Die Ärztin von Rügen

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2013, Titel: 'Die Ärztin von Rügen', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Ein Frauenschicksal im 19. Jahrhundert

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2013

Kurzgefasst:

Rügen, um 1890: Die junge Arzttochter Anne hat nur einen Traum - sie will in die Fußstapfen ihres Vaters treten, doch das ist zu dieser Zeit für eine Frau unmöglich. Als Assistentin ihres Vaters und des neuen Badearztes Franzen jedoch hilft sie zahlreichen Patienten. Aber dann versagt Franzen kläglich, und Anne wird Zeugin seines Scheiterns. Von nun an macht er ihr das Leben zur Hölle und gefährdet sogar ihre Liebe zu einem Kollegen.

 

Die junge Anne Utpatel geht ihrem Vater, einem Landarzt auf Rügen, bei seiner Arbeit zur Hand. Sie ist zufrieden mit ihrem Leben als Mädchen für alles. Denn wenn sie nicht gerade dem Arzt assistiert, macht sie den Haushalt oder hilft ihrem Bruder, einem Fischer, bei der Verarbeitung seines Fangs. Die Idylle bekommt jedoch einen Sprung, als der besserwisserische Badearzt Franzen auftaucht. Als Utpatel mit seiner Tochter zu einem Unglücksfall mit mehreren Verletzten gerufen wird, schließt sich Franzen den beiden an. Bei der Behandlung der Verletzten scheitert er jedoch kläglich. Anne fällt auf, dass Franzen stark nach Alkohol riecht. Als sie ihn darauf anspricht, breitet er sein Leben vor ihr aus und sie beschließt, ihm zu helfen, obwohl sie im nicht recht vertrauen kann. Ein ganz anderes Kaliber scheint da der Naturheilpraktiker und ebenfalls als Badearzt auf die Insel gekommene Bernd Vogel. Seine Kompetenz beeindruckt die junge Frau und sie fühlt sich zu Vogel hingezogen. Da aber erfährt sie, dass er ihre medizinischen Fähigkeiten in Zweifel zieht. Tief verletzt zieht sich Anne zurück und macht sich Gedanken darüber, Rügen zu verlassen, um auf dem Festland Medizin zu studieren. Einzig der sich verschlechternde Gesundheitszustand ihres Vaters gibt Anne zu denken und hindert sie daran, ihre Pläne gleich in Tat umzusetzen. Als Carl Utpatel zusammen bricht, müssen sich die beiden rivalisierenden Badeärzte beweisen.

Gut gezeichneter Schauplatz

Die Stärke des Romans von Lena Johannson ist eindeutig der Schauplatz Insel Rügen. Die Autorin schildert die gemischten Gefühle, mit denen die Fischer dem beabsichtigten Bau einer Eisenbahn gegenüber stehen. Sie thematisiert auch die schlechten Bedingungen, unter denen die Männer leben, die für den Bau der Eisenbahn ihr Leben aufs Spiel setzen. Die verschiedenen Beschreibungen - zu ihnen gehören auch die Untersuchungen des Naturheilarztes Bernd Vogel - sind stimmig und atmosphärisch überzeugend. Die Autorin vermag nicht nur einen guten geschichtlichen Hintergrund zu bieten, sie kann auch Bilder herauf beschwören, die so lebendig sind, dass der Leser den Eindruck hat, er könne das Meer tosen hören oder stünde mitten im Sturm, den Gewalten der Natur ausgeliefert. Hier zeigt sich großes Erzähltalent und das Gespür für die vielen kleinen Details, die einem Roman Tiefe verleihen können.

Protagonistin ohne Format

Leider vermag Lena Johannson die Wucht ihrer Erzählung nicht auf die Figuren auszudehnen. Die bleiben ohne Ausnahme hölzern und fade. Besonders Anne vermag nicht zu überzeugen. Sie ist eine Art Überheldin, die zwar resolut und tatkräftig ihre Frau steht, aber in jeder Hinsicht bescheiden, großherzig und gutmütig ist - und dazu mit einem attraktiven Äußeren gesegnet ist. Also die Heldin schlechthin. Natürlich stellt Anne immer wieder ihre eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund, um zu dienen. Spätestens hier entsteht ein Bruch in der Ausarbeitung der Figur. Das kratzbürstige Wesen und die selbstbewusste Art, mit der Anne teilweise ans Werk geht, will nicht so recht zu ihrer sanften Seite passen. Letztlich fehlt es der Protagonistin eindeutig an Format. Leider gibt es keine andere Figur, die durch Mehrschichtigkeit für die leblose Hauptfigur entschädigen würde. So stehen die handelnden Menschen in einem seltsamen Gegensatz zur intensiven Beschreibung der Insel und ihrer wilden Schönheit - aber auch ihren Gefahren.

Irreführender Titel

Nicht geglückt ist auch die Wahl des Titels. Bei Anne handelt es sich keineswegs um eine Ärztin, wenn sie auch den Plan verfolgt, dies zu werden. Die Aussage, die letztlich aber hinter dem Roman steht, muss zu denken geben. Denn immer wieder kommt zum Ausdruck, dass das Glück der Menschen von Rügen einzig in einem Festhalten an den altbewährten Gegebenheiten auf der Insel ist und ein Weggehen - selbst wenn es einer Ausbildung dient - allerhöchstens die zweitbeste Lösung darstellt. Hier hätte man sich durchaus eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht. So aber scheint es, als plädiere die Autorin gegen jegliche Entwicklung - erst recht, wenn es sich dabei um eine Frau handelt.

Die Ärztin von Rügen

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