Die verlorene Zeit

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2013, Titel: 'Die verlorene Zeit', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Gute Unterhaltung mit ein paar Stolpersteinen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2013

Romane, die auf mehrere Zeitebenen spielen und bei denen eine Protagonistin aus der Gegenwart ein Familiengeheimnis aufdeckt, das lange zurück in der der Vergangenheit liegt, liegen momentan im Trend. Hier ist auch Die verlorene Zeit von Michelle Ross nicht ausgenommen. Der Roman reiht sich gut in den Reigen ein und bietet solide Unterhaltung. Michelle Ross baut ihren Roman auf einer amerikanischen Politikerfamilie auf. Der wohlhabende Vater hat sich soeben einen Senatorenposten gesichert und will nun aus San Francisco wegziehen. Seine erwachsene Tochter Dinah kann sich mit diesem Gedanken gar nicht anfreunden. Die verwöhnte junge Frau stöbert missmutig auf dem Dachboden. Dabei geraten ihr Dokumente in die Hand, die darauf hinweisen, dass 1904 eine Hinrichtung in England eine Rolle für die Familie gespielt hatte. Um der Konfrontation mit ihrer Familie auszuweichen und dem Umzug zu entgehen, macht sich Dinah auf den Weg nach England, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Die hingerichtete Frau sieht ihrer Großmutter Ellen verblüffend ähnlich. Je tiefer Dinah in England in der Vergangenheit gräbt, desto seltsamer muten sie die Ereignisse an. Es scheint tatsächlich, als ob die junge Frau, die wenige Wochen später in den USA geheiratet und eine Familie gegründet hat, in England am Strick endete.

Klare Zuordnung

Michelle Ross verzichtet darauf, mit ihren Figuren zu spielen. Sie charakterisiert die einzelnen Figuren sehr eindeutig und bleibt dieser einmaligen Ausgestaltung nahezu bis zum Ende der Geschichte treu. Zwar wandelt sich die verwöhnte Tochter aus reichem Hause nach und nach, je länger sie für sich selber einstehen muss. Doch bleibt sie letztlich eine eher egoistische und unreife Persönlichkeit, die sich darin gefällt, die Rebellin hervor zu kehren. Ihre demonstrativ zur Schau gestellte Rüpelhaftigkeit, mit der sie sich gegen ihre Eltern und deren politische Ambitionen wendet, macht es schwer, Dinah als Protagonistin richtig ins Herz zu schließen. Denn sie wirkt nicht als eine Frau, die sich gegen Establishment wehrt, sondern eher wie eine trotzige Göre. Ganz anders die Vorfahrin Ellen. Sie ist in ihrer einzigartigen Liebenswürdigkeit und Reinheit eine Person, der man durchaus ein paar Ecken und Kanten wünschen würde. Denn so sehr Michelle Ross bei Dinah auf die Rebellin setzt, so bleibt sie bei Ellen bei der Sanftmut. Dafür setzt sie Ellen die verwöhnte, reiche Belinda gegenüber, die der jungen Frau zwar wie aus dem Gesicht geschnitten ist, aber einen ganz anderen – und keineswegs angenehmen – Charakter hat.

Die klare Zuordnung der Figuren macht es dem Leser leicht, den Roman regelrecht in sich hinein zu saugen. Doch leider verhindert es auch, dass beim Leser das Bedürfnis aufkommt, sich intensiver mit der einen oder anderen Figur zu beschäftigen. Erst recht, da sich hier einige Klischees abzeichnen: Je wohlhabender, desto schlechter der Charakter. Diese Schlussfolgerung ist jedoch zu einfach – und sie wird dem Roman letztlich denn doch nicht ganz gerecht, wenn auch die Tendenz dazu klar vorhanden ist.

