Georg Büchner - Das Herz so rot

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • , 2012, Titel: 'Georg Büchner: Das Herz so rot', Originalausgabe

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Birgit Borloni
Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

Buch-Rezension von Birgit Borloni Nov 2013

Woyzeck, Dantons Tod, Lenz und Leonce und Lena – umfangreich ist Büchners Werk, das er uns hinterlassen hat, nicht. Letztlich auch deshalb, weil er bereits mit 23 Jahren starb. Doch zählt er zu den bedeutendsten und bekanntesten deutschen Schriftstellern, und Generationen von Schülern machen mit seinen Schriften Bekanntschaft, lesen sie, interpretieren sie und schreiben seitenlange Erörterungen über sie – vermutlich nicht immer zu ihrer Freude.

Doch wie war Büchner als Mensch? In welchem Umfeld lebte er, wie sind seine Geschichten entstanden, mit was hat er sich sonst beschäftigt? Diesen Fragen geht Udo Weinbörner in seinem Roman Georg Büchner – Das Herz so rot nach, der passend zum Büchner-Jahr 2013 erschienen ist.

Fünf Jahre im Leben des Georg Büchner

Der Leser trifft Büchner am Abend des 1. Novembers 1831 auf dem Marktplatz Darmstadts, als er die Kutsche nach Straßburg besteigt, wo er den Wünschen seines Vaters gemäß sein Medizinstudium beginnen wird. Von da ab wird der Leser Georg Büchner durch die nächsten fünf turbulenten Jahre begleiten, die aufregend, spannend und die letzten seines Lebens sein werden.

Zunächst scheint in Straßburg alles so zu laufen, wie geplant. Büchner findet Unterkunft bei dem evangelischen Pfarrer Jaeglé, dessen Tochter Minna ihn von Anfang fasziniert und die seine Gefühle rasch erwidert. Er träumt von einer gemeinsamen Zukunft, einer bürgerlichen Existenz und einem guten Auskommen, für das ein rasches Vorwärtskommen im Studium wünschenswert wäre.

Doch in Büchner lebt noch eine zweite Seele, eine revolutionäre! Die Ungerechtigkeit, unter denen vor allem die einfachen und armen Leute leiden müssen, die immer höheren Abgaben, die verlangt werden, um das ausschweifende Leben der Könige, Fürsten und des Adels zu finanzieren - Gründe, sich gegen die herrschende Gesellschaftsordnung aufzulehnen, gibt es genug, und als Büchner nach seinem Wechsel von Straßburg nach Gießen die Willkür der Obrigkeit direkt miterlebt, wird er endgültig zum aktiven Revolutionär und verfasst auch eine Hetzschrift, die in überarbeiteter Form als "Hessischer Landbote" veröffentlich wird. Zu dieser Zeit beginnt er auch, seine gesellschaftskritischen Werke zu verfassen und wird von gesundheitlichen Problemen geplagt, die ihn immer wieder aufs Krankenbett zwingen, während ihn seine politischen Ansichten und Aktivitäten schließlich ins Exil nach Zürich bringen, wo er am 19. Februar 1937 stirbt.

Ein zutiefst zerissener Mensch

Udo Weinbörner gelingt es ausgezeichnet, sich dem Menschen Georg Büchner zu nähern, dessen Gedanken und Gefühle hervor treten zu lassen und vor allem die innere Zerissenheit, unter der Büchner litt, dem Leser nahe zu bringen. Seine Ideen vom politischen Umsturz, von der Revolution, die alles auf den Kopf stellt, möchte er verzweifelt gerne voran treiben, am liebsten ungeachtet aller Konsequenzen, die diese Umtriebe haben könnten. Doch er stellt ziemlich bald fest, dass er sich zum Held nicht eignet und genau darunter leidet er. Seine Liebe zu Minna und der Wunsch nach einem gemeinsamen Leben sind mindestens genauso stark wie der Wunsch nach der Verwirklichung seiner politischen Ziele. Und nicht zuletzt hängt er auch ganz einfach an seinem Leben.

Während einiger seiner Freunde festgenommen, durch Gefängnis und Folter gebrochen werden und ihre Gesundheit zerstört wird, kommt Büchner relativ glimpflich davon, was er sich selbst nicht verzeihen kann und die Schuldgefühle drohen ihn zu zerstören. Das Schreiben erscheint da wie ein Ventil und man erlebt die Entstehung seiner Werke sozusagen hautnah mit, was zu einem ganz anderen Blick auf selbige führt.

Interessante, wenn auch nicht einfache Erzählstruktur

Weinbörner flicht viele Originalzitate Büchners aus dessen Werken und Briefen ein, was dem Leser den Menschen Georg Büchner noch näher bringt, auch wenn sie einen manchmal etwas aus dem Lesefluss reißen, da der Sprachstil Mitte des neunzehnten Jahrhunderts sich doch von dem uns heute geläufigen unterscheidet. Noch verwirrender ist allerdings Weinbörners Eigenheit, ab und an unvermittelt Ort, Zeit oder Handlung zu wechseln, ohne dass das durch einen Absatz erkennbar ist. Das ist einerseits ein sehr unverwechselbarer und eigener Sprachstil, andererseits führt das immer wieder zum Stocken und nochmals Lesen-Müssen.

Als weiteren Kritikpunkt kann man das fehlende Personenverzeichnis anbringen, denn da eine Vielzahl an Menschen Büchner bei seinen politischen Umtrieben helfen, ist es schwierig, da den Überblick zu behalten.

Lobend zu erwähnen ist hingegen der Epilog, in dem Weinbörner weitere Informationen zu Büchner liefert und auch einen kurzen Abriss über den weiteren Lebensweg enger Vertrauter Büchners und sonstiger wichtiger Personen der Geschichte gibt.

Insgesamt ist Georg Büchner – Das Herz so rot ein informativer und ungewöhnlicher Roman, der sich wohltuend vom Mainstream abhebt und sich dem Schriftsteller Georg Büchner von einem nicht alltäglichen Blickwinkel aus nähert und zudem ein spannendes Sittengemälde der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts entwirft. Für alle Büchner-Fans und solche, die es noch werden wollen, absolut lesenswert, sofern man nicht nach einem Buch sucht, dass sich einfach so herunterlesen lässt, sondern gerne mal Zeit und Aufmerksamkeit in die Lektüre investiert. In diesem Fall wird es sich lohnen!

Georg Büchner - Das Herz so rot

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Letzte Kommentare:
24.10.2015 19:45:36
Hans Muster

Die historischen Daten dieses biografischen Romans sind dünn (es gibt allerdings auch nur wenige), die Interpretationen banal. Ein dilettantisch verfasstes Buch, das weder gut geschrieben ist noch durch Inspirationen glänzt. Solches Zeug gibt's wie Sand am Meer und keiner, der sich auch nur einigermaßen auskennt, nimmt das ernst. Die Büchner-Forschung schon gar nicht. Was allerdings nicht unbedingt etwas zu sagen hat. Aber wer das liest, der verdirbt sich den Stil.

24.10.2015 19:44:05
Hans Muster

Die historischen Daten dieses biografischen Romans sind dünn (es gibt allerdings auch nur wenige), die Interpretationen banal. Ein dilettantisch verfasstes Buch, das weder gut geschrieben ist noch durch Inspirationen glänzt. Solches Zeug gibt's wie Sand am Meer und keiner, der sich auch nur einigermaßen auskennt, nimmt das ernst. Die Büchner-Forschung schon gar nicht. Was allerdings nicht unbedingt etwas zu sagen hat. Aber wer das liest, der verdirbt sich den Stil.