Unter dem Südseemond

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Heyne, 2013, Titel: 'Unter dem Südseemond', Originalausgabe

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Birgit Borloni
Auswandern nach Deutsch-Samoa

Buch-Rezension von Birgit Borloni Nov 2013

Auswandern – ein Wort, mit dem schon immer unzählige Träume und Sehnsüchte verbunden waren und es auch heute noch sind. Die Sehnsucht nach fernen Ländern, exotischen Gegenden, die Möglichkeit, die Schwierigkeiten im Heimatland hinter sich zu lassen und in der Ferne "etwas zu werden" – das alles übte und übt Faszination aus, ungeachtet aller Schwierigkeiten, die auf Auswanderer zukommen und die man anfangs gerne verdrängt.

Nicht umsonst liefen vor nicht allzu langer Zeit auf vielen Fernsehsendern Formate, die von Auswanderen und ihrem Schicksal berichteten und nicht umsonst stehen sogenannte "Auswandererromane" – auch Love and Landscape genannt – bei Leserinnen und Lesern historischer Romane hoch im Kurs.

Nicht alltäglicher Schauplatz in einer der deutschen Kolonien

Diesem Thema nimmt sich auch Regina Gärtner in ihrem Roman Unter dem Südseemond an und erzählt die Gesichte der jungen Schneiderstochter Alma aus Köln, die 1899 gegen ihren Willen den älteren Hermann Stieglitz heiraten muss und ihrem Mann gezwungenermaßen nach Deutsch-Samoa folgt, wo Hermann für eine Handelsgesellschaft arbeiten wird und seine gesellschaftliche Stellung verbessern möchte. Auf einem der Schiffe, die sie in die neue Heimat bringen, lernt Alma den Seemann Joshua kennen und verliebt sich. Natürlich darf diese Liebe nicht sein, doch Gefühle lassen sich nicht verbieten und ihre Wege kreuzen sich immer wieder.

Daneben gibt es aber noch genug anderes zu bewältigen: Das Leben und die Sitten auf Deutsch-Samoa sind fremd, sich dort einzufinden ist nicht leicht, ihr Mann erwartet ungeduldig, dass sie ihm einen Stammhalter schenkt, die Probleme ihrer Familie erreichen sie sogar in der Südsee und zudem scheint es ein dunkles Geheimnis zu geben, dass sie betrifft.

Das alles bietet genügend Stoff für einen farbenprächtigen und interessanten Roman und Regina Gärtner weiß ihn zu verarbeiten.

Besonders gelungen ist die Entwicklung Almas über die Jahre von einem jungen, naiven Mädchen hin zu einer erwachsenen, selbstbewussten, im Leben verankerten Frau. Dabei ist sie ein Kind ihrer Zeit, das nicht alle Konventionen und gesellschaftlichen Zwänge einfach beiseite fegt, – und genau dadurch glaubwürdig wirkt. Zunächst sind es nur kleine Dinge, doch langsam lernt sie sich durchzusetzen: Sei es dem Hauspersonal gegenüber, den tonangebenden Klatschfrauen der Stadt oder nach und nach auch ihrem Mann. Dazu lernt sie, Verantwortung zu übernehmen – für ihre Freunde, ihre Familie und schließlich auch für sich selbst.

Größtenteils überzeugend und gelungen

Außerdem erfährt man was zur politischen und gesellschaftlichen Situation Deutsch-Samoas und auch des Kaiserreichs, über drohende Kriegsgerüchte, technische Errungenschaften und nicht zuletzt über die samoanische Lebensweise und Bräuche. Auch wenn die Samoaner nicht direkt zu Wort kommen, so existiert mit Joseph eine weitere interessante Figur in diesem Roman, der, da er schon lange auf Samoa lebt, Einblicke in die dortige Lebensweise geben kann. Unverfälscht existiert diese nach fünfzig Jahren Kolonisation sowieso nicht mehr. Gerade diese Passagen hätten aber ruhig noch häufiger und detailreicher vorkommen können, um den Handlungsplatz Deutsch-Samoa noch eindeutiger und unverwechselbarer zu kennzeichnen.

Sprachlich kann Unter dem Südseemond größtenteils überzeugen, es liest sich leicht und angenehm, die Schilderungen sind gelungen und lassen die Landschaft sowie die Orte vor den Augen des Lesers auferstehen. Nur hie und da wirkt der Stil etwas ungelenk – meistens bedingt durch Wortwiederholungen und einige Rechtschreibfehler, die dem Lektorat offenbar durchgerutscht sind und den Leser ab und an aus seinem Lesefluss reißen.

