Die Herrin der Kathedrale

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2013, Titel: 'Die Herrin der Kathedrale', Originalausgabe

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Annette Gloser
Von Burgen und Kathedralen

Buch-Rezension von Annette Gloser Okt 2013

Uta von Ballenstedt ist gerade zwölf Jahre alt, als sie im 11. Jahrhundert die heimatliche Burg verlassen muß. Um das Mädchen vor dem Zorn des Vaters zu schützen, lässt Utas Mutter das junge Mädchen in das Damenstift Gernrode bringen. Aber schon wenig später erfährt Uta, daß die Mutter tot ist. Zunächst glaubt sie an eine Krankheit, aber bald ist klar, daß Hidda von Lausitz ermordet wurde. Von nun an kennt Uta nur ein Ziel: Sie will der Mutter Genugtuung verschaffen und ihren Vater als Mörder vor Gericht bringen. Sehr schnell aber stellt sie fest, daß sie als Frau gar keine Möglichkeit hat, Klage zu erheben - jedenfalls nicht, solange sie unter der Muntgewalt des Vaters steht.

So scheint es ein großes Glück für Uta, daß Gisela von Schwaben sie als Schreiberin auswählt. Fortan zieht sie mit dem Hof Konrads von Schwaben durch die Lande, erlebt dessen Erhebung zum König und letztendlich auch die Kaiserkrönung in Rom. Aber noch immer hat sie keine Möglichkeit gefunden, den Mörder ihrer Mutter vor Gericht zu stellen. Und auch Utas Bruder Esiko unterstützt sie nicht, sondern verhöhnt sie und wirft ihr Ungehorsam vor.

Sie ist gerne am Hof des Kaisers und wenig erfreut, als sie mit Markgraf Ekkehard II. verheiratet wird. Sein Bruder Hermann dagegen hat ihr Herz berührt, allerdings nicht um sie gefreit. Ekkehard nimmt Uta mit nach Naumburg, auf die Stammburg der Ekkehardiner. Hier wollen Hermann und Ekkehard eine Kathedrale bauen lassen. Uta ist ganz begeistert von diesem Projekt, wird von ihrem Ehemann jedoch schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt: Ein Weib hat auf der Baustelle nichts zu suchen. Als jedoch Ekkehard und Hermann in den Krieg gegen das aufständische Polen ziehen müssen, erhält Uta ihre Chance. Sie darf den Dombau zunächst organisatorisch unterstützen und wird später aktiv an den Bauzeichnungen beteiligt.

Und sie verfolgt dabei ein großes Ziel: Die neue Kathedrale soll den Kämpfern Mut machen, welche die Ostgrenze des Reiches gegen die Polen schützen. Und diese Kathedrale soll auch ein Gerichtssaal sein, in dem Uta vor dem Kaiser den Mörder ihrer Mutter anklagen kann.

Realität und Fiktion

Die Autorinnen Claudia und Nadja Beinert haben die berühmte Uta zur Heldin ihres Buches auserkoren. Berühmt ist Uta vor allem durch jene Skulptur, die im Naumburger Dom im Kreise der Stifterfiguren steht. Von den Nazis zur germanischen Idealfrau erklärt, in Kreuzworträtseln immer wieder abgefragt, gelegentlich zur schönsten Frau des Mittelalters gekürt. Allerdings zeigt diese Stifterfigur ganz sicher kein reales Bild der Uta von Ballenstedt/ Naumburg, denn die Skulptur entstand rund zweihundert Jahre nach ihrem Tod. Und auch von jener romanischen Kathedrale, deren Bau im Roman beschrieben wird, sind heute nur noch die Fundamente vorhanden auf denen z.T. auch der frühgotische Nachfolgebau ruht.

Trotzdem dürfte die Gattin Ekkehards II. eine interessante Frau gewesen sein und es scheint nur logisch, daß ihr endlich ein Roman gewidmet wurde. Allerdings haben die Autorinnen sich nicht auf reichhaltiges Faktenmaterial stützen können. Über Uta sind nur wenige Daten bekannt und auch ihre Familie ist nicht sonderlich präsent in der Geschichtsschreibung. Und das, obwohl Utas Bruder Esiko doch der Stammvater der Askanier werden sollte! Kein einfaches Unterfangen also, wenn man einen Roman über die Gattin des Naumburger Markgrafen Ekkehard schreiben will. Natürlich, je weniger Fakten bekannt sind, desto mehr Phantasie ist gefordert. Und es sind schon Romane über historische Persönlichkeiten entstanden, über die noch weniger bekannt war als über Uta von Naumburg. Claudia und Nadja Beinert haben sich der Herausforderung gestellt.

