Die geheime Braut

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2013, Titel: 'Die geheime Braut', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85

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Bettina Weiß
Ein todbringendes Gemälde als Racheakt für die neue Weltanschauung Martin Luthers?

Buch-Rezension von Bettina Weiß Okt 2013

Wittenberg im Jahre 1528: Mehr als zehn Jahre sind seit dem Anschlag der 95 Thesen vergangen. Viele Klöster wurden inzwischen geschlossen und die ehemaligen Nonnen müssen sich in der Weltlichkeit ihren Lebensunterhalt verdienen. So auch Susanna und Binea, die sich zunächst mit Gesang und Lautenspiel durchschlagen können. Dann aber verliert Susanna ihre Singstimme und sie sind gezwungen, sich als Diebinnen über Wasser zu halten. In Wittenberg werden sie von Jan Seman, einem Gesellen in der Werkstatt Lucas Cranachs, bei dem Versuch ihn zu bestehlen, erwischt. Doch statt sie an den Pranger zu stellen, bringt er sie ins schwarze Kloster zu Katharina von Bora, der Frau von Martin Luther und selbst ehemalige Nonne. Dort kommen sie als Mägde zunächst auf Probe unter, denn in dem großen Haushalt des Predigers und Gelehrten werden immer Hilfskräfte benötigt.

Ein mysteriöser Auftrag an Lucas Cranach

Jan hat aber noch ein weiteres Problem: Sein Meister Lucas Cranach  hat von einem geheimnisvollen Kunstsammler den Auftrag erhalten, die drei Grazien zu malen und zwar nackt, ein zu dieser Zeit unerhörtes Ansinnen. Zugleich macht der Auftraggeber genaue Vorgaben, welche Frauen Modell stehen sollen. Nachdem das erste Portrait angefertigt worden ist, verschwindet die Gemalte und wird wenig später tot aufgefunden. Eine zweite Frau wird gemalt und kurze Zeit danach lebendig begraben. Auch sie ist tot. Schließlich fordert der Auftraggeber als dritte Frau im Bunde Katharina von Bora. Welches Ziel verfolgt der unbekannte Auftraggeber ? Dann überschlagen sich die Ereignisse. Susanna, die längst in Jan verliebt ist, will ihre Herrin und auch Jan, der in Verdacht geraten ist, schützen und bietet sich als Lockvogel an mit dramatischen Folgen ...

Ein verbotenes Gemälde und die Folgen

Die Geschichte wird anhand der Entstehung des Gemäldes und aus Sicht von Susanna, Jan und Binea erzählt. So wechselt die Perspektive des Öfteren und der Leser begleitet die Hauptpersonen auf ihren Wegen. Da ist Susanna, die in der Welt außerhalb der Klostermauern noch nicht richtig angekommen und durch ein schreckliches Erlebnis belastet ist. In Wittenberg holt die Vergangenheit sie ein und sie muss sich den zurückliegenden Ereignissen stellen, um eine Zukunft zu haben. Ihr zu Seite steht Jan, der seinem Ruf als Frauenheld entsprechen und die Modelle für die Grazien zeichnen soll. Durch die Geschehnisse kommen ihm Zweifel und auch er muss Entscheidungen für seine weitere künstlerische Laufbahn und seinen Lebensweg treffen. Und schließlich Binea, die einen geheimnisvollen Fremden kennen lernt und dadurch verhängnisvolle Ereignisse in Gang setzt. Diese drei werden dem Leser vertraut und man verfolgt mit Spannung, wie sich die Persönlichkeiten entwickeln und wie die Handlung vorantreibt.

Der Leser trifft aber auch auf historische Persönlichkeiten wie Luther, der, in seine Studien vertieft, die Aufgaben als Hausherr nur zu gerne seiner jungen Frau überlässt, und auf Philip Melanchthon, einen Freund Luthers und Lehrer an der Leucorea zu Wittenberg. Diese bleiben jedoch neben den Hauptprotagonisten und Lucas Cranach ziemlich blass. Der bereits über Wittenberg hinaus bekannte Künstler liefert interessante Einblicke in die Welt seiner Werkstatt und seiner vielfältigen Nebentätigkeiten, die ihn zu einer Schlüsselfigur des Romans werden lassen.

