Die Brüder

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Heyne, 2012, Titel: 'Dandy', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85

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Daniela Loisl
Fortsetzung mit dem Dandy des Brüdertrios

Buch-Rezension von Daniela Loisl Okt 2013

England 1901. Nachdem Sverre Lauritzen, der jüngste der drei Brüder, denen es durch einen großzügigen Mentor möglich war, in Dresden Ingenieurwesen zu studieren, beschlossen hat, sein Versprechen nicht einzulösen, geht er mit seinem Geliebten Albie nach England. Sverre weiß zwar, dass Albie finanziell keine Probleme hat, was ihn aber dann in England erwartet, ist für ihn dennoch eine große Überraschung. Albie stammt nicht etwa von gut situierten Bauern ab, sondern ist der adelige Erbe des Landsitzes Manningham. Fortan führen sie ein unbekümmertes Leben und Sverre kann sich nun seiner eigentlichen Berufung, als Künstler tätig zu sein, widmen. Jedoch überschattet das gebrochene Versprechen, das er und seine Brüder für das ermöglichte Studium gegeben haben, das unbeschwerte Leben.

Eintauchen in eine ungewohnte Welt

Dieser zweite Band ist keine eigentliche Fortsetzung von Die Brückenbauer, sondern erzählt im Grunde das Leben des jüngsten Bruders Sverre parallel zu den Erlebnissen seiner Brüder Lauritz und Oscar, die im ersten Band im Mittelpunkt des Geschehens standen. Während die beiden älteren Brüder als Ingenieure tätig sind, entdeckt Sverre in England seine Leidenschaft für die Malerei.

Guillou gewährt seinen Protagonisten eine großartige Begabung. Während sich Sverre als ein wahres Naturtalent in der Malerei entpuppt, besitzt Albie ein besonderes Feingefühl, Ereignisse schriftlich festzuhalten. Vielleicht etwas zu viel des Guten, erlaubt der Autor dem ungewöhnlichen Paar ein doch sehr sorgenfreies Leben in einem doch sehr engen Korsett moralischer Ansichten. Lässt Guillou zwar zwischendurch immer wieder durchblitzen, dass es nach damaligen Verhältnissen oft sehr schwer war, eine gleichgeschlechtliche Beziehung zu führen, so gelingt dies den beiden Protagonisten dennoch ohne wirklich große Schwierigkeiten. Dies ist auch die einzige Schwachstelle des Romans, nämlich, dass man das Gefühl bekommt, alles laufen viele Dinge für die beiden Hauptfiguren all zu glatt. Zumindest für den Großteil der Geschichte.

Feingeistig und einfühlsam erzählt

Vielleicht hat es für den einen oder anderen Leser einen etwas schalen Beigeschmack, dass die beiden Hauptdarsteller ein homosexuelles Paar sind, so muss unbedingt erwähnt sein, dass der Autor es bravourös versteht, fern jeglicher Klischees zu erzählen. Ohne Pathos und mit viel Feingefühl wird hier die Beziehung zwischen Sverre und Albie gezeigt und zweifelsfrei wird dem Leser sehr glaubhaft die tiefe Zuneigung, die die beiden füreinander empfinden, näher gebracht. Nie gleitet der Autor ab in den Bereich des Kitsches oder gar ins schmierig Obszöne. Im Gegenteil, diese Gratwanderung hat Guillou mit Bravour gemeistert!

Der Autor bezieht auch sehr intensiv das damalige politische Geschehen mit ein und so bekommt der Leser ein sehr gutes Bild über die Ereignisse und das Handeln der damals sehr stark auftretenden Frauenrechtlerinnen, der sogenannten "Sufragetten". Aber auch der Wandel der Zeit, wie das Ansehen der Deutschen, das zur Jahrhundertwende - vom 19. ins 20. - noch sehr hoch war, fiel bis zum regelrechten Hass und zur Verfolgung in den Jahren des Ersten Weltkrieges. 

Wunderbar veranschaulicht wird auch der verächtliche Umgang über die französischen Impressionisten wie Manet, Degas oder Cézanne, die von Journalisten in den Printmedien mehr oder weniger als Schmierfinke bezeichnet wurden. Hier hat der Autor ein hervorragendes Panoptikum geschaffen!

Ruhe vor dem Sturm

Guillous Roman liest sich flüssig und leicht, was den Leser in der trügerischen Annahme lässt, es könne nichts Tragisches passieren. Das Leben der beiden erscheint locker, unbeschwert und ohne große nennenswerte Probleme, was sich aber letztlich doch als gänzlich anders als erwartet entwickelt. Das angenehme Leben findet ein abruptes Ende, als der Erste Weltkrieg beginnt und von den Männern erwartet wird, in den Krieg zu ziehen. 

Mit diesem zweiten Band schafft Jan Guillou wieder einen wunderbaren Roman, der sich sowohl vom erzählerischen als auch vom inhaltlichen wohltuend von der Masse an historischen Romanen abhebt. Guillou zeigt eine gänzlich andere Welt und öffnet damit Türen, die so manchen bis dahin verschlossen blieben. Eine eindringliche und gut erzählte Geschichte, die einem länger in Erinnerung bleiben wird.

Die Brüder

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Letzte Kommentare:
13.11.2014 08:47:25
Ingeborg

Ich habe beide Bücher auf Schwedisch gelesen. Ich war beeindruckt von der Intensität des ersten Buches, das setzt sich nicht gleichermaßen fort. Das zweite Buch ist anders aber nichtsdestoweniger intensiv.
Es gibt Längen, da macht man dann einfach mal ne Pause.
Gute Darstellung der widersprüchlichen Zeitströme auch die "Verirrung" in die Körperlichkeit der Malerei.
Aber es geht ja noch weiter in den zwei nächsten Büchern. Und darum ist dieser Band dringend notwendig, um alles zu verstehen.

Ein Jahrhundertwerk

29.01.2014 09:19:16
Moppi Moppenheimer

Ich war ein wenig enttäuscht. Der Titel "Die Brüder" (Plural) und der Klappentext lassen auf eine Geschichte aller drei Brüder hoffen. Es geht aber ausschließlich um Sverre.

Ich wurde während der Lektüre den Verdacht nicht los, daß "Die Brückenbauer" ursprünglich umfangreicher war und die Sverre-Kapitel nachträglich herausgenommen und separat verkauft wurden.