Wie der Weihnachtsbaum in die Welt kam

  • Kindler
  • Erschienen: Januar 2013
  • 1
  • Kindler, 2013, Titel: 'Wie der Weihnachtsbaum in die Welt kam', Originalausgabe
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Rita Dell'Agnese
861001

Histo-Couch Rezension vonNov 2013

Eine rührende Weihnachtsgeschichte

Wie kommt ein Weihnachtsbaum in die karge Stube der Schneiderfamilie Gutlin? Sie können sich doch noch nicht einmal einen üppigeren Zweig leisten, der zu Weihnachten aufblühen könnte. Voller Wärme erzählt die Autorin Astrid Fritz von den Gepflogenheiten Mitte des 16. Jahrhunderts. Zu Weihnachten wird die Stube in den besseren Familien mit immergrünen Zweigen geschmückt. Die ärmeren Leute müssen sich mit heimlich abgezwickten Obstzweigen begnügen. Johanna Gutlin möchte ihren beiden jüngeren Geschwistern daneben noch etwas Zuckerwerk überreichen. Dafür hat sie wochenlang geschuftet, denn die  Naschereien sind teuer. Doch kurz vor Weihnachten taucht Jakob im Gutlin-Haus auf. Just an dem Tag, an dem der älteste Sohn der Familie, Christoph beerdigt wird. Jakob ist ein kleiner Tagedieb und hofft, im verlassenen Haushalt Wertgegenstände zu finden, die ihm über die nächsten Tage hinweg helfen. Doch es fällt ihm einzig das Zuckerwerk in die Hände. Trotz allem kann Johanna dem fremden Eindringling, den sie bei ihrer Heimkehr vom Trauermahl entdeckt, nicht böse sein. Sie erkennt den Menschen hinter dem verlumpten Einbrecher und reicht ihm die Hand.

In wenigen Worten viel erzählt

Die Weihnachtsgeschichte von Astrid Fritz liest sich in kurzer Zeit – sie ist so kurz, um sie in der Adventszeit zu erzählen, in einer festlich geschmückten Stube vorzulesen und so die Welt der Strasbourger Schneiderfamilie und ihres ungewöhnlichen Besuchers auferstehen zu lassen. Die Autorin, die in ihren tiefgründigen Romanen stets darauf setzt, die ferne Zeit erlebbar zu machen, bleibt ihrem Ruf auch in dieser kurzen Romanversion treu. Sie fängt die wenigen Tage vor Weihnachten gut auf und zeigt anhand des Schicksals der Schneiderfamilie einige Gesetzmäßigkeiten dieser Zeitepoche auf. Das gelingt ihr hervorragend, ohne damit die an sich rührende Weihnachtsgeschichte zu stark zu belasten und damit eine Art schulmeisterliche Note hinein zu bringen. In wenigen Worten erzählt Astrid Fritz, welche Gebräuche es damals zu Weihnachten gab, wie das Handwerk strukturiert war, wie es um den Dom stand und wie die Stadt funktionierte. Sie lässt eine Welt auferstehen, die nachvollziehbar ist.

Lebendige Figuren

Trotz wenig Raum, um den Figuren die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln, schafft es die Autorin, ihnen eine spezielle Lebendigkeit zu verpassen. Johanna als tragende Persönlichkeit kommt dem Leser schnell nahe und er wird sie ins Herz schließen, ohne dass sie aufgrund der kurzen Zeit, in der man sie begleitet, an Konturen einbüßen würde. Ähnlich verhält es sich mit Jakob, der allerdings etwas weniger greifbar scheint und bei dem sich der Leser nicht ganz sicher sein kann, in welche Richtung er sich entwickeln wird. Wohl der Form der Geschichte geschuldet ist die recht deutliche Einordnung der Persönlichkeiten in gut und böse. Doch da es am abgrundtief verwerflichen Schuft fehlt – nicht aber an den weniger angenehmen Zeitgenossen – spielt das keine tragende Rolle. Selbst der Umstand, dass sich vieles etwas gar zu einfach lösen lässt, mag man angesichts der liebenswürdigen Geschichte durchaus vergessen. Ebenso winzige Unstimmigkeiten, wie etwa das Staunen eines in Strasbourg aufgewachsenen Kindes über den ersten Schnee in seinem Leben – das Kind ist zu diesem Zeitpunkt bereits in der Lage, zu sprechen.

Bezaubernde Aufmachung

Diese Weihnachtsgeschichte eignet sich aber nicht nur vom Inhalt her gut als Begleiterin durch die Adventszeit. Das kleine Buch aus der bereits bekannten Reihe des Verlags ist wunderschön illustriert und gibt auch einige optische Impulse. So hält der Leser eine Geschichte in Händen, die sich schnell liest, aber der er sich in der nächsten Weihnachtszeit mit genauso großer Hingabe wieder widmen kann, wie das erste Mal, da er sie in Händen hält.

Wie der Weihnachtsbaum in die Welt kam

Astrid Fritz, Kindler

Wie der Weihnachtsbaum in die Welt kam

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