Kleine Häppchen laden zum Miträtseln ein

Die Aufklärung der Todesfälle, mit der Cranach beauftragt ist, nimmt einen breiten Platz in dem Roman ein und treibt somit die Handlung voran. Dem Leser werden die Informationen in kleinen Portionen serviert. Dies animiert mitzurätseln und den Täter zu enttarnen. Dadurch wird auch der Spannungsbogen gehalten und dies hält den Leser bei der Stange. Die Liebesgeschichte zwischen Susanna und Jan dagegen passiert eher so nebenbei und ist nicht wirklich gelungen. Auf die Entwicklung der persönlichen Beziehung zwischen ihnen wird wenig Wert gelegt und wie aus dem Nichts erkennt Susanna ihre tiefen Gefühle für Jan. Dies ist angesichts von Susannas Vergangenheit als Nonne und ihren Erlebnissen nach dem Verlassen des Klosters nicht ganz nachvollziehbar.  

Ein Roman wie das Gemälde

Der Aufbau des Romans ist wie das im Mittelpunkt stehende Gemälde konzipiert und die drei Teile sind nach den Grazien Aglaia, Thalia und Euphrosyne benannt. Die Auflösung der Krimihandlung ist gut entwickelt und schlüssig erklärt. Sie stellt auch den erfahrenen Krimileser zufrieden. Ein Epilog schließt den Roman ab und bietet einen Ausblick auf die Zukunft. Abgerundet wird der Roman durch eine Abbildung des Gemäldes und interessante Informationen der Autorin im Nachwort.

Insgesamt ein gelungener, spannender Historien-Krimi, der die Entstehung eines bekannten Gemäldes mit einer fiktiven dunklen Geschichte verknüpft und dabei Lucas Cranach und Martin Luther aus einem anderen Blickwinkel in ihrem weltlichen und familiären Umfeld zeigt. 

Die geheime Braut

Die geheime Braut

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Letzte Kommentare:
14.02.2014 14:32:39
LettersFromJuliet

Meine Meinung

Nachdem mir “Die Pestmagd” schon richtig gut gefallen hatte, war ich sehr neugierig auf dieses Buch der Autorin.
Ich finde es interessant wie sie historische Persönlichkeiten (Maler Cranach, Martin Luther, seine Ehefrau Katharina sowie Melanchthon) in die Geschichte integriert hat, wobei diese als Nebencharaktere auftreten im Vordergrund stehen Susanne und Jan. Ich bin allerdings mit keinem der Charaktere richtig warm geworden, weil man einfach zu wenig von ihnen erfährt. Konkrete Eigenschaften von ihnen kann ich leider auch nicht benennen, so sind sie für mich blass geblieben. Das ist wie wenn man über die Gäste einer Party spricht und man sich an manche gar nicht erinnern kann, weil sie unauffällig und nichtssagend waren. Ich finde das sehr schade, zumal das Buch noch nicht mal so dick ist und man den Charakteren mehr Raum hätte geben können.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wodurch man einen schönen Rundumblick erhält.
Das Bild mit Grazien, welches Jan malen soll, ist im Buch abgedruckt. Dadurch wurde die Handlung für mich greifbarer und man bekommt einen besseren Eindruck wie die Bilder damals aussahen.
Die Autorin hat es geschafft uns Einblicke in verschiedene Lebenssituation zu ermöglichen. So erfahren wir etwas über das Leben in einer Malerwerkstatt, an der Universität, im Kloster, im Haus des Reformators und im Hurenhaus. Der Schreibstil hat mir hier allerdings nicht so gut gefallen wie in “Die Pestmagd”, das war flüssiger zu lesen. Hier hatte ich manchmal meine Probleme und ich habe öfters die Lust verloren weiterzulesen. Irgendwie ist da der Funke nicht übergesprungen, zumal die Spannung konstant niedrig gehalten wurde.
Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt: Aglaia, Thalia und Euphrosyne – die Namen der Grazien. Diese Idee finde ich recht schön, ich hätte mir aber kürzere Kapitel gewünscht, denn damit ging etwas die Dynamik verloren. Dafür hat Brigitte Riebe sich große Mühe mit dem Nachwort gemacht, was ziemlich umfangreich wurde. Gerade wenn man einen historischen Roman gelesen hat, möchte man mehr über das ein oder andere angesprochene Thema erfahren und dann sind solche Nachwörter sehr hilfreich.
Gerade jetzt im Nachhinein habe ich sehr viel von der Handlung schon wieder vergessen. Nur wenn mich ein Buch wirklich packen kann, dann bleibt mir die Handlung im Gedächtnis. So konnte es mich nicht recht überzeugen.