Auf einem guten Weg

Michelle Ross hat alle Zutaten gemixt, die es braucht, um einen spannenden Roman präsentieren zu können. Allerdings stimmt die Rezeptur noch nicht ganz so einwandfrei. Es dauert verhältnismäßig lange, bis die Leser sich mit Dinah überhaupt auf die Suche nach der Vergangenheit machen können und auch dann ist immer mal wieder Geduld gefragt, weil sich die Geschichte leicht schleppend entwickelt. Zwar ahnt man recht schnell, wohin die Reise gehen könnte und was es mit dieser seltsamen Reihenfolge – zuerst der Tod am Strang, dann die Heirat im fernen Amerika – auf sich hat. Doch davon wird die Spannung nicht beeinträchtigt. Vielmehr sind es einzelne Szenen, die auch ohne großen Verlust hätten fallen gelassen werden können, die das Erzähltempo etwas drosseln.

Trotz allem zeigt sich, dass Michelle Ross durchaus das Zeug dazu hat, einen Roman zu bieten, der hinter den großen Vorbildern nicht stark zurücksteht. Arbeitet die Autorin an den wenigen Schönheitsfehlern, dürfte ein weiteres Werk von ihr mühelos in eine vordere Liga vorstoßen.

Die verlorene Zeit

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Letzte Kommentare:
09.02.2014 10:04:22
Sagota

Das Cover ist hübsch und ansprechend, deutet jedoch bereits auf den Inhalt des Romans hin, den ich eher dem Genre "Romantik-Thriller" zuordnen würde denn dem Genre "Historisches".
Um nichts Wesentliches, nämlich dem Geheimnis um die "verlorene Zeit" hier vorwegzunehmen, lass ich dies an dieser Stelle außen vor (einzig die Lösung des Geheimnisses hat mich dazu verleitet, das Buch weiterzulesen).
Meine Meinung:
Da der Roman an vielen Stellen vor Klischees nur so strotzt und ich mehrmals versucht war, das Lesen abzubrechen, war einzig die "Lüftung" des sog. Familiengeheimnisses, wie diese von der Autorin erdacht war, das Argument, das Buch zu Ende zu lesen. Vieles wirkte auf mich sehr konstruiert und vorhersehbar (Horatio Giles z.B.), gestört hat mich der stereotype Stil ("was sollte sie tun"?)
Stilistisch ist der Roman leicht und flüssig zu lesen, wirkt jedoch auf den kritischen Leser oftmals allzu klischeehaft.
Fazit:
Was der geneigte Leser (oder hier eher die Leserin?) mitnehmen kann, ist die "gute Absicht", die hier vermittelt wird, dass "sich Menschen eben ändern können" und/oder auch schwarze Schafe (der Familie) nicht nur schwarz sind. Auch ein recht guter Unterhaltungswert, wenn auch sehr belletristisch, würde ich dem Roman durchaus zusprechen, allerdings erinnert er (in anderer Verpackung) an den Klassiker Erich Kästner's "Das doppelte Lottchen"; das Buch wird auch im Roman angesprochen und mag der Auslöser für die Idee gewesen sein.
Von mir in diesem Fall ein "na ja" und ein "Räusper" - es gibt um Längen Besseres in dieser Sparte zu lesen - und demzufolge 60 Punkte oder max. 3 von 5 Sternen.
P.S. Da die Autorin unter insgesamt 3 Namen schreibt, werde ich mir andere Werke von ihr (Rebecca Michéle) dennoch "ansehen" - vielleicht können diese mehr überzeugen?