Im Nachwort erläutern die beiden Autorinnen, wie sie zu ihrer Geschichte gekommen sind. Darauf sei auch an dieser Stelle verwiesen. Was Claudia und Nadja Beinert da an Fakten zusammen getragen haben und wie sie diese Fakten interpretierten, das erklärt aber durchaus die Geschichte, die daraus von ihnen geschrieben wurde. Allerdings hat man als Leser gelegentlich doch das Gefühl, die Autorinnen könnten hier über das Ziel hinaus geschossen und den Verlockungen der Fiktion erlegen sein. Wenn Daten bekannt sind, dann sollten diese auch das Gerüst des Romans bilden. Das ist leider nicht immer berücksichtigt worden. Allerdings bezieht sich das nur auf die Darstellung einzelner Protagonisten und nicht auf die großen politischen Zusammenhänge, die im Roman geschildert werden.

Enorme Recherchearbeit

Die Herrin der Kathedrale ist mit Engagement erzählt und mit viel Liebe für die Hauptprotagonistin Uta. Dennoch wirkt Uta in ihrer Naivität gelegentlich etwas nervig, zum Beispiel wenn sie ihren Bruder beim Sex stört und – während er noch am werkeln ist - unbedingt mit ihm über die Anklage gegen den Mörder sprechen will. Auch Esiko als psychopathischer Frauenhasser und Wüstling wirkt ein wenig überzogen. Offenbar fällt es den Autorinnen nicht ganz leicht, differenziertere Charaktere entstehen zu lassen. Wer böse ist, ist böse. Wer gut ist, ist gut. Ein wenig mehr grau zwischen dem schwarz und weiß hätte nicht geschadet. Uta lernt lesen und schreiben unter Anleitung der Mutter, von Latein ist jedoch nie die Rede. Auch im Stift Gernrode bekommt Uta keinen Lateinunterricht. Und doch kann sie sofort all jene Bücher lesen und verstehen, die dort aufbewahrt werden, dabei waren die meisten ganz sicher auf Latein geschrieben. Dies löst zumindest ein Stirnrunzeln beim Romanleser aus.

Allerdings zeigt sich im Roman immer wieder, mit welcher Akribie die Autorinnen sich bemüht haben, die Handlung des Romans mit Fakten zu unterfüttern. Vermutlich kennen sich nur wenige Menschen besser mit mittelalterlichen Maßen, Preisen und bautechnischen Details aus wie die Beinert-Schwestern. Beim Lesen wird immer wieder spürbar, daß hier mit viel Sinn für die Realitäten des Lebens geschrieben wurde. Gleichzeitig wird hier auch deutlich, welche enormen Anforderungen Uta von Naumburg als Burgherrin und Beteiligte am Bau zu bewältigen hatte. Und die Achtung des Lesers vor dieser Frau steigt.

Auch die politische Lage in der Zeit zwischen etwa 1020 und 1040 wird von den Autorinnen genau beschrieben, spannend und interessant. Historische Ereignisse werden eingeordnet und ihre Bedeutung für Naumburg und die Ostgrenze des deutschen Reiches dargestellt. So ist es den Autorinnen gelungen, das Erleben ihrer Protagonisten mit dem Zeitgeschehen zu verweben.

Für lange Winterabende

Die Herrin der Kathedrale ist ein Roman, der seine Leser in den Bann zu schlagen vermag. Hier wird man in das Mittelalter entführt und kann sich von der Geschichte verführen lassen. Das Richtige für lange Winterabende im Lesesessel. Knaur hat das Taschenbuch mit einer Covergestaltung versehen, die den Händen schmeichelt: ein wunderschönes Muster im Prägedruck vermittelt mittelalterliches Flair. An dieser Stelle sei auch noch einmal das Nachwort der Autorinnen zur Lektüre empfohlen, es lohnt sich.

