Die Blüten der Freiheit

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2012, Titel: 'The Ruins of Lace', Originalausgabe

Couch-Wertung:

81

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:0
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Rita Dell'Agnese
Ungewöhniches Thema mit ungewöhnlichem Aufbau

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2013

Spitze, die wertvoller ist als Gold? Nach einem Importverbot flandrischer Spitze wird diese im 17. Jahrhundert in Frankreich zu einem wertvollen Schmuggelgut. Verbunden mit der filigranen Spitze sind verschiedene schwere Schicksale. Die Autorin Iris Anthony hat sich ganz diesem Thema gewidmet, konnte sich aber nur für einen einzigen Part entscheiden. So verwebt sie die verschiedensten Aspekte zu einer mehr oder weniger kompakten Story über Klöppeln, Spitze, Schmuggel, Intrigen und Liebe. Zum einen geht es um die junge Klöpplerin Katharina, deren Spitze zum Schönsten gehört, was im entsprechenden Nonnenkloster entsteht. Doch Katharina hat ob der schlechten Arbeitsbedingungen für die Klöpplerinnen schon früh ihr Augenlicht verloren. Bemüht, dies niemandem zu offenbaren, versucht Katharina, einzig mit ihrer Fingerfertigkeit die Spitzenproduktion aufrecht zu erhalten. Denn sie weiß, dass die Nonnen erbarmungslos sind – Mädchen, die körperlich nicht mehr in der Lage sind, als Klöpplerinnen zu arbeiten, werden unvermittelt vor die Türe gesetzt und müssen fortan ihren Lebensunterhalt als Prostituierte oder Bettlerinnen verdienen. 

Dann ist da Lisette, die Tochter eines ehrbaren aber verarmten Adligen. Weil sie als Kind in einem unbeobachteten Moment die Spitze eines zwielichtigen Gastes des Hauses verdarb, muss der Vater darben. Lisette möchte ihre vermeintliche Schuld tilgen, indem sie dem Vater Spitze bringt – nämlich genau jene, die Katharina als letztes anfertigte. Der Roman dreht sich aber auch um einen Schmuggelhund, der nicht verstehen kann, weshalb er ständig zwischen einem guten und einem bösen Herrchen hin und her geschoben wird. Letzter der Hauptfiguren ist schließlich der Soldat Denis Boulanger, der den Zorn seines Vorgesetzten herausfordert, weil es ihm nicht gelingen will, den Spitzen-Schmuggel aufzudecken.

Schwieriger Sichtwechsel

Es ist nicht außergewöhnlich, dass ein Roman verschiedene Facetten oder Handlungsstränge aufnimmt und sie langsam zu einem ganzen fügt. Das ist auch bei Iris Anthony der Fall. Doch die Autorin bedient sich eines sehr gewöhnungsbedürftigen Stilmittels. Sie erzählt die Geschichte aus allen möglichen Perspektiven. Mal ist es Katharinas Schwester, die als Erzählerin auftritt, mal Lisettes Onkel, mal der Hund oder eine weitere beteiligte Person. Dadurch reihen sich kurze Sequenzen aneinander, die ein Versinken in das Buch nicht ernsthaft zulässt. Es ist mehr ein aneinanderreihen von kurzen Geschichten, denn ein flüssig geschriebener Roman, der die Geschichte der Spitze erzählt. Durch den ständigen Bruch der Perspektive verliert der Roman zudem stark an Tempo und wirkt in einzelnen Bereichen etwas schulmeisterlich. Zu gut ist das Bemühen der Autorin zu erkennen, möglichst ihr gesamtes gesammeltes Wissen um die Spitze und deren Geschichte in den Roman einzubauen. Obwohl auf diese Weise alles nachvollziehbar und schlüssig wirkt, fehlt es doch an Lebendigkeit und Überzeugungskraft.

In einigen Bereichen distanziert

Es ist wohl vor allem eine Besonderheit der Erzählstruktur, dass die Leser nicht zu allen Protagonisten gleichermaßen eine Beziehung aufbauen können. Katharina etwa bleibt sehr distanziert und wirkt in vielerlei Hinsicht eher wie eine Statistin, denn wie eine Beteiligte. Etwas weniger Fakten und dafür mehr Nähe zu den Figuren hätte dem Leser die ganze Geschichte auf eine berührendere Weise erzählen können. Sehr weit hinaus lehnt sich Iris Anthony mi t der Perspektive des Schmuggelhundes. Hier dürfte sie die Leserschaft in zwei Lager spalten. Zum einen in die Fans von Tiergeschichten, die sich gerade durch diese Sequenz besonders angesprochen fühlen werden. Zum anderen aber jene, die der Kombination von Sichtweise der Menschen und Sichtweise eines Hundes nur wenig abgewinnen können und den Part des Hundes lieber auf eine neutralere Art vermittelt bekommen hätten. 

In Erinnerung bleiben

Wie auch immer der Leser mit dem Aufbau des Romans umgehen mag, die Geschichte selber wird ihm wohl noch länger in Erinnerung bleiben. Denn sie birgt sehr viel Tiefgang in sich, zeigt auf, wie Ereignisse sich ineinander verzahnen und Schicksale bestimmen können. Es ist eine Geschichte von Schuld und vermeintlicher Schuld, von Hoffnung, Leidenschaft und Fingerfertigkeit. Iris Anthony beschenkt ihre Leser mit einem Thema, das zum Nachdenken einlädt.