06.02.2014 14:50:05
Mohnblume

Arietta
vor 15 Tagen

Der Ausgangspunkt dieser Geschichte beginnt mit dem Fund alter Zeitungsausschnitte , die um ihre Urgroßmutter Ellen handeln
die in England 1904 gehängt wurde . Dies findet Dinah auf dem Dachboden des Elternlichen Hauses in San Francisco. Irgendetwas an dieser Sache kommt , ihr mysteriös vor . Lebte doch ihre Urgroßeltern bis zum Tode hier in diesm Haus . Dinah , die sich Gesellschaftlichen Zwänge auflehnt und gerne ihre eigenen Wege geht , lehnt auf Ablehnung bei ihren Eltern als sie diese um Hilfe bittet. Diese haben Angst um ihr Ansehen und den Ruf , schließlich soll ihr Vater Senator werden. Also macht sie sich trotz verbotes
heimlich bei Nacht und Nebel auf , und fliegt nach England um dort
nach den Spuren ihrer Urgroßmutter Ellen zu suchen und zwar auf Tredethain Manor im Cornwall.....
Hier findet Dinah unterstützung beim Reverend Hiratio und der Alten Dame Amalia , die unterm Dach auf Tredethain Manor lebt. Sie überlässt Ihr die Alten Tagebücher von Ellen , die sie bittet diese zu lesen.
Als Dinah , sich in diese Bücher vertieft , beginnt eine Abenteuerliche Geschichte , die teilweise verwirrend und hoch Spannend sind. Tiefe Abgründe tun sich auf , und alte gut gehütete Familengeheimnise , kommen langsam ans Tageslicht, die sie niemals erwartet hätte . Auch ob Ellen wirklich diese Frau war die man 1904 im Gefängnis von Bodmin gehängt hat,
oder wer war die Frau die mit ihrem Mann Caswyn in San Franciso gelebt hat.......
Dies erfährt der Leser wenn er sich mit Dinah auf die Spurensuche begibt.
Mehr als Spannend und Dramtisch......

Schön wie die Autorin Michelle Ross , die Geschichte und die Schiksale des jeweilgen Zeitgeschehen mit einander verknüpft. Auch die Landschaft Cornwalls und ihre Gärten sind schön beschrieben. Ihre Protagonisten wirken lebendig , auch ihren Charakter kommen greifbar herrüber. Man kann mit ihnen verschmelzen. Auch lässt sie die Armut und das Elend der Arbeiter nicht unerwähnt, man sieht diese verhärmten Menschen förmlich vor sich. Sie versteht es von Seite zu Seite mehr Spannung auf zubauen, manchmal ist die Spannung unerträglich und dann schafft sie es einem zu verwirren , man fiebert dem Ausgang der Geschichte entgegen.

" Einn sehr dramatische Famiiengeschichte , voller Ereignisse, die einem nicht unberührt lassen "

21.11.2013 21:04:14
Imlammenien

Dinah, Mitte Zwanzig, lebt mit ihrer Familie in San Francisco. Als ihr Vater, ein ebenso ehrgeiziger wie erfolgreicher Politiker, nach Washington versetzt wird, soll das seit einem Jahrhundert von der Familie bewohnte Haus verkauft werden. Auf dem Dachboden entdeckt Dinah in einer Ecke Zeitungsausschnitte, nach denen ihre Großmutter vor über 100 Jahren in England als Mörderin hingerichtet sein soll. Neugierig auf die Wahrheit macht sich Dinah auf eigene Faust auf den Weg nach Cornwall, um dort dem Geheimnis ihrer Ahnin auf die Spur zu kommen...

Michelle Ross (auch bekannt als Rebecca Michele und Ricarda Martin) hat mit "Die verlorene Zeit" ein klassisches Familiengeheimnis vorgelegt, dass seinen Erzählschwerpunkt auf die Vergangenheit legt. Dinahs Geschichte ist schnell erzählt, ohne das die Autorin diese aus dem Auge verliert. Das Herzstück des Romans ist aber das Geschehen um Ellen, Dinahs Vorfahrin, welches spannend und ausgesprochen kurzweilig beschrieben. Mit der Hand einer erfahrenen Roman-Autorin strickt Michelle Ross hier geschickt ein Netz an Intrigen und Geheimnissen, in denen Ellen zu versinken droht, und löst die Knoten erst auf den letzten Seiten - allerdings sehr befriedigend! - auf. So bleibt die Geschichte spannend bis zur letzten der etwa 600 Seiten und entwickelt eine Sogwirkung, welcher sich der Leser kaum entziehen kann.

FAZIT: Ein extrem kurzweiliges Buch mit spannenden Wendungen und einer unwiderstehlichen Sogwirkung!