Alles in allem ist der Roman ein gelungener Versuch, das Leben einer der bekanntesten Frauen ihrer Zeit zu beschreiben. Man muß als Leser dabei nur im Kopf haben, daß dies keine Romanbiographie ist, sondern eben der Versuch, mit wenigen Fakten und viel Phantasie eine Lebensgeschichte zu schreiben, die möglicherweise aber ganz anders verlaufen ist. So, wie jene Stifterfigur im Naumburger Dom auch kein reales Abbild der Uta von Naumburg ist.

Die Herrin der Kathedrale

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Letzte Kommentare:
14.10.2017 10:59:04
Silky

Ich habe mich sehr auf diesen Roman gefreut,da ich selbst schon einmal den Naumburger Dom besichtigt habe. Doch leider hat mich das Buch sehr enttäuscht. Man baut überhaupt keine Beziehung zu den Protagonisten auf, da fast alle sehr oberflächlich beschrieben sind. Entweder sind sie gut oder böse und dies auch noch sehr übertrieben. Ausnahme macht da nur die Person Gisela von Schwaben, die mir sehr gut gefallen hat und gut dargestellt wurde. Außerdem habe ich mich sehr darüber geärgert, dass das Leben historischer Personen so stark verändert wurde. Es gibt nicht viel über die Person Uta von Ballenstedt nachzulesen, aber ich kann mir in keinster Weise vorstellen, das sie so naiv und unsicher gewesen sein soll. Auch die Mutmaßungen über die anderen Protagonisten, fand ich sehr überzogen und nicht immer nachvollziebar. Der historische Hintergrund des Kaiserpaares dagegen, war sehr interessant und einer der wenigen Gründe warum ich dieses Buch beendet habe. Da ich die beiden Folgebände schon habe, werde ich dem zweiten Teil aber noch eine Chance geben.

25.12.2014 17:58:27
Alexander Broich

Schön, dass sie damals nicht verhungert sind. Sie hatten ja Kartoffeln, die bestimmt Erik der Rote geliefert hat. Vielleicht auf dem Luftpostweg?
Ein solche Lapsus darf ibn einem solchen Roman nicht passieren.
Ansonsten ist der Roman sehr belehrend. Insbesondere was Verwandtschaftsgrade u.ä. angeht.
Sehr nützlich fand ich die Literaturangaben.

01.08.2014 11:28:26
Nuigurumi

Uta ist intelligent und wissbegierig - leider keine Eigenschaften, die für ein Mädchen Anfang des 11. Jahrhunderts von Vorteil sind, im Gegenteil. Ihren Vater, Graf Adalbert von Ballenstedt, verärgert sie damit immer wieder. Als ein Knappe versucht sie zu vergewaltigen, gibt der Vater ihr die Schuld und verstößt sie, obwohl sie noch fast ein Kind ist. Die Mutter kann es gerade noch arrangieren, dass Uta ohne Wissen des Vaters in ein Kloster gebracht wird, dann stirbt sie. Als Uta vom Tod der Mutter erfährt, ist sie verzweifelt. Sie ist sich sicher, dass der Vater dahinter steckt und schwört, dass sie einen Weg finden und den Vater anklagen wird.

Im Kloster entdeckt Uta ihre Liebe zu Büchern und entwickelt sich zu einer hervorragenden Schreiberin. Herzogin Gisela von Schwaben nimmt sie später als Hofdame auf, da sie Utas Wissen zu schätzen weiß. Auch sie ist eine intelligente, gebildete Frau, die ihren Mann, den späteren Konrad II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, mit Rat und Tat zur Seite steht. Gisela arrangiert auch Utas Ehe mit Ekkehard II. von Naumburg, obwohl Uta Ekkehards Bruder Hermann liebt und er sie auch. Die Ehe ist eine Katastrophe. Alles, was Ekkehard von Uta will, ist ein Stammhalter. Doch in Naumburg lässt Hermann eine Kathedrale bauen und lässt Uta mitarbeiten. Uta hofft auch, dass sie unter der Rechtsprechung Konrad II. in "ihrer" Kathedrale irgendwann Gerechtigkeit für ihre Mutter finden wird. ..

