade gesagt wird. Doch gerade hierin stecken viel Humor und Kenntnis von Sprache und Tradition, dass man sich das lachen oftmals nicht verkneifen kann.

Mehr davon!

Das Ende hätte für all die mühselige Vorarbeit etwas spektakulärer ausfallen können, so bekommt man das Gefühl, dass eine gewisse Seitenzahl nicht überschritten werden durfte. Das ist schade, denn gerade bei den Vorbereitungen und dem Vorlauf rechnet man mit etwas völlig anderem. Nun, vielleicht ist auf dem Land doch alles noch etwas ruhiger als in der großen Stadt.

Alles in allem ist Tod dem König ein gelungener dritter Teil aus Enzheim, der befürchten lässt, dass da vielleicht nicht noch ein vierter oder noch mehr Teile kommen könnten? Gerne würde der Leser noch mehr Romane dieser Art lesen, mit ihrem Humor, ihrem dörflichen Leben, den kuriosen Charakteren und den vielen Traditionen, dem Dialekt und den kleinen und grossen Spinnereien und Eigenarten der Enzheimer. Ein gelungener Roman mit einem Ende, das hätte spektakulärer ausfallen können, und, wenn man es genau nimmt, auch mit manchmal übertriebener Genauigkeit, die die Gefahr birgt, Leerlauf durch Humor zu verschleiern. Wie dem auch sei, wer sich bei dieser Lektüre nicht unterhalten lässt, ist selber Schuld. Gerne mehr davon. Ein Vorwort zur Aussprache, ein Personenregister und Fußnoten zu den schwierigsten Begriffen ergänzen den schwungvollen Roman.

Tod dem König

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Letzte Kommentare:
16.01.2014 12:47:38
Lothar Göbel

Ich habe das Buch, passend zur Stimmung seines Einleitungskapitels, an einem frostigen Wintermorgen begonnen und in einem Zug durchgelesen, weil es so spannend war. Dabei fand ich das Buch aber auch überaus amüsant. Wenn sich noch jemand fände, die passende Musik dazu zu schreiben, hätten wir eine großartige neue Operette.
Was aber über das Literarische hinaus faszinierend war, war die quasi ganz nebenbei mitgelieferte Fülle an Detailinformation zur damaligen europäische Politik und besonders zum gesellschaftlichen Leben in einer ländlichen Gemeinschaft in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Man spürt, dass der Autor ein tiefer Kenner der Materie ist.
Ich werde weitere Bücher des Autors lesen, alleine schon um, ganz nebenbei, Geschichte zu lernen!

03.12.2013 12:49:53
Monika Weber

Ums gleich vorweg zu sagen: Die Geschichte hat Pfiff, ist unterhaltsam und lehrreich zugleich. Den Mann, der da mit der Postkutsche kommt, halten die Leute für einen Städter mit zwei linken Händen, auf den man aufpassen muss, dass er in keine Jauchegrube fällt. Dieselben Leute fallen am Ende des Romans in Ohnmacht, als sie sehen, dass das ihr König ist. Friederich hat genau beobachten, wie sich Menschen um die eigene Achse drehen können.
Mit jedem Romankapitel zeigt er eine neue Facette des Dorflebens um 1843. Farbig werden Hochzeiten geschildert, Schlacht- und Backtage beschrieben, Weinbergarbeiten gezeigt. Man nimmt Anteil am Vergnügen der Kinder auf dem Eis und der Erwachsenen in der Lichtstube. So kommt zur Komödie in der Haupthandlung ganz nebenbei noch allerlei Brauchtum hinzu.
Wie schon die beiden ersten Bücher "Kälberstrick" und "Sichelhenke" hat mich auch dieser Roman belustigt und begeistert.