Dramaturgisch ist die Geschichte gefällig aufgebaut, es gibt einige Wendungen, die so nicht zu erwarten waren, was das Interesse des Lesers über die ganze Länge des Buchs aufrecht erhält. Ein paar Dinge wirken allerdings etwas arg konstruiert und das große Geheimnis, das Alma umgibt, ist von Anfang an sehr offensichtlich, so dass die Geschehnisse eher dazu dienen, in Almas Leben Spannung zu bringen, als den Leser in Atem zu halten. Die Liebesgeschichte ist gut erzählt, nicht zu platt oder klischeehaft und man muss als Leser bis zum Schluss warten, um zu erfahren ob es nun für Alma und Joshua ein Happy-End gibt oder nicht.

Unter dem Südseemond ist ein Buch, dass für einige Leseabende gute Unterhaltung bietet, das gerade jetzt dazu einlädt, dem Grau und der Kälte zu entfliehen und eine angenehme Zeit in der warmen, bunten, exotischen Südsee mit glaubhaften und sympathischen Protagonisten zu verbringen und das nur wenige Schwächen aufweist. Man darf auf weitere Werke der Autorin gespannt sein.

Unter dem Südseemond

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Letzte Kommentare:
24.02.2018 20:13:57
-Ginger-

Nachdem die junge Alma von ihrem Vater unfreiwillig an den ihr fremden Heinrich verheiratet wird, beginnt für sie ein Abenteuer: es führt das junge Paar von Köln in die Kolonie Samoa. Die Geschichte beginnt 1899 und endet 1914 - und erzählt in dieser Zeit die Geschichte von Alma, in der es um Leben, Liebe und Geheimnisse geht. Und das wirklich sehr gut. Besonders spannend fand ich zu sehen, welchen Stand, welche Rechte und Pflichten eine junge Frau damals hatte. Sowohl das Leben als auch die exotische neue Welt von Alma werden gut beschrieben, so dass man sich sehr gut in alles einfühlen kann.

Was ich etwas schade fand war, dass manches doch etwas vorhersehbar war und dass es gegen Ende des Buches alles etwas "hopplahopp" ging: wurde am Anfang noch alles recht ausführlich erzählt, ging es mir später etwas zu schnell und schon war das Buch vorbei. Trotz allem ein unterhaltsamer Titel, bei dem man mitleiden, mitschmunzeln und mitfiebern kann.

24.01.2014 13:28:28
Spatzi79

Köln, 1899. Eigentlich wollte Alma einen jungen Mann aus der Nachbarschaft heiraten, doch die geplante Ehe zerschlägt sich unerwartet. Ihr Vater drängt sie, sich schnellstmöglich anderweitig einen Mann zu suchen und da kommt Hermann Stieglitz, ein neuer Kunde in ihrer Schneiderei, gerade recht. Dass Hermann nach Samoa auswandern und dort einen hohen Posten in einer Kolonialwarengesellschaft bekleiden wird, macht Alma ziemliche Angst, doch sie hat in der Sache kein Mitspracherecht und muss sich fügen. So beginnt also kurz nach Hochzeit eine Reise um die halbe Erde für sie. Auf dem Schiff von Australien nach Samoa lernt sie den Seemann Joshua kennen, der sie aus einer gefährlichen und unangenehmen Situation errettet und zu dem sie sich schnell unerklärlich hingezogen fühlt. Doch für sie als verheiratete Frau sind solche Gefühle natürlich undenkbar, und so versucht sie nach der Ankunft auf Samoa, Joshua zu vergessen und sich ganz auf den Aufbau ihres neuen Lebens in der unbekannten Welt zu konzentrieren. Doch ganz aus ihren Gedanken verbannen kann sie ihn nicht und ihm geht es offensichtlich genauso.