Fazit

Ein gut ausgearbeiteter historischer Roman, der viele interessante Fakten liefert und historische Persönlichkeiten eingebunden hat. Mir fehlte jedoch die Spannung und die Charaktere blieben recht blass. Schade, daraus hätte man mehr machen können.

29.11.2013 15:32:38
Mohnblume

Wie immer hat auch hier die Autorin Brigitte Riebe, wieder sehr gründlich reschechiert. In einer sehr klaren und Lebendigen Sprache , schildert sie in einer sehr spannenden Handlung , von Historischen Persönlichkeiten, während der Reformation in Wittenberg. Ihre Protagonisten wirken sehr
Lebendig , das man sich eins mit ihnen fühlt.
Es geht um das Bildnis der drei Grazien, das der Maler Lucas Cranach, für einen Geheimisvollen Auftraggeber, der eine Maske trägt ,malen soll und zwar Nackt. Die dritte der Frauen , soll Katharina von Bora darstellen, ein
unerhörtes Ansinnen. Diese unangenehme Aufgabe überträgt er auf Jan, seinen Stellvertreter in seiner Werkstatt. Der ist mehr als begeistert .
In der zwischenzeit sind shon zwei der Modelle auf perfide Weise zu Tode gekommen.
Da sind auch noch die zwei Nonnen Susanna und Bini, deren Kloster geschlossen wurde und die Unterschlupf im schwarzen Kloster, bei der Familie Martins Luther gefunden haben, sie sollen Katharina von Bora , Martins Frau unterstützen.
In der Familie der Luthers geht es turbulent zu. Ein Anstrengendes Leben, ist doch ein großes Haus zu versorgen. Aber Katharina unterstützt von der Mumme Lene . Es gibt nicht nur Freude im Leben der Luther
auf dunkle Schattenseiten.Aber Katharina ist eine starke Frau auch weiß sie dies zu meistern.
Auch, auf Jan fallen dunkle Schatten. Er hat sich auch noch in Susanna verliebt , aber auf deren Seele anscheinend eine schwere Last liegt.
Susanna , hat sich als Lockvogel zur Verfügung gestellt , und lässt sich malen, ein Gefährliches Unterfangen. Ob dies Gut geht .....
Luther, Cranach , der Rat, sind auf der Suche nach dem Mörder. Die Kurfürstliche Familie unterstützt sie dabei. Ob es ihnen gelingt, den Mörder zur Strecke zu bringen.

" Ein Starkes Buch , das einem Gefangen nimmt und nicht mehr los lässt.
Von der ersten bis zur letzten Seite Spannung Pur. Ein mehr als gelungenes Meisterwerk , mit der sie sich selbst übertroffen hat "

" Dieses Buch ist Filmreif "

25.11.2013 23:01:09
Cysiay

Ein spannender historischer Roman mit einer kriminalistischen Handlung.

Der Grund, wieso ich mich so tierisch für diesen Roman interessiert hatte ist, dass die Geschichte 1528 in Wittenberg zur Luther-Zeit spielt. Jedoch spielt die Luther-Familie selbst, eher eine Nebenrolle als solches. Dafür durfte ich die wirklich sehr lebendigen, gut ausgearbeiteten und sympathischen Protagonisten Susanna, der Luther-Magd und Jan Semann, dem Cranach-Gesellen genauer kennenlernen.

Zwei fiktive Personen, die aber so echt und charakterlich wirkten, dass es eine wahr Freude war mit Ihnen die Geschichte zu erleben.

Sehr spannend führt Brigitte Riebe einen durch den Alltag von Martin Luther und Katharina von Bora und der Art wie ein berühmter Maler-Meister seine Bilder hergestellt hat (definitiv anders wie gedacht) ohne sich in zu kleinen Details zu verlieren. Im Vordergrund jedoch steht eigentlich die Kriminalgeschichte:

Diese wird spannend, jedoch nicht ganz so rasant erzählt. Auch wenn ich selber als Leser den Mörder schneller enttarnt hatte, wie ich glaube ich sollte, saß bis ich zum Schluss auf heißen Kohlen, weil ich einfach nicht hinter das Motiv gestiegen bin.

