Flammen des Himmels

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2013, Titel: 'Flammen des Himmels', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Die Wiedertäufer in Münster aus Frauensicht

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Okt 2013

Westfalen im Jahr 1534. Frauke Hinrichs lebt gemeinsam mit ihren Eltern und ihren Geschwistern in Stillenbeck, wo der Vater Hinner als Gürtelschneider arbeitet. Er und seine Familie sind Wiedertäufer und leben im Ort unter Gleichgesinnten, nach aussen hin jedoch gibt es auch eine gut funktionierende katholische Gemeinde. Auch als der Inquisitor des Papstes, Jacobus von Gerwardsborn, in den Ort kommt, um Wiedertäufer zu entdecken und hinrichten zu lassen, fühlt sich die Familie zunächst sicher.

Doch Gerwardsborn ist ein gnadenloser Mann und so flieht Hinner mit seinem Sohn Helm. Frauke bleibt mit ihrer Mutter, ihrer älteren Schwester Silke und dem weiteren Bruder Haug in Stillenbeck, um unauffälliger einen Tag später zu fliehen. Doch sie werden entdeckt und eingekerkert, und nur Lothar Gardner, dem Sohn eines Vertrauten des Fürstbischofs und der heimlich in Frauke verliebt ist, hilft ihnen, aus Stillenbeck zu fliehen.

Die Familie geht nach Münster, wo Wiedertäufer unter Jan Mathys gerade dabei sind, ein neues Jerusalem zu errichten. Vater Hinner ist mit Helm ebenfalls in Münster, hat aus Glauben an den Tod seiner ersten Frau aber bereits ein zweites Mal geheiratet. Mit der Zeit wird die Stadt immer mehr von Wiedertäufern bevölkert und die Stadtoberen errichten eine brutale Herrschaft, die ihresgleichen sucht. Währenddessen belagert Bischof Franz von Waldeck mit seinen auf Lohn wartenden Soldaten die Stadt. Lothar geht als Frau verkleidet in die Stadt, um dort für den Bischof zu spionieren und Lageberichte zu erstatten. Doch das Leben in Münster wird immer spartanischer und brutaler.

Zersprengte Familiengeschichte

Iny Lorentz beschäftigt sich in ihrem Roman Flammen des Himmels mit einer Begebenheit, die gerade in Westfalen und im Münsterland prägend war und die vielfach beschrieben, dokumentiert und interpretiert wurde. Das Wiedertäuferreich in Münster, das in den Jahren 1534/35 ein neues Jerusalem versprach und den Gläubigen den Einzug in das Himmelreich, in dem man zur Seite von Christus sitzt und aller Sorgen ledig ist, stellt den Hintergrund für Lorentz Geschichte, die weit über die Grenzen Westfalens hinaus bekannt ist.

Lorentz erzählt die Geschichte der Wiedertäufer anhand der Familie Hinrichs, die in verschiedenen Konstellationen nach Münster kommt, wo die Wiedertäufer bereits angefangen haben, ihre Tentakel auszustrecken und sich die Stadt zu unterwerfen. In einer Zeit, in der sie Dank der Leichtgläubigkeit der unreflektierten Bürger leichtes Spiel hatten, reichten ein paar lenkende Männer aus, um das Volk an sich zu binden, ihnen zwielichtige Versprechungen zu machen und damit die Hoffnung auf ein schönes Leben nach dem Tod, einem besseren jedenfalls als das derzeitige.

Taffer Bösewicht

Hauptfigur ist Frauke, eine junge, ansehnliche Frau, die zwar Wiedertäuferin ist, aber doch kritische Gedanken hat. Ihre Eltern haben der Familie eine sichere Existenz ermöglicht, und so haben sie eigentlich keine Sorgen - bis der Inquisitor Gerwardsborn erscheint, der ohne Gnade seine Verhöre durchführt und nicht endet, ehe er seine Quote an Wiedertäufern zur Strecke gebracht, gefoltert und hingerichtet hat. Gerade Gerwardsborn gelingt Lorentz als fieser Bösewicht, der sich gewaschen hat. Zwar wird er auch mit einigen wohl unvermeidlichen Klischees ausgestattet, doch mit ihn gerade auch das zu einem Bilderbuchschergen, der stets versucht, sich seinen Vorteil zu erschleichen.