Die Liebesgeschichte nimmt einen erstaunlich geringen Teil dieses schönen Auswandererromans ein. Über sehr weite Strecken der Geschichte begegnen sich Alma und Joshua gar nicht und der Fokus der Erzählung liegt ganz klar bei Alma. Diese entwickelt sich im Laufe der Handlung von der naiven braven Tochter und jungen Ehefrau immer mehr zu einer eigenständigen Persönlichkeit, auch wenn lange ihr Vater und nun ihr Mann alle wichtigen Entscheidungen in ihrem Leben getroffen haben. Insgesamt fügt sie sich zwar lange in ihre Rolle nach den damaligen Vorgaben der Gesellschaft, aber in vielen kleinen Dingen entwickelt sie dann auch ihren eigenen Willen und eigene Gedanken. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass sie noch ein bisschen entscheidungsfreudiger wäre, anstatt alles auf sich zukommen zu lassen und abzuwarten, aber sie ist von ihrem Charakter her eben eher ein zurückhaltender vorsichtiger Typ.

Besonders gut gefallen haben mir die zahlreichen Nebenfiguren, auch wenn längst nicht alle sympathisch gewesen sind. Insbesondere Almas Zwillingsschwester Käthe hat mich beim Lesen oft regelrecht wütend gemacht, ebenso wie Almas Ehemann Hermann, der zwar durchaus auch gute Seiten hatte, dessen negative Züge für mich aber dennoch überwogen.

Was Almas Familie angeht, wird gleich zu Beginn ein großes Geheimnis angedeutet, welches ich recht offensichtlich fand, hier habe ich mich gewundert, dass Alma so lange braucht, um dahinter zukommen.

Sehr interessant fand ich die vielen Hintergrundinformationen zur Geschichte und Politik in Samoa, die die Autorin so nebenbei in die Geschichte einfließen lässt.

Die Handlung ist in sich abgeschlossen und das Ende kann so für sich stehen, laut Autorin ist aber eine Fortsetzung geplant – man kann sich also auf eine Rückkehr nach Samoa freuen!

22.01.2014 08:16:15
Orange

In ihrem Roman „Unter dem Südseemond“ entführt uns Regina Gärtner im Zuge der deutschen Kolonialzeit nach Samoa.
Alma Hinrich, die Hauptprotagonistin dieses Romans lebt zusammen mit ihrer Familie in Köln. Ihr Leben scheint vorgezeichnet. Sie arbeitet in der Schneiderwerkstatt ihres Vaters und ist so gut wie verlobt. Nach einem Fehltritt ihrer Zwillingsschwester Käthe mit Alma´s Quasi-Verlobten ändert sich alles. Um einen Skandal vorzubeugen, soll Alma schnellstmöglich mit Hermann verheiratet werden.
Dieser plant allerdings einen Außenhandelsposten auf Samoa anzutreten, wohin Alma ihn begleiten soll.
Auf der Überfahrt lernt Alma Joshua kennen, einen australischen Seemann der ihr das Leben rettet. Beide verlieben sich ineinander doch Alma ist ein Kind ihrer Zeit und die gesellschaftlichen Zwänge sind groß.
So beginnt sie mit Hermann in ihrer neuen Heimat ein neues Leben, welches so ganz anders ist wie ihr bisheriges. Plötzlich ist sie die Hausherrin, hat Angestellte, gibt Partys für Hermann Handelspartner und wird nicht zuletzt mit den Riten und Gebräuchen auf Samoa manchmal auf eine harte Probe gestellt. In derr Ladenbesitzerin Heather und den Obdachlosen Joseph findet sie Freunde die ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihr manches mal die Augen öffnen. Doch auch Joshua kann sie nicht vergessen und als er wieder auftaucht kommt es wie es kommen muss.
Regina Gärtner ist es gelungen, uns über ihre fiktiven Personen die Lebensgewohnheiten auf Samoa nahezubringen und auch die geschichtlichen Hintergründe lässt sie geschickt einfließen. Dabei lässt sich der Roman leicht und flüssig lesen und den Leser in die Wärme der Südsee entfliehen.
Die Karten im Innenteil des Buches sind sehr hilfreich und erleichtern die Orientierung.
Alles in allen ist „Unter dem Südseemond“ eine Mischung aus Auswanderer- und Liebesgeschichte die dem Leser einige Stunden Lesegenuss bietet.

20.01.2014 18:11:27
allegra

Für die Schneidertochter Alma Hinrichs aus Köln war die Zukunft so gut wie vorgezeichnet. Sie wollte ihren Verlobten Hannes heiraten und mit ihm eine Familie gründen. Doch ein „Malheur“ ihrer Zwillingsschwester Käthe brachte alle Pläne zum Umstürzen. Käthe war schwanger, ausgerechnet von Hannes. Um nicht noch mehr Probleme mit den Töchtern zu haben, ging Vater Hinrichs auf Nummer sicher. Er verheiratete Alma gegen ihren Wunsch mit dem wohlhabenden Hermann Stieglitz, der kurz nach der Hochzeit mit Alma in die Südsee auf die Insel Samoa aufbrach, um dort die Niederlassung eines deutschen Handelsunternehmens zu leiten.