Die Blüten der Freiheit

Die Blüten der Freiheit

Deine Meinung zu »Die Blüten der Freiheit«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
28.10.2014 11:10:17
Belles Leseinsel

Im Jahre 1636 blüht der Schmuggel von flandrischer Spitze in Frankreich. Kaum jemand besitzt noch welche und so ist es nicht verwunderlich, dass die kleine Lisette aus der Gascogne nicht widerstehen kann, als sie im Gepäck eines Gastes Spitzenstulpen entdeckt und diese anfasst. Unbeabsichtigt zerstört sie dabei die Spitze. Ihr Vater, ein verarmter Adliger, muss nun dem Grafen von Montreau dessen Spitze ersetzen, ein fast schier unmögliches Unterfangen. In Flandern arbeitet Katharina in einem Kloster an ihrer letzten Spitze. Katharina ist seit 25 Jahren Klöpplerin und mittlerweile erblindet. Sollten die Nonnen dies bemerken, muss die Klöpplerin das Kloster verlassen. Währenddessen ist der Soldat Denis Boulanger an der Grenze zwischen Flandern und Frankreich eingesetzt, um hier Schmuggler aufzuspüren, für den jungen Mann ein aussichtsloses Unterfangen.

Frankreichs König Ludwig XIII. verbot im Jahre 1636 das Tragen von Spitze. Wer gegen das Verbot verstoß, konnte unter anderem aus dem Königreich verbannt werden. Durch diesen Erlass dauerte es nicht lange bis Spitze zu einem Statussymbol wurde und der illegale Handel zwischen Flandern und Frankreich blühte. Und auch die Schmuggelvarianten wurde immer einfallsreicher: So wurden Hunde auf grausame Weise missbraucht, aber auch die Grenzüberschreitung mithilfe eines Sarges mitsamt der Leiche war ein bewährter Weg nach Frankreich. Mithilfe von sieben ganz unterschiedlichen Personen erzählt Iris Anthony den Weg der Spitze von Flandern nach Frankreich, beginnend hierbei bei ihrer Herstellung bis zum neuen Empfänger des edlen Tuches.

Ihre Geschichte beginnt die Autorin bei der Klöpplerin Katharina, welche in Flandern in einem Kloster unter schier unmenschlichen Bedingungen Spitze herstellt. Katharina ist zwar erst 30 Jahre alt, läuft aber gebeugt wie eine alte Frau und ist mittlerweile erblindet. Ihre Schwester Heilwich weiß nur zu genau, was mit den Klöpplerinnen passiert, die nicht mehr fähig sind, Spitze herzustellen und versucht alles, ihre Schwester aus dem Kloster freizukaufen. Auf dem Chateau Souboscq in der Gascogne wächst Lisette als Tochter eines verarmten Adeligen auf. Schwer trägt sie an ihrer vermeintlichen Schuld, welche ihren Vater in die Hände des sadistischen Grafen von Montreau spielte, dessen Spitze sie Jahre zuvor zerstört hatte. Alexandre Lefort, welcher seit Kindertagen im Chateau lebt, versucht alles, um Lisette diese Schuld zu nehmen. Zur selben Zeit hadert der französische Soldat Denis Boulanger mit sich, da er immer noch keinen Schmuggler auf frischer Tat erwischt hat. Sein Vorgesetzter droht ihm mit Versetzung. Und dann verfolgt man noch dem erbärmlichen Leben eines Hundes im ländlichen Flandern, der Spitze über die Grenze schmuggelt.

Mithilfe dieser so unterschiedlichen Charakteren, die scheinbar in absolut keiner Verbindung zueinander zu stehen scheinen, erzählt Iris Anthony ihren wundervollen Roman über den illegalen Handel von Spitze im 17. Jahrhundert. Dabei stellt man sehr schnell fest, dass Iris Anthony das Thema äußerst genau recherchiert hat und die Autorin vermittelt ihren Lesern ihr fundiertes Wissen äußerst interessant. Die Geschichte entwickelt sich langsam analog zur aufwendigen Herstellung von Spitze. Anfangs ahnt man nicht, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird, doch so nach und nach erkennt man die Zusammenhänge und wie von selbst findet man sich plötzlich in einer überaus spannenden wie unterhaltsamen Geschichte wieder, welche Iris Anthony bildhaft, eindringlich, gefühlvoll, tiefsinnig und lebendig vermittelt.

Die unterschiedlichen Handlungsstränge erzählt die Autorin jeweils aus Sicht der jeweiligen Protagonisten und hierbei ist nicht nur die Geschichte um Katharina eindringlich beschrieben. Durch diesen Erzählstrang erhält man eine sehr gute Vorstellung über die schier unmenschlichen Bedingungen, welchen die Klöpplerinnen im Kloster ausgesetzt waren. Die jungen Frauen aus ärmlichen Verhältnissen werden wie Sklavinnen gehalten, sobald sie keinen Nutzen mehr für die Nonnen haben, werden die erblindeten Frauen einfach vor die Klostertür gesetzt. Umso eindringlicher werden diese Beschreibungen noch durch die facettenreich beschriebenen Charaktere. Emotional am ergreifendsten war jedoch der Erzählstrang des Hundes aus dem ländlichen Flandern. Überaus grausam, dabei aber leider wirklich authentisch beschreibt Iris Anthony das Leben eines Schmugglerhundes in Flandern. Wenn man seine Lebensumstände liest, verwundert es einen nicht, als man in einem Interview mit der Autorin liest, dass innerhalb von 15 Jahren rund 40.000 Hunde für den Schmuggel von Spitze ihr Leben lassen mussten.

Fazit: Ein faszinierender, unterhaltsamer, spannender wie eindringlicher Roman über den Schmuggel von Spitze im 17. Jahrhundert.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren