Der Ruf des Kookaburra

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2013, Titel: 'Der Ruf des Kookaburra', Originalausgabe

Couch-Wertung:

72
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Rita Dell'Agnese
Den Bräuchen der Aborigines auf der Spur

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2013

Mit Der Ruf des Kookaburra nimmt Autorin Julie Leuze ihre Leserinnen und Leser erneut mit auf eine Forschungsreise durch Australien. Auch in diesem Teil des Romans – er setzt um 1859 ein – stehen die junge Deutsche Emma und der Forscher Carl im Mittelpunkt. Emma Röslin hat Carl Scheerer inzwischen geheiratet und erforscht an dessen Seite die Bräuche der Aborigines, um der Regierung Einblick in das Leben der Ureinwohner zu gewähren. Dafür leben Carl und sie bei einem Stamm, mit dessen Mitgliedern sie sich angefreundet haben. Besonders die schwangere Purlimil ist Emma eine innige Freundin. Als Purlimil erfährt, dass sie Zwillinge erwartet, ist sie verzweifelt. Denn das Gesetz der Aborigines verlangt, dass eines der Kinder getötet werden kann. Obwohl dahinter der reine Überlebenswille des Volkes steht – eine junge Mutter kommt beim Wandern schon mit einem Säugling an ihre Grenzen – kann Emma diese grausame Tradition nicht akzeptieren. Sie adoptiert Purlimils Tochter und ruft damit diejenigen Stammmitglieder auf den Plan, die die Anwesenheit der beiden Forscher nie akzeptieren wollten. Der Druck auf Emma wird so groß, dass er sich in häufigen Streitereien mit Carl Luft macht. Als Carl verschwindet, glaubt Emma zunächst, er habe sich Abstand von ihr gewünscht. Doch schnell erkennt sie, dass hinter dem Verschwinden mehr stecken muss. Verzweifelt sucht sie ihren Mann – nur oberflächlich unterstützt vom Stamm. Denn der glaubt, dass dies die Strafe für das Einmischen Emmas in ihre Tradition ist. Erst in einem Abgesandten der Regierung findet Emma einen Verbündeten. Doch John verfolgt ein ganz anderes Ziel: Er möchte die hübsche Emma für sich gewinnen.

Als Fortsetzung verstehen

Wer den ersten Teil der Geschichte Der Duft des Hibiskus nicht gelesen hat, sollte dies unbedingt tun, bevor er zur Fortsetzung greift. Denn Der Ruf des Kookaburra steht keineswegs als eigenständiger Titel da, sondern basiert so stark auf dem ersten Teil, dass Leser ohne Vorkenntnisse ins Straucheln geraten könnten. Bedauerlich ist, dass weder auf der Buchrückseite noch beim Klappentext darauf hingewiesen wird, dass es sich hier um einen Folgeband handelt, der Kenntnisse der Geschichte voraussetzt. Hat man diese Vorkenntnisse erst mal, wird man sich allerdings in der Geschichte schnell zu Recht finden. Emma ist etwas reifer, wenn sie auch nach wie vor eher mit einem Dickschädel reagiert, geht etwas nicht nach ihrem Kopf. Julie Leuze schildert ihre Protagonistin einerseits als empathische Forscherin, andererseits lässt sie sie aber immer wieder sehr unbedacht handeln, was zumindest ihre Reputation als Forscherin an sich in Frage stellen müsste. Diesen Konflikt löst die Autorin nicht auf.

Einige Längen

Es mag dem Wunsch geschuldet sein, den zweiten Band im Umfang dem ersten anzupassen: Immer wieder muss sich der Leser durch einige Längen kämpfen und Geduld zeigen. Wiederholungen und ein schwerfälliger Verlauf der Geschichte bremsen die Leser da und dort aus. Das, obwohl der Plot an sich gut aufgebaut ist und auch einiges an Spannung verspricht. Geschickt spielt Julie Leuze mit den Gefühlen ihrer Protagonistin, die zwischen der Hoffnung, ihr Mann Carl könne zurückkehren und der Verzweiflung über seinen vermuteten Tod hin und her gerissen ist. Dass sich Emma an den jungen John wendet, mag also kaum erstaunen. Hier folgt Julie Leuze nicht nur einem gängigen Muster, sie serviert ihrem Publikum auch eine verzwickte Liebesgeschichte.

Viele Details

Ein großes Plus des Romans sind die detaillierten Einblicke, die Julie Leuze in die Tradition der Aborigines bietet. Zwar bewegt sich Emma in den althergebrachten Gebräuchen wie ein Elefant im Porzellanladen, letztlich aber ist gerade das ein ideales Stilmittel, um die Diskrepanz zwischen den verschiedenen Kulturen sichtbar zu machen. Dass Juli Leuze hier ins Detail geht und damit der Entwicklung der Story gehörig an Tempo nimmt, mag man ihr nachsehen, bekommt man doch viel mehr an Informationen, als die gängigen Traumpfad-Schilderungen sonst bieten.

Auch wenn Emmas Verhalten manchem Leser sauer aufstoßen dürfte, so kann er durch sie doch einen guten Eindruck von der Lebensweise der Aborigines erhalten. Dies macht den Roman Der Ruf des Kookaburra zu einer Lektüre mit Hintergrund, was manche sonstige Schwäche vergessen lässt.

Der Ruf des Kookaburra

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