Marcellus - Blutgericht

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Ammianus , 2013, Titel: 'Marcellus - Blutgericht', Originalausgabe

Couch-Wertung:

65
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Eva Schuster
Dramatischer Abschluss der Marcellus-Reihe

Buch-Rezension von Eva Schuster Nov 2013

Der Nordwesten Europas zu Beginn des 6. Jahrhunderts: Frankenkönig Chlodwig hat die Alemannen und die Westgoten besiegt, doch die Zeiten bleiben weiterhin gefährlich. Zahlreiche Goten verstecken sich in den Wäldern und machen die Gegend unsicher; einzelne Städte sind nach wie vor noch nicht erobert.

Für Chlodwig ist es an der Zeit, mit den Feinden im eigenen Haus abzurechnen. Rückschläge und Rebellionen drohen die Erfolge zunichte zu machen; für den Merowinger ist schnelles Handeln erforderlich.

In diesen Tagen wird auch Marcellus zum König gerufen - die vergangenen Monate hatte der Graf von Arduena zurückgezogen auf seinem Weingut verbracht. Chlodwigs Vetter Chararich hat Verbindung zum Feind aufgenommen und soll ausgeschaltet werden.  Auch Marcellus gehört zu denen, die der Merowinger zu dieser und weiteren Aufgaben bestimmt hat. Und dann ist da noch Marcellus Erzfeind Farro, an dem er seine Rache vornehmen will ...

Solides Ende der Trilogie

Zum dritten und letzten Mal verfolgt der Leser das Schicksal von Marcellus, den abermals Frankenkönig Chlodwig in seinen Dienst beruft. Die Handlung knüpft zwar nicht unmittelbar, aber doch eng an die Ereignisse aus dem vorherigen Band an. Unwillig muss sich Marcellus dem Befehl des Merowingers beugen. Dabei geht es zunächst darum, Chlodwigs Vetter Chararich in einen Hinterhalt zu locken, ehe er seinen Gefährten Ullrich dazu bewegen soll, für Chlodwig zu kämpfen. Ullrich hat Ragnachar, dem König von Cameracum, seine Treue geschworen, den Chlodwig wiederum unterwerfen will. Das Vorhaben, Ullrich zu überzeugen, soll über seine Schwester führen - Marcellus glaubt, dass es in ihrer Macht liegen wird, ihren Bruder umzustimmen. Die Suche nach ihr gestaltet sich allerdings schwierig, nicht einmal ihr Name ist ihm bekannt. Wie sich Ullrich schließlich entscheiden wird, ist lange Zeit nicht vorherzusehen, was der Handlung eine gewisse Spannung schenkt.

Die Ereignisse werden im Wesentlichen aus Marcellus Ich-Perspektive berichtet. Hin und wieder schwenkt er Fokus jedoch auch zu anderen Schauplätzen um und beleuchtet etwa die Geschehnisse um Chlodwig oder um Ragnachar, optisch stets leicht erkennbar durch Kursivschrift auszumachen.

Interessante Nebenfiguren

Zu den interessanten Nebenaspekten des Romans gehören Marcellus schwieriges Verhältnis zu seiner Frau Hilka sowie seine begehrlichen Gefühle für Silinga, Chloderichs Frau. Marcellus Ehefrau Hilka hat sich vor über einem Jahr für ein Leben mit Gott entschieden und sich somit von ihrem Ehemann und ihrem kleinen Sohn Pippin abgekehrt. Auch nach dieser Zeitspanne hat Marcellus dieses Geschehnis noch nicht verarbeitet, die Begegnungen zwischen ihm und Hilka sind von Spannungen geprägt. Auf der anderen Seite steht Silinga, die reizvolle Gattin von Chloderichs, dem Thronfolger des rheinfränkischen Königs Sigibert. Es fällt Marcellus alles andere als leicht, sich Silinga gegenüber neutral zu verhalten, zu verwirrend sind ihre Ausstrahlung und ihre Reize für ihn. Silinga allerdings steht nicht in der Gunst Chlodwigs und es empfiehlt sich nicht, sich mit ihr öffentlich zu zeigen; indessen ahnt der Leser früh, dass Marcellus ihr sehr nahe kommen wird. Zweifellos zählt Silinga zu den facettenreichsten Figuren des Werkes, vereint sie doch ihr verführerisches Aussehen mit Charme und bestechender Intelligenz. Eine ähnlich vielschichtige Gestalt ist Odilo, der Spürhund des Merowingers und Begleiter des Marcellus. Obgleich Odilo einerseits eine finstere Erscheinung ist und oft kalt und gefühllos agiert, erkennt Marcellus andererseits auch dessen Loyalität.

Ein wenig blass bleibt dagegen die Hauptfigur. Marcellus hat zwar durchaus seine interessanten Züge, vor allem seine ungestüme Art, die ihn oft vorschnell agieren oder sprechen lässt - ein Protagonist, der sich dem Leser nachhaltig einprägt, ist er indessen nicht. Gut getan hätten dem Roman sicherlich auch noch mehr Einblicke in das Alltagsleben der Figuren. Lobenswert ist die akribische Recherche, was Kriegsangelegenheiten und Kämpfe angeht; ein wenig zu kurz kommen dagegen die scheinbaren Nebensächlichkeiten wie Landschaftsschilderungen, Essensgewohnheiten, medizinische Versorgung und der grundsätzlichen Lebensweise zur damaligen Zeit; so bleiben die Schilderungen bisweilen etwas zu trocken.

Angegliedert ist die in der Reihe obligatorische Spurensuche, die diesmal durch Frankreich führt und auf Chlodwigs Pfaden wandeln lässt mit Ortschaften wie Bordeaux und Paris, merowingerzeitlichem Schmuck, Kirchen, Termen und Gräbern. 

Insgesamt präsentiert sich das Werk als solider Abschluss der Trilogie, der sich vor allem jenen Lesern empfiehlt, die in die Zeit Chlodwigs abtauchen möchten. 

Marcellus - Blutgericht

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