Alma arrangiert sich mit ihrem Schicksal und versucht, Hermann eine gute Ehefrau zu sein. Es wird recht schnell klar, dass Hermann möglichst schnell eine große Familie gründen möchte und Alma für ihn vorwiegend Repräsentationspflichten hat. Doch Alma wird sehr lange nicht schwanger und Hermann reagiert zunehmend gereizter.

In einem Laden, der von der Engländerin Heather geführt wird, trifft Alma einen Mann, der zur Besatzung des Schiffes gehört hat, mit dem sie von Australien nach Samoa gereist ist und verliebt sich in ihn.


Meine Meinung

Der Auswandererroman „Unter dem Südseemond“ erzählt eine gefühlvolle und farbenprächtige Familiengeschichte vor dem historischen Hintergrund der Kolonisierung Kaiser Wilhelms, die aus dem Geschichtsunterricht unter dem Stichwort „Platz an der Sonne“ in Erinnerung sein dürfte. Die Hauptfigur Alma ist zu Beginn der Geschichte im Jahr 1895 etwa 20 Jahre alt und am Ende Anfang 30. Sie macht in der Zeit eine stetige Entwicklung durch: Anfangs noch sehr naiv und verunsichert mausert sie sich zur selbstbewussten jungen Frau, die auch Verantwortung für ihre Geschwister Käthe, Mathilde und Fritz übernimmt.
Ihre Herkunft ist von einem Geheimnis umgeben, das sich durch das ganze Buch hindurch zieht und sich am Ende auflöst. Leider war mir schon nach wenigen Seiten klar, was das Geheimnis sein könnte, aber das Buch kann noch mit weiteren Wendungen aufwarten, so dass die Spannung dennoch gewährleistet ist.

Almas Mann Hermann ist sehr zwiespältig dargestellt, was mir recht gut gefallen hat, weil er dadurch glaubwürdig ist. Einerseits hat er großes Interesse an seiner Familie und unterstützt Alma, vor allem sobald sich abzeichnet, dass sie ein Kind erwarten könnte. Andererseits agiert er egoistisch, weil es ihm nur um den Erfolg im Geschäft geht und letztlich um Geld, mit dem er eine eigene Plantage oder noch lieber ein Grundstück mit Erdölvorkommen erwerben möchte. Er schränkt Alma massiv in ihren Freiheiten ein, ist aber selber durchaus zugänglich für die Reize der samoanischen Frauen.

Die Historie wird ab und zu erwähnt, findet aber eher im Hintergrund statt. Die Lebensumstände der Bevölkerung sind recht anschaulich dargestellt, so dass ich mir eine gute Vorstellung des Familienlebens sowohl in Köln als auch in den Kolonien machen konnte. Gerne hätte ich noch etwas mehr über die Lebensweise der einheimischen Bevölkerung erfahren. Außer einer Hausangestellten blieben diese recht schemenhaft.

Sehr gut hat mir gefallen, dass auch die Überfahrt von Köln über Sydney nach Samoa genau beschrieben ist, so dass man auch in der eigenen Vorstellung von Köln in die Südsee reisen kann.

Sprachlich lässt sich das Buch flüssig und angenehm lesen. Leider haben sich noch einige Fehler eingeschlichen, die den Lesefluss manchmal etwas gestört haben und die vom Korrektorat eigentlich hätten ausgemerzt werden müssen. Dennoch ist das Buch in seiner schönen Gestaltung mit den erfrischenden Farben des Covers ein sehr schönes Lesevergnügen.


Mein Fazit

Ich habe in diesem Buch einen lockeren Liebesroman vor exotischer Kulisse erwartet und genau das erhalten. Ich konnte wunderschön entspannen und vom Alltag abschalten.

Ideal, um sich bei kaltem Schmuddelwetter wegzuträumen, aber auch als leichte Urlaubslektüre gut geeignet. 4 Sterne

18.01.2014 19:44:41
Minz

Köln, 1899: Als der Mann, mit dem sie sich verloben möchte, sie mit ihrer Schwester betrügt und diese von ihm schwanger wird, wird Alma von ihrem Vater in die Ehe mit Hermann Stieglitz gedrängt, der als Vertreter einer Handelsgesellschaft einen Posten in Deutsch-Samoa angenommen hat und mit dem sich Alma nach ihrer Hochzeit auf die Reise in die Ferne begeben muss.

Die Geschichte begleitet Alma auf der Seereise über Australien in die deutsche Kolonie Samoa und beschreibt ihre Eingewöhnung in die Gesellschaft auf der Insel, die Entwicklung ihrer Ehe und der Beziehung zu ihrem Mann, die Freundschaften, die sie schließt, die Schwierigkeiten, denen sie begegnet, die Entdeckung eines Familiengeheimnisses – das für den Leser keines ist - und nicht zuletzt ihre Liebe zu Joshua, einem Mann, der nicht ihr Ehemann ist, sondern ein australischer Seefahrer. Besonders herausgestellt wird dabei die Entwicklung Almas von einem unselbstständigen und gehorsamen Mädchen zu einer Frau, die gelernt hat, für sich selbst zu denken und für sich und andere einzustehen weiß.
Neben der sehr gelungenen Darstellung des gesellschaftlichen Lebens in der Kolonie und der absoluten Überzeugung, mit der die Kolonialisten an ihr Recht auf das Land und auf den Gehorsam der Einwohner sowie die Überlegenheit ihrer Kultur glaubten, runden Hintergründe zur Situation der Kolonien, zur politischen Lage und zum technischen Fortschritt das Bild der damaligen Zeit ab, das dieser Roman vermittelt.

Während ich in der ersten Hälfte des Buches mit dem Verhalten der Hauptfigur Alma durchaus Probleme hatte – auch wenn vieles davon wahrscheinlich der Zeit geschuldet und somit authentisch war - und Joshua mir über den größten Zeitraum seltsam blass und nie wirklich an Kontur zu gewinnen schien, sodass auch die Liebesgeschichte zwischen den beiden mich bis kurz vor Schluss nicht wirklich überzeugen konnte, wurde dies ausgeglichen durch eine Vielzahl sehr interessanter und zum Teil auch sehr liebenswerter Nebencharaktere, die die Erzählung ungemein bereichert und ein buntes Bild von der Vielfältigkeit des Lebens auf Samoa gezeichnet haben. Zudem ist Alma mir durch ihre Wandlung zu jemandem, der nicht einfach alles mit sich geschehen lässt, sondern Entscheidungen trifft und Verantwortung trägt, zum Schluss richtig sympathisch geworden.

Insgesamt fand ich das Buch leicht und angenehm zu lesen mit einem spannenden Einstieg, der einen sofort mitten in die Geschichte versetzt. Es entführt einen für einige Stunden in die heiße und exotische Welt auf Samoa und führt einem gleichzeitig ein sehr interessantes Bild der damaligen Überzeugungen und Ansichten von fremden Kulturen in der (deutschen) Gesellschaft vor Augen, das zum Nachdenken anregt.

14.01.2014 18:48:37
Philippa-Victoria

Köln 1899: Alma ist 19 Jahre alt, als sie von ihm Vater zwangsverheiratet wird mit Hermann, der Alma mitnimmt nach Samoa. Für Alma ist es nicht nur eine Reise ans andere Ende der Welt - ihr ganzes Leben wird auf den Kopf gestellt! Sie muss sich an die neuen Lebensumstände, an eine neue Sprache, eine fremde Kultur und letztlich auch an ihren Ehemann gewöhnen. Außerdem ist da noch ein Geheimnis in ihrer Familie, über das sie immer wieder nachgrübelt. Und dann hat sie sich auf der Seereise in ihre neue Heimat auch noch in einen australischen Seemann verliebt!

Mein Leseeindruck:

Das Buch ist ganz einfach zauberhaft und wundervoll! Es hat alles, was für mich einen guten Roman ausmacht. Die Geschichte hat mich sofort auf der ersten Seite packen können. Ich habe mit Alma mitgefiebert, gehofft, gebangt, geweint, geliebt. Die Geschichte ist sowohl spannend als auch romantisch. Zudem ist der Schauplatz Samoa natürlich noch ein Bonus. Eine wundervolle exotische Kulisse, die das Fernweh geweckt hat beim Lesen.

Ich bin sehr froh, dass es eine Fortsetzung geben wird, auf die ich mich schon heute sehr, sehr freue!

12.01.2014 17:01:24
AddictedToBooks

Regina Gärtner erzählt in ihrem historischen Roman "Unter dem Südseemond" von Alma, die in ihren jungen Jahren schon schreckliche Dinge erleben musste.
Sie erfährt, dass ihre Schwester Käthe schwanger ist - und das auch noch von Almas Verlobten Hannes! Damit die beiden glücklich werden können, und Alma nicht im Wege steht, beschließt ihr Vater, Alma gegen ihren Willen mit einem ihr unbekannten alten Mann zu verheiraten - Hermann.
Eines Tages findet Hermann in Samoa eine Arbeit und zieht mit Alma los, um sich dort niederzulassen. Auf der langen Reise mit dem Schiff lernt Alma Joshua kennen, einen australischen Seemann. Sie verliebt sich, und auch Joshua erwidert ihre Liebe. Doch Alma ist verheiratet. Kann sie trotzdem mit Joshua glücklich werden?
Aber das ist auch noch nicht alles. Alma erfährt, dass es in ihrer Familie ein großes Familiengeheimnis gibt. Wird Alma mehr darüber in Erfahrung bringen können?

"Unter dem Südseemond" ist ein wundervolles Buch, spannend von der ersten bis zur letzten Seite und trotz der vielen Seiten hatte ich das Buch schon bald durch. Angezogen hat mich zuerst das Cover und als ich ins Buch reingelesen habe, war mir klar, dass es wunderschön wird. Und ich hatte recht.
Regina Gärtner hat so schön geschrieben, dass ich mich fühle, als wäre ich ständig an Almas Seite gewesen, als hätte ich alles hautnah miterlebt. Die Idee hinter der Geschichte gefällt mir sehr gut und ich finde sie auch perfekt umgesetzt. Alma als Hauptprotagonistin finde ich eine sehr gute Wahl, die sie ist mir wirklich sehr sympathisch und sie ist auch noch eine sehr interessante Persönlichkeit. Die vielen Informationen, die das Buch beinhaltet, waren für mich ein extra Pluspunkt, denn es waren Informationen, die mir vollkommen neu waren. Dadurch habe ich nicht nur eine wunderschöne und spannende Geschichte mit viel Liebe, Geheimnissen und unerwarteten Situationen gelesen, sondern mir auch noch Wissen angeeignet. Natürlich übermittelt jeder historische Romane bis zu einem bestimmten Grad Informationen über die Zeit und Orte, an und in denen sie spielen, aber wer "Unter dem Südseemond" liest, wird verstehen, dass es hier vollkommen anders ist. Ich kann die Geschichte und alles drum herum mit nur einem einzigen Wort beschrieben: Perfekt.

Und da ich diese Geschichte so genossen habe erhält "Unter dem Südseemond" von mir 5 Sterne.

30.11.2013 13:58:50
unclethom

Unter dem Südseemond ist der erste Roman den ich von Regina Gärtner lesen durfte. Es ist, dies vorab ein ganz bezaubernder Roman um eine Liebe die so nicht sein konnte in der damaligen Zeit.
Die wichtigste Protagonistin Alma - um ihr Leben geht es in diesem ganz bezaubernden Roman - ist eine junge Frau die schon sehr jung gegen ihren Willen verheiratet wird und sich zumindest scheinbar, anfangs damit abgefunden hat.
Der Autorin ist mit diesem Roman ein großartiges Werk gelungen. Auf fast 600 Seiten beschreibt sie die Geschichte der Alma auf Deutsch-Samoa in der Zeit um die Jahrhundertwende. Eine Geschichte mit all ihren Zwängen dieser Zeit, der scheinbaren Rechtlosigkeit der Frauen damals.
Aber auch eine Geschichte einer Liebe, die so nicht sein durfte, weil sie schließlich schon verheiratet ist. Aber letztendlich, das wissen wir alle, kann man gegen die Liebe nichts tun, sie kommt einfach.
Mit ihrer überzeugenden Schreibweise schaffte es die Autorin sehr schnell mich an das Buch zu fesseln, so sehr dass es nahezu unmöglich war, das Buch aus den Händen zu legen. Bezaubernd plastisch beschreibt sie die Protagonisten ebenso wie auch die herrlichen Landschaften Samoas.
Ich persönlich hatte das Gefühl auf Samoa zu wandeln, es war als ob in meinem Kopf ein Kinofilm ablaufen würde. Dafür bedanke ich mich recht herzlich.
Ich kann dieses Buch wirklich allen Fans historischer Romane, aber auch allen die an die Liebe Glauben empfehlen. Hochverdiente 5 von 5 Sternen.