Neben den ganzen Morden, kommen im Übrigen die zwei zarten Liebesgeschichten auch auf Ihre Kosten. Diese wurden zwar nicht ganz so ausführlich ausgeführt, jedoch war dies genau das richtige Maß für diesen Roman.

Der Schreibstil von Brigitte Riebe ist wirklich unglaublich gut zu lesen, so dass die Seiten nur so dahin fliegen und man überrascht ist, wenn wieder 50 Seiten vorbei sind, ohne das man dies gemerkt hat.

Historisch Informativ endet das Buch, welches in drei Teilen unterteilt wurde, in einem gelungenen Nachwort, wo die Autorin nochmals auf wichtige Themen eingeht wie Luther, Cranach und Wittenberg als Schauplatz.

Ich empfehle dieses Buch dringend meinen Freunden von der Histo-Couch.de, und allen anderen die sich für historische Kriminal-Romane interessieren oder einfach von Luther oder Katharina von Bora angetan sind.

Von mir erhält dieses Buch 86 von 100 Punkten und somit 4 von 5 Sternen.

Ich Danke Brigitte Riebe und den Diana Verlag für dieses Rezensions Exemplar :-)

25.11.2013 18:22:54
dg9tm

Susanna und Binea, zwei ehemalige Nonnen, verschlägt es nach Wittenberg. Nachdem ihr Kloster geschlossen wurde, versuchen die beiden ihren Lebensunterhalt so zu verdienen. Das geht eine Weile auch gut, da Susanna eine schöne Singstimme hat und die Laute schlagen kann. Doch dann kam es zu einem Unglück und Susannas Stimme bricht. Durch diesen Schicksalsschlag müssen die beiden Frauen sich aufs Stehlen verlegen. Ungeübt wie sie nun mal sind, werden sie ausgerechnet in Wittenberg erwischt. Der junge Maler Jan Seman überführt die beiden, als sie ihn erleichtern wollen. Doch statt sie an den Pranger zu bringen, bringt er die sie ins schwarze Kloster – zu Katharina von Bora, der Frau von Martin Luther.

Selbst eine ehemalige Nonne, kann Katharina den beiden ihr Leid gut nachempfinden und nimmt sie zunächst auf Probe als Mägde auf. Susanna und Binea können ihr Glück kaum fassen. Doch Susanna lässt die Vergangenheit nicht los, die zum Brechen ihrer schönen Singstimme geführt hat und auch Binea hat neuerdings ein dunkles Geheimnis. Ob die beiden bei der Lutherin bleiben dürfen?

Jan Seman hingegen plagen ganz andere Sorgen. In der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren tätig, soll er den Meister aufs Schloss begleiten. Dort wird Lucas Cranach der Auftrag erteilt, ein Bild von drei Grazien zu malen. Nackt. Und der Auftraggeber gibt vor, welche Frauen dafür Modell stehen sollen. Dabei handelt es sich um Frauen der gehobenen Gesellschaft. Lucas Cranach reicht den Auftrag an seinen Gesellen Jan weiter. Als Frauenheld verschrien, soll er die Frauen davon überzeugen, sich von ihm nackt malen zu lassen. Jan gelingt es tatsächlich, die erste Frau zu überzeugen. Wenig später jedoch, ist diese Frau tot. Ein Zufall? Doch auch das zweite Modell wird, kurz nachdem es für Jan Modell stand, tot aufgefunden. Jan gerät in den Kreis der Verdächtigen und vor allem der Verlobte der zweiten Toten hält ihn für den Täter.

Susanna spürt, dass Jan unschuldig ist, denn längst hat sie ihre Vergangenheit eingeholt und treibt nun in Wittenberg ihr Unwesen. Sie muss sich beeilen, wenn sie Jan retten und den wahren Täter überführen will…

Brigitte Riebe entführt den Leser in diesem Buch nach Wittenberg und gleich dazu in den Haushalt von Martin Luther. Der bekannte Reformator lebt bereits seit einiger Zeit in Wittenberg und wirkt dort an der Leucorea. Seine Frau Katharina von Bora kümmert sich um den Haushalt, die gemeinsamen Kinder und die Studenten, die bei ihnen Unterschlupf finden.