Frauke ist als Protagonistin die taffe junge Frau, die für die Zeit vielleicht eine Spur zu sehr mitdenkt und selbständig ist. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester und später mit Lothar bzw. Lotte, wie er sich als Frau verkleidet nennt, versucht sie, die Zeit in Münster zu überstehen und nicht zu verhungern oder brutal von den Wiedertäuferkönigen niedergemacht zu werden. Als sie entdeckt, dass alles immer schlimmer wird und die Täufer unter dem selbst ernannten König Jan Bockelson immer mehr von der Realität abdriften und nur noch sich selbst im Visier haben, versucht sie, ihre Familie zu retten. Doch allein schafft sie es nicht, und ohne Lothar und ein paar weitere Freunde, die nicht alle lebend die letzte Seite des Buches erreichen, hätte auch sie den Fängen der Täufer nicht entrinnen können.

Brutales Regime

Weitere Figuren wie Vater Hinner und seine zweite Frau Mieke Klüdemann, bei der klar ist, wer Herr im Hause ist, bevölkern den Roman und bieten einen Einblick in alle Schichten in Münster, kratzen aber letztlich nur an der Geschichte. Gerade ein intensiverer Einblick in das Wesen der Stadtoberen, deren Leben und Handeln sich Frauke nicht recht erklären kann, hätte den Roman abgerundet. Leider bleibt die Sicht im Roman die aus Fraukes Perspektive, und so bleiben einige Aspekte der Täufergeschichte verborgen.

Iny Lorentz gelingt trotzdem ein packender Einblick in die Zeit und in das Leben in Münster in diesen kurzen und intensiven Jahren. Es hätten mehr Details sein dürfen, die Quellenlage ist ja recht gut, vielleicht wollten Sie den Lesern die eine oder andere Brutalität ersparen, aber auch so lassen sie nicht viel aus und beschreiben über Vergewaltigungen, Hinrichtungen, willkürliche Morde und andere Brutalitäten schon ein nicht übertriebenes Bild des selbsternannten Täuferreiches. Dies geschieht mittels einer einfachen Sprache, die zwar nichts auslässt, aber auch nicht durch sonderlichen Einfallsreichtum besticht, gerade was gewisse Schwarz/weiss-Zeichnungen der Charaktere angeht.

Nicht alles glauben, was einem Führer erzählen

Entstanden ist unterm Strich ein intensiver Roman um ein historisches Ereignis, das heute wie so viele Kopfschütteln hervorruft, aber in Stadt und Land seine Spuren hinterlassen hat. Die Käfige, in die am Ende die drei Haupttäufer ausgestellt wurden, hängen noch immer an der Münsteraner Lambertikirche, und abends leuchten in ihnen jeweils eine Kerze als Mahnung an die Bevölkerung. Überall in Münster gibt es Hinweise auf das Täuferreich zu entdecken, was ein Hinweis für Leser ist, die gerne ihrer Lektüre nachforschen. Eine (sehr klein gedruckte) Karte Münsters, ein Personenverzeichnis und ein (unvollständiger und teilweise unnötiger) Glossar ergänzen den Roman.

Flammen des Himmels ist ein gelungenes Stück Geschichte, das inhaltlich bisweilen spannend und interessant, dabei intensiv und sogar nichts für schwache Nerven ist, sprachlich aber nicht unbedingt durchgehend überzeugt. Für Fans von Iny Lorentz ein Muss, für Münster-Freunde eine schöne Empfehlung. Gut, dass man heute nicht mehr so blauäugig ist und alles glaubt, was manche Führer einem so erzählen. Oder doch? Irgendwie bekommt der Roman gerade derzeit eine eigenwillige Aktualität. Selbst Denken macht schlau. 

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