18.11.2013 13:53:20
LettersFromJuliet

Meine Meinung

Ach, ich war ja so furchtbar neugierig auf das Buch! Die deutschen Kolonien wurden viel zu lange vernachlässigt und umso mehr habe ich mich darüber, dass eine Autorin sich diesem Thema gewidmet hat.
Als das Buch bei mir eingetrudelte, war ich direkt begeistert von der Aufmachung. Das wunderschöne Cover ist dem Heyne Verlag super gut gelungen und vor allem geht es innendrin weiter. Außerdem sind zwei Landkarten enthalten, was ich gerade bei historischen Romanen hilfreich finde.

Durch den tollen Schreibstil der Autorin wurde ich direkt in die Geschichte gezogen und musste miterleben, welches Schicksal Alma trifft. Sie kann überhaupt nichts für die ganze Situation und wird bestraft, indem sie einen Mann heiraten soll, den sie überhaupt nicht und welcher vorhat in auf Samoa zu leben. Alma ist jedoch eine wohlerzogene Frau und setzt sich nicht wirklich zur Wehr, wie es damals leider üblich war. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass sie mit der Zeit selbstbewusster wird und sich auch mal traut ihre Meinung zu vertreten. Natürlich kann ich ihre verschiedenen Ängste verstehen, allerdings finde ich es schade, wenn Menschen nicht für ihre Träume kämpfen. Sie ist zurückhaltend, schüchtern und macht fast immer das, was von ihr erwartet wird. Da ihr Vater Schneider ist und sie mithelfen musste, kann sie sehr gut mit der Nähmaschine umgehen und macht so die ein oder andere Frau auf Samoa neidisch. Und wer weiß, vielleicht kann sie sich mit diesem Talent ja doch noch ihrem Ehemann wiedersetzen…
Hermann, ihr Ehemann, scheint zu Anfang nett zu sein und er kümmert sich um Alma. Aber bereits auf der Überfahrt kommen die ersten Zweifel auf, ob er nicht doch auch eine dunklere Seite hat. Ihm und Alma scheinen keine Kinder vergönnt zu sein und je länger er auf Nachwuchs warten muss, desto mehr verändert er sich seiner Frau gegenüber und wird ausfallend. Er hatte sich zwar auf den ersten Blick in sie verguckt, jedoch war dieser auf das Äußere beschränkt.
Mir hat die schottische Witwe und Lebensmittelhändlerin super gut gefallen. Die meisten Deutschen gehen bei der Konkurrenz einkaufen und es wird auch nicht gerne gesehen, dass Alma zu ihr geht. Seltsamerweise scheint das Gerede Alma aber nicht zu interessieren, hier widersetzt sie sich der allgemeinen Meinung.
Almas Schwester Käthe bringt einigen Schwung in die Geschichte und einen Bösewicht muss es doch eigentlich immer geben. Also wirklich, bevor ich so eine Schwester hätte, bleibe ich doch lieber Einzelkind. Aber genau dieser Charakter hat immer wieder für Pepp und Spannung gesorgt.

Gerade für einen historischen Roman gibt es recht wenige Landschaftsbeschreibungen. Die Geschichte lebt von den Dialogen und Almas Gedanken, was eine erfrischende Abwechslung war.
Natürlich habe ich mit Alma und Joshua mitgefiebert und habe gehofft, dass die beiden zueinanderfinden. Hier muss ich jedoch sagen, dass mir das ewige hin und her irgendwann leicht auf die Nerven ging und anstrengend wurde.

Ich fand die historischen Informationen, welche sehr gut in die Handlung eingebaut wurden, interessant. Man erfährt etwas über die deutsche Kolonialzeit, gerade in Bezug auf die Südsee, über das Zusammenleben mit den Engländern, aber auch über die heimische Kultur – die Samoaner. Mir ist dieser Lerneffekt immer sehr wichtig und je geschickter die Infos eingebaut werden, desto besser.

Fazit

Ein historischer Roman zum Träumen und Mitfiebern, denn Regina Gärtner entführt uns in die Südsee und bringt uns die Kolonialzeit näher. Liebe, Spannung und ein Familiengeheimnis unter Palmen.