Sherlock Holmes und das Ungeheuer von Ulmen

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • kbv, 2013, Titel: 'Sherlock Holmes und das Ungeheuer von Ulmen', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Sherlock Holmes ermittelt in der Eifel

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2013

Doktor Peeters erhält von seinem Bekannten Herbert Blecher, dem Dorfschullehrer aus Ulmen in der Eifel, einen Brief, wonach in der Ulmener Maar ein Fischungeheuer sein Unwesen treibt. Einer Legende aus dem Jahr 1542 nach stirbt immer dann ein Mensch, wenn zuvor das Ungeheuer gesehen wurde, und genau dies hat Blecher nun selber erlebt. Als früherer Klient von Sherlock Holmes bittet Peeters den Meisterdetektiv, diesem seltsamen Phänomen nachzugehen. Als Holmes in Begleitung seines Bekannten David Tristram in Ulmen ankommt, müssen die beiden feststellen, dass Blecher zwischenzeitlich unter merkwürdigen Umständen zu Tode kam. Auch die Frau des örtlichen Apothekers will das Seeungeheuer gesehen haben, allerdings ist sie derzeit verreist. Holmes und Tristram stellen eigene Ermittlungen in dem beschaulichen Dorf an, denn an die Unfallversion des Gendarmen glauben sie nicht. Weitere Spuren führen sie nach Trier und Frankfurt, doch als sie wieder nach Ulmen zurückkehren gibt es einen weiteren Todesfall. Spätestens jetzt ist klar, dass hier ein Ungeheuer in Menschengestalt sein Unwesen treibt&

 

"Mein ganzes Leben wohne ich schon in diesem Ort! Aber hier ist noch nie jemand eines gewaltsamen Todes gestorben. Bestimmt sind die Arbeiter und Ingenieure der Eisenbahngesellschaft daran schuld. Wie mag das noch enden, wenn nächstes Jahr die Züge alle möglichen Menschen hierher bringen! Wir leben in schrecklichen Zeiten!"

 

Das Ulmener Maar ist der jüngste Vulkan nördlich der Alpen in dem einer alten Legende zufolge ein riesiger Fisch leben soll, gar von einem Ichthyosaurus ist die Rede. Holmes glaubt natürlich zu keinem Zeitpunkt an derlei Geschichten, umso erstaunlicher ist, dass er dennoch nach Frankfurt reist, um (unter anderem) in der dortigen Senckenberg-Stiftung mehr über Saurier zu erfahren. Darauf von Tristram angesprochen erwidert Holmes knapp: "Man sollte nichts von Anfang an ausschließen." Derartige vermeintliche Ungereimtheiten gibt es im neuesten Fall, den uns Franziska Franke auftischt, gleich mehrfach. Andererseits kennen wir ja alle den genialen Meister der Deduktion und seine nicht immer auf Anhieb durchschaubaren Ermittlungsmethoden. Somit befinden sich die Leser auf einem Level mit David Tristram, Holmes treuen Gefährten und Ich-Erzähler, der den klassischen Part von Dr. Watson übernimmt. Quasi der Laufbursche beziehungsweise der "Depp vom Dienst", der Holmes Rückschlüsse nur selten begreift. 

 

"Mein Gott! Ist die Einrichtung altmodisch", staunte ich. "Wie alt war eigentlich der Lehrer? Ich dachte bisher, er sei um die Vierzig gewesen wie Doktor Peeters?"

"Er war exakt zweiundvierzig Jahre und zwei Monate alt", behauptete Holmes, während er unter das Bett schaute.

"Haben Sie das aus der Beschaffenheit der Treppenstufen und des Kopfkissens geschlossen?", entfuhr es mir verblüfft.

"Das habe ich seinem Totenschein entnommen."

 

Franziska Franke schreibt ihren bereits fünften Roman des Holmes-Tristram-Reihe mit gelegentlich großem Augenzwinkern, was gekonnt über die Ermittlungen hinwegtäuscht. Denn da man, wie immer bei Holmes, erst auf den letzten Seiten mit einer (mehr oder weniger) spektakulären Auflösung konfrontiert wird, braucht man normalerweise gar nicht erst versuchen, auf eigene Faust den Täter zu entlarven. Dabei sehen sich Holmes und Tristram im neuen Fall gleich zwei Problemen gegenüber. Sie beherrschen beide nicht die deutsche Sprache (dafür kommen sie auffällig gut zurecht) und können zudem nicht inkognito ermitteln, da in dem beschaulichen Dorf jeder jeden kennt und sich daher die Anwesenheit der beiden Privatermittler wie ein Lauffeuer verbreitet.

 

"Ich glaube nicht, dass er Geheimnisse hatte. Hier kennt jeder jeden. Sie wissen ja, wie das ist", ließ Witwe Henkel ausrichten.

Ich wusste es nicht und wollte es auch nicht wissen.

 

Sherlock Holmes und das Ungeheuer von Ulmen ist eine gekonnte Fortführung der Serie, wenngleich erste Abnutzungserscheinungen erkennbar sind. Das Schema ist halt immer das gleiche, wobei sind wir ehrlich genau dies ja speziell bei Sherlock Holmes von allen erwartet wird, oder?