In diesem Buch gibt es viele großartige Frauen - nicht nur Uta, sondern auch Utas Schwester Hazecha, Gisela, einige Klosterschwestern, Mägde und andere. In einer Welt, in der sie sowohl von den Männern als auch der Kirche unterdrückt werden, versuchen sie Wissen zu erlangen und dieses Wissen anzuwenden. Das unterscheidet "Die Herrin der Kathedrale" besonders von den meisten anderen historischen Romanen über Frauen. Das Buch ist überhaupt nicht kitschig oder romantisch verklärt. Am Ende des Buches sagen die Autorinnen zwar, dass Utas Leben hauptsächlich ihrer Fantasie entsprungen ist, da man über Uta von Ballenstedt eigentlich nur weiß, DASS sie gelebt hat und DASS sie mit Ekkehard verheiratet war, ansonsten kennt man nicht einmal die genauen Geburts- und Sterbedaten, aber ihr Leben hätte wirklich so verlaufen können.

Für mich ist es ein ganz besonderer historischer Roman, der zeigt, wie vieles damals Frauen nicht möglich war, was wir heute als selbstverständlich betrachten. Wunderbar geschrieben ist das Buch noch dazu.

Ich habe noch nie ein Buch mit 750 Seiten in der Hand gehabt, das sich so angenehm gelesen hat - da hat der Verlag wirklich gute Arbeit geleistet. Allerdings - und deswegen gebe ich dem Buch nur vier Sterne - bin ich der Meinung, dass 200-300 Seiten weniger dem Buch gut getan hätten. Was mich etwas gestört hat, waren die seitenlangen Abhandlungen über Kampfstrategien und die politische Lage und später die Beschreibung der Architektur und der handwerklichen Arbeit an der Kathedrale. Das war wirklich zuviel des Guten und hat von der eigentlichen Handlung abgelenkt und mich auch gelangweilt.

05.12.2013 21:08:08
PMelittaM

Uta von Ballenstedt wächst auf der Burg eines despotischen Vaters auf. Als er eines Tages entdeckt, dass ein Knappe sie bedrängt, gibt er ihr die Schuld dafür und will sie verstoßen. Ihre Mutter lässt sie daraufhin vor dem Vater in Sicherheit bringen, wird von diesem dafür aber hart bestraft und stirbt kurz darauf. Uta ist sicher, dass ihr Vater am Tod der Mutter Schuld hat und will Gerechtigkeit. Da diese für Frauen zur damaligen Zeit fast unmöglich durchzusetzen ist, hat Uta einen langen Weg vor sich.

Uta von Naumburg (vor ihrer Heirat Uta von Ballenstedt) ist eine reale historische Persönlichkeit, die man vor allem aus vielen Kreuzworträtseln kennt, sie ist eine der Stifterfiguren im Naumburger Dom. Über ihr tatsächliches Leben ist so gut wie nichts bekannt. Claudia und Nadja Beinert haben daher, vor dem tatsächlichen historischen Hintergrund, ihr Leben so erzählt, wie es den beiden Autorinnen möglich schien.

Leider ist ihnen das meiner Meinung nach nicht wirklich gut gelungen. Das fängt schon einmal bei den Charakteren an. Die meisten sind recht oberflächlich und wenig facettenreich gezeichnet, wenige erschienen mir authentisch bzw. in ihren Gefühlen und Handlungen nachvollziehbar charakterisiert. Schon Uta ist für mich kaum greifbar. Zum Einen wird sie als sehr klug auch sehr lernfähig dargestellt, zum Anderen handelt sie oft unglaublich naiv und unbedacht, hat absolut keine Menschenkenntnisse und lernt oft nicht aus ihren Fehlern. Wenn man die Naumburger Figur sieht, sieht man eine selbstbewusste Frau. Die Uta im Buch ist unsicher, leicht zu beeinflussen und hat wenig Selbstbewusstsein. Auch muss sie auf Ihr Umfeld sehr wunderlich gewirkt haben, sie führt ständig Selbstgespräche oder murmelt vor sich hin ansonsten haucht oder flüstert sie viel.

Viele der Charaktere sind sehr einseitig, teilweise überzeichnet „böse“ und machen auch im Laufe der Handlung keine Entwicklung durch. Für mich sind es einfach zu viele solcher Personen, die mir zudem nicht alle handlungsrelevant erscheinen und daher wohl nur aus dramaturgischen Gründen so gezeichnet wurden. Doch wie viel spannender hätte es sein können, hätte man eine Veränderung feststellen können oder wäre zumindest eine nachvollziehbare Motivation zu erkennen gewesen. Einzig bei Utas Ehemann Ekkehard kann man da eine tiefergehende Charakterzeichnung feststellen.

