Das Licht zwischen den Meeren

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Limes, 2012, Titel: 'The Light Between Oceans', Originalausgabe

Couch-Wertung:

67

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Almut Oetjen
Falsch und Richtig als zwei Seiten einer Entscheidung

Buch-Rezension von Almut Oetjen Okt 2013

Kurzgefasst:

1926, Janus Rock. Auf einer abgelegenen Insel im Westen Australiens arbeitet Tom Sherbourne als Leuchtturmwärter. Mit seiner Frau Isabel führt er ein erfülltes Leben fern einer Welt im Umbruch. Nur eines trübt ihr Glück: Ein Kind bleibt ihnen verwehrt. Bis sie eines Morgens am Strand ein Ruderboot entdecken, in dem die Leiche eines Mannes liegt - und ein neugeborenes Baby. Während Tom die Küstenwache alarmieren will, schließt Isabel das kleine Mädchen in die Arme - und für immer in ihr Herz. Gegen Toms Willen nehmen sie das Kind als ihr eigenes an und nennen es Lucy. Zwei Jahre später kehren sie aufs Festland zurück - und müssen erkennen, dass ihre Entscheidung das Leben eines anderen Menschen zerstört hat ...

 

Tom Sherbourne wird Leuchtturmwärter auf Janus Rock, einer kleinen Insel vor der westaustralischen Küste. Hier kann der Veteran des Ersten Weltkriegs eine halbe Tagesreise von der Küste entfernt seine Vorstellungen von gewollter Isolation leben. Bei einem Landaufenthalt lernt er Isabel Graysmark kennen. Sie heiraten 1926 und verbringen eine glückliche Zeit auf Janus Rock, bis Isabel drei Fehlgeburten erleidet. Tom findet in einem gestrandeten Boot die Leiche eines Mannes und einen lebenden Säugling. Die verzweifelte Isabel interpretiert dies als Fügung des Schicksals und behält gegen Toms Willen das Kind, das sie Lucy nennt. Sie geht davon aus, dass die Mutter des Mädchens ertrunken ist.

Führe mich nicht in Versuchung

Das Debüt der Australierin M. L. Stedman erzählt elegant eine Geschichte, die in Teilen vorhersehbar ist. Die Beziehung zwischen Tom und Isabel bildet das eindeutige Zentrum, um das herum ebenfalls gut beschriebene Figuren angeordnet sind. Wie diese junge Frau den vom Krieg traumatisierten Mann, der aus einer desolaten Familie stammt, durch ihre Liebe ins Leben zurückholt, wird gefallen.

Das Licht zwischen den Meeren erfasst bereits im ersten Absatz das Dilemma der Protagonistin: "An dem Tag, als das Wunder geschah, kniete Isabel gerade an der Kante der Klippe und pflegte das neue Grab mit dem kleinen aus Treibholz gezimmerten Kreuz." Dann flüstert sie, der Herr möge sie nicht in Versuchung führen und von dem Übel erlösen. Tatsächlich kommt das Baby zu einem sehr kritischen Zeitpunkt und wird dadurch zu einer Versuchung, an der Tom und Isabel wachsen oder scheitern können.

Natürlich bringen Isabels Bitten an Gott, nicht in Versuchung geführt zu werden, im entscheidenden existenziellen Moment nichts. Sie nimmt das Kind an sich, obwohl sie davon ausgehen muss, dass irgendwo vielleicht noch dessen Mutter lebt und verzweifelt über den Verlust von Mann und Kind ist. Nicht nur das - auch rechtfertigt sie ihre moralisch fragwürdige Handlung. Fragwürdig, weil die der Entscheidung innewohnenden Interessenkonflikte dergestalt gelöst werden, dass Isabel die Mutter des Kindes behelfsweise für tot erklärt und darüber deren Interesse für nichtig.

Der Umgang mit Wahrheit

Die Diskussion hierzu wird im Roman durchaus ambivalent und nicht selten auf Grundlage als (kultureller) Konsens vorausgesetzter Geschlechterstereotype geführt. Man kann sie für pathetisch halten bei Textzeilen wie diesen: "Wir können die Vergangenheit nicht rückgängig machen, Tom." "Und was ist mit ihrer liebenden Mutter? Ihrer Mutter, die noch am Leben ist? Wie kann das gerecht sein, Izz?" "Findest du es vielleicht gerecht, dass wir drei Babys verloren haben?"
Was soll Tom dazu sagen, wo er doch unter der Ungerechtigkeit leidet, den Krieg, anders als seine toten Freunde und Kameraden, überlebt zu haben.