Susanna und Binea stoßen auf einen Haushalt, der ihre Hilfe dringend nötig hat. Neben Luther und Katharina trifft der Leser aber noch weitere bekannte Persönlichkeiten aus jener Zeit. So ist der Maler Lucas Cranach der Ältere ein guter Freund von Martin Luther und auch Philipp Melanchthon tritt immer wieder, mit einigen anderen Professoren der Leucorea, auf.

Jedoch bleiben Martin Luther und die Professoren eher im Hintergrund. Vordergründig geht es vor allem um Jan Seman, Susanna und Binea. Auch der Haushalt der Lutherin wird durch Susanna und Binea immer wieder erwähnt und man erhält als Leser einen ganz anderen Einblick in das Leben der Luther Familie wie bisher.

Die Geschichte ist dreigeteilt. Zum einen begleitet der Leser Susanna, die sich mit den Dämonen ihrer Vergangenheit herum plagt und später mutig nach ihrem Peiniger sucht. Zum anderen lernt man Binea, eine an sich ruhige Person, die sich hinter die Mauern eines Klosters zurücksehnt, aber dann eine interessante Bekanntschaft macht. Und natürlich Jan, der den Auftrag von seinem Meister weitergereicht bekommt, die drei Grazien zu malen.

Als die Morde geschehen, rücken auch Lucas Cranach und Martin Luther etwas mehr in den Vordergrund. Lucas Cranach erhält den Auftrag, den Täter zu finden und zu überführen. Martin Luther unterstützt ihn dabei, bleibt bei den eigentlichen Ermittlungen eher im Hintergrund, da er an der Leucorea zu sehr gefordert wird.

Aus einem historischen Roman wird nach dem ersten Mord ein historischer Krimi. Die Spannung steigt spürbar an und erreicht ihren Höhepunkt, als Jan Seman wegen Mordverdacht verhaftet wird. Ab hier läuft die Zeit gegen Susanna, denn für den Verlobten der zweiten Toten ist Jan der Mörder und ihn möchte er tot sehen.

Die Gefühle der einzelnen Protagonisten lassen sich gut nachvollziehen. Gerade Susannas Angst und Unsicherheit sind für den Leser spürbar. Aber auch die kecke Malein, die im Freudenhaus arbeitet und irgendwann um ihr Leben fürchten muss, ist für den Leser greifbar.
Der Leser wird durch den Schreibstil zum Nachdenken angeregt und selbst zum Ermittler. Man sammelt eine ganze Menge Verdächtiger an, bildet Verknüpfungen zu den einzelnen Personen und bemerkt so kaum, wie schnell doch die Zeit verfliegt. Schnell hat man sich fest gelesen und möchte einfach nur doch das Knäuel, das sich gebildet hat, entwirren.

Neben den Morden, den Ermittlungen und der Angst wachsen in dem Buch noch zwei zarte Liebesgeschichten heraus. Sie bilden einen willkommenen Gegensatz zu den Schrecken, die der Mörder verbreitet. Die Geschichte hat 15 Kapitel und ist in drei Abschnitte unterteilt:

1. Buch – Aglaia
2. Buch – Thalia
3. Buch – Euphrosyne

Die Abschnitte stehen für die Grazien, die Jan malen soll und in den Abschnitten geht es auch um die jeweilige Grazie. Das Deckblatt eines jeden Abschnittes wird mit der für Lucas Cranach typischen gefiederten Schlange unterzeichnet.

Der Epilog lässt die Geschichte langsam ausklingen und im Leser noch etwas nachhallen. Die Autorin hat sich intensiv mit den Recherchen zu dem Bild von Lucas Cranach beschäftigt, was man beim Lesen deutlich merkt. Auch die Vorgehensweise, wie ein solches Bild entstehen kann, wird näher beleuchtet, verständlich und nachvollziehbar vermittelt.
Das Bild, um das sich die Geschichte dreht, wurde sowohl vorne wie hinten als Vor- bzw. Nachsatzblatt abgedruckt. Dadurch kann sich der Leser das Bild genau ansehen und hat es während des Lesens immer vor Augen. Der Druck ist übrigens sehr gut gelungen, die Farben kommen gut zur Geltung und ich habe mich sehr über diesen Abdruck gefreut. Das Original kann man zur Zeit im Louvre/Paris bewundern.