Natürlich gibt es auch die eine oder andere Figur, die ich mochte, allen voran Katrina, Utas Magd in Naumburg, die so dargestellt wurde, wie ich Uta gerne gesehen hätte: Aufgeweckt, loyal und mutig. Auch Gisela gefällt sehr gut, sie zeigt, dass Frauen zu jener Zeit durchaus auch etwas zu sagen hatten.

Die Geschichte an kann mich gesamtheitlich gesehen auch wenig überzeugen. Einige Passagen haben mir gut gefallen, z. B. Utas Jahre am Hof, auch das Leben im Stift wurde schön dargestellt (sieht man einmal von o. g. Problemen der überzeichnet „Bösen“ ab). Hier hat man das Gefühl einen schönen historischen Roman zu lesen.

Weniger gefallen haben mir zwei der Haupthandlungsstänge: Die Liebesgeschichte und Utas Suche nach Gerechtigkeit, zumal beides auf reiner Fiktion beruht. Ob diese beiden Handlungsstränge nötig sind, mag dahin gestellt sein, zumindest auf die Liebesgeschichte hätte man verzichten können und Uta vielleicht eine glückliche Ehe gönnen können, vieles schien mir in diesem Zusammenhang an den Haaren herbei gezogen. Auch die Storyline um Utas Suche nach Gerechtigkeit für ihre Mutter finde ich oft störend, zumal sie am Ende recht makabre Ausmaße annimmt. Utas Interesse an Bildung hätte man auch anders erklären können. Ab etwa Mitte des Buches steht dann der Kathedralenbau im Mittelpunkt, der dem Roman letztlich auch seinen Namen gibt. Diesen Handlungsstrang finde ich recht interessant.

Die Sprache ist ziemlich pathetisch-schwülstig, soll wohl ein Flair von Mittelalter verströmen, teilweise empfinde ich sie etwas albern und öfter regelrecht kitschig. Mein Kitsch-Barometer hat auch sonst mehr als einmal ausgeschlagen, gegen Ende immer mehr, z. B. bei den Begegnungen Utas mit ihrer Schwester. Hier sind mir auch sehr oft Wiederholungen aufgefallen, mehrmals kurz hintereinander z. B. „Wir sind die Töchter der Hidda von Lausitz“ (als eine Art Durchhalteparole), für mich ist das zunehmend nervig gewesen. Gestört hat mich auch, wenn bekannte Worte wie Reliquie durch ein deutsches Wort, hier Überbleibsel, ersetzt werden, auf mich wirkt das wenig authentisch.

Für einen guten historischen Roman hat mir auch ein bisschen Ausstattung gefehlt. Ein Nachwort zu Fakten und Fiktion ist vorhanden, ebenso ein Personenverzeichnis, das mir wegen seines Humors gut gefallen hat, das aber auch ein paar Spoiler beinhaltet. Gefehlt hat eine Karte und leider auch eine Zeittafel. Der Roman hat große zeitliche Sprünge, die leider nicht gekennzeichnet sind, eine Zeittafel wäre sehr schön gewesen, besser noch wäre gewesen, wären jeweils Zeitangaben vorangestellt worden.

Mir ist nicht ganz klar, wer die Zielgruppe des Romans sein soll. Freunde gut recherchierter historischer Romane? Dafür hält sich die Geschichte zu wenig an historisch überlieferten Tatsachen bzw. werden die Leben historischer Personen zu sehr verändert, ist die Geschichte insgesamt zu fiktiv und fehlen o. g. Extras. Liebhaber von Liebes- und Lebensgeschichten vor historischen Hintergründen ohne Anspruch auf historische Genauigkeit? Dafür gibt es zu viel Theorie, z. B. was den Kathedralenbau angeht.

Insgesamt fehlt es dem Roman an Spannung. Es gibt zwar, vor allem gegen Ende einige Wendungen, die kommen aber, liest man aufmerksam, nicht überraschend. Es fehlt, zumindest für mich, eine Identifikationsfigur, die Geschichte ist nicht immer logisch und nachvollziehbar, meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt. Der historische Hintergrund ist zwar gut recherchiert, die persönlichen Geschichten jedoch beruhen fast nur auf Mutmaßung, Mutmaßungen, die ich nicht immer teilen kann. So hat mir hat der Roman nicht besonders gefallen und so kann ich ihn leider auch nicht weiterempfehlen. Ich kann leider nur knapp 3 von 5 Sterne geben.