Von der Aneignung des Kindes an ist klar, dass die Lüge der Sherbournes nicht unentdeckt bleiben kann. Deshalb geht es über die Beziehungsproblematik hinaus auch darum, wie die Wahrheit ans Licht kommt und die Beteiligten mit der Entscheidung der Sherbournes umgehen. Stedman kontrastiert die Verzweiflung Isabels mit der Hannah Roennfeldts, Lucys Mutter. Die Sympathien des Lesers liegen bei beiden Frauen, und es ist schwierig, sich für eine von ihnen zu positionieren, obgleich Isabel eine kriminelle Handlung begeht, als sie das Baby einfach behält.

Im Namen Janus Rock ist bereits das Doppelgesichtige enthalten: dass jemand, der auf dem Leuchtturm Licht und Orientierung in das Dunkel für andere Menschen bringen soll, selbst in die Dunkelheit gerät und nur schwer wieder dort herausfindet.

Das Licht zwischen den Meeren ist ein Roman, der ein moralisches Dilemma zum Diskussionsgegenstand hat, das überwiegend an der Oberfläche bleibend thematisiert und gelegentlich im Pathos ertränkt wird.

Das Licht zwischen den Meeren

Das Licht zwischen den Meeren

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Letzte Kommentare:
29.04.2020 16:02:15
Juleb

Habe das Buch zum ersten Mal vor einigen Jahren gelesen und war sehr berührt - die Tränen flossen und das Buch war immer in meinem Kopf!
Nun habe ich es zum zweiten gelesen und wieder mit den Figuren gelitten und manche Träne vergossen. Man kann die Beweggründe und Gefühle jeder Figur nachvollziehen und verstehen und kommt sehr ins Grübeln, was denn "richtig" wäre oder wie man selbst gehandelt hätte.
Ein wunderbares Buch über Liebe, Schuld und Vergebung.

07.12.2013 18:17:45
monika62

Zunächst ein Satz über das Cover: einfach wunderschön und sehr passend!!!....Tom hat eine schwere Zeit im Krieg erlebt, seine Kindheit war durch Schweigen des Vaters auch nicht leicht, so entscheidet er sich Leuchtturmwärter zu werden. Nur Ruhe und Meer. - Er lernt Isabelle kennen, die einige Jahre jünger als er ist, aber so ganz anders als er aufgewachsen ist.

Die beiden leben auf Janus der kleinen Leuchtturminsel vor den Küsten Australiens. Sie sind glücklich - bis auf die Tatsache, dass die beiden kein Kind haben.....

eines Tages spielt ihnen der Zufall zu, und ihr gesamtes Leben wird auf den Kopf gestellt. Auf lange Sicht gesehen, dann aber doch ganz anders als erwartet!

Der Autor versteht es die verschiedenen Erzählstränge gekonnt miteinander zu verknüpfen und auch den Spannungsbogen stets aufrecht zu halten.

Das Buch ist eine schöne Mischung aus Familiengeschichte, Krimi und Drama....ich fühlte mich jederzeit sehr gut unterhalten und konnte teilweise das Buch kaum aus der Hand legen!

07.11.2013 11:39:56
gagamaus

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mir dieser Roman so unter die Haut gehen würde. Ich gehöre zur Fraktion derer, die ungerne Liebesschnulzen lesen und bei Kitsch Hautausschlag bekommen. "Das Licht zwischen den Meeren war für mich ganz anders". Eben kein Kitsch sondern eine zu Herzen gehende Geschichte von Menschen, die allesamt verzweifelt nach Glück und Harmonie suchen und dabei auch große Fehler machen können. Die Art und Weise wie hier das Meer und das einsame Leben auf einer Leuchtturminsel beschrieben werden, des Ehepaares welches sich so sehnlich ein Kind wünscht, dass sie ein fremdes als ihr eigenes ausgeben ist ergreifend, rührend und glaubwürdig. Ich konnte in Abgründe sehen und die Nähe von Liebe und Hass verstehen. Jeder Protagonist hatte seine eigenen Facetten und Kanten und keiner wurde dem anderen vorgezogen, kein Leid über das des anderen erhoben, für alle Verständnis eingefordert.
Die Geschichte mag holprig anmuten - ich empfand sie so, wie das Leben sie hätte schreiben können, manchmal ein Hin und Her, ein Ziehen und Zerren am Glück und an dem kleinen Mädchen. Über lange Strecken konnte ich mir nicht vorstellen, wie die Geschichte zu einem halbwegs einleuchtenden Ende kommen sollte - und die Autorin hat auch dies souverän gemeistert. Die Sprache überzeugte durch ihre Klarheit und die teils lyrischen Beschreibungen, in denen man schwelgen konnte.
Ein leises Buch, zum Nachdenken und Hineinfühlen, kein Schnulz sondern Liebe zu Mann oder Kind. Dazu ein Prise historische Fakten, die auch nicht uninteressant waren.
Ein wunderschönes Buch welches ich bestimmt mehrmals verschenken werde, da ich dieses Lesegefühl mit anderen teilen will

Zeitpunkt.
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