Am Horizont die Freiheit

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Scherz, 2011, Titel: 'Prométeme que serás libre', Originalausgabe

Couch-Wertung:

94
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Annette Gloser
Versprich mir, daß du frei sein wirst!

Buch-Rezension von Annette Gloser Nov 2013

Spanien im 15. Jahrhundert. Als Piraten sein Dorf überfallen, verliert Joan fast seine gesamte Familie. Mutter und Schwester werden als Gefangene entführt, der Vater von einem Schuß tödlich getroffen. Nur Joan und sein Bruder Gabriel bleiben zurück. Joan ist voller Hass auf die Sarazenen, die sein Dorf überfielen, voller Hass auch auf den Administrator, der als Anführer der Bürgerwehr zu feige war, etwas für die Rettung der Dorfbewohner zu tun. Als der Junge sich offen gegen den Administrator stellt, darf er nicht mehr in seinem Heimatdorf bleiben. Joan und Gabriel werden nach Barcelona geschickt, in die Obhut des Klosters Santa Anna. Die beiden Brüder lassen zwar alle ihre Freunde zurück, doch sie finden andere Menschen, die sich um sie kümmern. Zu diesen Menschen gehört der Kaufmann Bartomeu, der die Kinder gern adoptiert hätte, aber von seiner Frau nicht die Erlaubnis dazu erhält. Er sorgt jedoch dafür, daß Joan bei einem Buchhändler in die Lehre gehen kann. Bei Mosèn Corró wird er zum Schreiber ausgebildet. Hier lernt er den alten, hoch gebildeten Mauren Abdalá kennen und schätzen. So scheint das Leben des Jungen endlich wieder in geordnete Bahnen zu kommen. Nur eins kann er nicht begreifen: Warum läßt Mosén Corró ihn schreiben lernen, verbietet ihm aber gleichzeitig, das Lesen zu erlernen?

Dann aber zieht die kastilische Inquisition in Barcelona ein und eine gnadenlose Verfolgung der Konvertiten beginnt. Joans heimliche Liebe Anna muss mit ihrer Familie vor der Inquisition fliehen. Und auch an die Tür des Hauses Corró klopfen eines Tages die Soldaten und verhaften alle Hausbewohner. Erneut gerät Joans Leben völlig aus den Fugen. Muss er endgültig die Hoffnung aufgeben, Mutter und Schwester jemals wieder zu sehen? Und Anna, die mit ihrer Familie nun in Italien lebt, kann sie jemals seine Frau werden?

 

Könige verraten nicht, sie haben nur wichtigere Gründe!

 

Jorge Molist schenkt seinen Lesern einen tiefen und intensiven Blick in das Spanien des 15. Jahrhunderts. Die Handlung des Romans beginnt 1584 und endet erst mit Beginn des 16. Jahrhunderts, umfasst also eine wichtige Epoche der radikalen Veränderungen für Spanien. Schlaglichtartig beleuchtet der Autor die Rolle der allerchristlichsten Könige Ferdinand und Isabella, gewährt tiefe Einblicke in das Leben der Einwohner Barcelonas, schaut in Klöster, in die Kerker der Inquisition, in Handwerkerbetriebe und auf Galeeren. Am Horizont die Freiheit bietet exzellent recherchierte Fakten zu dieser Etappe der spanischen Geschichte, verbunden mit einem spannenden und berührenden Plot. Die große Politik wird hier geschickt in der Story verpackt und niemals hat man als Leser das Gefühl, belehrt zu werden. Man stellt am Ende nur erstaunt fest, wieviel mehr man plötzlich über Spanien weiß, und wundert sich beim Lesen oft, von welchen Dingen man noch nie etwas gehört hat.

Jorge Molist zeigt Barcelona als eine vom Bürgerkrieg zerstörte Stadt, dennoch stolz auf ihre Privilegien. Gleichzeitig wird der Zwiespalt deutlich, in dem viele Bürger leben: Einerseits kämpfen sie gegen die von König Ferdinand aufoktroyierten Maßnahmen, andererseits bejubeln sie ihn und seine Erfolge, sind brave Untertanen. Ferdinand selbst kommt in diesem Roman allerdings nicht besonders gut weg, denn immer wieder wird Protagonist Joan mit Geschichten konfrontiert, in denen Ferdinand Menschen verraten hat, die ihm treu dienten, Versprechen gebrochen hat und grausame Strafen aussprach.

Rache!

In diesem Roman spielen große Gefühle eine wichtige Rolle. Liebe und Hass, Glück und Verzweiflung, und immer wieder der Wunsch nach Rache. Seinem Protagonisten Joan hat der Autor dies alles mit auf den Weg gegeben. Dabei sind ihm nicht nur mit Joan facettenreiche und glaubwürdige Charaktere gelungen, die bereits durch ihre Persönlichkeit Spannung in den Roman hinein tragen. Aber speziell Joans Eigensinn und seine nie verlöschenden Rachegedanken treiben die Handlung voran und schaffen Wendepunkte.

Der Roman wird geradlinig erzählt, ohne Rückblenden oder andere Versatzstücke. Hier wird auch keine abgehobene Literatursprache gepflegt. Selbst in der Übersetzung wird die Verbundenheit Jorge Molists zur katalanischen Sprache deutlich, so dass man beim Lesen viel Authentizität spüren kann. Dazu kommt, dass einige Protagonisten des Romans tatsächlich gelebt haben und auch so starben, wie es im Roman beschrieben wird.

Bestes Lesefutter

Am Horizont die Freiheit ist ein Schmöker im allerbesten Sinne, denn man mag das Buch beim Lesen kaum aus der Hand legen. Bestes Lesefutter sowohl für diejenigen unter den Lesern, die gerne spannende Abenteuergeschichten lesen, als auch für jene, die von einem historischen Roman umfangreiche, gut recherchierte Fakten erwarten. Der Fischer Scherz Verlag hat die Innenseite der HardcoverAusgabe mit einer Abbildung des alten Barcelona geschmückt. Zudem enthält das Buch am Anfang eine Karte des Mittelmeerraumes und erleichtert so die Orientierung. Der Autor hat zu einigen wichtigen Personen des Romans ein Verzeichnis mit biographischen Fakten hinzugefügt, das am Ende des Buches zu finden ist. Ein kleines Glossar ist dann das i-Tüpfelchen bei der gelungenen Ausstattung.

Insgesamt ein Roman, den man sehr gerne weiter empfiehlt und ganz gewiss eine spannende und unterhaltsame Urlaubslektüre.

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