03.12.2013 20:27:28
mabuerele

Wir befinden uns im 11. Jahrhundert. Auf Burg Ballenstedt wird der Markgraf Ekkehard von Meißen empfangen. An seiner Seite ist Volkard aus dem Hardagau. Vor zwei Wintern hat er mit Uta, der 12jährige Tochter des Grafen Adalbert von Ballenstedt, eine Schneerose vergraben. Uta reitet mit ihm, um die Pflanze auszugraben. Eigentlich sollte Erna, die Dienerin Utas, beide begleiten. Doch sie ist nicht zur Hand. Im Wald versucht Volkard Uta zu vergewaltigen. Plötzlich erscheint die Gesellschaft mit Graf Adalbert. Er gibt seiner Tochter die Schuld und verlangt den Reinigungseid. Uta stottert und gilt damit als schuldig. Ihre Mutter bringt sie im Kloster Gernrode in Sicherheit. Wenige Tage später ist die Mutter tot.
Uta von Ballenstedt – wer war die Stifterfigur im Naumburger Dom? Die beiden Autorinnen versuchen darauf eine Antwort zu geben.
Am Anfang lerne ich Uta als lebensfrohes junges Mädchen kennen. Sie kann Lesen und Schreiben und reitet fast so gut wie ihr 5 Jahre älterer Bruder Esiko. Ihr Vater aber hält nichts von den Rechten der Frau. Sie haben sich unterzuordnen. Anderenfalls schlägt er zu.
Esiko ist das Ebenbild seines Vaters. Er fühlt sich als zukünftiger Herr des Hauses. Die Wünsche seiner Schwester ignoriert er.
Auch die Nebenfiguren wurden gut herausgearbeitet. Da ist einmal Erna, mehr Freundin als Dienerin.
Hathui und Adelheid, zwei Äbtissinnen von Gernrode, stehen dafür, wie unterschiedlich man dieses Amt auffassen und ausüben kann, und welchen Einfluss eine kluge Führung der Anvertrauten auf deren Leben hat.
Mit der Ankunft in Gernrode nimmt Utas Leben einen neuen Verlauf. Sie trifft immer wieder auf Menschen, die ihre Fähigkeiten und Begabungen erkennen und fördern. Nach dem Tod ihrer Mutter hat Uta nur ein Ziel. Sie möchte Gerechtigkeit. Deshalb taucht sie tief in die Bücher ihrer Zeit ein. Mit Uta darf ich als Leser einen umfangreichen Überblick über die Gerichtsbarkeit in jener Zeit bekommen. Desgleichen erfahre ich von Heilmethoden und Arzneimitteln.
Die beiden Autorinnen haben es sehr gut verstanden, die Entwicklung Utas zu einer selbstbewussten Frau nachzuzeichnen. Sie lernt es, Schwierigkeiten zu überwinden und erwirbt nach und nach neue Fähigkeiten. Im Roman ist die Fertigstellung der Naumburger Kathedrale zu großen Teilen Utas Verdienst.
Sehr gut gefallen haben mir die ausführlichen Darlegungen zum Bauablauf der Kathedrale. Sie waren verständlich erläutert und damit leicht nachvollziehbar.
Das Leben der Uta von Ballenstedt ist eingebettet in die historischen Ereignisse ihrer Zeit. Die Reisen Kaiser Konrads zur Festigung seiner Position, die Kämpfe im Osten des Reiches und die Alpenüberquerung sind nur einige Beispiele für die geschichtlichen Hintergründe. Das Verhältnis von Lebensbeschreibung und Faktenwissen empfand ich als ausgewogen.
Wenn Uta immer wieder mit Versuchen konfrontiert wird, sie auf häusliche Pflichten zu beschränken, lerne ich mit Kaiserin Gisela eine Frau kennen, die von ihrem Gatten bewusst in die politischen Prozesse einbezogen wird.
Ein ausführliches Personenverzeichnis und ein Nachwort, dass Fiktion und Tatsachen trennt, ergänzen das Buch.
Das Buch ließ sich zügig lesen und hat mich schnell in seinen Bann gezogen.
Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Dazu haben nicht nur die spannende und abwechslungsreiche Handlung und viel sympathische Protagonisten, sondern auch die vielfältigen Informationen über Bauwesen und Medizin der Zeit beigetragen.

12.11.2013 10:14:11
Orange

Für ihren Debüt-Roman „Die Herrin der Kathedrale“ haben sich die Autorinnen Claudia und Nadja Beinert eine bedeutende Frau des 11. Jahrhunderts ausgesucht.

Uta von Ballenstedt ist nicht die typische Frau ihrer Zeit und will sich nicht in ihre Rolle als Frau einfügen. Mit ihren Wissensdurst und Ansichten handelt sie sich häufig Ärger mit ihren älteren Bruder Esiko und ihren Vater ein. Einzig ihre Mutter hat ihr in Abwesenheit des Vaters lesen und schreiben beigebracht und ihre Fragen beantwortet.
Als ihre Mutter gewaltsam zu Tode kommt, schwört Uta, dass der Täter bestraft werden soll und stellt ihr Leben ins Zeichen der Gerechtigkeit. Durch ihre Fähigkeiten gelangt sie als Hofdame an den Hof des Königs- und späteren Kaiserpaars Konrad II und Gisela von Schwaben. Dort lernt sie auch die Brüder Ekkehard und Hermann von Naumburg kennen. Sie geht eine Ehe mit Ekkehard ein, aber sie fühlt sich zu Herrmann hingezogen. Seine Vision in Naumburg eine Kathedrale zu errichten, fasziniert sie. Als diese Vision in die Tat umgesetzt wird und der Bau in nur 10 Jahren fertig geweiht sein soll, findet auch Uta ihre Bestimmung. Sie will den Mörder ihrer Mutter in dieser Kathedrale anklagen.

Über die reelle Uta von Ballenstedt ist nicht viel überliefert, aber die Autorinnen lassen einen mit den Gefühl zurück: Ja, so könnte es gewesen sein.

Das Buch gliedert sich in 4 Teile und insgesamt 13 Kapitel die in den Jahre 1018 – 1038 spielen.
Ein ausführliche Personenverzeichnis und ein interessantes Nachwort, in welchen die Autorinnen erklären was Fantasie und was Geschichte ist, runden das Buch ab.
Die Ornamente auf dem Cover heben sich zart ab und machen das Buch auch äußerlich zu einem Blickfang.
Ich hoffe, dass diese beiden Autorinnen noch viele Romane schreiben. In mir haben sie eine Leserin gefunden.

10.11.2013 17:33:08
€nigma

Allgemeines/Aufbau
Erschienen am 1.November 2013 im Knaur Taschenbuch Verlag, 768 Seiten
Erzählung in der dritten Person, hauptsächlich aus der Perspektive der Uta von Ballenstedt
Personenverzeichnis mit Markierung historischer Persönlichkeiten
13 Kapitel, verteilt auf vier Teile
Nachwort, Verzeichnis der zitierten Literatur und Internetquellen

