Der Schneekristallforscher

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • , 2013, Titel: 'Der Schneekristallforscher', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
 Von der Schönheit im Inneren des Schnees

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Okt 2013

Wilson Bentley lebt im Jahr 1887 im us-amerikanischen Ort Jericho und arbeitet mit auf dem Hof seiner Eltern. Sein Vater ist schon alt, und so haben er und sein Bruder den Großteil des Betriebes übernommen. Neben den Arbeiten im Stall kümmert sich Wilson auch um das Anzapfen von Ahornbäumen, um aus dem Saft dann Sirup kochen und Zucker herstellen zu können.

Doch er hat ein Hobby, für das ihn alle im Ort und auch die eigene Familie schief anschauen: Er sammelt im Winter Schneeflocken und schaut sie sich durch sein Mikroskop an. Früher hat er davon dann Zeichnungen gemacht, doch inzwischen kann er sogar Fotoaufnahmen davon machen. Einzig die neue Aushilfslehrerin Mina Seeley scheint sich dafür zu interessieren.

Wilson und Mina kommen sich näher, und sie sind sich auch beide sympathisch. Doch eines Tages ist Mina zurück nach New York abgereist. Wilson reist ihr hinterher, um ihr seine Gefühle zu gestehen - doch wie findet man jemanden in New York?

Eine Liebe so zart und zerbrechlich wie eine Schneeflocke

In seiner Erzählung Der Schneekristallforscher berichtet Titus Müller von einer zart aufknospenden Liebe zwischen dem Farmerssohn Wilson Bentley, der im Winter mit seinem Mikroskop Schneeflocken erforscht, und der jungen Aushilfslehrerin Mina Seeley aus New York. Dabei ist der ungewöhnliche Buchtitel nicht zu  verwechseln mit dem Schneeflockenforscher von Fritz Lehner. Das Hobby beider Protagonisten ist das gleiche, doch liegt eine Spanne von über 250 Jahren zwischen den Büchern, und auch sonst sind die Bücher inhaltlich nicht vergleichbar.

Titus Müllers Erzählung ist nur 156 Seiten lang und kommt im Großdruck daher, daher dauert die Lektüre leider nicht sehr lang. Aber er schafft es, den Leser für diese kurze Zeit gefangen zu nehmen und an einer kleinen, zarten Liebe und an der Faszination für das innere der Schneekristalle teilhaben zu lassen. Die beiden Protagonisten, Wilson und Mina, sind ein junges Paar, das sich sympathisch ist und sich gerade erst kennen lernt, wobei der Leser immer ahnt, dass Mina ein Geheimnis hat, das sie wohl nicht lange in Jericho bleiben lässt. Immer wieder bekommt sie Post von daheim, die sie beunruhigt, und schließlich ist sie eines Tages einfach kommentarlos nicht mehr da.

Faszination für das Vergängliche

Doch Wilson nimmt sich in den Wintertagen frei von der Arbeit auf der Farm und reist aufs Geratewohl nach New York, um Mina zu finden und mit ihr zu sprechen. Der weitere Verlauf soll hier nicht weiter verraten werden, aber wie Titus Müller am Ende aufklärt, beruht die Geschichte auf einer wahren Begebenheit und Wilson und Mina hat es wirklich gegeben. Wilson hat später wirklich mit seinen Fotografien Erfolg gehabt und sie veröffentlicht und wurde eine Größe in Fachkreisen, nur in seiner Heimatstadt kannte ihn niemand.

Wilson hat 1887 bereits versucht, seine Bilder bei grossen Verlagen zu veröffentlichen und wird auch von Mina weiter darin bestärkt, dies zu tun, denn auch sie kann verstehen, warum er so fasziniert von ihnen ist. Er schenkt ihr ein Bild, doch nimmt dieses einen irreparablen Schaden, als Mina in eine Schneeballschlacht ihrer Schüler gerät. Doch zeigt sich bereits eine gewisse Verbundenheit zwischen den beiden, da sich sehr schüchtern ist und ihm dennoch vom Schaden berichtet.

Es ist ein stilles, ruhiges Buch, das Titus Müller geschrieben hat, wenngleich nicht melancholisch oder depressiv. Mit wenigen Worten umreisst er den Ort des Geschehens und die Grundsituation, und zugleich lernt der Leser etwas über das Arbeiten auf einer Farm. So gleich zu Beginn des Romans, wo Wilson Ahornbäume "aberntet”, um den Saft zu kochen und zu Sirup zu verarbeiten. Die Erzählung müsste auch nicht zwingend im Jahr 1887 spielen, wenn er nicht tatsächlich auf einer realen Geschichte basieren würde.

Schöne Aufmachung

Der Adeo Verlag hat sich den Luxus gegönnt, und den kleinen Erzählband in ein aufwändiges, mit imprägniertem Stoff bezogenes Hardcover gehüllt, das neben Autor und Titel einen Schneekristall zeigt, der sich auch immer auf der unteren Seite der Buchseiten zeigt. Trotz Großdruck gibt es ein kleines Nachwort, in dem der Autor erklärt, dass die Geschichte real ist und zeigt auch ein Interview mit Wilson aus dem Jahr 1925. Das ist interessant und bewegend und rundet für den Leser die kleine Erzählepisode ab.

Für Leser von kleinen Erzählungen bietet "Der Schneekristallforscher” kurzweilige, wenngleich ebenfalls kurze Unterhaltung für kalte Winterabende am Kaminfeuer. Eine schöne, zarte Liebesgeschichte ohne Schmalz mit historischen Einsprengseln, die jeden Leser vom Alltagsstreß durchatmen lässt. Und ein Lob an den Verlag für die Aufmachung.

Der Schneekristallforscher

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