Die Blüten der Freiheit

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2012, Titel: 'The Ruins of Lace', Originalausgabe

Couch-Wertung:

81
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Rita Dell'Agnese
Ungewöhniches Thema mit ungewöhnlichem Aufbau

Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2013

Spitze, die wertvoller ist als Gold? Nach einem Importverbot flandrischer Spitze wird diese im 17. Jahrhundert in Frankreich zu einem wertvollen Schmuggelgut. Verbunden mit der filigranen Spitze sind verschiedene schwere Schicksale. Die Autorin Iris Anthony hat sich ganz diesem Thema gewidmet, konnte sich aber nur für einen einzigen Part entscheiden. So verwebt sie die verschiedensten Aspekte zu einer mehr oder weniger kompakten Story über Klöppeln, Spitze, Schmuggel, Intrigen und Liebe. Zum einen geht es um die junge Klöpplerin Katharina, deren Spitze zum Schönsten gehört, was im entsprechenden Nonnenkloster entsteht. Doch Katharina hat ob der schlechten Arbeitsbedingungen für die Klöpplerinnen schon früh ihr Augenlicht verloren. Bemüht, dies niemandem zu offenbaren, versucht Katharina, einzig mit ihrer Fingerfertigkeit die Spitzenproduktion aufrecht zu erhalten. Denn sie weiß, dass die Nonnen erbarmungslos sind – Mädchen, die körperlich nicht mehr in der Lage sind, als Klöpplerinnen zu arbeiten, werden unvermittelt vor die Türe gesetzt und müssen fortan ihren Lebensunterhalt als Prostituierte oder Bettlerinnen verdienen. 

Dann ist da Lisette, die Tochter eines ehrbaren aber verarmten Adligen. Weil sie als Kind in einem unbeobachteten Moment die Spitze eines zwielichtigen Gastes des Hauses verdarb, muss der Vater darben. Lisette möchte ihre vermeintliche Schuld tilgen, indem sie dem Vater Spitze bringt – nämlich genau jene, die Katharina als letztes anfertigte. Der Roman dreht sich aber auch um einen Schmuggelhund, der nicht verstehen kann, weshalb er ständig zwischen einem guten und einem bösen Herrchen hin und her geschoben wird. Letzter der Hauptfiguren ist schließlich der Soldat Denis Boulanger, der den Zorn seines Vorgesetzten herausfordert, weil es ihm nicht gelingen will, den Spitzen-Schmuggel aufzudecken.

Schwieriger Sichtwechsel

Es ist nicht außergewöhnlich, dass ein Roman verschiedene Facetten oder Handlungsstränge aufnimmt und sie langsam zu einem ganzen fügt. Das ist auch bei Iris Anthony der Fall. Doch die Autorin bedient sich eines sehr gewöhnungsbedürftigen Stilmittels. Sie erzählt die Geschichte aus allen möglichen Perspektiven. Mal ist es Katharinas Schwester, die als Erzählerin auftritt, mal Lisettes Onkel, mal der Hund oder eine weitere beteiligte Person. Dadurch reihen sich kurze Sequenzen aneinander, die ein Versinken in das Buch nicht ernsthaft zulässt. Es ist mehr ein aneinanderreihen von kurzen Geschichten, denn ein flüssig geschriebener Roman, der die Geschichte der Spitze erzählt. Durch den ständigen Bruch der Perspektive verliert der Roman zudem stark an Tempo und wirkt in einzelnen Bereichen etwas schulmeisterlich. Zu gut ist das Bemühen der Autorin zu erkennen, möglichst ihr gesamtes gesammeltes Wissen um die Spitze und deren Geschichte in den Roman einzubauen. Obwohl auf diese Weise alles nachvollziehbar und schlüssig wirkt, fehlt es doch an Lebendigkeit und Überzeugungskraft.

In einigen Bereichen distanziert

Es ist wohl vor allem eine Besonderheit der Erzählstruktur, dass die Leser nicht zu allen Protagonisten gleichermaßen eine Beziehung aufbauen können. Katharina etwa bleibt sehr distanziert und wirkt in vielerlei Hinsicht eher wie eine Statistin, denn wie eine Beteiligte. Etwas weniger Fakten und dafür mehr Nähe zu den Figuren hätte dem Leser die ganze Geschichte auf eine berührendere Weise erzählen können. Sehr weit hinaus lehnt sich Iris Anthony mi t der Perspektive des Schmuggelhundes. Hier dürfte sie die Leserschaft in zwei Lager spalten. Zum einen in die Fans von Tiergeschichten, die sich gerade durch diese Sequenz besonders angesprochen fühlen werden. Zum anderen aber jene, die der Kombination von Sichtweise der Menschen und Sichtweise eines Hundes nur wenig abgewinnen können und den Part des Hundes lieber auf eine neutralere Art vermittelt bekommen hätten. 

In Erinnerung bleiben

Wie auch immer der Leser mit dem Aufbau des Romans umgehen mag, die Geschichte selber wird ihm wohl noch länger in Erinnerung bleiben. Denn sie birgt sehr viel Tiefgang in sich, zeigt auf, wie Ereignisse sich ineinander verzahnen und Schicksale bestimmen können. Es ist eine Geschichte von Schuld und vermeintlicher Schuld, von Hoffnung, Leidenschaft und Fingerfertigkeit. Iris Anthony beschenkt ihre Leser mit einem Thema, das zum Nachdenken einlädt.

Die Blüten der Freiheit

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