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Letzte Kommentare:
28.06.2014 17:34:39
tassieteufel

Doktor Peeters sendet Sherlock Holmes den Brief eines früheren Studienkollegen in dem es um einen Fluch geht. Laut einer alten Legende soll es im Eifeldörfchen Ulmenzu einem Todesfall kommen, wenn das Fischungeheuer aus den Fluten des Maas auftaucht. Dieses Untier wurde nun gesichtet, ja Herbert Becher, Peeters Freund schwört Stein und Bein, das Ungeheuer selbst gesehen zu haben. Holmes, der logischer Weise nicht an solchen Unsinn glaubt, fühlt sich von dererlei Geheimnissen aber magisch angezogen und reist daher in Begleitung seines Freundes David Tristram nach Ulmen. Doch dort angekommen, stellt sich allerdings heraus, dass Herbert Becher unter mysteriösen Umständen umgekommen ist und es weitere Sichtungen des Ungeheuers gab.
Inzwischen zum fünften Mal ermittelt Sherlock Holmes inkognito außerhalb Englands und ihm zur Seite der Buchhändler David Tristram! Diesmal ist das ungleiche Paar in Deutschlands Provinz unterwegs und versucht neben einer Mordermittlung auch die Sichtung eines Fischungeheuers zu widerlegen.
Das Setting in der etwas düster erscheinenden Eifel ist gut gewählt, für ihre Schauplätze hatte die Autorin bisher ein gutes Händchen und auch der kleine Eifelort Ulmen macht da keine Ausnahme! Die Ermittlungen gestalten sich aber zunächst recht schwierig, zum einen sprechen weder Holmes noch Tristram gut Deutsch und sehen sich mit argen Verständigungsschwierigkeiten konfrontiert, zum anderen entgeht den Einwohnern des kleinen Ortes kein Schritt der Neuankömmlinge, so dass unauffällige Ermittlungen nahezu unmöglich sind. Mit seinen ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden, die seine Umwelt wie üblich im Ungewissen lassen und einer Reihe von skurrilen Begegnungen ist es der Autorin aber gelungen, Holmes Ermittlungen gekonnt in Szene zu setzten und sehr unterhaltsam zu schildern. Der Meisterdetektiv tritt dabei wieder als kühler Rationalist auf, der diesmal doch recht tief in die Trickkiste greifen muß, um den Täter zu entlarven. David Tristram, der hier als Erzähler fungiert, verkörpert perfekt Holmes Adlatus und füllt die Rolle als Chronist und leicht begriffsstutziger Begleiter gekonnt aus. Auch die anderen Figuren hat die Autorin liebevoll gezeichnet und besonders die etwas schrulligen Ulmer werden hier gekonnt in Szenegesetzt.
Der Krimifall ist gut durchdacht und knifflig konstruiert und bietet viel Raum für Holmes berühmtes Deduktionstalent. Die Auflösung ist insgesamt gut gelungen und schlüssig und läßt keine Fragen offen.

FaziT: Auch Holmes 5. Abenteuer mit David Tristram wurde wieder unterhaltsam in Szene gesetzt und überzeugt sowohl durch den mysteriösen Fall, als auch das stimmige Setting.

16.12.2013 13:20:18
Burkhard Kling

Wer Sherlock Holmes aus den Romanen von Conan Doyle kennt, der weiß, dass der Detektiv Trübsal bläst und geradezu an Langeweile leidet und unleidlich wird, wenn es für ihn gerade einmal keinen kniffligen Fall zu lösen gibt. Hier schafft Franziska Franke seit geraumer Zeit mit mehreren stets lesenswerten und unterhaltsamen Romanen Abhilfe, indem sie den Detektiv außerhalb Englands inkognito agieren lässt, nachdem er bei Doyle nur vermeintlich in den Reichenbachfällen zu Tode gekommen, in Wirklichkeit aber wenigstens zeitweise in die erwünschte und unbeschwerte Anonymität zurückgekehrt ist.
Nach Stationen in Italien, Frankreich und Belgien verschlägt es Holmes im neuen Krimi der Autorin „Sherlock Holmes und das Ungeheuer von Ulmen“ nach Deutschland: tief in die Provinz; in die Eifel. Einer alten örtlichen Sage nach, lebt im benachbarten Eifelmaar ein Seeungeheuer, das bei jedem Auftauchen den Tod eines Ortsbewohners nach sich zieht. Brieflich in Kenntnis gesetzt von einem aktuellen Todesfall und vom Absender, einem früheren Klienten des Detektivs, um Aufklärung gebeten, lässt sich Holmes nicht zweimal bitten.
Die Aufgabe reizt und ist eine besondere Herausforderung wegen der äußerst mysteriösen Umstände, die zu erhellen wieder einmal höchster ermittlerischer Rafinesse und Beharrlichkeit bedarf. Natürlich ist auch Tristram, der stets treue Begleiter und „Sparringspartner“ von Holmes, mit von der Partie, der wie der Leser wieder erleben darf, wie Holmes sich weder von Aberglauben noch von sonstigen Widrigkeiten in seiner Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit beirren lässt. Wieder ein spannender und ausgesprochen vergnüglicher Kriminalroman aus der Feder von Franziska Franke, dem viele Leser zu wünschen sind.

Sehr empfehlenswert.