Zum Inhalt
Der Roman beschäftigt sich mit dem Leben der Uta von Ballenstedt (um 1000 - vor 1046), die als Ehefrau des Meißener Markgrafen Ekkehard zur Mitstifterin des ersten Naumburger Doms wurde. Im heutigen Dom, der im 13.Jahrhundert erbaut wurde, ist sie als eine von 12 Stifterfiguren zu sehen.
Die Quellenlage zur historischen Uta ist nicht allzu ausführlich, deshalb nehmen sich die Autorinnen einige Freiheiten und erzählen das Leben Utas so, wie es gewesen sein könnte. Demnach kommt das Mädchen im Alter von 12 Jahren zur weiteren Erziehung in das Kloster/Stift Gernrode, wo es als Schreiberin tätig ist. Durch das Kopieren medizinischer Werke erlangt Uta Kenntnisse in der Heilkunde. Als Herzogin Gisela von Schwaben, später Kaiserin an der Seite ihres Gatten Konrad II, das Kloster aufsucht, fallen ihr die Intelligenz und Geschicklichkeit der jungen Uta auf und sie nimmt sie als Hofdame mit sich. Nun beginnt für Uta, die in Gernrode nach dem Tod der geliebten Äbtissin Hathui unter den Schikanen zweier Mitschwestern zu leiden hatte, eine interessante Zeit. Sie reist mit Gisela von Schwaben und ihrem Gefolge jahrelang durch das Reich, findet in Gisela ein beeindruckendes Vorbild einer Frau, die sich nicht auf die Rolle der unterwürfigen Gattin festlegen lässt, und in den anderen Hofdamen treue Gefährtinnen. So ist Uta nicht besonders erfreut, als sie Jahre später das Leben an der Seite des Königs-/Kaiserpaares aufgeben und in den Stand der Ehe treten muss: Sie wird mit Ekkehard von Meißen verheiratet, der an ihr genauso wenig Interesse hat wie sie an ihm. Die Ehe bringt ihr weder Erfüllung noch Kinder, aber der Plan ihres Schwagers Hermann von Meißen, in Naumburg eine Kathedrale zu errichten, fasziniert Uta. Diesem Projekt widmet sie sich mit ihrem ganzen Intellekt und ihrer ganzen Tatkraft, sie engagiert sich sowohl für die Materialbeschaffung und die Rekrutierung von Arbeitskräften als auch in ihrer Tätigkeit als Bauzeichnerin. Zwischen ihr und ihrem Schwager entwickelt sich eine platonische Liebesbeziehung.
So wäre Utas Leben recht angenehm, wenn da nicht ihr Bruder Esiko wäre, der ihr seit ihrer Kindheit das Leben zur Hölle macht und ihr sogar den Kontakt zu ihrer geliebten Schwester Hazecha untersagen will, da er sich neben der klugen Uta zurückgesetzt fühlt(e). Er hat es inzwischen zum Ersten Heerführer des Kaisers gebracht und lässt keine Gelegenheit aus, gegen die Schwester zu intrigieren. Auch dem Erzbischof Aribo von Mainz ist Uta ein Dorn im Auge, denn seiner Meinung nach stehen einem bloßen Weib die von Gott für Männer bestimmten Tätigkeiten nicht zu. Um die Vormachtstellung seines Erzbistums zu erhalten, will er den Bau der Naumburger Kathedrale unbedingt hintertreiben.
Die Zwistigkeiten mit diesen beiden chauvinistischen Herren überschatten Utas Leben und gefährden außerdem ihren Traum, den Mörder ihrer Mutter als Anklägerin ohne männlichen Fürsprecher vor das kaiserliche Gericht zu bringen.

Beurteilung
Es handelt sich bei "Die Herrin der Kathedrale" nicht um einen biographischen, sondern um einen weitgehend fiktiven Roman. Im Nachwort erläutern die Autorinnen den Anteil von Fakten und Fiktion sowie die Änderungen, die sie am historischen Ablauf vorgenommen haben.
Die Handlung ist sehr komplex und wird in anschaulichem Stil erzählt. Dank des Personenverzeichnisses fällt es nicht schwer, den Ereignissen zu folgen. Die Protagonistin ist eine mutige, aber für ihre Zeit nicht über-emanzipierte Frau, in die sich der Leser gut einfühlen kann. Nicht nur die Hauptfiguren, sondern auch die "Nebendarsteller" sind detailliert charakterisiert und werden für den Leser lebendig. Lediglich zwei Personen, Esiko und die (fiktive) intrigante Äbtissin Notburga von Hildesheim werden eher unausgewogen sehr negativ dargestellt.
Der Roman ist nicht nur sehr unterhaltsam zu lesen, sondern auch informativ, man erfährt allerhand über die Regierungszeit Konrads II und Giselas, die durch den langwährenden Kampf um die Sicherung der Ostgrenze des Reiches geprägt war. Auch die Details zur mittelalterlichen Baukunst sind sehr interessant.
Positiv fallen die Quellenangaben zu Zitaten aus mittelalterlichen Schriften auf, die sich jeweils als Fußnote auf den entsprechenden Seiten befinden, sodass der Leser nicht immer hin und her blättern muss.
Eine Landkarte im Einband ist leider nicht vorhanden. Sie hätte den Roman für Leser, die den Reisen des Kaiserpaares und den militärischen Einsätzen an der Ostgrenze folgen möchten, perfekt abgerundet.

Fazit
Ein vielversprechender Debütroman, den man Lesern mit Interesse an der Epoche des Hochmittelalters ans Herz legen möchte!