Das Buch endet mit einem ausführlichen Nachwort der Autorin. In diesem Nachwort geht Brigitte Riebe kurz und prägnant auf folgende Themen im Zusammenhang mit dem Buch ein:

Zeichen und Wunder
Luther und die Wahrheit
Wittenberg als Schauplatz
Lucas Cranach der Ältere
Nackte Bilder
Die drei Grazien
Dichtung und Wahrheit

Natürlich darf eine Liste ausgewählter Literatur sowie die Danksagung nicht fehlen.

Fazit:
Spannend geschrieben, entführt Brigitte Riebe den Leser in das Haus von Martin Luther nach Wittenberg und bietet dem Leser einen ganz besonderen Blick auf dessen Leben und Wirken. Neben zarten Liebesgeschichten wird der Leser als Ermittler gefragt und so in die Geschichte regelrecht reingezogen. Meine Empfehlung für die langen dunklen Wintertage.

23.11.2013 17:01:47
Manu Fleißer

Für mich eine perfekte Mischung aus Spannung und Historie, die mich von Anfang an in Bann geschlagen hat und bis zu letzten Seite nicht mehr los ließ. Ich habe Die Spenden-Internetaktion des Louvre für dieses Gemälde in der Presse verfolgt - und mich nun gefreut, einen Roman über seine Entstehungsgeschichte zu lesen, der noch dazu so fesselnd war. Schön, dass man so "nebenbei" auch noch einiges Über die Luthers, Melanchthon und die Cranach-Werkstatt erfahren konnte. Das hat mir zusätzlichen Spaß bereitet.
Schöne Lektüre!

13.11.2013 07:52:07
Hedwig

Ich bin seit vielen Jahren ein Fan dieser Autorin, obwohl ihre gewählten historischen Persönlichkeiten nicht unbedingt in mein Beuteschema fallen und obwohl hier diese Autorin seit Jahren meiner Meinung nach etwas vernachlässigt wird.
Vielleicht liegt dies daran, dass Frau Riebe hier selbst im Gegensatz zu anderen Autoren nicht aktiv ist und so eine Möglichkeit nicht nutzt, über eine Leseforum noch besser bekannt zu werden.

Auch dieser Roman ist wieder hervorragend gut gelungen, die meisten Personen der Handlung sind historisch belegt und so kann man sich ein Bild über diese Zeit machen, eine Zeit des Umbruchs und der Aufklärung.
Für Frauen ist aber diese Aufklärung nicht der Weg aus der Abhängigkeit der Männer, auch die neue Kirche sieht in Frauen eben nur - Frauen.
Dieses Bild zeigt auch der neue Roman von B. Riebe, aber vor allem weist der Roman äußerste Spannung auf, es ist ein Buch, welches man in einem Zug genießen muss, denn man kann es kaum weglegen.
Besonders, wie immer bei dieser Autorin ist eine Beschreibung am Ende über die historischen Fakten, ihre Romane bieten nicht nur anspruchsvolle und spannende Unterhaltung mit Tiefgang, sondern bei ihr zählt auch das historische Wissen, welches in all ihren Romanen eingebracht wird.
Der Roman ist daher auch mein Top des Monats Oktober 2013.
LG Hedwig

12.11.2013 16:11:04
Felix W.

was für ein Buch! Konnte es nicht mehr ausd der Hand legen, nachdem ich einmal zu lesen begonne hatte; fabig, prächtig und lebendig erzählt, voller überraschender Wandlungen und einem Personernensemble, das mich begeistert hat.
So masg ich historische Romane, so divht, so prall, so gut erzählt, Hsb schon einiges von der Autorin gelesen, doch dieser letzte "Wurf" gefällt mir besonders gut!

01.11.2013 17:01:08
Barbara Leierseder

Ich lese seit vielen Jahren die Bücher von Brigitte Riebe. Hier ist ihr Glanzstück gelungen. Die Spannung ist bis zum Schluss durchgezogen. Die Kapitel sind kürzer als sonst und knackig geschrieben. Man kann sich gut eindenken, wie es zu dieser Zeit wohl gewesen sein mag aus dem beschützten Rahmen des Klosters ausgegliedert zu sein. Oder als Mutter eines kranken Kindes zu bangen und zu hoffen oder als Gelehrter an der Universität zu arbeiten oder wie ein Maler, wie Cranach seinen Alltag gestaltet hat. In jedem Fall superinteressant und nicht aus der Hand zu legen. Eine echte Empfehlung.